REMAX sieht den stationären Handel weiter belastet. Dahinter stehen Kaufzurückhaltung, Online-Wettbewerb, Kosten und ein Strukturwandel, der schwache Lagen besonders hart trifft.
Die REMAX-Analyse zu Handelsflächen zeigt, warum der stationäre Handel trotz Stabilisierung unter Druck bleibt. Online-Wettbewerb, Kosten und Flächenrückgang verändern Innenstädte und Fachmarktzentren.
Der stationäre Handel in Österreich steht weiter unter Druck. Das ist die zentrale Botschaft der aktuellen REMAX-Commercial-Analyse zu Handelsflächen. Auf den ersten Blick geht es um Mieten, Quadratmeter und Immobilienstandorte. Tatsächlich erzählt die Analyse aber eine größere Geschichte: Wie Menschen einkaufen, wie viel Geld sie ausgeben, welche Branchen wachsen, welche Lagen verlieren und warum leere Geschäftsflächen nicht einfach ein lokales Pech sind.
REMAX nennt mehrere Belastungsfaktoren: schwache Handelskonjunktur, steigende Kosten, Kaufzurückhaltung, wachsende Online-Marktanteile, hohe Insolvenzzahlen und eine selektivere Expansion. Gleichzeitig entwickeln sich Handelsimmobilien stärker zu Erlebnis- und Mixed-Use-Standorten. Das heißt: Reine Verkaufsfläche reicht immer seltener. Erfolgreiche Standorte brauchen Frequenz, Aufenthaltsqualität, Gastronomie, Dienstleistungen, gute Erreichbarkeit und ein klares Nutzungskonzept.
Die Lage ist nicht schwarz-weiß. Laut REMAX Commercial gibt es eine leichte Stabilisierung der Konsumausgaben, aber weiterhin eine schwache Handelskonjunktur. Der Handel verschwindet also nicht, er sortiert sich neu. Gute Standorte, starke Marken, Nahversorgung, Gastronomie, Freizeitangebote und serviceorientierte Konzepte können weiterhin funktionieren. Schwieriger wird es für austauschbare Flächen ohne klare Frequenzbringer.
Das erklärt, warum manche Einkaufsstraßen oder Center gut besucht wirken, während andere Lagen sichtbar ausdünnen. Konsumentinnen und Konsumenten kaufen nicht weniger bewusst, sondern anders. Ein Teil der Ausgaben wandert online, ein Teil in Dienstleistungen, Freizeit oder Gastronomie. Der klassische Non-Food-Handel muss deshalb stärker begründen, warum ein Besuch vor Ort besser ist als ein schneller Onlinekauf.
Der Handelsflächen-Report 2026 des Handelsverbands und RegioPlan zeigt, dass die Verkaufsflächen im österreichischen Handel 2025 weiter zurückgingen. Genannt wird ein Minus von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2014 wird laut Report ein kontinuierlicher Rückgang der Verkaufsfläche beobachtet. Der Handelsverband ordnet diesen Rückgang nicht als einfachen Rückzug ein, sondern als Effizienz- und Qualitätsupgrade: Standorte werden optimiert, Konzepte geschärft und wirtschaftlich schwächere Flächen reduziert.
Das klingt aus Immobiliensicht rational, hat aber spürbare Folgen für Städte und Gemeinden. Ein leerer Laden verändert eine Straße. Mehrere leere Läden verändern das Sicherheitsgefühl, die Aufenthaltsqualität und die Bereitschaft, überhaupt noch in eine Lage zu fahren. Deshalb ist Handelsflächenentwicklung nicht nur ein Thema für Makler und Eigentümer, sondern auch für Stadtplanung, Wirtschaftspolitik und Standortmarketing.
Die wirtschaftliche Großwetterlage ist weiterhin gedämpft. Das BMF führt in seinen aktuellen Wirtschaftsdaten für Österreich nach realen Rückgängen in den Vorjahren nur ein moderates reales BIP-Wachstum für 2025 und 2026 an. Solche Daten sind für Handelsflächen relevant, weil Handel stark an Konsum, Kaufkraft, Lohnentwicklung und Inflation hängt.
Der Handelsverband und WIFO sehen im Konjunkturreport Q2 2026 eine schrittweise Stabilisierung des privaten Konsums. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung differenziert. Lebensmittelhandel und Nahversorgung sind robuster, während viele Non-Food-Segmente stärker mit Kaufzurückhaltung, Preissensibilität und Online-Wettbewerb kämpfen.
Online-Handel nimmt dem stationären Handel nicht jede Funktion, aber er verändert die Rolle des Geschäfts. Früher war ein Laden oft primär Warenlager, Verkaufsort und Beratungsstelle zugleich. Heute informieren sich viele Menschen vorab online, vergleichen Preise und erwarten vor Ort einen klaren Mehrwert: sofortige Verfügbarkeit, Beratung, Erlebnis, Service, Reparatur, Abholung, Umtausch oder persönliche Beziehung.
Für Handelsimmobilien bedeutet das: Quadratmeter müssen mehr leisten. Ein Geschäft braucht nicht automatisch mehr Fläche, sondern die richtige Fläche. Kleinere Showrooms, Abholstationen, Gastronomieanteile, Pop-up-Flächen, Gesundheits- und Beautyangebote oder gemischte Nutzungen können attraktiver sein als große klassische Verkaufsflächen ohne Frequenz.
Damit verschiebt sich auch die Mietlogik. Eine hohe Miete ist nur tragbar, wenn Frequenz, Warenkorb, Marge und Personalkosten zusammenpassen. In Toplagen kann das weiterhin funktionieren, weil Sichtbarkeit und Laufkundschaft stärker sind. In Nebenlagen reicht eine gute Adresse allein oft nicht mehr. Dort müssen Eigentümer eher über flexible Laufzeiten, Umbauten, kleinere Einheiten oder neue Nutzungen nachdenken.
Eigentümer von Handelsflächen können nicht mehr davon ausgehen, dass jeder leer werdende Laden automatisch durch einen ähnlichen Händler ersetzt wird. Gefragt sind flexible Grundrisse, realistische Mieten, Nutzungsmischung und aktive Standortentwicklung. Gemeinden wiederum müssen verstehen, dass Handel nicht allein durch Parkplätze oder schöne Pflasterung gerettet wird. Frequenz entsteht durch Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Kultur, öffentliche Services, Mobilität und Sicherheit.
Die REMAX-Analyse zeigt damit einen Strukturwandel, der viele Orte betrifft. Nicht jeder Leerstand ist vermeidbar. Aber Leerstand wird problematischer, wenn er lange ignoriert wird. Wer früh über Umnutzung, Zwischennutzung, Dienstleistungen oder gemischte Quartiere nachdenkt, hat bessere Chancen, aus schwächeren Flächen wieder nutzbare Orte zu machen.
Nicht alle Handels- und Dienstleistungsbereiche sind gleich betroffen. Nahversorgung, Drogerie, Gesundheit, Gastronomie, Beauty, Fitness, Reparatur, Beratung und lokale Services profitieren davon, dass Menschen vor Ort etwas sofort brauchen oder persönlich erleben wollen. Reiner Warenverkauf ohne Beratung und ohne Erlebnis muss sich stärker gegen Online-Angebote behaupten.
Für neue Konzepte kann das auch eine Chance sein. Eine kleinere Fläche mit klarem Sortiment, guter Beratung und zusätzlichem Online-Service kann wirtschaftlicher sein als ein großes Geschäft mit hoher Fixkostenlast. Für Stadtteilzentren zählt daher weniger die Anzahl der Geschäfte allein, sondern ob die Mischung echte Alltagsgründe für einen Besuch schafft.
Für Konsumentinnen und Konsumenten zeigt sich der Wandel an vertrauten Details: ein Geschäft wird kleiner, ein Sortiment konzentriert sich auf Bestseller, eine Filiale schließt, ein Pop-up zieht ein, Gastronomie ersetzt Verkaufsfläche oder ein Händler bietet Click-and-Collect stärker an. Diese Veränderungen wirken einzeln unspektakulär, zeigen zusammen aber, wie stark der Handel seine Flächen neu bewertet.
Häufig treffen mehrere Faktoren zusammen: hohe Kosten, schwächere Frequenz, Online-Wettbewerb, verändertes Konsumverhalten, ungeeignete Flächenzuschnitte oder Mieten, die nicht mehr zur Umsatzrealität passen.
Nein. Er verändert sich. Gute Lagen, starke Konzepte, Nahversorgung, Beratung, Dienstleistungen und Erlebnisangebote bleiben relevant. Schwache oder austauschbare Flächen geraten stärker unter Druck.
Mixed Use bezeichnet gemischte Nutzungen, etwa Handel kombiniert mit Gastronomie, Freizeit, Büros, Wohnen, Gesundheit, Bildung oder Services. Ziel ist, mehr Gründe für regelmäßige Besuche zu schaffen.
Handel bringt Frequenz. Wenn Läden verschwinden, verlieren Straßen oft Lebendigkeit. Umgekehrt können kluge Nutzungsmischungen Innenstädte stabilisieren und neue Besuchergruppen anziehen.
Hinweis: Die folgenden Hintergründe stützen sich auf öffentlich zugängliche Informationen der jeweils genannten Organisationen. Die Original-OTS-Aussendung wird bewusst nicht als weiterführende Quelle verlinkt.
Kontakt: RE/MAX Austria über remax.at Presse; Handelsverband über handelsverband.at.