PVÖ: Kein Rütteln am gesetzlichen Pensionsantrittsalter
Nicht das Pensionssystem ist das Problem, sondern die mangelnden Chancen älterer Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt
PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer lehnt Anhebung und Koppelung des Pensionsantrittsalters ab. AMS nennt im Juni 2026 rund 120.000 Arbeitslose oder in Schulung ab 50.
Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) hat sich klar gegen jede Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters sowie gegen eine automatische Koppelung des Pensionsalters an die steigende Lebenserwartung oder an die Zahl der Erwerbsjahre ausgesprochen. In der Aussendung betont PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer die sozialen Konsequenzen solcher Modelle und verweist auf die Situation älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt.
Die Diskussion um das Pensionsantrittsalter verbindet sich in der Aussendung mit konkreten Arbeitsmarktzahlen: Laut Arbeitsmarktservice waren im Juni 2026 rund 120.000 Menschen ab 50 Jahren arbeitslos oder in Schulung. Der PVÖ fordert statt Änderungen beim gesetzlichen Alter Maßnahmen, die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer stärken.
PVÖ: Forderungen zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter
Der PVÖ spricht sich „entschieden gegen jede Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters und gegen eine Koppelung des Pensionsalters an die steigende Lebenserwartung oder die Erwerbsjahre“ aus. In der Aussendung heißt es wörtlich: „Länger zu leben bedeutet nicht automatisch, auch länger gesund und voll belastbar arbeiten zu können. Das Pensionsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, wäre sozial ungerecht und würde die Realität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer völlig ausblenden“, stellt PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer klar.
Der PVÖ macht deutlich, dass die Debatte um das Pensionsantrittsalter nicht isoliert geführt werden dürfe, sondern in Verbindung mit den tatsächlichen Chancen am Arbeitsmarkt betrachtet werden müsse.
Arbeitsmarktdaten: AMS und Statistik Austria nennen Zahlen
Die Aussendung nennt konkrete Zahlen: „Laut Arbeitsmarktservice waren im Juni 2026 rund 120.000 Menschen ab 50 Jahren arbeitslos oder in Schulung.“ Damit gehöre mehr als ein Drittel aller beim AMS vorgemerkten Personen zur Altersgruppe 50+. Diese Angabe stellt der PVÖ als Beleg dafür dar, dass Menschen über 50 oft Schwierigkeiten haben, nach einem Arbeitsplatzverlust wieder eine Beschäftigung zu finden.
Zusätzlich verweist der PVÖ auf Daten der Statistik Austria zur Beschäftigungsstruktur: Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen lag zuletzt bei rund 60 Prozent. Die Aussendung führt daraus den Schluss aus, dass vier von zehn Menschen dieser Altersgruppe nicht mehr in Beschäftigung stehen. Besonders deutlich weist der PVÖ darauf hin, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiterhin unter jener der Männer liegt.
Warum der PVÖ Koppelungen an Lebenserwartung oder Erwerbsjahre ablehnt
Der PVÖ argumentiert in der Aussendung, dass eine Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung soziale Ungerechtigkeiten auslösen würde. Wörtlich heißt es: „Länger zu leben bedeutet nicht automatisch, auch länger gesund und voll belastbar arbeiten zu können. Das Pensionsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, wäre sozial ungerecht und würde die Realität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer völlig ausblenden.“
Besonders kritisch bewertet der PVÖ Modelle, die den Pensionsantritt an die Zahl der Erwerbsjahre koppeln: „Ein solches Modell würde neue Ungerechtigkeiten schaffen. Menschen mit längeren Ausbildungszeiten – etwa Akademikerinnen und Akademiker – würden benachteiligt. Noch stärker betroffen wären Frauen, die wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen Erwerbsunterbrechungen hatten. Wer gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit geleistet hat, darf dafür im Alter nicht bestraft werden“, erklärt Gerstorfer.
PVÖ-Forderungen im Überblick
- Keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters.
- Keine automatische Koppelung des Pensionsalters an die steigende Lebenserwartung.
- Keine automatische Koppelung des Pensionsantritts an die Zahl der Erwerbsjahre.
- Altersgerechte Arbeitsplätze und gesundes Arbeiten bis zur Pension.
- Wirksame Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung bei Einstellung und Beschäftigung.
- Bessere Chancen für ältere Arbeitssuchende – insbesondere für Frauen.
- Verbindliche Verantwortung der Betriebe für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer.
- Bonus-Malus-System für Betriebe.
- Ausbau von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten über das gesamte Erwerbsleben hinweg.
Begriffserklärungen: Pensionsantrittsalter, Koppelung, Erwerbsjahre, Beschäftigungsquote
Gesetzliches Pensionsantrittsalter: Das ist das Alter, in dem nach gesetzlichen Regelungen ein Anspruch auf eine reguläre Alterspension eintritt. Unterschiede bei der Höhe der Pension oder bei Ausnahmeregelungen werden in der Aussendung nicht diskutiert; der PVÖ fordert allein, dass das gesetzliche Alter nicht erhöht werden darf.
Koppelung an die Lebenserwartung: Unter Koppelung versteht der PVÖ die automatische Anpassung des Pensionsalters an statistische Veränderungen der Lebenserwartung. In der Aussendung wird diese Form der Anpassung als sozial ungerecht bezeichnet, weil sie nicht die unterschiedliche Belastbarkeit oder gesundheitliche Situation einzelner Menschen berücksichtigt.
Koppelung an Erwerbsjahre: Dieses Modell würde die mögliche Pension an die Anzahl geleisteter Erwerbsjahre binden. Der PVÖ warnt, dass damit Personen mit längeren Ausbildungszeiten sowie Personen mit Erwerbsunterbrechungen Nachteile hätten.
Beschäftigungsquote: Die Beschäftigungsquote beschreibt den Anteil der Personen einer Altersgruppe, die in Beschäftigung stehen. Die Aussendung zitiert Zahlen der Statistik Austria, nach denen die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen bei rund 60 Prozent liegt.
Bonus-Malus-System: Als Begriff bezeichnet ein finanzielles Anreiz- und Sanktionssystem für Arbeitgeber, um gewünschtes Verhalten zu fördern und unerwünschtes Verhalten zu sanktionieren. Der PVÖ nennt ein Bonus-Malus-System als Option, um Betriebe stärker in die Verantwortung für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zu nehmen.
Welche Maßnahmen fordert der PVÖ konkret?
Der PVÖ fordert in der Aussendung einen Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik und eine stärkere Einbindung der Betriebe. Demnach sollten Unternehmen mehr in altersgerechte Arbeitsplätze, Weiterbildung und Gesundheitsförderung für ältere Beschäftigte investieren. Wörtlich wird formuliert: „Es kann nicht sein, dass Menschen mit jahrzehntelanger Berufserfahrung aus dem Erwerbsleben gedrängt werden und man ihnen anschließend vorwirft, zu früh in Pension zu gehen“, so Gerstorfer.
Der PVÖ nennt als Instrumente verbindliche betriebliche Verantwortung, ein Bonus-Malus-System sowie den Ausbau von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten über das gesamte Erwerbsleben hinweg. Ziel sei laut Aussendung, ältere Arbeitssuchende besser zu unterstützen und Altersdiskriminierung bei Einstellung und Beschäftigung wirksam entgegenzutreten.
FAQ zur PVÖ-Forderung
Was fordert der PVÖ bezüglich des Pensionsantrittsalters?
Der PVÖ fordert, das gesetzliche Pensionsantrittsalter nicht zu erhöhen und sich gegen eine automatische Koppelung an die Lebenserwartung oder an die Zahl der Erwerbsjahre zu stellen. Dies ist in der Aussendung als klare Position formuliert.
Welche Arbeitsmarktzahlen nennt der PVÖ als Grund für seine Forderungen?
Als ein zentrales Argument nennt die Aussendung des PVÖ die Angaben des Arbeitsmarktservice: Im Juni 2026 waren rund 120.000 Menschen ab 50 Jahren arbeitslos oder in Schulung. Zudem wird ausgeführt, dass diese Altersgruppe mehr als ein Drittel aller beim AMS vorgemerkten Personen ausmacht.
Warum sieht der PVÖ Frauen besonders betroffen?
Der PVÖ weist darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit älterer Frauen in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegen sei und dass Frauen nach einem Arbeitsplatzverlust oft besonders lange ohne Beschäftigung bleiben. In der Aussendung werden Gründe wie unterbrochene Erwerbsbiografien, Teilzeitbeschäftigung sowie die Übernahme von Kinderbetreuung und Pflegearbeit genannt.
Was sagt der PVÖ zur Koppelung des Pensionsantritts an Erwerbsjahre?
Der PVÖ bewertet eine Koppelung an Erwerbsjahre kritisch und warnt vor neuen Ungerechtigkeiten: Personen mit längeren Ausbildungszeiten und jene mit Erwerbsunterbrechungen – etwa wegen Kindererziehung oder Pflege – würden benachteiligt, heißt es in der Aussendung.
Welche Rolle sollen Betriebe laut PVÖ übernehmen?
Der PVÖ fordert verbindliche Verantwortung der Betriebe für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer. Dazu zählen laut Aussendung Investitionen in altersgerechte Arbeitsplätze, Weiterbildung und Gesundheitsförderung; als mögliches Instrument wird ein Bonus-Malus-System genannt.
Was fordert der PVÖ zur Sicherung der Kaufkraft der Pensionen?
Der PVÖ fordert in der Aussendung den vollen Erhalt der Kaufkraft der Pensionen. Wörtlich heißt es: „Die Pension ist kein Almosen, sondern eine erarbeitete Leistung. Deshalb muss die Teuerung auch künftig voll abgegolten werden.“
Quellen und Kontakt
Quelle: Pensionistenverband Österreichs (Aussendung). Weitere Informationen und Kontakt: Pensionistenverband Österreichs, Mag. Susanne Ellmer-Vockenhuber, Bakk., E-Mail: susanne.ellmer [at] pvoe.at. Website: https://pvoe.at
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