Am 18. Dezember 2025 hat die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) eine Stellungnahme veröffentlicht, die sich kritisch mit dem sogenannten „Integrationsbarometer“ auseinandersetzt. Dieses Instrument, das von der österreichischen Regierung zur Bewertung der Integration von Musliminnen und Mus
Am 18. Dezember 2025 hat die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) eine Stellungnahme veröffentlicht, die sich kritisch mit dem sogenannten „Integrationsbarometer“ auseinandersetzt. Dieses Instrument, das von der österreichischen Regierung zur Bewertung der Integration von Musliminnen und Muslimen genutzt wird, wird von der TKG als politisch und religiös motiviert eingestuft. Die TKG warnt davor, dass solche Instrumente den gesellschaftlichen Frieden gefährden und dem Geist des § 283 StGB widersprechen, der das öffentliche Aufstacheln zu Hass oder die Herabwürdigung religiöser Gruppen unter Strafe stellt.
Das Integrationsbarometer wird von vielen als ein Werkzeug angesehen, das dazu dient, das Zusammenleben von Musliminnen und Muslimen in Österreich zu bewerten. Laut aktuellen Medienberichten glauben rund zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher, dass das Zusammenleben mit Muslimen schlecht oder eher schlecht funktioniert. Diese Zahlen haben sich seit 2015, als sie noch bei 51 Prozent lagen, deutlich erhöht.
Die TKG argumentiert, dass solche Umfragen unter dem Deckmantel seriöser Meinungsforschung durchgeführt werden. Sie werfen den Erstellern vor, suggestive Fragestellungen zu verwenden, die mit Steuergeldern finanziert werden und die muslimische Bevölkerung problematisieren, kriminalisieren und herabwürdigen.
Die Diskussion über die Integration von Musliminnen und Muslimen in Österreich hat eine lange Geschichte. Bereits in den 1960er-Jahren begann die Zuwanderung von Arbeitskräften aus der Türkei, die heute in vierter Generation in Österreich leben. Diese Menschen sind in allen gesellschaftlichen Bereichen vertreten und haben das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben des Landes maßgeblich mitgeprägt.
Die TKG sieht im Integrationsbarometer eine Fortsetzung einer problematischen Praxis, die bereits 2014 in einer Profil-Recherche aufgedeckt wurde. Damals wurde der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) unter ÖVP-Führung für politisch verwertbare Anti-Muslim-Narrative eingesetzt. Die TKG sieht im aktuellen Integrationsbarometer eine Fortsetzung dieser politischen Praxis.
Im Vergleich zu Österreich ist die Diskussion über die Integration von Musliminnen und Muslimen in Deutschland und der Schweiz ähnlich komplex. In Deutschland wird die Integration oft im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise diskutiert, während in der Schweiz das Minarettverbot ein prominentes Beispiel für die Herausforderungen der Integration ist. In beiden Ländern wird jedoch, ähnlich wie in Österreich, die Bedeutung einer differenzierten und faktenbasierten Diskussion betont.
Die Auswirkungen solcher Instrumente auf die muslimische Bevölkerung in Österreich sind erheblich. Die TKG argumentiert, dass das Integrationsbarometer dazu beiträgt, ein verzerrtes Bild der muslimischen Gemeinschaft zu zeichnen. Dies führt zu einer Stigmatisierung und Herabwürdigung, die das gesellschaftliche Zusammenleben belastet.
Ein Beispiel für die negativen Auswirkungen ist die fortwährende Erwartung, dass Musliminnen und Muslime ihre Integration immer wieder neu unter Beweis stellen müssen. Diese Erwartung ist nicht nur diskriminierend, sondern steht auch im Widerspruch zum verfassungsrechtlichen Grundsatz, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.
Die TKG fordert mehr Transparenz über die Verwendung von Steuergeldern im Integrationsbereich. Sie kritisieren, dass das Integrationsbarometer mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, die auch von der muslimischen Bevölkerung stammen. Zudem fordern sie die Einführung eines unabhängigen, wissenschaftlich fundierten Rassismus-Barometers, das strukturelle Diskriminierung in Österreich sichtbar macht.
Die TKG fordert eine sofortige Beendigung politisch motivierter Instrumente, die Muslime kollektiv herabsetzen. Sie plädieren für eine Integrationspolitik, die auf säkularen, freiheitlich-demokratischen, vielfältigen und rechtsstaatlichen Grundsätzen basiert. Die TKG appelliert an Politik, Medien und Institutionen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und fordert eine konsequente Einhaltung der gesetzlichen Schutzbestimmungen, insbesondere des § 283 StGB.
In Zukunft sieht die TKG die Notwendigkeit, zwischen sicherheitsrelevanten Akteuren und der breiten muslimischen Bevölkerung zu unterscheiden, um eine pauschale Diffamierung zu vermeiden. Die Mehrheit der Musliminnen und Muslime in Österreich ist pluralistisch, heterogen und rechtsstaatlich loyal und sollte nicht durch politisch motivierte Umfragen stigmatisiert werden.
Die Diskussion um das Integrationsbarometer zeigt, wie wichtig eine differenzierte und faktenbasierte Debatte über die Integration von Musliminnen und Muslimen in Österreich ist. Die TKG fordert mehr Transparenz und eine Integrationspolitik, die auf Gleichbehandlung und Menschenwürde basiert. Die Frage bleibt offen, wie Österreich in Zukunft eine Gesellschaft gestalten kann, die Vielfalt als Stärke erkennt und fördert.