Der Kartellrecht Moot Court 2026 brachte Studierende, Kanzleien, Behördenpraxis und Wettbewerbsrecht zusammen. Interessant ist nicht nur, wer gewonnen hat, sondern warum solche Formate für den juristischen Nachwuchs wichtig sind.
Am 28. Mai 2026 lud die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) zum zwölften Kartellrecht Moot Court ein. Der gemeinsam mit ELSA Austria und der Kanzlei DORDA organisierte Wettbewerb verzeichnete ein Rekordhoch an Anmeldungen.
Zehn Studierendenteams traten vor einem fiktiven Kartellgericht an. Sie wurden bei Schriftsätzen und der Vorbereitung auf die mündliche Verhandlung von renommierten Rechtsanwaltskanzleien betreut:
Die Jury des Kartellrecht Moot Court 2026 bestand aus:
In den Vorrunden setzten sich Team 9 (Lili Keferböck, Katharina Wenger, Sophie Lindenthal) und Team 7 (Melanie Vesely, Lorenz Huck, Leah Sykora) durch. Als Speaker erreichten Lorenz Huck (Team 7), Caroline Wallner (Team 3), Sophie Lindenthal (Team 9) und Johannes Stromberger (Team 5) das Finale vor der Jury.
Die BWB gratuliert Johannes Stromberger (Team 5, betreut von Binder Grösswang) zum Titel Best Speaker sowie Team 9 (betreut von Haslinger Nagele Rechtsanwälte; Lili Keferböck, Katharina Wenger, Sophie Lindenthal) als bestes Team.
Natalie Harsdorf, Generaldirektorin der BWB, sagte: „Es freut mich außerordentlich, dass das Interesse am Kartellrecht Moot Court auch nach zwölf Jahren ungebrochen ist und sogar weiter wächst. Dieses Jahr verzeichneten wir sogar einen neuen Rekord an Anmeldungen von Studierenden. Das zeigt, dass Kartellrecht längst kein Nischenthema mehr ist und die Begeisterung für fairen Wettbewerb im juristischen Nachwuchs fest verankert ist”.
Mag. Katharina Lehmayer, Präsidentin des Oberlandesgerichts Wien, hielt die Keynote und betonte: „Ich möchte Mut machen für den Kartellrecht Moot Court, denn es ist so wichtig, dass wir im Verhandlungssaal sitzen mit umfangreichen Rechtsrecherchen, mit Herzblut für die Objektivität, denn genau dann befinden wir uns im Kernbereich unserer Aufgaben”.
Quelle: Bundeswettbewerbsbehörde (OTS), 28.05.2026. Originalmeldung:
Ein Moot Court ist eine simulierte Gerichts- oder Verhandlungssituation. Studierende bearbeiten einen rechtlichen Fall, entwickeln Argumentationslinien, verfassen Schriftsatze und vertreten ihre Position vor einer Jury. Im Kartellrecht ist das besonders anspruchsvoll, weil juristische Dogmatik, wirtschaftliches Verstandnis und taktische Argumentation eng zusammenhangen. Der Wettbewerb ist deshalb mehr als eine akademische Ubung: Er trainiert genau jene Fähigkeiten, die in Kanzleien, Behörden und Unternehmen später gebraucht werden.
Der Kartellrecht Moot Court 2026 fand am 28. Mai 2026 statt und wurde von der Bundeswettbewerbsbehörde gemeinsam mit ELSA Austria und DORDA organisiert. Nach Angaben der Bundeswettbewerbsbehörde nahmen zehn Teams teil, die Veranstalter sprechen von Rekordinteresse. Das ist ein Hinweis darauf, dass Wettbewerbsrecht für Studierende und junge Juristinnen und Juristen an Bedeutung gewinnt.
Der praktische Wert liegt vor allem in der Verdichtung. Ein echter kartellrechtlicher Fall kann Monate oder Jahre dauern. Im Moot Court wird diese Komplexitat auf einen intensiven Lernprozess komprimiert. Die Teilnehmenden müssen schnell verstehen, welche Tatsachen relevant sind, welche Rechtsfragen offen bleiben, wie eine Behörde denken könnte und wie die Gegenseite argumentiert.
Kartellrecht wirkt oft abstrakt, hat aber sehr konkrete Folgen. Es regelt, wann Unternehmen zusammenarbeiten durfen, wann Absprachen verboten sind, wie Marktmacht kontrolliert wird und unter welchen Bedingungen Zusammenschlusse gepruft werden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher kann das bedeuten: mehr Wettbewerb, fairere Preise und mehr Auswahl. Für Unternehmen bedeutet es: rechtliche Grenzen müssen schon bei Strategie, Vertrieb, Kooperationen und M&A-Projekten mitgedacht werden.
Genau deshalb reicht es nicht, nur Gesetzestexte zu kennen. Wer kartellrechtlich arbeitet, muss wirtschaftliche Zusammenhänge lesen können. Welche Märkte sind betroffen? Wer steht mit wem im Wettbewerb? Welche Informationen durfen Wettbewerber austauschen? Welche Kooperation ist effizient und zulassig, welche kann den Wettbewerb beschranken? Solche Fragen lassen sich in einer Moot-Court-Situation besonders gut uben, weil Argumente unmittelbar auf Gegenargumente treffen.
Auch der Auftritt zählt. Juristische Qualitat zeigt sich nicht nur in Fußnoten, sondern auch in der Fähigkeit, einen komplexen Punkt knapp, präzise und uberzeugend zu erklaren. Eine Jury aus Praxisvertreterinnen und Praxisvertretern kann hier Feedback geben, das Studierende in einer reinen Vorlesung selten bekommen. Der Wettbewerb schafft damit eine Brücke zwischen Universität und Berufsrealitat.
Die Bundeswettbewerbsbehörde bringt als Amtspartei und Ermittlungsbehorde den Blick der öffentlichen Wettbewerbsaufsicht ein. Für Studierende ist das wichtig, weil sie dadurch nicht nur die anwaltliche Perspektive kennenlernen. Sie sehen auch, welche Fragen eine Behörde stellt, wie Verfahren strukturiert werden und warum Beweislage, Marktdefinition und wirtschaftliche Effekte so entscheidend sind.
ELSA Austria steht für den studentischen Zugang. Die European Law Students' Association organisiert Formate, die Studierende früh mit internationalem und praxisnahem Recht in Beruhrung bringen. Moot Courts sind dabei ein klassisches Instrument, weil sie Eigeninitiative, Teamarbeit und mündliche Präsentation verbinden.
DORDA bringt als Wirtschaftskanzlei die Perspektive der anwaltlichen Praxis ein. Gerade im Kartellrecht arbeiten Kanzleien oft an Schnittstellen zwischen Compliance, Transaktionen, internen Untersuchungen und Verfahren vor Behörden oder Gerichten. Ein Wettbewerb, der diese Akteure zusammenbringt, macht sichtbar, dass Wettbewerbsrecht kein isoliertes Nischenfach ist, sondern ein Feld mit höher Relevanz für Unternehmen und Märkte.
Als bestes Team wurde Team 9 ausgezeichnet: Lili Keferbock, Katharina Wenger und Sophie Lindenthal von der Universität Wien, gecoacht von Haslinger Nagele. Den Preis für den besten Sprecher erhielt Johannes Stromberger aus Team 5, das Studierende der Universität Salzburg und der Wirtschaftsuniversitat Wien verband und von Binder Grosswang betreut wurde. Diese Angaben stammen aus der Aussendung der Bundeswettbewerbsbehörde und aus der Berichterstattung zum Wettbewerb.
Die Jury war breit aus Wissenschaft, Justiz, Behörden und anwaltlicher Praxis besetzt. Für einen Moot Court ist das wesentlich, weil unterschiedliche Perspektiven verschiedene Qualitatsmaßstabe sichtbar machen: Dogmatische Stringenz, realistische Fallanalyse, sprachliche Klarheit, Reaktionsfahigkeit und die Fähigkeit, kritische Fragen aufzunehmen. Wer hier besteht, zeigt nicht nur Wissen, sondern juristische Handlungsfahigkeit.
Bemerkenswert ist auch die Keynote von Katharina Lehmayer, Präsidentin des Oberlandesgerichts Wien. Sie unterstreicht, dass der Wettbewerb nicht nur eine Nachwuchsveranstaltung ist, sondern im juristischen Umfeld ernst genommen wird. Für die Teilnehmenden kann so ein Format ein erster sichtbarer Schritt in Richtung Spezialisierung sein.
Für Unternehmen ist der Wettbewerb ein Signal, dass Kartellrechts-Expertise in Österreich weiter aufgebaut wird. Gute Compliance und saubere Wettbewerbsstrategie hangen davon ab, dass es genug Juristinnen und Juristen gibt, die das Thema nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch beherrschen. Für Kanzleien und Behörden ist der Moot Court zugleich eine Möglichkeit, Talente früh kennenzulernen.
Für Studierende wiederum bietet der Wettbewerb einen realistischen Test: Wer Freude daran hat, wirtschaftliche Sachverhalte juristisch zu durchdringen, findet im Kartellrecht ein anspruchsvolles Arbeitsfeld. Die Materie ist europäisch gepragt, dynamisch und eng mit Märktentwicklungen verbunden. Digitale Plattformen, Energie, Handel, Daten, Nachhaltigkeitskooperationen und Unternehmenszusammenschlusse werfen laufend neue Fragen auf.
Was ist Kartellrecht?
Kartellrecht ist ein Teil des Wettbewerbsrechts. Es soll verhindern, dass Unternehmen durch verbotene Absprachen, Missbrauch von Marktmacht oder problematische Zusammenschlusse den Wettbewerb beschranken.
Wer hat den Kartellrecht Moot Court 2026 gewonnen?
Als bestes Team wurde Team 9 mit Lili Keferbock, Katharina Wenger und Sophie Lindenthal von der Universität Wien ausgezeichnet. Bester Sprecher wurde Johannes Stromberger aus Team 5.
Warum sind Moot Courts für Studierende wichtig?
Sie verbinden Rechtswissen mit Praxis. Teilnehmende lernen, Fälle zu analysieren, Argumente zu strukturieren, vor einer Jury aufzutreten und auf kritische Fragen zu reagieren.
Welche Rolle spielt die Bundeswettbewerbsbehörde?
Die BWB bringt den Blick der Wettbewerbsaufsicht ein. Dadurch lernen Studierende, wie kartellrechtliche Fragestellungen aus Behördenperspektive behandelt werden.