1. Juni 2026 — Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) weist die jüngsten Aussagen von IV‑Chef Georg Knill zur EU‑Lohntransparenzrichtlinie entschieden zurück. Knill bezeichnete die Richtlinie ...
1. Juni 2026 — Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) weist die jüngsten Aussagen von IV‑Chef Georg Knill zur EU‑Lohntransparenzrichtlinie entschieden zurück. Knill bezeichnete die Richtlinie als „Bürokratiemonster“ mit „150 Seiten und zwei Kilo Bürokratie“; diese Darstellung halte einer sachlichen Betrachtung nicht stand.
Die Richtlinie umfasst lediglich 24 Seiten einschließlich der Erwägungsgründe. Ihr Ziel ist es, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede sichtbar zu machen und gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit durchzusetzen.
Der ÖGB bezeichnet die Darstellung der Industriellenvereinigung als eher eine „gezielte Dramatisierungskampagne“ als eine seriöse Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Inhalt der Richtlinie. „Hier wird mit großer rhetorischer Kraft ein sehr kleines Regelwerk sehr groß erzählt“, sagt ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth.
Schuberth sieht die von der Industrie ins Spiel gebrachte Forderung nach einem „Stop‑the‑clock“-Ansatz kritisch. Die Europäische Kommission habe erst vor wenigen Tagen bekräftigt, dass es keine Verschiebung („Stop‑the‑clock“) und keine Aufnahme der Lohntransparenzrichtlinie in ein Omnibus‑Paket geben werde. Die Richtlinie sei bewusst als zentrales Instrument zur Verwirklichung des Rechts auf gleiches Entgelt für Frauen und Männer konzipiert und solle auch als solches umgesetzt werden.
„Transparenz ist kein Bürokratiemonster, sondern die Voraussetzung für gleiche Bezahlung und echte Gleichstellung. Viele Unternehmen sind derzeit zwar noch unterschiedlich gut vorbereitet, das ist jedoch kein Argument gegen die Umsetzung der Richtlinie, sondern für gezielte Unterstützung bei der Umsetzung“, so Schuberth. Der ÖGB fordert eine rasche und vollständige Umsetzung der EU‑Lohntransparenzrichtlinie ohne weitere Verzögerungen.
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
Quelle: OTS‑Aussendung der ÖGB, 1. Juni 2026. Original: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260601_OTS0125/oegb-lohntransparenz-schafft-fairness-statt-buerokratie-mythen-iv-verunsichert-betriebe-unnoetig