f.eh-Business Breakfast: Proteinzufuhr in Österreich meist ausreichend; Fokus auf tierische Proteine greift zu kurz
Experten beim f.eh-Business Breakfast: Empfehlung, Qualität, Timing und Bewegung sind entscheidend; pflanzliche Proteine als Chance für das Ernährungssystem.
Beim aktuellen Business Breakfast des forum. ernährung heute (f.eh) diskutierten Ao. Univ.-Prof. Dr. Cem Ekmekcioglu (Medizinische Universität Wien), Mag. Hanni Rützler (futurefoodstudio Wien) und DI Georg Sladek (Agro Innovation Lab, RWA) den Stellenwert von Protein für Gesundheit und Ernährungssystem. Ihr zentrales Fazit lautete, dass die Evidenz den Hype um immer höhere Eiweißmengen nicht stützt und dass neben der Gesamtmenge vor allem Qualität, zeitliche Verteilung und Bewegung relevant sind. f.eh-Geschäftsführerin Dr. Marlies Gruber betonte dabei die Bedeutung wissenschaftlich fundierter Informationen, Ernährungs- und Verbraucherbildung sowie innovativer Angebote.
Die Expertendiskussion verband ernährungswissenschaftliche, konsumrelevante und agrarische Perspektiven: Proteine übernehmen zahlreiche Funktionen im Körper, die Zufuhr in Österreich liegt laut den Vortragenden im Durchschnitt über den empfohlenen Werten, und der aktuelle Proteintrend eröffnet zugleich Chancen für einen Wandel hin zu mehr pflanzlichen Proteinen im Ernährungssystem.
Beim f.eh-Business Breakfast trafen Fachleute aus Medizin, Ernährungsforschung und Agrarwirtschaft zusammen. Diskutiert wurden die Evidenz zur Proteinzufuhr, die Verteilung und Qualität von Proteinquellen sowie mögliche Folgen eines gesteigerten Konsums tierischer Proteine für Gesundheit und Nachhaltigkeit. Als zentrale Aussagen hielten die Vortragenden fest, dass die Empfehlung für Erwachsene bereits einen Sicherheitszuschlag enthält und dass eine abwechslungsreiche Mischkost in der Regel ausreichend Eiweiß liefert.
Zu den wörtlich wiedergegebenen Positionen gehört das Statement von Cem Ekmekcioglu: „Tatsächlich liefert eine abwechslungsreiche Mischkost mit Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten in der Regel ausreichend Eiweiß. Die Proteinzufuhr in Österreich liegt im Durchschnitt sogar über der Empfehlung. Es besteht daher kein Bedarf an proteinangereicherten Produkten oder Nahrungsergänzungsmitteln.“
Die Empfehlung für Erwachsene beträgt laut den Vortragenden 0,8 g/kg Körpergewicht (KG) und enthält demnach bereits einen Sicherheitszuschlag. Für ältere Personen wurde im Vortrag ein Schätzwert von 1,0 g/kg KG genannt. Bei aktiven Menschen mit mehr als fünf Stunden Sport pro Woche liegt der genannte Schätzwert zwischen 1,2 und 2,0 g/kg KG.
Zu den Effekten hoher Zufuhrmengen erläuterte Cem Ekmekcioglu, dass mit steigender Zufuhr bei gleichzeitigem Krafttraining die Muskelmasse zunimmt, jedoch bei etwa 1,6 g/kg KG ein Plateau erreicht wird und „höhere Mengen wie die in den sozialen Medien propagierten 2-3 g/kg KG wahrscheinlich keinen Zusatznutzen bringen“.
Die Diskussion machte deutlich, dass neben der Gesamtmenge auch die Proteinqualität und das Timing der Aufnahme die Umwandlung von Nahrungs- in körpereigenes Protein beeinflussen. Als Lebensmittel mit hohen Werten nannten die Vortragenden Vollei, Molkenprotein, Milch, Rindfleisch und Soja. Günstige Kombinationen seien beispielsweise Ei und Kartoffeln, Milch und Mehl oder – rein pflanzlich – Hülsenfrüchte und Getreide.
Zum Timing wurde ausgeführt, dass die Muskelproteinsynthese bereits mit 20 bis 30 g Protein pro Mahlzeit optimal stimuliert werde. Eine gleichmäßige Verteilung auf drei Mahlzeiten sei daher effizienter als eine einmalige hohe Eiweißzufuhr. Zusätzlich betonte Cem Ekmekcioglu: „Bereits moderate Kraftübungen in Verbindung mit einem zügigen Spaziergang oder leichtem Radfahren führen dazu, dass das aufgenommene Protein effizienter in Muskelprotein eingebaut wird als bei völliger Ruhe.“
Hanni Rützler beschrieb, wie Longevity, gesundes Altern und Selbstwirksamkeit das Essverhalten prägen und Protein als Symbol eines aktiven Lebensstils fungiert. Sie sagte: „Gemeinsam mit Entwicklungen wie GLP-1-Medikamenten zur Gewichtsreduktion, dem wachsenden Wunsch nach individueller Gesundheitsoptimierung sowie dem veränderten Gesundheitsverständnis seit der Corona-Pandemie kann der Proteintrend einen Wandel des Ernährungsverhaltens markieren.“
Rützler wies zugleich darauf hin, dass der Trend zu „mehr“ Protein auch zu einem höheren Verzehr tierischer Produkte wie Cottage Cheese, Naturjoghurt, Fleisch oder Eiern führen könne und damit eine Lücke zwischen Konsumverhalten und langfristigen Zielen für ein nachhaltiges Ernährungssystem entstehe. Sie betonte: „Aus ernährungs- und umweltwissenschaftlicher Sicht besteht aber ein Konsens, dass eine stärkere Orientierung zu pflanzlichen Proteinquellen nötig ist. Um Gesundheit und Nachhaltigkeit besser zu verbinden, braucht es innovative Lösungen entlang der Wertschöpfungskette. So entsteht etwa eine neue Generation pflanzlicher Lebensmittel, die sich nicht mehr ausschließlich als Fleischersatz versteht, sondern als eigenständige Produktkategorie.“
DI Georg Sladek erläuterte aus agrarischer Sicht, dass Klimawandel, längere Trockenperioden und häufigere Wetterextreme die Produktionsbedingungen für Pflanzen verändern und dass Europa eine hohe Importabhängigkeit bei Eiweißfuttermitteln aufweist. In seinen Worten: „Die Landwirtschaft und auch Proteinpflanzen stehen vor massiven Herausforderungen – speziell dem Klimawandel. Die letzten heißen Sommer als auch das trockene Frühjahr haben das spürbar gezeigt."
Sladek nannte mögliche Ansätze: Züchtung hin zu Klimaresilienz bei Sojabohnen, stärkere Rolle anderer Proteinpflanzen wie der Ackerbohne sowie technische und prozessuale Innovationen: „Da braucht es neben guten Pflanzensorten viele neue Ansätze, egal ob in der landwirtschaftlichen Produktion oder der Verarbeitungsindustrie, um die Proteinversorgung für Mensch und Tier zu gewährleisten. Das geht von Fermentation über neue Vermahlungstechnologien, alternativen Proteinquellen bis hin zur optimierten Nutzung von Nebenströmen“, so Georg Sladek. Er fügte hinzu, dass entscheidend sein werde, diese Ansätze verständlich zu kommunizieren und Akzeptanz aufzubauen.
Aus den Vorträgen lassen sich mehrere konkrete Hinweise ableiten, die in der Aussendung genannt wurden: Die Empfehlung von 0,8 g/kg KG für Erwachsene gilt als Basis mit Sicherheitszuschlag; ältere und sehr aktive Personen haben höhere Schätzwert-Angaben (1,0 g/kg bzw. 1,2–2,0 g/kg). Die Muskelproteinsynthese werde bereits mit 20–30 g Protein pro Mahlzeit stimuliert, und eine gleichmäßige Verteilung über drei Mahlzeiten erscheine effizienter als eine einmalige hohe Zufuhr.
Weiterhin nannten die Experten Lebensmittel mit hoher Proteinqualität und praktische Kombinationen pflanzlicher und tierischer Quellen. Als mögliche Nachteile einer höheren Proteinzufuhr wurden in der Aussendung vor allem indirekte Effekte über einen erhöhten Verzehr von rotem Fleisch und Wurst genannt; bei Nierenerkrankungen sei Vorsicht geboten.
Reicht die Proteinzufuhr in Österreich? Die Vortragenden führten aus, dass die Proteinzufuhr in Österreich im Durchschnitt über der Empfehlung liegt und dass daher „kein Bedarf an proteinangereicherten Produkten oder Nahrungsergänzungsmitteln“ bestehe, so Cem Ekmekcioglu.
Welche Mengen werden empfohlen? Im Beitrag werden für Erwachsene 0,8 g/kg KG genannt, für Ältere 1,0 g/kg KG und für aktive Personen mit mehr als fünf Stunden Sport pro Woche 1,2–2,0 g/kg KG.
Bringt sehr viel Protein zusätzlichen Muskelaufbau? Laut den Vortragenden nimmt mit steigender Zufuhr bei kombiniertem Krafttraining die Muskelmasse zwar zu, erreicht jedoch bei etwa 1,6 g/kg KG ein Plateau; Mengen von 2–3 g/kg KG würden wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen bringen.
Welche Rolle spielt die Verteilung über den Tag? Die Vortragenden erklärten, dass die Muskelproteinsynthese bereits mit 20–30 g Protein pro Mahlzeit optimal stimuliert werde und eine gleichmäßige Verteilung auf drei Mahlzeiten effizienter sei als eine einmalige sehr hohe Zufuhr.
Welche Proteinquellen gelten als hochwertig? In der Aussendung werden Vollei, Molkenprotein, Milch, Rindfleisch und Soja als Lebensmittel mit hohen Werten genannt; günstige Kombinationen sind etwa Ei und Kartoffeln, Milch und Mehl oder Hülsenfrüchte mit Getreide.
Gibt es Risiken bei hoher Proteinzufuhr? Nachteilige Effekte seien bei Gesunden hauptsächlich indirekt über einen hohen Verzehr von rotem Fleisch und Wurst zu beobachten; bei Menschen mit Nierenerkrankungen sei Vorsicht angebracht.
Quelle: forum. ernährung heute (f.eh). Bilder können hier heruntergeladen werden: https://drive.google.com/drive/folders/1UpG62XHN9gG1UEQ7xfSuBemIacp5j3Ti?usp=sharing
Kontakt: forum. ernährung heute (f.eh), Dr. Marlies Gruber, Telefon 0664 3945 636, E-Mail: presse [at] forum-ernaehrung.at, Web: http://www.forum-ernaehrung.at