Umfrage des Europäischen Parlaments zeigt starke Wahrnehmung der EU als Stabilitätsfaktor – Zahlen für Österreich und EU im Vergleich
Das Eurobarometer Frühjahr 2026 dokumentiert, dass viele Europäerinnen und Europäer die EU als Hort der Stabilität sehen und hohe Erwartungen an Sicherheit, Energieunabhängigkeit und Wirtschaftspolitik richten.
Die jüngste Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments aus dem Frühjahr 2026 zeichnet ein Bild, in dem die Europäische Union für viele Menschen als Stabilitätsanker in einer unsicheren Welt wahrgenommen wird. Die Befragung, deren Ergebnisse am Mittwoch veröffentlicht wurden, liefert detaillierte Prozentangaben sowohl für die ganze EU als auch für Österreich und benennt Schwerpunkte, die die Bevölkerung der EU zugeschriebenen Priorität einräumt.
Wichtige Zahlen: Für 75 % der Befragten in der EU (in Österreich 76 %) ist die EU ein "Hort der Stabilität" in einer von Krisen erschütterten Welt. Weitere zentrale Ergebnisse betreffen die Wahrnehmung von Sicherheit, Erwartungen an die Rolle der EU beim Umgang mit weltweiten Krisen sowie Einschätzungen zur Lebensqualität und Sorgen um den Lebensstandard.
Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Verian zwischen dem 9. April und dem 4. Mai 2026 in allen 27 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Insgesamt wurden 26.421 Interviews geführt; die Erhebungen fanden in Form persönlicher Interviews statt, in einigen Mitgliedstaaten kamen zusätzlich Videointerviews zum Einsatz (Dänemark, Finnland, Malta, Schweden und Zypern). Die EU-Ergebnisse wurden der Bevölkerungszahl der einzelnen Länder entsprechend gewichtet.
Die Untersuchungsteilnehmenden wurden nach Angaben des Europäischen Parlaments zu ihrer Wahrnehmung der EU, zur Zukunftseinschätzung auf verschiedenen Ebenen (Welt, EU, eigenes Land, persönliche Zukunft) sowie zu Prioritäten für das Europäische Parlament befragt. Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Eurobarometer-Website abrufbar.
Die Umfrage nennt mehrere Bereiche, in denen die Befragten die EU gestärkt sehen oder die sie als Priorität fordern. Zu den genannten Punkten gehören Verteidigung und Sicherheit, Energieunabhängigkeit sowie Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaft. Konkret sagten 39 % der Befragten in der EU (in Österreich 32 %), die EU solle den Schwerpunkt auf Verteidigung und Sicherheit legen. Energieunabhängigkeit nannten 35 % in der EU (Österreich: 33 %) und die Wettbewerbsfähigkeit beziehungsweise Wirtschaft nannten 32 % (Österreich: 28 %).
Weitere Werte aus der Umfrage: 68 % der EU-Befragten insgesamt (in Österreich 45 %) sind der Ansicht, dass die EU beim Schutz der Bevölkerung vor weltweiten Krisen und Sicherheitsrisiken eine größere Rolle spielen sollte. 73 % (EU; in Österreich 62 %) wollen, dass der EU mehr Mittel für die Bewältigung weltweiter Probleme zur Verfügung stehen. Zudem wünschen sich 90 % der Befragten in der EU (Österreich: 86 %), dass die Mitgliedstaaten angesichts der aktuellen Weltlage geschlossener auftreten.
Die Umfrage zeigt zweigeteilte Zukunftseinschätzungen: Auf globaler Ebene zeigen sich viele Befragte skeptisch, während es auf persönlicher Ebene mehr Optimismus gibt. So gaben 58 % der EU-Befragten (Österreich: 50 %) an, die Zukunft der Welt pessimistisch zu sehen. Dagegen sind 76 % der EU-Bürgerinnen und -bürger (in Österreich 81 %) optimistisch in Bezug auf die eigene Zukunft und die Zukunft der Familie.
Zur Lebensqualität meldeten 83 % der EU-Befragten (Österreich: 85 %), mit ihrer Lebensqualität zufrieden zu sein; 17 % (Österreich: 15 %) sagten, sie seien nicht zufrieden. Die Umfrage differenziert weiter: Unter Menschen, die von Zeit zu Zeit Schwierigkeiten haben, Rechnungen zu bezahlen, sind 69 % (Österreich: 73 %) zufrieden mit ihrer Lebensqualität; bei denen, die die meiste Zeit solche Schwierigkeiten haben, liegt der Wert bei 40 % (Österreich: 41 %).
Als wichtigste Kriterien für gute Lebensqualität nannten die Befragten körperliche und geistige Gesundheit (EU: 51 %, Österreich: 62 %) sowie die finanzielle Situation (EU: 49 %, Österreich: 65 %). Hinsichtlich der Erwartungen an den Lebensstandard in den kommenden Jahren erwarten 29 % der EU-Befragten (Österreich: 38 %) einen Rückgang, 50 % (Österreich: 46 %) sehen ihn als stabil und 18 % (Österreich: 12 %) erwarten einen Anstieg.
Die Umfrage nennt Friedenssicherung und mehr Sicherheit als wichtigen Pluspunkt der EU-Mitgliedschaft: Insgesamt erachten 74 % der Befragten in der EU (in Österreich 62 %) die EU-Mitgliedschaft als vorteilhaft für ihr Land. Konkret wird der Beitrag zur Friedenssicherung und zur Sicherheit als zentraler Pluspunkt genannt (EU: 40 %, Österreich: 38 %; Anstieg um drei Prozentpunkte seit Frühjahr 2025 bzw. +4 % in Österreich). An zweiter Stelle steht die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten (EU: 34 %, Österreich: 27 %).
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola wird in der Aussendung wie folgt zitiert: „In Zeiten globaler Unsicherheit sehen die Europäerinnen und Europäer die Europäische Union zunehmend als Leuchtturm der Stabilität. In einer von Unruhen geprägten Welt ist dieses Vertrauen Europas größter Trumpf. Damit verbunden ist die klare Erwartung, dass wir entschlossen handeln, um unseren Bürgerinnen und Bürgern Sicherheit, Wohlstand und Chancen zu bieten.“
Eurobarometer: Das Eurobarometer ist eine Reihe von Umfragen, die im Auftrag des Europäischen Parlaments und anderer EU-Institutionen regelmäßig durchgeführt werden, um Meinungen und Einstellungen in der Bevölkerung der Mitgliedstaaten zu erfassen. Die hier berichtete Erhebung stammt vom Frühjahr 2026.
Mitgliedstaaten: Mit diesem Begriff sind die 27 Länder gemeint, die Mitglied der Europäischen Union sind. Die Umfrage umfasst Befragte in allen 27 EU-Mitgliedstaaten.
Völkerrecht: Völkerrecht bezeichnet die Gesamtheit der rechtlichen Regeln, die die Beziehungen zwischen Staaten regeln. In der Umfrage wünschten sich 90 % der EU-Befragten (Österreich: 87 %), dass sich die EU dafür einsetzt, dass alle Länder das Völkerrecht achten.
Lebensstandard: Der Begriff beschreibt die materielle und immaterielle Situation von Personen, etwa Einkommen, Zugang zu Dienstleistungen und allgemeines Wohlbefinden. In der Umfrage wurde er als Erwartungen zur Entwicklung in den kommenden Jahren abgefragt (EU: 29 % erwarten einen Rückgang, Österreich: 38 %).
Bei der Frage, welche Themen das Europäische Parlament vorrangig behandeln sollte, führt Inflation, steigende Preise und Lebenshaltungskosten die Liste an: 47 % der EU-Befragten (Anstieg um 6 Prozentpunkte gegenüber vorigen Messungen) nannten dieses Thema; in Österreich liegt der Wert bei 52 % (+4 %). Auf den folgenden Plätzen stehen „Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen“ (EU: 35 %, Österreich: 40 %) sowie „Verteidigung und Sicherheit der EU“ (EU: 34 %, Österreich: 32 %).
Diese Themenschwerpunkte spiegeln nach Angaben der Aussendung breite Erwartungen an die Tätigkeit des Europäischen Parlaments in wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen wider.
Worin besteht der zentrale Befund der Umfrage?
Der Kernergebnis ist, dass ein Großteil der Befragten die EU als "Hort der Stabilität" in einer krisenhaften Welt ansieht: 75 % in der EU insgesamt und 76 % in Österreich äußerten diese Einschätzung. Die Umfrage benennt außerdem Prioritäten und Sorgen, etwa zu Sicherheit, Energieunabhängigkeit und Lebenshaltungskosten.
Wie wurde die Umfrage durchgeführt?
Die Erhebung erfolgte vom Meinungsforschungsinstitut Verian zwischen 9. April und 4. Mai 2026. Es wurden 26.421 Interviews in allen 27 EU-Mitgliedstaaten geführt, überwiegend persönlich; in fünf Ländern kamen zusätzlich Videointerviews zum Einsatz. Die Ergebnisse wurden nach Bevölkerungsgröße gewichtet.
Welche Rolle spielt Österreich in den Ergebnissen?
Österreichs Werte werden mehrfach separat ausgewiesen: Beispielsweise sehen 76 % der Österreicherinnen und Österreicher die EU als Stabilitätsanker, 62 % bezeichnen die Mitgliedschaft als vorteilhaft, und 85 % sind mit ihrer Lebensqualität zufrieden. In vielen Punkten weichen die österreichischen Werte vom EU-Durchschnitt ab, was in der Aussendung dokumentiert wird.
Welche Erwartungen an die EU wurden genannt?
Die Befragten nannten Verteidigung und Sicherheit (EU: 39 %, Österreich: 32 %), Energieunabhängigkeit (EU: 35 %, Österreich: 33 %) sowie Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaft (EU: 32 %, Österreich: 28 %) als Prioritäten, um die geopolitische Stellung der EU zu stärken.
Wie sehen die Menschen ihre persönliche Zukunft im Vergleich zur globalen Zukunft?
Während viele Befragte pessimistisch hinsichtlich der Zukunft der Welt sind (EU: 58 %, Österreich: 50 %), ist die persönliche Perspektive positiver: 76 % in der EU (Österreich: 81 %) sind optimistisch in Bezug auf die eigene Zukunft und die Zukunft der Familie.
Welche Themen sollen dem Europäischen Parlament vorrangig sein?
Inflation, steigende Preise und Lebenshaltungskosten stehen laut Umfrage an erster Stelle (EU: 47 %, Österreich: 52 %). Dahinter folgen Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen (EU: 35 %, Österreich: 40 %) sowie Verteidigung und Sicherheit (EU: 34 %, Österreich: 32 %).
Die vollständigen Ergebnisse des Eurobarometer-Frühjahrs 2026 sind auf der Eurobarometer-Website abrufbar. Hintergrundinformationen zur Erhebung finden sich in der Aussendung des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments.
Kontakt vor Ort: Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Österreich, David Hauschild, Telefon: +43 660 4266 186, E‑Mail: david.hauschild [at] europarl.europa.eu, Webseite: https://vienna.europarl.europa.eu.