Osteoporose oft unerkannt: Studie des LBI Osteologie
Österreichweite Analyse von Krankenhausdaten zeigt Unterschiede bei Dokumentation nach Frakturen
LBI Osteologie und CSH werteten Daten von über 1,7 Millionen Patienten aus und finden Lücken bei der Diagnose von Osteoporose nach Knochenbrüchen.
Eine österreichweite Studie des Ludwig Boltzmann Instituts für Osteologie (LBI Osteologie) und des Complexity Science Hub (CSH) analysiert, wie Osteoporose und verschiedene Frakturtypen in Krankenhausdaten gemeinsam auftreten. Die Untersuchung basiert auf stationären Abrechnungsdaten und liefert erstmals einen umfassenden Überblick über die gemeinsame Dokumentation von Osteoporose und Knochenbrüchen in Österreich.
Die Autoren berichten, dass viele Frakturen als typische Frühwarnzeichen für Osteoporose gelten, jedoch im Klinikalltag häufig nicht als solche erkannt und dokumentiert werden. Männer und jüngere Patienten scheinen dabei häufiger betroffen zu sein.
Österreichweite Studie des LBI Osteologie und CSH
Das Forschungsteam wertete österreichische Krankenhausdaten von mehr als 1,7 Millionen Patienten im Alter zwischen 50 und 79 Jahren aus, die zwischen 2003 und 2014 im Rahmen von Versicherungsansprüchen erhoben wurden. Anstatt einzelne Erkrankungen isoliert zu betrachten, untersuchten die Forschenden erstmals österreichweit, welche Diagnosen gemeinsam mit Osteoporose und verschiedenen Frakturtypen auftreten.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Bone publiziert. In der Publikation heißt es: Behanova, M., Kocijan, R., Dervić E. Sex- and age-specific comorbidity networks associated with osteoporosis and fragility fractures in nationwide data, Bone (2026). https://doi.org/10.1016/j.bone.2026.118014
Knochenbrüche oft im Zusammenhang mit weiteren Gesundheitsfaktoren
Die Studie stellt heraus, dass Knochenbrüche meist nicht durch eine einzelne Ursache entstehen. Neben der Knochenmineraldichte spielen Begleiterkrankungen, das Sturzrisiko sowie der allgemeine Gesundheitszustand eine Rolle. Die Forschenden haben deshalb komorbide Diagnosen in Beziehung zu Osteoporose und verschiedenen Frakturtypen gesetzt, um komplexe Muster zu identifizieren.
„Osteoporose und Knochenbrüche treten in der klinischen Praxis häufig gemeinsam mit vielen weiteren Erkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder neurologische Erkrankungen auf“, erklärt Martina Behanova, Studienerstautorin und Senior Researcher am LBI Osteologie.
Roland Kocijan, Leiter des Bereichs Osteologie und seltene Knochenerkrankungen am Hanusch-Krankenhaus Wien, ergänzt: "Um das Risiko weiterer Frakturen zu verhindern, empfehlen wir daher das gesamte Gesundheitsprofil der Patient:innen zu berücksichtigen. Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine konsequente Osteoporose-Abklärung nach einem Knochenbruch ist, um weitere Frakturen zu verhindern."
Osteoporose wird nicht bei allen Frakturarten gleichermaßen dokumentiert
Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Knochenbruchtypen. Hüftbrüche standen am häufigsten mit einer dokumentierten Osteoporose in Zusammenhang, vor allem bei Frauen ab 60 Jahren. Gleichzeitig werden viele typische osteoporotische Frakturen – insbesondere an Unterarm, Oberarm und Becken – im klinischen Alltag noch nicht konsequent als Ausdruck einer Osteoporose erkannt.
Die Autorenschaft stellt fest, dass diese Frakturen bereits die Diagnose einer manifesten Osteoporose erfüllen können. In der Meldung heißt es weiter, dass solche Fälle eine "rasche Abklärung sowie den Beginn einer spezifischen Osteoporosetherapie" erfordern, um weitere Knochenbrüche zu verhindern. Gleichzeitig betonen die Forschenden die Struktur der Datenanalyse: Auswertungen beziehen sich ausschließlich auf stationäre Krankenhausaufenthalte; ambulant behandelte Brüche konnten nicht berücksichtigt werden.
Die Studie weist außerdem darauf hin, dass Frakturen häufig nicht isoliert auftreten, sondern eng mit weiteren Frakturen an anderen Skelettregionen assoziiert sind. "Jede Fragilitätsfraktur sollte daher als Warnsignal verstanden werden, um eine Frakturkaskade frühzeitig zu durchbrechen", so Kocijan.
Männer und Patienten im Alter 50–69 seltener mit Osteoporose dokumentiert
Die Auswertung ergab Unterschiede nach Geschlecht und Alter. Während Osteoporose bei Frauen häufiger im Zusammenhang mit verschiedenen chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Arthrose dokumentiert wurde, erfolgte die Diagnose bei Männern laut Studie oft erst im Zusammenhang mit einem bereits eingetretenen Knochenbruch.
Besonders auffällig war, dass Osteoporose bei Männern sowie bei Patienten im Alter von 50 bis 69 Jahren deutlich seltener im Zusammenhang mit Frakturen diagnostiziert bzw. dokumentiert wurde. Zugleich fanden sich bei Männern dieser Altersgruppe häufiger verletzungs- und alkoholassoziierte Begleitdiagnosen.
Elma Dervić, Studienautorin und Postdoctoral Researcher am CSH, wird mit den Worten zitiert: "Osteoporose wird bei Männern möglicherweise zu spät erkannt". In der Aussendung ergänzt sie: "Damit verpassen wir wichtige Chancen, rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten und weitere Frakturen zu verhindern. Eine frühere Diagnose kann entscheidend sein, um die Knochengesundheit langfristig zu schützen."
Begriffe erklärt: Osteoporose, Fragilitätsfraktur, Knochenmineraldichte und stationäre Daten
- Osteoporose: In der Aussendung wird Osteoporose als "eine Erkrankung, bei der die Knochen an Dichte und Stabilität verlieren" beschrieben und als eine der häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter benannt.
- Fragilitätsfraktur: Im Text werden Frakturen an Unterarm, Oberarm, Becken und Hüfte als typische oder typische Fragilitätsfrakturen genannt; solche Brüche gelten in der Studie als mögliche Hinweise auf eine zugrunde liegende Knochenschwäche.
- Knochenmineraldichte: Die Meldung nennt die Knochenmineraldichte als einen der Faktoren, die das Frakturrisiko beeinflussen, neben Begleiterkrankungen und Sturzrisiko.
- Stationäre Krankenhausdaten: Die Studie basierte auf stationären Abrechnungsdaten (Versicherungsansprüche) aus dem Zeitraum 2003–2014; ambulant behandelte Brüche konnten nicht erfasst werden.
Wesentliche Ergebnisse zusammengefasst
Die Studie liefert mehrere zentral belegte Erkenntnisse, die in der Aussendung hervorgehoben werden:
- Analyse von über 1,7 Millionen Patienten im Alter 50–79 Jahre aus stationären Krankenhausdaten;
- Hüftbrüche zeigten die höchste Verbindung zu dokumentierter Osteoporose, insbesondere bei Frauen ab 60 Jahren;
- Typische osteoporotische Frakturen an Unterarm, Oberarm und Becken werden laut Studie oft nicht als Ausdruck einer Osteoporose dokumentiert;
- Männer und Patienten im Alter 50–69 Jahre hatten seltener eine dokumentierte Osteoporose im Zusammenhang mit Frakturen; bei Männern traten häufiger verletzungs- und alkoholassoziierte Diagnosen auf;
- Die Studie erhebt Daten ausschließlich aus stationären Aufenthalten; ambulant behandelte Frakturen blieben unberücksichtigt.
FAQ zur Studie
Was war Gegenstand der Untersuchung?
Die Studie analysierte, welche Diagnosen österreichweit gemeinsam mit Osteoporose und verschiedenen Frakturtypen in Krankenhausdaten auftreten. Dafür wurden stationäre Abrechnungsdaten von mehr als 1,7 Millionen Patienten im Alter 50–79 Jahre aus den Jahren 2003 bis 2014 ausgewertet.
Welche Datenbasis wurde verwendet?
Ausgangsbasis waren Versicherungsansprüche, die stationäre Krankenhausaufenthalte dokumentieren. Die Autorenschaft weist ausdrücklich darauf hin, dass ambulant behandelte Brüche in dieser Datengrundlage nicht enthalten sind.
Welche Frakturen waren besonders häufig mit dokumentierter Osteoporose verbunden?
Hüftbrüche standen am häufigsten mit einer dokumentierten Osteoporose in Zusammenhang, vor allem bei Frauen ab 60 Jahren. Andere typische Frakturen wie an Unterarm, Oberarm und Becken wurden laut Studie jedoch nicht immer als Ausdruck einer Osteoporose dokumentiert.
Welche Unterschiede gab es nach Geschlecht und Alter?
Die Studie fand, dass Osteoporose bei Frauen häufiger in Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen wie Arthrose dokumentiert wurde. Bei Männern trat die Diagnose öfter erst nach einem Knochenbruch auf; Patienten im Alter 50–69 Jahre hatten insgesamt seltener eine dokumentierte Osteoporose im Zusammenhang mit Frakturen.
Welche Einschränkungen benennt die Studie?
Die wichtigsten genannten Einschränkungen sind datenbezogen: Die Auswertung basiert nur auf stationären Krankenhausaufenthalten, ambulant behandelte Frakturen konnten nicht berücksichtigt werden. Weitere methodische Details sind in der veröffentlichten Studie im Journal Bone nachzulesen.
Wo sind die Ergebnisse publiziert und wo finden sich weitere Informationen?
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Bone veröffentlicht: https://doi.org/10.1016/j.bone.2026.118014. Zusätzliche Informationen zu den beteiligten Institutionen sind auf den Websites des LBI Osteologie und des Complexity Science Hub abrufbar.
Quellen und Kontakt
Publikation: Behanova, M., Kocijan, R., Dervić E. Sex- and age-specific comorbidity networks associated with osteoporosis and fragility fractures in nationwide data, Bone (2026). https://doi.org/10.1016/j.bone.2026.118014
Weitere Informationen zum LBI Osteologie: https://osteologie.lbg.ac.at/
Weitere Informationen zum Complexity Science Hub: https://csh.ac.at/
Kontakt: Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Mag. Werner Fulterer, Telefon: +43 1 513 27 50-28, E-Mail: werner.fulterer [at] lbg.ac.at