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Vegan-Umfrage: Religionskritik statt Esoterik-Klischees

Auswertung der vegan.eu-Umfrage 2025 mit 2.161 Teilnehmenden zeigt dominante religionskritische Haltung und nur schwache Zusammenhänge zu politischen Einstellungen

23. Juli 2026

Die Auswertung einer großangelegten vegan.eu-Befragung mit 2.161 Teilnehmenden dokumentiert überwiegend religionskritische Einstellungen und nur geringe Verknüpfungen zu Politik.

Eine neue Auswertung der großen vegan.eu-Umfrage 2025 mit 2.161 nach eigenen Angaben vegan lebenden Teilnehmern im Alter von 18 bis 84 Jahren kommt zu dem Ergebnis, dass innerhalb der befragten Gruppe eine überwiegend religionskritische Grundhaltung vorherrscht und Zusammenhänge zwischen Religion, Spiritualität, Esoterik und politischen Einstellungen insgesamt nur gering ausfallen.

Auswertung der vegan.eu-Umfrage 2025 im Überblick

Die Auswertung untersuchte, wie vegan lebende Personen im deutschsprachigen Raum zu Religion, Spiritualität, Esoterik, Anthroposophie, Atheismus und Agnostizismus stehen und wie diese weltanschaulichen Einstellungen mit politischen Haltungen zusammenhängen. Die Mehrheit der Teilnehmer stammte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rekrutiert wurden die Teilnehmer laut Angaben über verschiedene Kanäle, darunter Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichklang/Vegan.eu sowie weitere Wege. In den statistischen Analysen wurden Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg kontrolliert.

Zentrale Zahlen zur Religiosität, Spiritualität und Weltanschauung

Die Auswertung nennt mehrere zentrale Prozentwerte zu Religiosität, Spiritualität und konkreten religiösen bzw. weltanschaulichen Bekenntnissen:

  • 56,6 % der Befragten lehnten Religion im Allgemeinen ab oder lehnten sie stark ab; 30,6 % waren neutral eingestellt; nur 12,8 % bezeichneten sich als religiös oder stark religiös. Eine starke religiöse Orientierung gaben 2,3 % an.
  • Zur nicht religionsgebundenen Spiritualität äußerten sich 41,3 % neutral, 31,8 % lehnten Spiritualität ab oder lehnten sie stark ab, und 26,9 % stimmten Spiritualität zu oder stimmten ihr stark zu. Eine starke spirituelle Orientierung gaben 5,2 % an.
  • Bei konkreten religiösen oder spirituellen Bekenntnissen ergaben sich folgende starke Zustimmungswerte: Buddhismus 8,7 %, Christentum 4,7 %, Jainismus 2,8 %, esoterische Spiritualität 2,6 %, Anthroposophie 2,2 %, Hinduismus 2,0 %, Judentum 0,6 % und Islam 0,3 %. Deutlich häufiger waren starke Zustimmungen zu Atheismus mit 26,0 % und Agnostizismus mit 12,4 %.

Zusammenhänge zwischen Religion, Spiritualität und politischen Einstellungen

Ein Schwerpunkt der Auswertung war die Frage, inwieweit religions- und spiritualitätsbezogene Einstellungen politische Einstellungen erklären. Die Analyse ergab, dass diese Maße statistisch lediglich 6,2 % der Unterschiede im gesamten politischen Variablenset erklärten; demnach blieben 93,8 % der Unterschiede in politischen Einstellungen unabhängig von Religion und Spiritualität.

Der stärkste Einzelzusammenhang erklärte nur 4,9 % der politischen Unterschiede und wurde als eine allgemeine religiös-spirituelle konservative Haupttendenz beschrieben. In diesem Muster waren Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie geringfügig mit stärkerem Autoritarismus sowie geringerer Zustimmung zu unterschiedlichen politischen Positionen verbunden. Demgegenüber standen Atheismus, Religionskritik und Spiritualitätskritik geringfügig mit stärkerer Zustimmung zu bestimmten progressiven Positionen und mit geringerem Autoritarismus.

Keine Sonderrolle der Esoterik in den Analysen

Die Auswertung betont, dass esoterische Spiritualität nicht isoliert mit konservativeren oder autoritäreren Einstellungen verbunden war. Vielmehr gehörte Esoterik laut Bericht zu einem breiteren, schwachen religiös-spirituellen Zusammenhangsmuster, das auch traditionelle Religionen wie Christentum, Buddhismus und Hinduismus einschloss. Die Autoren formulieren daraus, dass die Befunde gegen eine selektive Heraushebung esoterischer Einstellungen als besonderen Prädiktor für rechtsgerichtetes Denken sprechen.

Kleinere Gegenmuster und differenziertere Befunde

Neben dem beschriebenen Hauptbefund fanden sich laut Auswertung noch mehrere kleinere Muster, die jedoch nur sehr geringe Anteile der politischen Unterschiede erklärten:

  • Ein zweites Muster verband Islam, Jainismus, Esoterik und Anthroposophie mit stärkerer Zustimmung zu Entmilitarisierung, antikolonialer Wiedergutmachung und Schutz Geflüchteter; dieses Muster erklärte 0,6 % der politischen Unterschiede.
  • Ein nachgeordnetes christlich-konservatives Zusatzmuster stellte das Christentum spezifisch in Zusammenhang mit geringerer Zustimmung zur Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zu Tierrechten und zur Entmilitarisierung; dieses Muster erklärte 0,3 % der politischen Unterschiede.
  • Ein viertes, noch schwächeres Muster verband Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum und Hinduismus mit mehr Zustimmung zu Gleichberechtigung, Klimaschutz und Schutz Geflüchteter; dieses Muster erklärte 0,2 % der politischen Unterschiede.

Die Auswertung stellt somit heraus, dass religiöse und spirituelle Einstellungen zwar eine gewisse konservative Haupttendenz zeigten, sie in Einzelfällen aber auch mit progressiven Positionen verbunden sein konnten.

Direkte Aussagen des Autors Dr. Guido F. Gebauer

Der Psychologe und Autor der Auswertung, Dr. Guido F. Gebauer, wird mit folgenden Aussagen zitiert: "Die Daten sprechen gegen die Annahme, vegan lebende Personen hätten eine besondere Nähe zu Religion, Spiritualität oder Esoterik" und "Wenn es überhaupt eine auffällige weltanschauliche Tendenz gibt, dann ist es eher eine religionskritische, atheistische oder agnostische Grundhaltung."

Zu den komplexen Befunden äußert Gebauer weiter: "Einerseits sind alle Zusammenhänge zwischen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen und politischen Einstellungen bei vegan lebenden Personen nur schwach ausgeprägt und eignen sich nicht für Stereotypisierungen. Gleichzeitig zeigen sich widersprüchliche Effekte. Die konservative Haupttendenz von Religion und Spiritualität deckt das gesamte Spektrum der Befunde nicht vollständig ab, da aus den Daten ebenso Hinweise erkennbar sind, dass die Zusammenhänge in Einzelfällen auch genau in die umgekehrte Richtung gehen können, nämlich im Sinne von mehr Gleichberechtigung, Klimaschutz und Schutz Geflüchteter. Möglicherweise spielen hierbei religiöse Werte wie Nächstenliebe, Mitgefühl, Vergebung, Toleranz und Barmherzigkeit eine Rolle, die ebenfalls mit Religiosität verbunden sein können."

Gebauer fasst die politische Lage der befragten Gruppe zusammen: "Vegan lebende Personen unterscheiden sich zwar in ihren religiösen und spirituellen Haltungen, sind sich aber weitgehend unabhängig von ihren religionsbezogenen und spirituellen Einstellungen in ihren überwiegend linksgerichteten politischen Einstellungen in hohem Maße ähnlich."

Begriffe erklärt: Atheismus, Agnostizismus, Esoterik, Anthroposophie und Religionskritik

Die Auswertung verwendet mehrere zentrale Begriffe, die hier neutral erläutert werden, wie sie auch in der Studie eine Rolle spielen:

Atheismus

Atheismus bezeichnet in der Studie eine starke Ablehnung religiöser Glaubensvorstellungen; 26,0 % der Befragten gaben eine starke Zustimmung zum Atheismus an.

Agnostizismus

Agnostizismus wurde als eine nicht eindeutige Haltung gegenüber religiösen Fragen erfasst; 12,4 % der Befragten zeigten in der Auswertung starke Zustimmung zu Agnostizismus.

Esoterik

Esoterische Spiritualität wurde als spezielle Form nicht-traditioneller Spiritualität erfasst; 2,6 % der Befragten gaben eine starke Zustimmung zu esoterischer Spiritualität an. In den Analysen spielte Esoterik demnach keine isolierte Sonderrolle.

Anthroposophie

Anthroposophie wurde in der Auswertung als eigenständige weltanschauliche Position erfasst; 2,2 % der Befragten äußerten starke Zustimmung zu Anthroposophie. In den Zusammenhängen mit politischen Einstellungen erschien Anthroposophie Teil eines breiteren Musters.

Religionskritik

Religionskritik wurde in den Ergebnissen als weit verbreitete Haltung ausgewiesen; die Mehrheit der Befragten stand Religion im Allgemeinen kritisch gegenüber, worauf die Auswertung mehrfach hinweist.

Was die Studie offen lässt: Repräsentativität und methodische Hinweise

Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass keine formal repräsentative Zufallsstichprobe vorliegt. Als Begründung wird genannt, dass aufgrund des geringen Anteils vegan lebender Personen an der Gesamtbevölkerung und des Umfangs des Fragebogens eine solche Stichprobenziehung praktisch kaum realisierbar wäre. Zugleich wird angegeben, dass zentrale Befunde bei Kontrolle von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg robust blieben, sodass sich die Ergebnisse nicht plausibel auf Unterschiede in diesen Variablen zurückführen ließen.

FAQ zur vegan.eu-Umfrage

Wer führte die Umfrage durch?

Die Umfrage wurde im Auftrag der Dating-Plattform Gleichklang durch das Informationsportal vegan.eu und Dr. Guido F. Gebauer durchgeführt. Gleichklang unterstützt nach eigenen Angaben insbesondere die Partnersuche und Freundschaftssuche ökologisch orientierter Personen und finanziert das Informationsportal vegan.eu.

Wie groß war die Stichprobe und wer wurde befragt?

Insgesamt beteiligten sich 2.161 nach eigenen Angaben vegan lebende Teilnehmer im Alter von 18 bis 84 Jahren. Die Mehrheit stammte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Rekrutierung erfolgte über verschiedene Kanäle, darunter soziale Medien und Newsletter.

Sind die Ergebnisse repräsentativ für die Gesamtbevölkerung?

Die Autoren betonen, dass keine formale Repräsentativität gegeben ist. Als Gründe werden der geringe Bevölkerungsanteil vegan lebender Personen und der Umfang des Fragebogens genannt. Dennoch nennen die Autoren Kontrollen, mit denen zentrale Befunde robust bleiben sollen.

Was erklärt die Studie über Zusammenhänge mit politischen Einstellungen?

Die Auswertung berichtet, dass die religions- und spiritualitätsbezogenen Maße lediglich 6,2 % der Unterschiede im politischen Variablenset erklärten. Demnach bleiben 93,8 % der politischen Unterschiede unabhängig von diesen Maßzahlen.

Gibt es laut Studie eine besondere Nähe von Veganismus zu Esoterik oder rechter Politik?

Die Autoren fassen die Ergebnisse so zusammen, dass die Daten gegen die Annahme sprechen, vegan lebende Personen hätten eine besondere Nähe zu Religion, Spiritualität oder Esoterik. Sie schreiben außerdem: "Die Befunde widersprechen damit teilweise geäußerten, eher pauschalen Behauptungen, Veganismus sei besonders durch Esoterik oder Spiritualität geprägt, wodurch nach weiteren Annahmen eine Nähe zu rechtsgerichtetem Denken entstehen könne."

Wo finden sich weitere Detailergebnisse und Diskussionen?

Weitere Detailergebnisse, methodische Einordnungen und eine umfassende theoretische Diskussion der Befunde werden laut Mitteilung im vollständigen Artikel auf vegan.eu dargestellt. Die Auswertung verweist auf die entsprechende Darstellung auf vegan.eu.

Quellen und Kontakt

Auswertung und Studie: vegan.eu - Auswertung der Umfrage 2025

Auftraggeber: Gleichklang

Autor / Kontakt: Dr. Guido F. Gebauer, Gleichklang limited, Oesterleystr 1, 30171 Hannover, Tel.: +49 (0)15228973672, E-Mail: gebauer[at]gleichklang.de

Weitere Informationen zur Person des Autors: gfgebauer.de

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