Polizeizentrum Braunau eröffnet: Neuer Standort für Polizei
Innenminister Karner und Landeshauptmann Stelzer nahmen an der Eröffnung des Polizeizentrums Braunau teil
Innenminister Gerhard Karner eröffnete am 22. Juli 2026 das neue Polizeizentrum Braunau. Dienststelle beherbergt PI Braunau und Bezirkspolizeikommando.
Am 22. Juli 2026 eröffnete Innenminister Gerhard Karner in Braunau am Inn (Oberösterreich) das neue Polizeizentrum. An der Eröffnung nahm auch Landeshauptmann Thomas Stelzer teil; in zwei Interviewrunden gaben Landespolizeidirektor Andreas Pilsl, Bürgermeister Johannes Waidbacher, Bundesminister außer Dienst Wolfgang Peschorn, Nationalratspräsident außer Dienst Wolfgang Sobotka und der Vorsitzende der ehemaligen Expertenkommission, Sektionschef in Ruhe Hermann Feiner, Einblick in die Chronologie des Umbaus und die Beweggründe.
Das neue Polizeizentrum beheimatet die Polizeiinspektion Braunau am Inn sowie das Bezirkspolizeikommando Braunau am Inn.
Polizeizentrum Braunau im Überblick
Die Eröffnung markiert die Inbetriebnahme eines anlässlich einer längerfristigen Debatte um die Verwendung des Gebäudes umgestalteten Objekts. Laut Aussendung fanden zwei Interviewrunden statt, in denen Vertreter der Polizei, der Gemeinde, der Finanzprokuratur sowie Mitglieder der früheren Expertenkommission die Schritte zur Sanierung und Nutzung erläuterten.
Die Bundesregierung beziehungsweise das Bundesministerium für Inneres wird in der Aussendung als federführend für die architektonische Umgestaltung und die Entscheidung über die Nutzung genannt. Das Haus ist seit 2017 Eigentum der Republik Österreich, nachdem ein Nationalratsbeschluss die Enteignung herbeiführte.
Chronologie der Sanierung und Umgestaltung
- 2016: Auf Empfehlung des damaligen Bundesministers für Inneres Wolfgang Sobotka wurde eine Expertenkommission unter der Leitung von Sektionschef in Ruhe Hermann Feiner eingerichtet. Die Kommission bestand aus 13 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Feldern und arbeitete eine Empfehlung zur weiteren Verwendung der Liegenschaft aus.
- Empfehlung der Kommission: kein Abriss und keine Nutzung, die weitere Assoziierungen mit der Person Adolf Hitler oder dem Nationalsozialismus befördern würde; stattdessen wurde eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung und eine Nutzung im sozial-karikativen oder behördlich-administrativen Sinne vorgeschlagen.
- 2017: Durch einen Nationalratsbeschluss wurde das Gebäude enteignet und gelangte in den Besitz der Republik Österreich; als Grund nennt die Aussendung die Unterbindung der Verbreitung von NS-Gedankengut.
- 2019: Unter Bundesminister für Inneres Wolfgang Peschorn fiel die Entscheidung, das Gebäude künftig als Polizeidienststelle zu nutzen.
- 2023: Nach Abschluss eines internationalen Architekturwettbewerbs begann die Sanierung und Umgestaltung der Örtlichkeit.
- 2026: Das Polizeizentrum konnte in Betrieb genommen und am 22. Juli 2026 offiziell eröffnet werden.
Zitate von Innenminister Karner, Landeshauptmann Stelzer, Nationalratspräsident Sobotka und Landespolizeidirektor Pilsl
In der Aussendung sind mehrere wörtliche Zitate wiedergegeben. Innenminister Gerhard Karner sagte: „Unsere Polizei steht für das genaue Gegenteil der Symbolik, die diesem Ort anhaftet. Unsere Polizei steht für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, für Freiheit, Sicherheit und Menschenwürde – und vor allem deren kompromisslose Verteidigung gegen alle, die sie bedrohen, gegen jede Form des Extremismus oder Totalitarismus“.
Landeshauptmann Thomas Stelzer wird mit den Worten zitiert: „Das neue Polizeizentrum in Braunau ist ein Ort der Sicherheit und der Rechtsstaatlichkeit. Gerade hier zeigt sich, dass wir Verantwortung aus der Geschichte nicht nur bewahren, sondern aktiv leben. Wo die Vergangenheit zur Mahnung wird, stehen heute jene Menschen im Dienst, die täglich für Recht, Ordnung und den Schutz der Bevölkerung eintreten. Dieses Haus ist damit auch ein sichtbares Zeichen für die Stärke unserer Demokratie“.
Nationalratspräsident außer Dienst und Bundesminister für Inneres außer Dienst Wolfgang Sobotka sagte: „Die Republik – das Bundesministerium für Inneres – setzt mit der grundlegenden architektonischen Umgestaltung und der Etablierung eines Polizeizentrums sowohl äußerlich als auch dem Geiste nach ein sichtbares Zeichen, um der Mystifizierung des Geburtshauses Adolf Hitlers durch Neonazis dauerhaft entgegenzutreten. Es ist dies das einzige Beispiel in Europa, in dem dies in dieser Form so eindrucksvoll gelungen ist“.
Landespolizeidirektor Andreas Pilsl wird in der Aussendung wie folgt zitiert: „Es ist eine Vorzeigedienststelle und die Kolleginnen und Kollegen, die hier Dienst machen, sind mitverantwortlich für die hohen Vertrauenswerte, die die Polizei in Österreich genießt. Mit dieser Dienststelle wurden ordentliche Arbeitsbedingungen geschaffen und auch dem historischen Kontext Rechnung getragen. Ich wünsche unseren Polizistinnen und Polizisten einen guten Start“.
Daten und Fakten zum Bezirk Braunau
Die Aussendung nennt konkrete Zahlen zur Region: Der Bezirk Braunau umfasst eine Fläche von 1.040 km² und hatte per 1. Jänner 2025 insgesamt 110.571 Einwohner. Dem Text zufolge wächst die Bevölkerung durch Zuzug aus Deutschland und dem Bundesland Salzburg stark.
Das Bezirkspolizeikommando Braunau betreut den Bezirk mit neun Polizeiinspektionen. Derzeit versehen laut Aussendung 46 Beamte Dienst im Bezirk; davon sind 17 Beamte in der Polizeiinspektion Braunau tätig. Die PI Braunau ist für die Gemeinden Braunau am Inn und St. Peter am Hart zuständig, die gemeinsam eine Fläche von 47,74 km² und 20.179 Einwohner aufweisen.
Zur Kriminalstatistik 2025 im Bezirk Braunau führt die Aussendung aus, dass die angezeigten Delikte von rund 3.700 auf 3.300 zurückgingen und die Aufklärungsquote bei 65,6 Prozent lag, was den dritthöchsten Wert in Oberösterreich darstellt. Weiterhin wurden 62 Personen nach der Strafprozessordnung (StPO) festgenommen, davon 40 in Untersuchungshaft; darunter befinden sich laut Aussendung Tatverdächtige wegen Mordes und versuchten Mordes.
Die Aussendung nennt zudem Ermittlungsoperationen mit den Bezeichnungen „Schneewald“, „FedEx“ und „Duplex“, bei denen umfangreiche Ermittlungen gegen internationalen Suchtgift- und Waffenhandel mit zahlreichen Festnahmen abgeschlossen wurden. Es wird auch eine Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Simbach (D) an der bayerischen Grenze genannt.
Begriffe und Institutionen erklärt
Polizeiinspektion: Eine Polizeiinspektion ist die örtliche Dienststelle der Polizei, die für die unmittelbare polizeiliche Betreuung von Gemeinden zuständig ist. Im vorliegenden Fall bezieht sich die Bezeichnung auf die PI Braunau am Inn, die zwei Gemeinden betreut.
Bezirkspolizeikommando: Das Bezirkspolizeikommando ist die übergeordnete Polizeidienststelle auf Bezirksebene, die mehrere Polizeiinspektionen organisatorisch und fachlich zusammenfasst. Laut Aussendung betreut das Bezirkspolizeikommando Braunau neun Polizeiinspektionen im Bezirk.
Expertenkommission: In der Aussendung wird eine 2016 eingesetzte Expertenkommission unter Leitung von Sektionschef in Ruhe Hermann Feiner genannt, die aus 13 Expertinnen und Experten bestand. Die Kommission arbeitete Empfehlungen zur Nutzung der Liegenschaft aus und sprach sich gegen Abriss sowie gegen Nutzungen aus, die Assoziationen mit Hitler oder dem Nationalsozialismus fördern würden.
Nationalratsbeschluss und Enteignung: Die Aussendung berichtet, dass 2017 ein Nationalratsbeschluss zur Enteignung des Gebäudes gefasst wurde, wodurch die Liegenschaft in den Besitz der Republik Österreich überging. Als Ziel der Maßnahme nennt die Aussendung die weitere Unterbindung der Verbreitung von NS-Gedankengut.
Strafprozessordnung (StPO) und Untersuchungshaft: Die Strafprozessordnung regelt unter anderem Maßnahmen wie Festnahmen und Untersuchungshaft. In der Kriminalstatistik 2025 des Bezirks Braunau nennt die Aussendung 62 Festnahmen nach StPO, davon 40 in Untersuchungshaft.
Neueröffnung als Startpunkt
Die Aussendung beschreibt die Neueröffnung ausdrücklich als einen Startpunkt: „Nach langjährigen Gesprächen rund um die Verwendung des Gebäudes soll die Eröffnung des Polizeizentrums nun ein Startpunkt sein und ein Ort der Rechtsstaatlichkeit und der Verantwortung sein.“
In der Mitteilung wird zudem ein Beispiel aus Deutschland erwähnt: Die deutsche Polizei nutzte bereits früher Hitlers ehemalige Wohnung in München am Prinzregentenplatz als Dienststelle der bayerischen Polizei; dieses Beispiel wird in der Aussendung als analoges Vorbild angeführt.
FAQ zum Polizeizentrum Braunau
Wann wurde das Polizeizentrum Braunau eröffnet?
Die offizielle Eröffnung fand am 22. Juli 2026 statt; Innenminister Gerhard Karner nahm an der Veranstaltung teil, ebenso Landeshauptmann Thomas Stelzer. Die Aussendung führt Interviews und Statements aus diesem Anlass an.
Welche Dienststellen sind im neuen Polizeizentrum untergebracht?
Im Polizeizentrum sind die Polizeiinspektion Braunau am Inn und das Bezirkspolizeikommando Braunau am Inn untergebracht. Das wird in der Aussendung als zentrale Nutzung der Liegenschaft genannt.
Warum wurde die Liegenschaft umgestaltet und übernommen?
Laut Aussendung wurde die Verwendung der Liegenschaft über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren beraten; eine 2016 eingesetzte Expertenkommission sprach sich gegen Abriss und gegen Nutzungsformen aus, die weitere Assoziierung mit Hitler oder dem Nationalsozialismus fördern würden. 2017 wurde das Gebäude durch Nationalratsbeschluss enteignet; die Aussendung nennt die Unterbindung der Verbreitung von NS-Gedankengut als Grund.
Wer hat die Entscheidung getroffen, die Liegenschaft als Polizeidienststelle zu nutzen?
2019 fiel die Entscheidung unter dem damaligen Bundesminister für Inneres Wolfgang Peschorn, das Gebäude künftig als Polizeidienststelle zu nutzen. Die weitere Sanierung und Umgestaltung begann nach einem internationalen Architekturwettbewerb 2023.
Welche Zahlen zur Polizeipräsenz und Kriminalstatistik werden genannt?
Die Aussendung nennt für den Bezirk Braunau eine Fläche von 1.040 km² und 110.571 Einwohner (Stand 1. Jänner 2025). Es heißt weiter, dass 46 Beamte im Bezirk tätig sind, davon 17 in der PI Braunau. Die angezeigten Delikte gingen 2025 von rund 3.700 auf 3.300 zurück, die Aufklärungsquote lag bei 65,6 Prozent; 62 Personen wurden nach StPO festgenommen, 40 davon in Untersuchungshaft.
Gibt es Hinweise zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit?
Die Aussendung nennt eine „ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der PI Simbach (D)“, insbesondere bei grenzüberschreitender Kriminalitätsbekämpfung. Zudem werden Ermittlungsoperationen mit Festnahmen im Kontext internationalen Suchtgift- und Waffenhandels erwähnt.
Quellen und Kontakt
Quelle: Aussendung des Bundesministeriums für Inneres, 22. Juli 2026.
Kontakt: Bundesministerium für Inneres, Ministerialrat Markus Haindl, BA MA, Pressesprecher des Bundesministers; Telefon: +43 (0)1-531 26 – 90 1021; E-Mail: markus.haindl [at] bmi.gv.at; Website: https://www.bmi.gv.at.