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PVÖ schlägt Bonus-Malus für ältere Mitarbeiter vor

Gerstorfer: „Wer das gesetzliche Pensionsalter erhöht, schafft nur mehr Altersarbeitslosigkeit. Unser Bonus-Malus-System setzt dort an, wo das eigentliche Problem liegt!"

28. Juli 2026

Der Pensionistenverband (PVÖ) fordert ein österreichweites Bonus‑Malus‑System: Betriebe belohnen, die Mitarbeiter 60+ beschäftigen; Malus-Einnahmen zweckgebunden für die Pensionsversicherung.

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) hat in einer aktuellen Aussendung eine Alternative zur Debatte um ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter vorgelegt: Statt das Pensionsalter anzuheben oder einen Automatismus an Lebenserwartung oder Erwerbsjahre zu knüpfen, solle die Wirtschaft in die Pflicht genommen werden. Der PVÖ betont, dass eine Anhebung des Pensionsalters nach seiner Einschätzung kein Problem am Arbeitsmarkt löse, sondern Kosten in andere Systeme verlagere.

PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer wird in der Aussendung mit den Worten zitiert: „Solange tausende Menschen über 50 keinen Arbeitsplatz finden, führt ein höheres gesetzliches Pensionsalter nicht zu mehr Beitragszahlern, sondern zu mehr Altersarbeitslosigkeit. Die Betroffenen beziehen dann länger Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe. Das entlastet den Staat nicht – die Rechnung wird lediglich an anderer Stelle bezahlt.“

PVÖ fordert Bonus-Malus-System für Betriebe

In der Aussendung fordert der PVÖ die Einführung eines österreichweiten Bonus-Malus-Systems, mit dem Betriebe finanziell belohnt werden sollen, wenn sie ältere Mitarbeiter über das 60. Lebensjahr hinaus beschäftigen oder neu einstellen. Zugleich sollen Unternehmen, die deutlich unter einer altersgerechten Beschäftigungsquote liegen, einen höheren Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung leisten.

Der Verband benennt damit den Arbeitgeberkreis als zentrales Handlungsfeld und verlagert die Diskussion von einer reinen Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters hin zu einer Frage der betrieblichen Beschäftigungspraxis.

Warum der PVÖ ein höheres Pensionsalter ablehnt

Der PVÖ argumentiert, dass eine Anhebung des Pensionsantrittsalters oder ein Automatismus an Lebenserwartung die Probleme am Arbeitsmarkt nicht beseitige. In der Aussendung heißt es, statt höherer Einnahmen für das Pensionssystem drohe eine Verlagerung der Kosten in die Arbeitslosenversicherung, weil Menschen, die über 50 keinen Arbeitsplatz finden, länger arbeitslos bleiben würden und damit länger Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezögen.

Auf Basis dieser Beobachtung lehnt der PVÖ sowohl weitere Anhebungen des gesetzlichen Pensionsalters als auch automatische Kopplungen an Lebenserwartung ab.

Zahlen zur Altersarbeitslosigkeit bei Frauen

Der PVÖ verweist in der Aussendung auf die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen bei älteren Frauen seit Beginn der schrittweisen Anhebung des gesetzlichen Frauenpensionsalters. Demnach waren im März 2026 bereits 4.670 Frauen im Alter von 60 Jahren arbeitslos – rund dreieinhalbmal so viele wie zu Beginn des Jahres 2024. Bei den 61-jährigen Frauen wird ein Anstieg auf rund 1.900 Arbeitslose genannt, was nach Angaben des PVÖ etwa dem Zehnfachen des Ausgangswerts entspricht.

Der Verband interpretiert diese Zahlen als Bestätigung dafür, dass eine weitere Anhebung des Pensionsalters oder ein Automatismus nach Lebenserwartung die Problemlage verschärfen würde.

Was das vorgeschlagene Modell konkret vorsieht

  • Bonus und Malus für Betriebe
  • Branchenspezifische Zielquoten statt einer starren Einheitsregel
  • Ausnahmen für körperlich besonders belastende Berufe
  • Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten sowie Start-ups bleiben ausgenommen
  • Sämtliche Malus-Einnahmen werden für die Stärkung des Pensionsversicherungssystems zweckgebunden
  • Evaluierung und Anpassung der Zielquoten alle drei Jahre entsprechend der Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung

Der PVÖ beschreibt das vorgeschlagene Modell als ausgewogen und branchenspezifisch: Anstelle einer starren Einheitsregel favorisiert der Verband Zielquoten, die je Branche unterschiedlich festgelegt und alle drei Jahre überprüft und angepasst werden sollen. Für besonders körperlich belastende Berufe sollen Ausnahmen gelten; Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten und Start-ups bleiben dem Vorschlag zufolge ausgenommen.

Rolle von Arbeitslosenversicherung und Pensionssystem in der Debatte

In der Aussendung stellt der PVÖ einen konkreten Zusammenhang zwischen der Frage des Pensionsalters, der tatsächlichen Beschäftigung älterer Personen und der Belastung unterschiedlicher Sozialversicherungssysteme her. Nach Auffassung des Verbands löst ein höheres gesetzliches Pensionsalter nicht automatisch Finanzierungsprobleme des Pensionssystems, wenn ältere Menschen nicht tatsächlich im Erwerbsleben gehalten werden können.

Der PVÖ führt aus, dass in einem solchen Fall Kosten von der Pensionsversicherung in die Arbeitslosenversicherung verschoben würden, weil Betroffene länger Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen könnten. Vor diesem Hintergrund markiert der Verband die Arbeitgeberseite als Handlungsfeld, etwa durch höhere Dienstgeberbeiträge bei Unterschreitung von Zielquoten.

Gleichzeitig verweist die Aussendung auf den Fachkräftemangel und auf die Frage, wie wirtschaftliche Anreize gestaltet werden könnten, damit Betriebe die Erfahrung älterer Mitarbeiter nutzen. Der PVÖ stellt die These auf, dass ökonomische Anreize für Arbeitgeber notwendig seien, um Beschäftigung älterer Personen zu fördern statt allein die Rentenaltergrenzen anzuheben.

Begriffe und Institutionen erklärt

Gesetzliches Pensionsantrittsalter: Das gesetzliche Pensionsantrittsalter bezeichnet das Alter, in dem Personen nach den geltenden gesetzlichen Regelungen erstmals ohne Abschläge eine Pension beanspruchen können. In der Aussendung wird diskutiert, ob eine Anhebung dieses Alters die Finanzlage des Pensionssystems beeinflusst.

Altersarbeitslosigkeit: Altersarbeitslosigkeit meint in der Aussendung die Lage von Personen über 50 Jahren, die keinen Arbeitsplatz finden. Der PVÖ verweist dabei auf steigende Zahlen, insbesondere bei 60- und 61-jährigen Frauen.

Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld und Notstandshilfe: Die Aussendung nennt Arbeitslosengeld und Notstandshilfe als Ausgleichsleistungen, die Betroffene während längerer Arbeitslosigkeit in Anspruch nehmen könnten. Der PVÖ hebt hervor, dass sich Belastungen von einem System ins andere verlagern können.

Bonus-Malus-System: Ein Bonus-Malus-System ist ein Instrument, das finanzielle Anreize und Belastungen kombiniert: Bonuszahlungen belohnen gewünschtes Verhalten, Maluszahlungen belasten Verhalten, das unter definierten Zielquoten liegt. Der PVÖ schlägt ein solches System auf Betriebsebene vor.

Branchenspezifische Zielquoten: Anstelle einer einheitlichen Vorgabe schlägt der PVÖ vor, Zielquoten je Branche festzulegen. Diese Zielquoten sollen die altersgerechte Beschäftigung innerhalb einzelner Wirtschaftsbereiche abbilden und alle drei Jahre evaluiert werden.

Was das Bonus-Malus-System für Betriebe und Sozialkassen konkret bedeutet

Nach dem Vorschlag würde für Betriebe, die älteren Mitarbeiter beschäftigen oder neu einstellen, ein finanzieller Bonus vorgesehen. Konkret nennt die Aussendung die Belohnung von Betrieben, die Arbeitnehmer über das 60. Lebensjahr hinaus beschäftigen oder neu einstellen; Unternehmen, die deutlich unter altersgerechten Quoten bleiben, sollen einen höheren Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung leisten.

Die Aussendung regelt ferner mögliche Ausnahmen (körperlich belastende Berufe) und Ausklammerungen (Kleinbetriebe unter 20 Beschäftigten, Start-ups) sowie die Zweckbindung sämtlicher Malus-Einnahmen zugunsten der Pensionsversicherung. Evaluierungen der Zielquoten sollen laut PVÖ alle drei Jahre stattfinden, um Anpassungen an die Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung vorzunehmen.

Position des PVÖ und zentrale Zitate

Der PVÖ fasst seine Position deutlich zusammen: Der Verband spricht sich gegen weitere Anhebungen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters und gegen automatische Kopplungen an Lebenserwartung aus und fordert stattdessen, die Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer in den Mittelpunkt zu stellen. In der Aussendung heißt es weiter: „Seit Jahren wird von den Menschen verlangt, länger zu arbeiten. Gleichzeitig werden viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon Jahre vor der Pension aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Solange sich daran nichts ändert, ist jede Debatte über ein höheres Pensionsalter unehrlich. Wer länger arbeiten soll, muss auch länger arbeiten können“, so Gerstorfer.

Abschließend wird Gerstorfer mit einem weiteren Zitat zur Zielrichtung des Vorschlags zitiert: „Unser Bonus-Malus-System schafft endlich einen wirtschaftlichen Anreiz, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Betrieb zu halten. Das stärkt die Beschäftigung, entlastet die Arbeitslosenversicherung, verbessert die Finanzierung des Pensionssystems und ist gerechter als jede weitere Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters. Jetzt ist die Wirtschaft gefordert – nicht die Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben.“

FAQ zum Vorschlag des PVÖ

Was fordert der PVÖ konkret?

Der PVÖ fordert die Einführung eines österreichweiten Bonus-Malus-Systems für Unternehmen. Dem Vorschlag zufolge sollen Betriebe finanziell belohnt werden, wenn sie ältere Mitarbeiter über das 60. Lebensjahr hinaus beschäftigen oder neu einstellen; Unternehmen, die deutlich unter altersgerechten Quoten bleiben, sollen einen höheren Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung leisten.

Warum lehnt der PVÖ eine Anhebung des Pensionsalters ab?

Der Verband argumentiert, dass eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters oder ein Automatismus an Lebenserwartung die Probleme am Arbeitsmarkt nicht löse, sondern die Kosten in die Arbeitslosenversicherung verlagere. PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer wird in der Aussendung mit der Einschätzung zitiert, dass so mehr Altersarbeitslosigkeit entstehe und Betroffene länger Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen würden.

Welche Zahlen nennt der PVÖ zur Altersarbeitslosigkeit?

Als Beispiel verweist der PVÖ auf die Entwicklung bei älteren Frauen: Im März 2026 waren nach Angaben des Verbands 4.670 Frauen im Alter von 60 Jahren arbeitslos – rund dreieinhalbmal so viele wie zu Beginn des Jahres 2024. Bei den 61-jährigen Frauen nennt der PVÖ rund 1.900 Arbeitslose, was nach Angaben des Verbands etwa dem Zehnfachen des Ausgangswerts entspricht.

Wer wäre von Ausnahmen betroffen?

Laut Aussendung sollen Ausnahmen für körperlich besonders belastende Berufe gelten. Außerdem bleiben Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten sowie Start-ups dem Vorschlag zufolge ausgenommen.

Wofür würden Malus-Einnahmen verwendet?

Der PVÖ schlägt vor, sämtliche Malus-Einnahmen zweckgebunden für die Stärkung des Pensionsversicherungssystems einzusetzen. Damit sollen diese Einnahmen laut Aussendung direkt der Pensionsversicherung zugutekommen.

Wie oft würden Zielquoten überprüft?

Im Modell des PVÖ ist eine Evaluierung und Anpassung der Zielquoten alle drei Jahre vorgesehen. Die Anpassung soll dabei entsprechend der Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung erfolgen, wie in der Aussendung beschrieben.

Quellen und Kontakt

Quelle: Presse­aussendung des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ). Kontakt: Pensionistenverband Österreichs, Mag. Susanne Ellmer-Vockenhuber, Bakk., E‑Mail: susanne.ellmer [at] pvoe.at. Website: https://pvoe.at

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