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Ströck-Lehrlinge übernehmen Westfield-Filiale: Innovation trifft Tradition

10. März 2026 um 05:18
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Eine Bäckereifiliale im Westfield Donau Zentrum wird vom 16. bis 20. März 2026 zur Lehrwerkstatt der besonderen Art: Angehende Bäcker, Konditorinnen und Verkaufsfachkräfte übernehmen das Ruder bei ...

Eine Bäckereifiliale im Westfield Donau Zentrum wird vom 16. bis 20. März 2026 zur Lehrwerkstatt der besonderen Art: Angehende Bäcker, Konditorinnen und Verkaufsfachkräfte übernehmen das Ruder bei Ströck und beweisen, dass Vertrauen in die nächste Generation mehr als nur ein Marketingslogan ist. Das traditionsreiche Wiener Familienunternehmen setzt bereits zum neunten Mal auf dieses außergewöhnliche Ausbildungskonzept, das österreichweit als Vorreitermodell gilt.

Lehrlingswoche als Erfolgsstrategie im Fachkräftemangel

Die sogenannte Lehrlingswoche ist ein innovatives Ausbildungskonzept, bei dem Auszubildende vollständig die Verantwortung für eine reguläre Betriebsstätte übernehmen. Von der Backstube über den Verkauf bis hin zum Management werden alle Positionen von Lehrlingen besetzt, während erfahrene Mitarbeiter lediglich beratend im Hintergrund stehen. Dieses Modell geht weit über herkömmliche Praktika hinaus, da die Jugendlichen echte unternehmerische Verantwortung tragen und direkt mit Kunden interagieren.

"Vertrauen ist die Basis für ein langjährig ehrliches und produktives Verhältnis zwischen dem Team und dem Unternehmen", erklärt Geschäftsführerin Irene Ströck das Konzept. "Einmal im Jahr legen wir vertrauensvoll eine stark frequentierte Filiale in die Hände unserer heranwachsenden Talente und lernen gemeinsam aus ihren Ansätzen."

Zahlen und Fakten zur Ströck-Ausbildung

Das 1970 gegründete Familienunternehmen beschäftigt insgesamt 1.600 Mitarbeiter und bildet kontinuierlich 45 Lehrlinge in vier verschiedenen Lehrberufen aus. Jährlich werden etwa 15 neue Auszubildende aufgenommen, was einer Lehringsquote von rund 2,8 Prozent entspricht. Diese Quote liegt deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 2,1 Prozent im Einzelhandel und zeigt das starke Engagement des Unternehmens in der Nachwuchsförderung.

Die vier Lehrberufe bei Ströck umfassen Bäcker/in (3 Jahre Lehrzeit), Konditor/in (3 Jahre), Einzelhandelskaufmann/-frau (3 Jahre) und Bürokaufmann/-frau (3 Jahre). Besonders bemerkenswert ist die hohe Übernahmequote: Mehr als 80 Prozent der Lehrlinge bleiben nach erfolgreichem Abschluss im Unternehmen, was in der oft von hoher Fluktuation geprägten Gastronomie- und Einzelhandelsbranche außergewöhnlich ist.

Österreichische Lehrlingsausbildung im internationalen Vergleich

Das österreichische Duale Ausbildungssystem kombiniert praktische Arbeit im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule. Dieses System gilt international als Erfolgsmodell und wird von Ländern wie Deutschland und der Schweiz ähnlich praktiziert. In Österreich absolvieren derzeit rund 109.000 Jugendliche eine Lehre in über 200 verschiedenen Lehrberufen.

Im Vergleich zu Deutschland, wo die Ausbildung stärker standardisiert ist, bietet das österreichische System mehr Flexibilität bei der betrieblichen Gestaltung der Lehrzeit. Die Schweiz wiederum investiert noch stärker in die überbetriebliche Ausbildung, während Österreich den Fokus auf die betriebliche Praxis legt. Innovative Ansätze wie die Ströck-Lehrlingswoche sind jedoch einzigartig und werden zunehmend als Best-Practice-Beispiel in der Ausbildungslandschaft wahrgenommen.

Herausforderungen der Bäckereiausbildung

Die Bäckereiausbildung steht vor besonderen Herausforderungen: Frühe Arbeitszeiten, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten und die Konkurrenz durch Industriebäckereien erschweren die Nachwuchsgewinnung. Laut Wirtschaftskammer Österreich ist die Zahl der Bäckerlehrlinge in den letzten zehn Jahren um etwa 15 Prozent zurückgegangen. Umso wichtiger werden innovative Ausbildungskonzepte wie jenes von Ströck.

Das traditionelle Handwerk des Bäckers erfordert heute zusätzlich zu den klassischen Fertigkeiten auch Kenntnisse in Lebensmitteltechnologie, Hygieneschulung und Kundenbetreuung. Moderne Bäckereien sind längst nicht mehr nur Produktionsstätten, sondern entwickeln sich zu gastronomischen Erlebnisräumen, die entsprechend ausgebildetes Personal benötigen.

Praxiserfahrung mit echten Konsequenzen

"Die Lehrlingswoche ist weit mehr als nur eine spannende Herausforderung", betont Katharina Pichler, HR-Leitung bei Ströck. "Sie ist eine wertvolle Gelegenheit für unsere Nachwuchstalente, Verantwortung zu übernehmen, unternehmerisches Denken zu entwickeln und Teamgeist zu beweisen." Die Jugendlichen erleben dabei hautnah, was es bedeutet, eine Filiale zu managen – von der Produktpräsentation über den Gästeservice bis hin zur Organisation hinter den Kulissen.

Während der Lehrlingswoche müssen die Auszubildenden eigenständig Entscheidungen treffen, die direkten Einfluss auf den Geschäftserfolg haben. Sie sind verantwortlich für die Warenpräsentation, die Bestandsführung, die Qualitätskontrolle und den direkten Kundenkontakt. Diese Eigenverantwortung geht weit über das hinaus, was Lehrlinge normalerweise in ihrer Ausbildung erleben.

Spezielle Aktionen der Lehrlingswoche 2026

Als besondere Attraktion servieren die jungen Backkünstler während der Aktionswoche mediterrane Focaccia-Variationen mit Prosciutto sowie Salami und Tomate-Mozzarella. Exklusiv in der Lehrlingswoche erhalten Kunden zu jedem Snack ein kostenloses Römerquelle-Mineralwasser dazu. Diese Produktinnovation stammt direkt aus den Ideen der Lehrlinge und zeigt, wie das Unternehmen deren Kreativität in konkrete Angebote umsetzt.

Auswirkungen auf Kundenservice und Betriebsabläufe

Für die Kunden im Westfield Donau Zentrum bedeutet die Lehrlingswoche eine besondere Erfahrung: Sie werden von motivierten Jugendlichen bedient, die mit frischem Enthusiasmus und oft überraschenden Ideen an ihre Aufgaben herangehen. Gleichzeitig müssen die Lehrlinge beweisen, dass sie den gewohnten Service-Standard halten können.

Die Westfield Donau Zentrum-Filiale ist mit täglich mehreren hundert Kunden eine der frequentiertesten Ströck-Standorte. Die Herausforderung liegt nicht nur in der hohen Kundenfrequenz, sondern auch in der Vielfalt der Kundenwünsche in einem internationalen Einkaufszentrum. Lehrlinge müssen hier oft in mehreren Sprachen kommunizieren und mit unterschiedlichen kulturellen Erwartungen umgehen.

Mentoring und Qualitätssicherung

Obwohl die Lehrlinge die Hauptverantwortung tragen, steht ihnen ein Mentoring-Team aus erfahrenen Mitarbeitern zur Seite. Diese greifen nur in kritischen Situationen ein und fungieren hauptsächlich als Berater. Das System basiert auf dem pädagogischen Prinzip des "Learning by Doing" mit einem Sicherheitsnetz für Notfälle.

Die Qualitätssicherung erfolgt durch tägliche Besprechungen am Morgen und Abend, in denen Erfahrungen ausgetauscht und Verbesserungen besprochen werden. Kundenfeedback wird systematisch gesammelt und fließt in die Bewertung der Lehrlingswoche ein. Dieses kontinuierliche Feedback hilft den Jugendlichen, ihre Leistung zu reflektieren und zu verbessern.

Nachhaltigkeitsaspekte und Unternehmensstrategie

Das Engagement in der Lehrlingsausbildung ist Teil der umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie von Ströck. Das Familienunternehmen sieht Nachhaltigkeit nicht nur in ökologischen Aspekten wie der "Bio-Wiederbrot"-Linie zur Vermeidung von Food Waste, sondern auch in der sozialen Nachhaltigkeit durch langfristige Mitarbeiterbindung.

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei Ströck liegt bei über zehn Jahren, was in der Gastronomiebranche außergewöhnlich ist. Diese Mitarbeiterbindung entsteht durch das Vertrauen, das bereits in der Ausbildung aufgebaut wird. Lehrlinge, die von Anfang an Verantwortung übernehmen dürfen, entwickeln eine stärkere emotionale Bindung zum Unternehmen.

Wirtschaftliche Vorteile des Ausbildungsmodells

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die intensive Lehrlingsbetreuung eine Investition in die Zukunft. Die Kosten für die Rekrutierung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter sind deutlich höher als die Ausbildung eigener Nachwuchskräfte. Studien zeigen, dass die Gesamtkosten für die Neubesetzung einer Fachkraftstelle zwischen 15.000 und 25.000 Euro liegen können.

Die Ausbildungskosten pro Lehrling betragen bei Ströck etwa 45.000 Euro über die gesamte Lehrzeit, inklusive Lehrlingsentschädigung, Ausbildungsbetreuung und überbetrieblicher Kurse. Diese Investition amortisiert sich bereits nach zwei Jahren Beschäftigung nach der Lehre durch die höhere Produktivität und geringere Fluktuation.

Zukunftsperspektiven für die Lehrlingsausbildung

Die Digitalisierung verändert auch die Anforderungen an Bäckereifachkräfte. Digitale Bestellsysteme, automatisierte Produktionsabläufe und datengestützte Kundenanalyse werden zunehmend wichtiger. Ströck bereitet seine Lehrlinge bereits heute auf diese Entwicklungen vor und integriert entsprechende Schulungen in die Ausbildung.

Das Modell der Lehrlingswoche könnte Schule machen: Bereits mehrere österreichische Unternehmen haben Interesse an ähnlichen Konzepten gezeigt. Die Wirtschaftskammer Wien plant, das Ströck-Modell als Best Practice in ihre Beratungsleistungen für Ausbildungsbetriebe aufzunehmen.

Gesellschaftliche Bedeutung der Lehrlingsförderung

In Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels gewinnt die Lehrlingsausbildung gesellschaftliche Relevanz. Österreich hat mit einer Jugendarbeitslosigkeit von 8,9 Prozent (EU-Durchschnitt: 14,8 Prozent) eine der niedrigsten Raten in Europa – ein Erfolg, der maßgeblich auf das duale Ausbildungssystem zurückzuführen ist.

Innovative Ausbildungskonzepte wie die Ströck-Lehrlingswoche tragen dazu bei, die Attraktivität der Lehre zu steigern und dem Image-Problem traditioneller Handwerksberufe entgegenzuwirken. Sie zeigen jungen Menschen konkrete Entwicklungsmöglichkeiten auf und vermitteln das Gefühl, von Anfang an ernst genommen zu werden.

Die neunte Auflage der Ströck-Lehrlingswoche wird vom 16. bis 20. März 2026 nicht nur ein Ausbildungsprojekt sein, sondern ein Statement für die Zukunftsfähigkeit des österreichischen Mittelstands. Sie beweist, dass Tradition und Innovation keine Gegensätze sind, sondern sich ideal ergänzen können – ganz im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensführung, die auf Menschen setzt.

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