PEZ startet mit JF Krichbaum eine limitierte PEZ-Arts-Edition. Der Kid Guard verbindet Sammelkultur, Pop-Objekt, zeitgenössische Kunst und Spendenaktion für die St. Anna Kinderkrebsforschung.
PEZ bringt mit „PEZ Arts“ eine Künstleredition auf den Markt und startet mit einem Motiv des in Wien lebenden Künstlers JF Krichbaum. Auf den ersten Blick ist das eine Sammlernachricht: Ein PEZ-Spender wird limitiert, nummeriert und als Kunstobjekt inszeniert. Interessanter ist aber die Verschiebung dahinter. Ein Alltags- und Kindheitsobjekt wird nicht nur lizenziert oder dekoriert, sondern als Art Toy gelesen - also als kleines, sammelbares Objekt zwischen Popkultur, Design, Kunstmarkt und Nostalgie.
Die erste Edition basiert auf Krichbaums „Kid Guard“-Reihe. Die Figur wird als PEZ-Spender umgesetzt, begleitet von eigens gestalteten Bonbonhüllen und unterschiedlichen Set-Varianten. Damit betritt PEZ ein Feld, das Sammler:innen längst kennen: Limitierte Objekte gewinnen ihren Reiz nicht allein durch Funktion, sondern durch Geschichte, Auflage, Gestaltung, Nummerierung und den kulturellen Kontext.
Auf der offiziellen PEZ-Arts-Seite wird die Edition als Verbindung zwischen PEZ-Spendern und zeitgenössischer Kunst beschrieben. Die Auflage ist auf 5.000 Exemplare weltweit begrenzt. PEZ unterscheidet mehrere Varianten: eine reguläre limitierte Edition, signierte und handnummerierte Sets sowie eine kleine Edition mit zusätzlichem Kunstdruck.
Im PEZ Online Store wird die Edition als „Kid Guard“ von JF Krichbaum geführt. Dort wird auch die Spendenkomponente erklärt: Je nach Set gehen zwischen einem und 50 Euro an die St. Anna Kinderkrebsforschung. Das macht die Edition nicht automatisch zu einem Sozialprojekt, aber es gibt dem Sammlerobjekt eine zusätzliche Ebene jenseits des reinen Kaufimpulses.
PEZ-Spender sind ohnehin Grenzobjekte. Sie sind Verpackung, Spielzeug, Süßwarenmechanik, Lizenzprodukt, Erinnerungsstück und Sammelgegenstand zugleich. Viele Menschen verbinden sie mit Kindheit, Popfiguren und kleinen Ritualen. Genau diese Vieldeutigkeit macht sie für eine Künstleredition geeignet. Ein PEZ-Spender ist klein genug, um zugänglich zu bleiben, aber kulturell aufgeladen genug, um mehr zu sein als ein Werbeartikel.
Der Art-Toy-Begriff passt deshalb. Art Toys bewegen sich zwischen Kunst und Konsumobjekt. Sie sind nicht klassische Skulpturen für den Sockel, aber auch nicht bloß Spielzeug. Ihre Wirkung entsteht aus Design, Limitierung, Wiedererkennbarkeit und Community. Bei PEZ kommt eine weitere Ebene dazu: Die Marke hat eine jahrzehntelange Geschichte mit Figuren, Lizenzen und Sammlerleidenschaft. PEZ Arts knüpft daran an, aber verschiebt den Fokus von bekannten Charakteren zu zeitgenössischer Gestaltung.
Die Kid-Guard-Figur ist für diesen Start gut gewählt, weil sie thematisch nah an PEZ liegt, ohne einfach kindlich zu sein. Krichbaums Bildwelten arbeiten mit fantastischen Wesen, Kindheitserinnerungen und einer Mischung aus Schutz, Staunen und Ambivalenz. In der Übersetzung zum Spenderkopf entsteht ein Objekt, das auf den ersten Blick spielerisch wirkt, aber zugleich als kleine Figur mit eigener Aura funktionieren kann.
Das ist wichtig, weil Kunstkooperationen mit Marken schnell flach werden können. Wenn ein Motiv nur auf ein Produkt gedruckt wird, bleibt es Dekor. Hier verändert die Form des Spenders die Figur: Der Kopf wird plastisch, das Objekt bekommt eine mechanische Funktion, die Bonbons und die Verpackung werden Teil der Gestaltung. Damit entsteht eher ein eigenständiges Sammlerobjekt als ein normales Merchandise-Produkt.
Die Edition wurde am 27. Mai 2026 im Dschungel Wien im MuseumsQuartier vorgestellt. Das passt besser, als es zunächst klingt. Der Dschungel Wien ist ein Theaterhaus für junges Publikum, und die Edition spielt mit Kindheit, erwachsenem Sammeln und künstlerischem Blick auf das Kindliche. Die Ankündigung nannte auch eine Lesung von Franzobel unter dem Titel „Franzobel liest Kindisches“.
Dadurch wird der Launch selbst Teil der Erzählung. Es geht nicht nur um einen Online-Shop-Start, sondern um ein kleines Kulturereignis: Künstler, Marke, Literatur, Sammelcommunity und ein Ort für junges Publikum treffen aufeinander. Für eine Marke wie PEZ ist das klug, weil der Spender nicht nur als Produkt, sondern als Gesprächsanlass positioniert wird.
Die St. Anna Kinderkrebsforschung ist als Empfängerin der Spendenkomponente genannt. Laut PEZ gehen je nach Set ein bis 50 Euro an die Forschungseinrichtung. Für Leserinnen und Leser ist hier Präzision wichtig: Das bedeutet nicht, dass der gesamte Kaufpreis gespendet wird. Es bedeutet, dass pro gekauftem Set ein definierter Betrag weitergegeben wird.
Solche Kopplungen können sinnvoll sein, wenn sie transparent kommuniziert werden. Bei limitierten Sammlerobjekten kann die Spendenkomponente zusätzliche Motivation schaffen, sollte aber nicht den Kern verdecken: Die Edition bleibt ein kommerzielles Produkt. Ihr kultureller Wert entsteht aus Gestaltung, Auflage, Sammlerinteresse und der Frage, ob PEZ Arts als Reihe weiterentwickelt wird.
Für PEZ ist die Edition auch Markenarbeit. Das muss nicht negativ sein, solange die Kooperation mehr leistet als Logo plus Künstlername. Gute Markenkooperationen schaffen eine neue Lesart des Produkts: Man sieht den Gegenstand danach anders. Beim Kid Guard funktioniert das, weil der PEZ-Spender selbst schon eine starke Form hat. Der Künstler muss nicht bei null beginnen, sondern reagiert auf ein Objekt, das viele Menschen sofort erkennen.
Genau dadurch entsteht aber auch eine Erwartung. Sammler:innen wollen wissen, wie limitiert die Edition tatsächlich ist, welche Nummerierung gilt, ob signierte Sets klar von regulären Sets getrennt sind und welche Teile der Verpackung ebenfalls gestaltet wurden. Solche Details sind nicht nebensächlich. Sie entscheiden darüber, ob eine Edition als ernsthafte Sammlerarbeit oder nur als kurzfristige Marketingaktion wahrgenommen wird.
Wer die Edition kauft, sollte daher zwei Perspektiven trennen: Gefällt das Objekt persönlich, und ist die Limitierung nachvollziehbar? Der persönliche Wert kann hoch sein, auch wenn sich kein späterer Sammlerpreis entwickelt. Umgekehrt garantiert eine kleine Auflage allein noch keine Wertsteigerung. Bei Art Toys zählen Zustand, Verpackung, Dokumentation, Nachfrage, Künstlerprofil und die langfristige Bedeutung der Reihe.
PEZ nennt eine weltweite Limitierung auf 5.000 Exemplare. Innerhalb dieser Auflage gibt es unterschiedliche Set-Varianten.
Es ist beides nur teilweise. Als PEZ-Spender bleibt es ein Marken- und Süßwarenobjekt; durch Gestaltung, Limitierung und Nummerierung wird es zugleich als Art Toy und Sammlerstück positioniert.
JF Krichbaum ist ein in Wien lebender Künstler. Für PEZ Arts wurde eine Figur aus seiner Kid-Guard-Reihe als Spender umgesetzt.
Nein. Laut PEZ gehen je nach Set zwischen einem und 50 Euro an die St. Anna Kinderkrebsforschung.