Georg Strasser und Richard Hogl fordern Zusammenhalt in der Landwirtschaft und kritisieren Polarisierung rund um den Bauerntag in Wieselburg
Georg Strasser und Richard Hogl reagieren auf FPÖ und UBV und fordern ein Ende parteipolitischer Zuspitzungen in der Landwirtschaft. Der Artikel ordnet Wieselburg, Bauernbund und Agrarstruktur ein.
Georg Strasser und Richard Hogl fordern im aktuellen Agrarstreit ein Ende parteipolitischer Zuspitzungen. In einer Aussendung der ÖVP Niederösterreich reagieren der Präsident des Österreichischen Bauernbundes und der VPNÖ-Landtagsabgeordnete auf jüngste Aussagen aus dem Umfeld von FPÖ und UBV. Ihre zentrale Botschaft lautet: Die Lage der Landwirtschaft sei zu ernst, um bäuerliche Familien gegeneinander auszuspielen.
Der Konflikt wird in der Aussendung mit Wieselburg verknüpft. Dort fand rund um die Messe „Land Forst Jagd“ der NÖ Bauerntag 2026 statt. Strasser und Hogl sehen die Kritik ihrer politischen Gegner als Versuch, von einer aus ihrer Sicht gescheiterten Demonstration abzulenken. Der Artikel ordnet ein, wer hier spricht, warum Wieselburg agrarpolitisch relevant ist und welche Zahlen zeigen, weshalb die Debatte um Landwirtschaft in Österreich tatsächlich angespannt bleibt.
Die ÖVP-Niederösterreich-Aussendung stellt die Auseinandersetzung als Streit um Verantwortung in der Landwirtschaft dar. Strasser kritisiert parteipolitische Inszenierungen und warnt vor Spaltung innerhalb bäuerlicher Familien. Nach seiner Darstellung brauchen Bäuerinnen und Bauern gerade jetzt Zusammenhalt und gemeinsame Lösungen, nicht gegenseitige Angriffe zwischen Berufsgruppen, Interessenvertretungen und Parteien.
Richard Hogl formuliert den Standpunkt des Niederösterreichischen Bauernbundes ähnlich. Er betont, der Bauernbund werde weiter für die Anliegen der Bäuerinnen und Bauern kämpfen, aber nicht gegen eigene Berufskollegen demonstrieren. Der Vorwurf an FPÖ, UBV und weitere Akteure lautet daher nicht nur, dass Kritik geäußert werde, sondern dass Bauern gegen Bauern in Stellung gebracht würden.
Wieselburg ist in diesem Konflikt mehr als ein Ortsname. Die Messe „Land Forst Jagd“ fand 2026 von 28. bis 31. Mai statt und positioniert sich als Treffpunkt für moderne Land- und Forstwirtschaft, Technik, Jagd, Innovation, Biomasse, Bio-Schwerpunkte und praxisnahe Beratung. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft listete die Veranstaltung ebenfalls als Landwirtschaftstermin in Wieselburg.
Der NÖ Bauernbund organisierte am 30. Mai 2026 im Rahmen der Wieselburger Messe den NÖ Bauerntag. Die offizielle Bauernbund-Seite beschreibt die Veranstaltung als Teil des 120-jährigen Jubiläums des NÖ Bauernbundes und nennt Ablaufpunkte wie Empfang, Festzug, Festakt und Frühschoppen. Damit lag ein großer, symbolisch aufgeladener Bauernbund-Termin unmittelbar vor der politischen Reaktion von Strasser und Hogl.
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum der Streit so zugespitzt geführt wird. Wer in Wieselburg während einer Agrarmesse und eines Bauerntages sichtbar wird, spricht nicht nur zu Funktionären, sondern zu einer Branche, die gerade um Einkommen, Auflagen, Marktbedingungen, Importstandards und politische Vertretung ringt.
Georg Strasser ist nicht nur Absender einer politischen Reaktion, sondern eine zentrale Bauernbund-Figur. Das österreichische Parlament führt ihn als Abgeordneten zum Nationalrat und weist unter seinen Tätigkeiten den Österreichischen Bauernbund aus, bei dem er als Präsident genannt wird. Dadurch spricht Strasser in diesem Konflikt zugleich als Bundespolitiker und als Spitzenvertreter des Bauernbundes.
Richard Hogl ist in der Aussendung als VPNÖ-Landtagsabgeordneter genannt. Der NÖ Bauernbund führt ihn auf seiner Funktionärsseite als Ökonomierat Richard Hogl und Landtagsabgeordneten. In der politischen Kommunikation des Bauernbundes steht Hogl damit für die niederösterreichische Ebene, also jene Landesebene, auf der der Wieselburger Bauerntag und die damit verknüpfte Auseinandersetzung besonders relevant sind.
Die Aussendung spricht von einer dramatischen Lage in der Landwirtschaft. Diese Bewertung ist politisch zugespitzt, lässt sich aber mit Struktur- und Einkommensdaten zumindest einordnen. Statistik Austria meldete für 2023 in Österreich 101.036 landwirtschaftliche Betriebe. Gegenüber der vorangegangenen Erhebung 2020 bedeutet das einen Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebszahl um 8,8 Prozent.
Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe insgesamt nennt Statistik Austria 152.660 Betriebe im Jahr 2023. Der Rückgang gegenüber 2020 fällt in dieser Gesamtsicht geringer aus, zeigt aber ebenfalls Strukturwandel. Solche Zahlen erklären, warum politische Begriffe wie Bauernsterben, Strukturwandel, Betriebsaufgabe und Familienbetrieb in Agrardebatten stark emotional aufgeladen sind.
Auch die Einkommenslage bleibt ein wiederkehrendes Thema. Das Landwirtschaftsministerium stellte im Grünen Bericht 2025 eine leicht positive Einkommensentwicklung für 2024 dar, nachdem es im Vorjahr ein deutliches Minus gegeben hatte. Laut BMLUK stiegen die Einkommen in der Land- und Forstwirtschaft 2024 wieder, nachdem sie 2023 um 16 Prozent gesunken waren. Damit ist die Lage nicht eindimensional: Es gibt Entlastungssignale, aber auch den langfristigen Druck des Strukturwandels.
Wenn Strasser und Hogl Zusammenhalt fordern, geht es nicht nur um höfliche Tonlage. In der Bauernbund-Logik ist die Landwirtschaft eine Berufsgruppe, die gemeinsam gegenüber Handel, EU-Politik, Bürokratie, Konsumentenpreisen und Importdruck auftreten soll. Interne Spaltung schwächt aus dieser Sicht die Verhandlungsposition der bäuerlichen Familien.
Die Gegenseite, also FPÖ, UBV und andere Kritiker, argumentiert häufig anders: Aus ihrer Sicht braucht es stärkeren Druck auf etablierte Kammern, Bauernbund-Strukturen und Regierungsparteien. Der aktuelle Artikel bewertet diese Gegenposition nicht abschließend, sondern hält fest: Die ÖVP-Niederösterreich-Aussendung reagiert auf diese Form des Drucks mit dem Vorwurf der Polarisierung.
Die Aussendung nennt FPÖ und UBV ausdrücklich. UBV steht für Unabhängiger Bauernverband, eine agrarpolitische Kraft, die sich traditionell als Alternative zu etablierten Bauernbund- und Kammerstrukturen positioniert. Die FPÖ wiederum tritt in Agrardebatten häufig mit dem Anspruch auf, bäuerliche Familienbetriebe gegen Bürokratie, Importdruck oder etablierte Interessenvertretungen zu verteidigen.
In der konkreten ÖVP-Aussendung geht es aber nicht um ein detailliertes agrarpolitisches Maßnahmenpaket, sondern um die Bewertung der politischen Methode. Strasser und Hogl kritisieren nicht einzelne Sachanträge, sondern die aus ihrer Sicht parteipolitische Instrumentalisierung bäuerlicher Sorgen. Genau deshalb steht im Text die Forderung nach einem Ende der „parteipolitischen Spielchen“ im Mittelpunkt.
Der Begriff Bauernfamilien ist in der Aussendung bewusst gewählt. Er verweist auf die soziale Wirklichkeit vieler landwirtschaftlicher Betriebe: Betrieb, Familie, Wohnort, Eigentum, Arbeit und Risiko sind oft eng miteinander verbunden. Wenn ein Hof aufgibt, betrifft das nicht nur eine Unternehmenszahl in einer Statistik, sondern häufig Generationenentscheidungen, regionale Versorgung und die Nutzung von Kulturlandschaft.
Gleichzeitig ist Agrarpolitik kein rein emotionales Feld. Sie betrifft Budgetmittel, Förderlogik, EU-Regeln, Tierhaltung, Klimaauflagen, Herkunftskennzeichnung, Handelsstandards, Energiepreise und Betriebskosten. Eine gute öffentliche Debatte müsste daher beides leisten: reale Sorgen bäuerlicher Familien ernst nehmen und konkrete Maßnahmen prüfbar machen. Genau an dieser Stelle liegt der wunde Punkt des politischen Schlagabtauschs.
Bauernbund
Der Bauernbund ist eine ÖVP-nahe bäuerliche Interessenvertretung mit Bundes- und Landesstrukturen. Er tritt politisch für Land- und Forstwirtschaft, ländlichen Raum und bäuerliche Familienbetriebe auf. In Niederösterreich spielt der Bauernbund traditionell eine besonders sichtbare Rolle.
UBV
Der Unabhängige Bauernverband positioniert sich als agrarpolitische Alternative zu etablierten Vertretungsstrukturen. In politischen Debatten tritt der UBV häufig mit Kritik an Bauernbund, Kammern oder Regierungsparteien auf. In der ÖVP-Aussendung wird UBV gemeinsam mit FPÖ und weiteren Akteuren genannt.
Agrarstruktur
Agrarstruktur beschreibt, wie Landwirtschaft organisiert ist: Zahl und Größe der Betriebe, Flächen, Produktionsrichtungen, Arbeitskräfte und wirtschaftliche Ausrichtung. Wenn Statistik Austria einen Rückgang der Betriebe ausweist, ist das ein Hinweis auf strukturellen Wandel.
Bauerntag
Ein Bauerntag ist eine politische und verbandliche Großveranstaltung einer bäuerlichen Organisation. Beim NÖ Bauerntag in Wieselburg ging es 2026 auch um das 120-jährige Jubiläum des NÖ Bauernbundes und damit um Sichtbarkeit, Mobilisierung und agrarpolitische Standortbestimmung.
Was fordern Strasser und Hogl?
Sie fordern ein Ende parteipolitischer Zuspitzungen innerhalb der Landwirtschaft. Aus ihrer Sicht sollen Bauernfamilien Lösungen und Unterstützung erhalten, statt durch politische Auseinandersetzungen gegeneinander aufgebracht zu werden.
Warum spielt Wieselburg eine Rolle?
Wieselburg war Ende Mai 2026 Schauplatz der Messe „Land Forst Jagd“ und des NÖ Bauerntages. Dadurch wurde der Ort zur agrarpolitischen Bühne. Die ÖVP-Aussendung bezieht die Kritik ausdrücklich auf diesen Kontext.
Welche Fakten zeigen den Druck auf die Landwirtschaft?
Statistik Austria weist für 2023 101.036 landwirtschaftliche Betriebe aus, 8,8 Prozent weniger als 2020. Das BMLUK verweist im Grünen Bericht 2025 auf eine leichte Einkommensverbesserung 2024, nachdem die Einkommen 2023 stark gesunken waren.
Ist der Streit damit nur parteipolitisch?
Nein. Der Ton ist parteipolitisch, aber die zugrunde liegenden Themen sind real: Strukturwandel, Einkommen, Förderungen, Importstandards, Herkunftskennzeichnung und die Frage, welche Interessenvertretung bäuerliche Familien am besten vertritt.
Für diesen Artikel wurden die ÖVP-Niederösterreich-Aussendung, die offizielle Seite zum NÖ Bauerntag 2026, die Website der Messe Land Forst Jagd Wieselburg, der BMLUK-Veranstaltungshinweis zur Land Forst Jagd, Statistik Austria zu land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, die Statistik-Austria-Pressemitteilung zur Agrarstrukturerhebung 2023, das BMLUK zum Grünen Bericht 2025, das Parlamentsprofil von Georg Strasser und die Funktionärsseite des NÖ Bauernbundes herangezogen. Kontakt laut Aussendung: presse [at] vpnoe.at, vpnoe.at.