27. Mai 2026 – Forschung der Interdisciplinary Transformation University (IT:U) liefert Informationen für die laufenden EU-Debatten zur Reform des digitalen Datenschutzes. Im Mittelpunkt steht der ...
27. Mai 2026 – Forschung der Interdisciplinary Transformation University (IT:U) liefert Informationen für die laufenden EU-Debatten zur Reform des digitalen Datenschutzes. Im Mittelpunkt steht der mögliche Übergang von wiederkehrenden Cookie-Bannern hin zu automatisierten, auf individuellen Präferenzen basierenden Datenschutzkontrollen.
Die IT:U forscht zu Advanced Data Protection Control (ADPC), also automatisierten, maschinenlesbaren Mechanismen zur Übermittlung von Datenschutzpräferenzen. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft (z. B. Wirtschaftsuniversität Wien) und Gesellschaft (z. B. noyb) bringt die IT:U Impulse in die Diskussionen rund um den vorgeschlagenen Artikel 88b der Datenschutz-Grundverordnung ein. Ziel ist es, die Belastung für Nutzer:innen zu reduzieren, die derzeit auf nahezu jeder Website erneut Einwilligungsentscheidungen treffen müssen. In einem möglichen Zukunftsszenario könnte ein Browser standardisierte Signale senden, die Websites darüber informieren, ob bestimmte Formen der Datenverarbeitung, etwa Tracking, erlaubt sind. Diese Präferenzen müssten dann für einen definierten Zeitraum technisch respektiert werden.
„Damit könnte der Zustand der Einwilligungsmüdigkeit reduziert werden, also die Erschöpfung durch das permanente Wegklicken von Cookie-Bannern“, erklärt Dr. Soheil Human, Wissenschaftler für Menschenrechte und Technologie an der IT:U.
Die Forschenden sehen besonders kritisch die aktuelle Praxis bei Einwilligungen von Kindern. Ein solcher Ansatz könnte Erziehungsberechtigte stärker einbinden und Minderjährige besser vor unbewusstem Tracking schützen. Die Forschung verweist zudem auf mögliche Entlastungen für Unternehmen, die heute erhebliche Ressourcen in Entwicklung, Wartung und rechtliche Absicherung unterschiedlicher Cookie-Banner-Systeme investieren.
Im Innovation Lab von IT:U und WKOÖ am WIFI Campus in Linz, das planmäßig zum neuen Wintersemester fertiggestellt werden soll, bietet die Forschungsgruppe Human Rights and Technology Workshops zu diesem Thema. Das Format unterstützt lokale Unternehmen und KMU dabei, digitale Innovationen verantwortungsvoll, rechtskonform und praxisnah umzusetzen. Nähere Informationen werden zur Fertigstellung des Innovation Labs veröffentlicht.
Hintergrund: Die Europäische Kommission hat mit dem sogenannten „Digital Omnibus“ ein Gesetzespaket vorgestellt, das unter anderem Anpassungen der Datenschutz-Grundverordnung vorsieht. Ein Bestandteil ist der vorgeschlagene Artikel 88b, der die derzeitige Praxis permanenter Cookie-Banner grundlegend verändern könnte. Sollte dieser Ansatz beschlossen werden, müssten Browser- und Technologieanbieter ihre Systeme innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens anpassen, um automatisierte Datenschutzpräferenzen technisch zu unterstützen.