Noch vor der Sommerpause soll im Nationalrat das Prüfintervall für die §57a-Überprüfung vom bisherigen 3-2-1-System auf 4-2-2-2-1 umgestellt werden. Laut Regierung soll das Pickerl entbürokratisier...
Noch vor der Sommerpause soll im Nationalrat das Prüfintervall für die §57a-Überprüfung vom bisherigen 3-2-1-System auf 4-2-2-2-1 umgestellt werden. Laut Regierung soll das Pickerl entbürokratisiert und Kfz-Halter:innen finanziell entlastet werden. Der ÖAMTC hält die Umsetzung für unausgereift: "Der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass zwei Millionen Fahrzeughalter:innen extra eine Begutachtungsstelle aufsuchen müssen, um sich eine Plakette abzuholen und einen neuen Fälligkeitstermin in der zentralen Prüfdatenbank eintragen zu lassen. Das ist nicht nur mühsam für die Konsument:innen, sondern wird auch Verwaltungskosten in Höhe von etwa 23 Millionen Euro verursachen. Dieser Mehraufwand müsste nicht sein, wenn man mit neuen Intervallen gleichzeitig auch das angekündigte 'digitale Pickerl' einführen würde. Das wäre echte Entlastung – auch wenn die Umsetzungsphase dann etwas länger dauern würde."
Der ÖAMTC weist auf deutliche regionale Unterschiede hin: Eine Analyse der in der Pickerldatenbank erfassten Zahlen zeigt, dass in alpinen Regionen deutlich häufiger schwere Mängel auftreten als im Flachland. Der Unterschied wächst mit dem Alter des Fahrzeugs. Bei korrosionsanfälligen Bauteilen wie Bremsen, Auspuff und Achsen sind große regionale Unterschiede bereits nach fünf Jahren feststellbar. Konkret wird im Flachland nach fünf Jahren bei rund 25% der Pkw mindestens ein schwerer Mangel festgestellt, im größten alpinen Bezirk Liezen sind es rund 38%. Nach zehn Jahren liegt das Verhältnis bei 35% (Flachland) zu 56% (Bezirk Liezen).
Als Grund nennt der Club intensivere Winter und verstärkte Nutzung von Streusalz. Bernhard Wiesinger warnt: "Längere Prüfintervalle werden dazu führen, dass in Zukunft solche Schäden später erkannt werden, was wiederum die Reparaturkosten massiv erhöhen kann. Eine finanzielle Entlastung für die Fahrzeughalter:innen ist in den Alpinregionen – im Gegensatz zum Flachland – daher vielfach nicht zu erwarten. Wenn man will, dass alle profitieren, sollte man über ein 2-Jahres-Prüfintervall etwa ab einem Fahrzeugalter von sieben Jahren noch einmal nachdenken."
Zum Thema Verkehrssicherheit verweist der ÖAMTC darauf, dass die offizielle Unfallstatistik technische Defekte als untergeordnete Unfallursache führt, internationale Studien aber zeigen, dass eine deutliche Reduktion der Begutachtungsdichte korrelierende Effekte auf das Unfallgeschehen haben kann. Wiesinger: "Obwohl es in Österreich keine verlässlichen Untersuchungen gibt, wird behauptet, die Reform habe keine Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Wir sehen hier den Gesetzgeber in der Pflicht, genau zu beobachten und valide Daten zu erheben, um notfalls rasch gegensteuern zu können."
Quelle: ÖAMTC (OTS)