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Spritpreise explodieren: FPÖ fordert 40 Cent Entlastung pro Liter

25. März 2026 um 19:47
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Die Österreicher stehen an den Tankstellen vor einem Schock: Seit Jahresbeginn sind die Treibstoffpreise dramatisch gestiegen. Diesel kostet heute um 51 Cent mehr pro Liter als noch im Jänner, Benz...

Die Österreicher stehen an den Tankstellen vor einem Schock: Seit Jahresbeginn sind die Treibstoffpreise dramatisch gestiegen. Diesel kostet heute um 51 Cent mehr pro Liter als noch im Jänner, Benzin verteuerte sich um 27 Cent. Eine durchschnittliche Tankfüllung verschlingt damit bis zu 30 Euro mehr aus der Haushaltskasse. Während die Bundesregierung mit komplizierten Eingriffen in die Preisgestaltung reagiert, präsentiert die FPÖ ein radikales Gegenmodell: die Halbierung der Mineralölsteuer und die komplette Abschaffung der CO₂-Abgabe.

Regierungsmaßnahmen bringen nur marginale Entlastung

Der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Maximilian Linder übte in seiner gestrigen Parlamentsrede scharfe Kritik am Vorgehen der türkis-grünen Regierung. "Nach Preissteigerungen von bis zu 51 Cent sind fünf Cent Entlastung schlicht zu wenig", so Linder. Die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen würden bestenfalls eine Reduktion von fünf bis zehn Cent pro Liter bewirken - ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der massiven Preissteigerungen.

Das Regierungsmodell erweist sich zudem als hochkomplex: Zusätzliche Beobachtungskommissionen sollen eingerichtet, Arbeitsgruppen gebildet und laufende Neubewertungen durchgeführt werden. Diese bürokratischen Strukturen kosten nicht nur Geld, sondern verzögern auch die Wirkung der Maßnahmen. Währenddessen leiden Pendler, Gewerbetreibende und Familien unter den hohen Energiekosten.

Die Mineralölsteuer als Preistreiber

Um die Dimension der staatlichen Abgaben zu verstehen, ist ein Blick auf die Zusammensetzung des Spritpreises notwendig. Die Mineralölsteuer beträgt in Österreich derzeit 48,2 Cent pro Liter Benzin und 39,7 Cent pro Liter Diesel. Hinzu kommt die seit 2022 geltende CO₂-Abgabe, die fossile Brennstoffe zusätzlich verteuert. Bei einem durchschnittlichen Benzinpreis von etwa 1,50 Euro pro Liter machen staatliche Abgaben somit einen beträchtlichen Anteil aus.

Die Mineralölsteuer wurde ursprünglich 1955 in Österreich eingeführt und diente der Finanzierung des Straßenbaus. Seitdem wurde sie kontinuierlich erhöht - zuletzt 2011. Während die ursprüngliche Zweckbindung längst aufgehoben wurde, fließen die Einnahmen heute in den allgemeinen Staatshaushalt. 2023 nahm der Bund durch die Mineralölsteuer rund 3,8 Milliarden Euro ein - ein wichtiger Budgetposten, der die Zurückhaltung der Regierung bei Steuersenkungen erklärt.

FPÖ-Modell: Halbierung der Mineralölsteuer und CO₂-Abgaben-Stopp

Das freiheitliche Alternativmodell setzt auf drastische Vereinfachung und echte Entlastung. Die Mineralölsteuer soll bis Ende 2026 halbiert werden, was eine Reduktion um etwa 24 Cent pro Liter Benzin und 20 Cent pro Liter Diesel bedeuten würde. Zusätzlich fordert die FPÖ die ersatzlose Streichung der CO₂-Abgabe, die je nach Brennstoff weitere 10 bis 16 Cent pro Liter ausmacht.

Insgesamt würde das FPÖ-Modell laut Linder eine Entlastung von rund 40 Cent pro Liter bewirken. Für eine Familie, die monatlich 100 Liter Treibstoff benötigt, bedeutet das eine jährliche Ersparnis von etwa 480 Euro. Für Gewerbetreibende und Transportunternehmen, die deutlich höhere Treibstoffmengen verbrauchen, wären die Einsparungen entsprechend größer.

Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen

Die hohen Spritpreise treffen nicht alle Österreicher gleich stark. Besonders betroffen sind Pendler in ländlichen Gebieten, die mangels öffentlicher Verkehrsmittel auf das Auto angewiesen sind. Ein Berufspendler, der täglich 50 Kilometer zur Arbeit fährt, verbraucht bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 7 Litern pro 100 Kilometer etwa 130 Liter Treibstoff monatlich - allein für den Arbeitsweg.

Gewerbetreibende und kleine Unternehmen leiden unter den steigenden Transportkosten, die sie nur teilweise an ihre Kunden weiterreichen können. Handwerker, Lieferdienste und regionale Produzenten sehen ihre Gewinnmargen schwinden. Die Inflationsspirale dreht sich weiter, da höhere Transportkosten letztendlich in den Preisen aller Waren und Dienstleistungen landen.

Auch sozial schwächere Haushalte sind überproportional betroffen. Während wohlhabende Familien auf Elektroautos umsteigen oder häufiger öffentliche Verkehrsmittel nutzen können, sind einkommensschwache Haushalte oft auf ältere, verbrauchsintensive Fahrzeuge angewiesen und haben weniger finanzielle Pufferreserven.

Internationale Vergleiche und österreichische Besonderheiten

Ein Blick über die Grenzen zeigt unterschiedliche Ansätze im Umgang mit hohen Energiepreisen. Deutschland führte bereits 2022 das Neun-Euro-Ticket ein und senkte temporär die Energiesteuern. Frankreich subventioniert seit Jahren Treibstoffe für einkommensschwache Haushalte. Die Schweiz hingegen setzt auf marktwirtschaftliche Lösungen und hält die Steuern auf fossile Brennstoffe bewusst hoch, um Anreize für alternative Antriebe zu schaffen.

Österreichs Nachbarländer zeigen ein gemischtes Bild: In Deutschland liegt die Energiesteuer auf Benzin bei 65,45 Cent pro Liter und damit deutlich höher als in Österreich. Italien und Frankreich haben ähnlich hohe Steuersätze, während in Ungarn und der Slowakei die Abgaben niedriger sind. Diese Unterschiede führen bereits heute zu einem gewissen "Tanktourismus" an den Grenzen.

Die Rolle der CO₂-Abgabe im Klimaschutz

Die CO₂-Abgabe, die die FPÖ abschaffen möchte, ist Teil der österreichischen Klimaschutzstrategie. Sie soll Anreize für den Umstieg auf klimafreundlichere Alternativen schaffen und gleichzeitig Einnahmen für den Klimaschutz generieren. 2024 beträgt sie 45 Euro pro Tonne CO₂, was etwa 10 Cent pro Liter Benzin entspricht. Bis 2025 ist ein Anstieg auf 55 Euro pro Tonne geplant.

Kritiker der CO₂-Abgabe argumentieren, dass sie sozial ungerecht wirke und ländliche Gebiete benachteilige. Befürworter betonen hingegen die Notwendigkeit, fossile Brennstoffe zu verteuern, um die Klimaziele zu erreichen. Die geplante Rückverteilung über den Klimabonus soll soziale Härten abfedern, wird aber erst 2025 in vollem Umfang wirksam.

Budgetäre Auswirkungen und Finanzierungsfragen

Die FPÖ-Forderung nach Halbierung der Mineralölsteuer würde zu erheblichen Steuerausfällen führen. Bei einem jährlichen Aufkommen von 3,8 Milliarden Euro würde eine Halbierung Mindereinnahmen von etwa 1,9 Milliarden Euro bedeuten. Hinzu kommen die Ausfälle durch die Abschaffung der CO₂-Abgabe, die 2024 rund 800 Millionen Euro in die Staatskasse spülen soll.

Insgesamt würde das FPÖ-Modell den Staatshaushalt mit etwa 2,7 Milliarden Euro jährlich belasten. Diese Summe entspricht etwa den Ausgaben für die Familienbeihilfe oder einem Viertel der Bildungsausgaben des Bundes. Die FPÖ argumentiert, dass diese Entlastung durch Einsparungen an anderer Stelle oder durch das wirtschaftliche Wachstum infolge niedrigerer Energiekosten kompensiert werden könne.

Europarechtliche Aspekte

Jede Änderung der Mineralölsteuer muss mit EU-Recht vereinbar sein. Die EU-Energiesteuerrichtlinie legt Mindeststeuersätze für verschiedene Energieträger fest. Für Benzin beträgt der Mindestsatz 35,9 Cent pro Liter, für Diesel 33,0 Cent. Eine Halbierung der österreichischen Mineralölsteuer würde diese Mindestgrenzen immer noch einhalten, ist also rechtlich möglich.

Komplizierter ist die Abschaffung der CO₂-Abgabe, da sie Teil des europäischen Emissionshandelssystems ist. Österreich hat sich verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Der Wegfall der CO₂-Abgabe müsste durch andere Maßnahmen kompensiert werden, um die Klimaziele nicht zu gefährden.

Reaktionen der anderen Parteien

Die Regierungsparteien ÖVP und Grüne lehnen die FPÖ-Vorschläge erwartungsgemäß ab. Sie argumentieren, dass eine Senkung der Treibstoffsteuern klimapolitisch kontraproduktiv sei und die Energiewende verzögere. Stattdessen setzen sie auf gezielte Unterstützung für einkommensschwache Haushalte und den Ausbau alternativer Mobilität.

Die SPÖ zeigt sich in der Steuerfrage gespalten. Während sie grundsätzlich für Entlastungen eintritt, befürchtet sie, dass eine pauschale Senkung der Mineralölsteuer vor allem Besserverdienende begünstigt, die größere und verbrauchsintensivere Fahrzeuge fahren. Die NEOS fordern marktwirtschaftliche Lösungen und lehnen staatliche Eingriffe in die Preisbildung grundsätzlich ab.

Wirtschaftsverbände und Interessensgruppen

Die Wirtschaftskammer Österreich begrüßt grundsätzlich jede Entlastung bei den Energiekosten, warnt aber vor den budgetären Folgen. Der ÖAMTC und der ARBÖ als Automobilclubs unterstützen die FPÖ-Forderungen, während Umweltorganisationen wie Greenpeace und der WWF vor einem klimapolitischen Rückschritt warnen.

Besonders interessant ist die Position der Mineralölkonzerne: Sie profitieren zwar von höheren Absatzmengen bei niedrigeren Steuern, befürchten aber auch Marktverzerrungen und rechtliche Unsicherheiten. Die großen Tankstellenketten haben bereits angekündigt, eventuelle Steuersenkungen vollständig an die Verbraucher weiterzugeben.

Zukunftsperspektiven und mögliche Entwicklungen

Die Debatte um die Treibstoffpreise wird die österreichische Politik auch in den kommenden Monaten beschäftigen. Mit Blick auf die nächste Nationalratswahl 2024 werden alle Parteien versuchen, sich als Anwalt der Autofahrer zu positionieren. Die hohen Energiekosten könnten zu einem wahlentscheidenden Faktor werden, insbesondere in ländlichen Gebieten.

Mittelfristig steht Österreich vor der Herausforderung, seine Klimaziele mit sozialer Gerechtigkeit zu vereinbaren. Die Elektrifizierung des Verkehrs schreitet voran, aber noch immer fahren über 95 Prozent aller Pkw in Österreich mit Verbrennungsmotor. Solange keine flächendeckende Ladeinfrastruktur und erschwingliche Elektrofahrzeuge verfügbar sind, bleiben Millionen Österreicher auf fossile Treibstoffe angewiesen.

Die europäische Energiepolitik wird ebenfalls Einfluss auf die österreichischen Preise haben. Neue Sanktionen gegen Russland, Schwankungen am Rohölmarkt oder Änderungen in der EU-Energiesteuerrichtlinie können die Preise kurzfristig dramatisch beeinflussen. Österreich ist als kleine, offene Volkswirtschaft diesen externen Schocks besonders stark ausgesetzt.

Technologische Entwicklungen und Marktveränderungen

Die Automobilindustrie steht vor einem historischen Wandel. Viele Hersteller haben bereits angekündigt, ab 2030 nur noch Elektrofahrzeuge zu produzieren. Diese Entwicklung wird die Nachfrage nach Treibstoffen mittelfristig reduzieren und könnte zu einem strukturellen Rückgang der Steuereinnahmen führen. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen bei der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur.

Alternative Kraftstoffe wie E-Fuels oder Wasserstoff könnten in Zukunft eine Rolle spielen, sind aber derzeit noch zu teuer und nicht in ausreichenden Mengen verfügbar. Die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich wird maßgeblich bestimmen, wie schnell sich die Abhängigkeit von herkömmlichen Treibstoffen reduzieren lässt.

Die FPÖ-Initiative zeigt, dass die Treibstoffpreise zu einem zentralen politischen Thema geworden sind, das weit über die reine Steuerpolitik hinausreicht. Es geht um Fragen der sozialen Gerechtigkeit, des Klimaschutzes und der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die anderen Parteien dem Druck beugen und ihre Position überdenken oder an ihrem bisherigen Kurs festhalten. Für die österreichischen Autofahrer bleibt die Hoffnung auf eine spürbare Entlastung an der Tankstelle - egal welche politische Lösung sich letztendlich durchsetzt.

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