Eine neue Ära für die Sozialversicherung der Selbständigen in Kärnten: Nach 13 Monaten Bauzeit und einer Investition von 12 Millionen Euro wurde am Donnerstag die komplett renovierte Landesstelle d...
Eine neue Ära für die Sozialversicherung der Selbständigen in Kärnten: Nach 13 Monaten Bauzeit und einer Investition von 12 Millionen Euro wurde am Donnerstag die komplett renovierte Landesstelle der SVS in Klagenfurt eröffnet. SVS-Obmann Peter Lehner und Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber weihten das moderne Servicezentrum ein, das künftig als zentrale Anlaufstelle für 100.000 Versicherte in Kärnten fungiert.
Das Bestandsgebäude in der Feldkirchnerstraße 52 wurde von Grund auf transformiert. Auf einer Nettonutzfläche von knapp 3.100 Quadratmetern verteilt auf Untergeschoß, Erdgeschoß und drei Obergeschoße entstanden 180 moderne Arbeitsplätze. "Wir haben einen innovativen Standort geschaffen, der sowohl unseren Mitarbeitern als auch unseren Versicherten zugutekommt", erklärt SVS-Obmann Peter Lehner die umfassende Modernisierung.
Die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) ist die gesetzliche Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung für Selbständige, Gewerbetreibende, Freiberufler und Landwirte in Österreich. Sie entstand 2020 aus der Fusion der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB). Diese Zusammenlegung sollte Synergien schaffen und die Verwaltungskosten senken, während gleichzeitig die Servicequalität für die Versicherten verbessert wird.
Im Erdgeschoß des neuen Gebäudes befindet sich ein Servicecenter mit fünf Kundenkojen, das speziell für persönliche Beratungen konzipiert wurde. "Auch wenn wir ein Digital-First-Mindset verfolgen und umfassende digitale Services wie die SVS-Go-App, Chatbots und unsere Website anbieten, braucht es bei wichtigen und komplexen Fragen nach wie vor persönliche Beratung", betont Lehner die Bedeutung des direkten Kundenkontakts.
Diese Strategie spiegelt einen wichtigen Trend in der österreichischen Verwaltung wider. Während die Digitalisierung voranschreitet und immer mehr Services online verfügbar werden, zeigen Studien, dass gerade bei komplexen Sozialversicherungsangelegenheiten die persönliche Beratung unersetzlich bleibt. Besonders ältere Unternehmer und Landwirte schätzen den direkten Kontakt zu Experten, wenn es um Pensionsangelegenheiten oder komplizierte Krankenversicherungsfälle geht.
Ein besonderer Fokus lag bei der Renovierung auf Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz. Das Gebäude erhielt die Klima-Aktiv-Zertifizierung, ein österreichisches Gütesiegel für nachhaltiges Bauen. "Diese Auszeichnung bestätigt unser Engagement für den Klimaschutz", freut sich Lehner über die Anerkennung.
Die Klima-Aktiv-Initiative des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) ist Österreichs größtes Klimaschutzprogramm. Gebäude, die diese Zertifizierung erhalten, müssen strenge Kriterien erfüllen: niedrigen Energiebedarf, hohe Energieeffizienz, ökologische Baustoffe und Komfort für die Nutzer. Nur etwa 10 Prozent aller Neubauten und Sanierungen in Österreich erreichen diesen Standard.
Die thermische Sanierung der Gebäudehülle erfolgte mit innovativer Hanfdämmung. Hanf als Dämmstoff erlebt in der modernen Baubranche eine Renaissance: Das nachwachsende Material ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch besonders effektiv bei der Wärmedämmung und reguliert natürlich die Feuchtigkeit. Der alte Gasanschluss wurde durch einen Fernwärmeanschluss ersetzt, was die CO2-Bilanz des Gebäudes erheblich verbessert.
Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage mit 38 Kilowatt Peak (kWp) Leistung installiert. Diese Anlage kann jährlich etwa 38.000 Kilowattstunden sauberen Strom produzieren – genug, um den Verbrauch von zehn durchschnittlichen österreichischen Haushalten zu decken. Sieben E-Ladestationen stehen Mitarbeitern und Besuchern zur Verfügung, was die Nutzung von Elektrofahrzeugen fördert.
Sogar bei den Parkplätzen wurde auf Nachhaltigkeit geachtet: Statt versiegelndem Asphalt kamen Grünmuldensteine zum Einsatz. Diese spezielle Pflasterung ermöglicht es Regenwasser, direkt zu versickern, reduziert Oberflächenabfluss und erweitert gleichzeitig die Grünfläche des Standorts. Diese Lösung wird zunehmend in modernen Bauvorhaben eingesetzt, um der Bodenversiegelung entgegenzuwirken.
Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber sieht in der neuen SVS-Landesstelle weit mehr als nur ein Verwaltungsgebäude: "Dieses Projekt steht für einen bedeutenden Schritt in Richtung Servicequalität, Effizienz und Nachhaltigkeit und für eine bewusste Investition in den Wirtschaftsstandort Kärnten."
Die 180 Arbeitsplätze in dem Gebäude teilen sich in verschiedene Bereiche auf: Mitarbeiter, die sich ausschließlich um Kärntner Versicherte kümmern, arbeiten gemeinsam mit jenen, die bundesweite Aufgaben von Klagenfurt aus erledigen. Diese Struktur ermöglicht Synergien und Wissenstransfer zwischen regionalen und überregionalen Teams.
Kärnten profitiert besonders von dieser Investition, da das Bundesland traditionell mit Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte kämpft. Die 180 gut bezahlten Arbeitsplätze in der Sozialversicherung bieten attraktive Perspektiven für Fachkräfte in der Region. Zudem stärkt die moderne Ausstattung und nachhaltige Bauweise das Image Kärntens als innovativen Arbeitsstandort.
Die Zielgruppe der SVS umfasst in Kärnten verschiedenste Berufszweige: von Tourismusbetrieben in den Skigebieten und an den Seen über traditionelle Handwerksbetriebe bis hin zu modernen IT-Unternehmen und Landwirtschaftsbetrieben. "Unternehmer, Selbstständige und Landwirte sorgen für Wertschöpfung, Beschäftigung und Versorgungssicherheit in Kärnten. Sie brauchen deshalb einen starken, verlässlichen Partner", unterstreicht Gruber die Bedeutung der Berufsgruppen für das Bundesland.
Besonders in Kärnten spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle: Rund 12.000 landwirtschaftliche Betriebe prägen die Struktur des Bundeslandes. Von kleinen Bergbauernhöfen bis zu größeren Betrieben im Klagenfurter Becken reicht die Bandbreite. Diese Betriebe benötigen spezielle Beratung bei Sozialversicherungsfragen, da sich ihre Situation oft deutlich von anderen Selbständigen unterscheidet.