Anerkennungspreis für Martin Prinz' 'Die letzten Tage' – Preis für besondere verlegerische Leistungen an Verlag Jung und Jung
Im Kreisky-Forum in Wien erhielt der Historiker Oliver Jens Schmitt den Bruno‑Kreisky‑Preis für sein Buch über europäische Rivalitäten. Weitere Auszeichnungen gingen an Martin Prinz und Verlag Jung und Jung.
Am Mittwochabend wurde im Kreisky-Forum in Wien der Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch vergeben. Als Preisträger wurde der an der Universität Wien lehrende Professor für Geschichte Südosteuropas Oliver Jens Schmitt genannt. Ausgezeichnet wurde sein Buch "Moskaus westliche Rivalen. Eine europäische Geschichte vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer" (Klett-Cotta, 2025).
Bei der Veranstaltung zitierte der Gewürdigte einen knappen Satz zur Rolle der Geschichtsschreibung: "Geschichte ist wieder wichtig geworden, und zwar als politische Ressource." Die Verleihung fand in Anwesenheit mehrerer Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Verlagswesen statt.
Die Auszeichnung wurde im Kreisky-Forum übergeben; die Veranstaltung eröffnete die Dritte Nationalratspräsidentin und Präsidentin des Karl-Renner-Instituts, Doris Bures. In ihrer Ansprache sagte Bures: "Politische Literatur verändert zwar keine Machtverhältnisse, aber sie kann Durchblick schaffen und damit Denkprozesse in Gang setzen. Und die sind heute dringend nötig." Sie würdigte das Werk von Oliver Jens Schmitt als "einen wichtigen und erhellenden Beitrag in düsteren Zeiten der politischen und ethischen Verunsicherung".
Der traditionsreiche Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch wird vom Karl-Renner-Institut in Zusammenarbeit mit dem SPÖ-Parlamentsklub und der SPÖ-Bildung verliehen. Fotos der Preisverleihung sind laut Aussendung auf einer bereitgestellten Flickr‑Seite verfügbar.
Der Vorsitzende der Jury, Hannes Swoboda, betonte die Bedeutung eines sorgfältigen Umgangs mit Quellen und Perspektiven. Er sagte: "Es braucht ein sorgfältiges Studium der Geschichte, so wie es Martin Prinz und Oliver Jens Schmitt gemacht haben. Und zwar immer aus der jeweiligen Position der Opfer von Gewaltherrschaft. Allzu oft wurde Geschichte von der Seite der Machthaber gesehen und nicht von der Seite der Opfer."
Swoboda äußerte sich auch zu der Frage, ob aus Geschichte gelernt werden könne: Er widersprach der Auffassung, man könne aus der Geschichte nichts lernen, und formulierte: "Man kann und man sollte aus der Geschichte lernen. Man muss nur die richtigen Bücher lesen. Ein solches wollen wir mit dem Bruno-Kreisky-Preis heute auszeichnen."
In seiner Rede verwies Oliver Jens Schmitt auf die Rolle historischer Argumentation in aktuellen politischen Kontexten. Er erinnerte daran, dass die wesentlichen Reden des russischen Präsidenten Putin vor der Invasion in der Ukraine "historisch argumentiert haben" und berichtete, Putin habe in Gesprächen mit westlichen Journalistinnen und Journalisten mit dem 9. Jahrhundert begonnen.
Schmitt beschrieb damit eine Differenz zwischen unterschiedlichen Auffassungen, was als politisch relevant gilt: Nach seinen Worten schaffe Putin "eine Diskrepanz dessen, was als relevant betrachtet wird, zwischen der Welt, in der er agiert, und den politischen Kulturen, die wir gewohnt sind." Er schloss, dass diese Entwicklung für Historikerinnen und Historiker ein Schock gewesen sei, weil Geschichte in neuer Weise politische Bedeutung erlange.
Der niederösterreichische Autor Martin Prinz erhielt einen Anerkennungspreis für sein Buch "Die letzten Tage", das in der Aussendung als Tatsachenroman über die letzten Tage des Nazi-Regimes in der niederösterreichischen Gemeinde Schwarzau im Gebirge beschrieben wird. Im Werk thematisiert Prinz nach Angaben der Veranstalter, wie der NS-Kreisleiter von Neunkirchen, Johannes Braun, auf der Flucht vor der vorrückenden sowjetischen Armee ein persönliches Mordregime errichtet habe.
In seiner Laudatio bekannte Finanzminister Markus Marterbauer, das Buch zu lesen, sei anfangs „thematisch und emotional Schwerarbeit. Aber trotz oder gerade wegen des schwierigen Einstiegs zieht einen dieser Text nach und nach in seinen Bann und er lässt einen auch nicht mehr los. 'Die letzten Tage' ist ein grandioses Werk, das niemanden loslässt, der sich darauf einlässt." Der Autor selbst sagte: “Die Literatur hat antibiotischen Charakter in meinen Augen, und gleichzeitig hat sie die Notwendigkeit, die Dinge beim Wort zu nehmen und die Welt beim Wort zu nehmen.”
Der Verlag Jung und Jung wurde mit dem Preis für besondere verlegerische Leistungen ausgezeichnet. In der Aussendung heißt es, der Verlag widme sich der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur mit einem Schwerpunkt auf österreichische und junge Autor:innen.
Die Generalsekretärin des Kreisky-Forums, Sabine Kroissenbrunner, würdigte den Verlag für seine "Ästhetik des Eigensinnigen für eine polyphone Gegenwartsliteratur" und hob die "Autonomie und Tradition des Literarischen im Zeitalter der Berechenbarkeit und der Beliebigkeit" hervor. Verlagsleiter Günther Eisenhuber sagte im Gespräch mit Sonja Kato, der Verlag habe den Anspruch, zeitgenössische Literatur zu machen, und betonte, "Wir suchen einfach die Leserinnen und Leser für unsere Bücher und sind überzeugt, dass es sie gibt." Zudem sprach Eisenhuber die Verlagsförderung an und nannte daraus resultierend "die Verpflichtung, Literatur zu machen, die es sonst nicht gäbe."
Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch: Eine Auszeichnung, die laut Aussendung vom Karl-Renner-Institut in Zusammenarbeit mit dem SPÖ-Parlamentsklub und der SPÖ-Bildung vergeben wird. In der Mitteilung werden Preisträger, Anerkennungspreise und besondere verlegerische Auszeichnungen genannt.
Karl-Renner-Institut: In der Aussendung tritt das Institut als veranstaltende Institution auf; seine Präsidentin, Doris Bures, eröffnete die Verleihung im Kreisky-Forum.
Tatsachenroman: Das von Martin Prinz gewählte Genre wird in der Mitteilung als Tatsachenroman beschrieben, also eine literarische Form, die historische Ereignisse in erzählerischer Form darstellt, wie im Fall der letzten Tage des NS-Regimes in Schwarzau im Gebirge.
Verlagsförderung: In der Aussendung thematisiert Verlagsleiter Günther Eisenhuber die Verlagsförderung als Rahmen, aus dem sich nach seiner Aussage die Verpflichtung ergebe, Literatur zu publizieren, die andernfalls nicht erscheinen würde.
Diese Aufzählung entspricht den Nennungen in der offiziellen Aussendung zur Verleihung.
Der Preis ging an Oliver Jens Schmitt, Professor für Geschichte Südosteuropas an der Universität Wien. Benannt wurde das ausgezeichnete Werk als "Moskaus westliche Rivalen. Eine europäische Geschichte vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer" (Klett-Cotta, 2025).
Neben dem Hauptpreis wurde ein Anerkennungspreis an Martin Prinz für sein Buch "Die letzten Tage" vergeben. Außerdem erhielt der Verlag Jung und Jung den Preis für besondere verlegerische Leistungen, wie in der Aussendung angegeben.
Eröffnungsworte sprach Doris Bures als Dritte Nationalratspräsidentin und Präsidentin des Karl-Renner-Instituts. Hannes Swoboda trat als Vorsitzender der Jury in Erscheinung; Markus Marterbauer hielt die Laudatio auf Martin Prinz. Weitere namentlich genannte Personen in der Aussendung sind Sabine Kroissenbrunner, Sonja Kato und Günther Eisenhuber.
Oliver Jens Schmitt wurde mit den Worten zitiert: "Geschichte ist wieder wichtig geworden, und zwar als politische Ressource." In seiner Rede wies er zudem darauf hin, dass bestimmte politische Reden historisch argumentiert worden seien und dass diese neue politische Relevanz der Geschichte für Historiker ein Schock gewesen sei.
In der Aussendung wurde ein Link zu Fotos der Preisverleihung genannt. Die Bilder sind laut Mitteilung auf einer Flickr-Seite publiziert worden.
Quelle: Mitteilung des SPÖ-Parlamentsklubs und des Karl-Renner-Instituts zur Verleihung des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch. Fotos der Veranstaltung: https://www.flickr.com/photos/sozialdemokratie/albums/72177720334488886/
Kontakt: SPÖ-Parlamentsklub, Telefon: 01/40110-3570, E-Mail: klubpresse [at] spoe.at, Website: https://klub.spoe.at