Deutsche Großunternehmen wollen Hyperscaler-Leistung und europäische Datenhoheit kombinieren
Die valantic-Studie zeigt: 80 % der Befragten treiben IT-Ausbau in Europa voran, 72 % sehen Abhängigkeit von Hyperscalern — Souveränität zählt gleichauf mit Performance.
Die Digitalberatung valantic hat die Studie „Souveräne Hypercloud – Zwischen Vertrauen, Kontrolle und geopolitischem Wandel“ veröffentlicht. Befragt wurden im März 2026 online 212 Entscheiderinnen und Entscheider aus deutschen Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten; die Untersuchung wurde von der techconsult GmbH durchgeführt.
Im Zentrum der Studie steht die Frage, wie die Leistungsfähigkeit internationaler Hyperscaler mit Kriterien digitaler Souveränität kombiniert werden kann. Laut valantic verfolgen viele Unternehmen das strategische Ziel, ihre IT-Infrastruktur in Europa auszubauen und so die Abhängigkeit von US-amerikanischen Hyperscalern zu verringern.
Die Erhebung richtete sich ausschließlich an Fach- und Führungskräfte, die in ihrer Organisation hauptentscheidend, mitentscheidend oder beratend an Cloud-Architektur- und Anbieterentscheidungen beteiligt sind. Alle Teilnehmenden stammen aus deutschen Großunternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten.
Die Studie erfasst Prioritäten bei Cloud-Entscheidungen, Migrationsabsichten in souveräne Modelle sowie die Wahrnehmung von Risiken und potenziellen Anbietern. Ergebnisse werden in Prozentangaben ausgewiesen und erweitern die quantitativen Befunde um einen Kriterienkatalog, den Unternehmen an souveräne Angebote stellen.
Vier von fünf Befragten (80 %) geben an, ihre IT-Infrastruktur angesichts geopolitischer Spannungen stärker in Europa ausbauen zu wollen. Gleichzeitig sieht eine Mehrheit (72 %) eine strukturelle Abhängigkeit von Hyperscalern, insbesondere in Bezug auf Performance, Stabilität und Wirtschaftlichkeit.
Die Studie macht deutlich, dass Hyperscaler nicht generell abgelehnt werden; vielmehr änderten sich die Rahmenbedingungen und Kriterien, die bei der Nutzung solcher Dienste eine Rolle spielen. Unternehmen gewichten demnach technische Leistungsfähigkeit und Souveränitätsaspekte gleichzeitig.
Als wichtigste Kriterien bei Cloud-Entscheidungen nennen die Befragten Performance und Stabilität bei Lastspitzen. Unmittelbar danach folgen Datenhoheit und EU-Souveränität; diese Kriterien rangieren laut Studie vor Skalierbarkeit und Kosten.
Die Studie berichtet weiter, dass 73 % der Befragten grundsätzlich bereit wären, US-Public-Clouds auch für kritische Daten zu nutzen. Gleichwohl würden bei vergleichbarem Sicherheitsniveau 64 % eine souveräne Hypercloud eines EU-verankerten Anbieters bevorzugen.
Die Bereitschaft zur Migration in souveräne Hypercloud-Modelle ist demnach hoch: 51 % planen einen teilweisen Transfer ihrer Workloads, 21 % ziehen einen vollständigen Wechsel in Betracht und weitere 18 % erwägen den Schritt. Nur 9 % schließen Public Cloud für sensible Workloads kategorisch aus.
Parallel dazu dokumentiert die Studie ein ausgeprägtes Orientierungsdefizit: 73 % sehen den US CLOUD Act als starkes Risiko, 69 % bemängeln fehlende Übersicht über souveräne Angebote. Ein klarer Wahrnehmungsführer ist demnach nicht etabliert; verschiedene große Anbieter werden als potenzielle Sovereign-Cloud-Anbieter wahrgenommen.
Die Untersuchung ordnet Hyperscaler als zentrale Akteure ein, deren Leistungsfähigkeit Unternehmen weiterhin schätzen, zugleich aber deren Einsatz unter veränderten Rahmenbedingungen stattfindet. Die Zustimmung zu einem weiteren Einsatz von US-Public-Clouds für kritische Daten besteht, ist aber an Sicherheitsvoraussetzungen gebunden.
Bei der Marktwahrnehmung zeigt die Studie, dass Microsoft und Telekom/T-Systems jeweils von 42 % der Befragten als potenzielle Sovereign-Cloud-Anbieter genannt werden, Google von 41 %. AWS, IBM und IONOS nennen jeweils rund ein Drittel der Teilnehmenden. Die Studie listet diese Nennungen als Indikator für ein fragmentiertes Wettbewerbsbild.
Hypercloud: In der Studie bezeichnet der Begriff Modelle, die die Leistungsfähigkeit großer Cloud-Anbieter mit zusätzlichen Souveränitätsanforderungen verbinden. Gemeint ist demnach eine leistungsfähige, zugleich souveräne Cloud-Architektur.
Hyperscaler: So werden international tätige große Public-Cloud-Anbieter bezeichnet, die nach Angaben der Befragten in vielen Fällen zentrale Vorteile in Leistung, Stabilität und Wirtschaftlichkeit liefern. Die Studie konstatiert eine strukturelle Abhängigkeit von diesen Anbietern.
EU-Data-Boundary: Die Studie nennt eine „klare EU-Data-Boundary“ als Teil des geforderten Kriterienkatalogs; damit ist eine Abgrenzung der Datenverarbeitung innerhalb europäischer Rechts- und Betriebsräume gemeint, wie sie die Befragten erwarten.
Sovereign-Cloud-Zertifizierungen: Diese Zertifizierungen werden in der Untersuchung als ein wichtiges Merkmal zur Beurteilung souveräner Angebote genannt. Befragte sehen in Zertifizierungen eine Möglichkeit, Transparenz über Schutzmechanismen herzustellen.
US CLOUD Act: In der Studie sehen 73 % der Teilnehmenden den US CLOUD Act als starkes Risiko; der Act wird im Kontext der Erhebung als ein Faktor genannt, der die Sorge vor extraterritorialem Datenzugriff verstärkt.
Laut Studie planen oder erwägen 90 % der Befragten Migrationen in souveräne Hyperscaler-Umgebungen (Summe aus geplanten und erwogenen Schritten). Damit beschreibt die Studie eine breite Bereitschaft zur Anpassung bestehender Cloud-Architekturen, wobei der Grad der Umsetzung in einzelnen Unternehmen variieren kann.
Für Anbieter laut Studie relevante Anforderungen sind demnach durchgängige Verschlüsselung, Sovereign-Cloud-Zertifizierungen, eine klare EU-Data-Boundary sowie EU-only Operations mit europäischem Support. Die Studie fasst Souveränität als mehrschichtige Vertrauensarchitektur aus technischen, organisatorischen und rechtlichen Mechanismen zusammen.
In der Untersuchung wird Dr. Robert Klimke, Director Advanced Cloud Solutions bei valantic, mit den Worten zitiert: „Die Idee einer souveränen Hypercloud ist keine ideologische Gegenbewegung zu den bestehenden Angeboten der großen Hyperscaler - sie ist deren logische Weiterentwicklung unter europäischen Vorzeichen.“ Weiter heißt es: „Unsere Studie zeigt: Unternehmen wollen nicht weniger Cloud-Performance, sondern mehr Kontrolle darüber, wer unter welchen Bedingungen auf ihre Daten zugreifen kann. Wer diesen Spagat glaubwürdig löst, wird die Cloud-Architektur der nächsten Dekade prägen.“
Im März 2026 wurden laut Studie 212 Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie Fach- und Führungskräfte aus deutschen Großunternehmen online befragt. Alle Teilnehmenden sind in Cloud-Architektur- und Anbieterentscheidungen entweder hauptentscheidend, mitentscheidend oder beratend eingebunden; die Erhebung umfasst ausschließlich Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten in Deutschland.
Die Studie nennt geopolitische Spannungen, eine als unberechenbar eingeschätzte US-Handelspolitik und die Sorge vor extraterritorialem Datenzugriff als Treiber dafür, dass digitale Souveränität zum Vorstandsthema geworden ist. Konkret sehen 73 % der Befragten den US CLOUD Act als starkes Risiko.
Nach Angaben der Studie rangiert Souveränität direkt hinter Performance und Stabilität und damit klar vor Skalierbarkeit und Kosten. Die Untersuchung stellt fest, dass Souveränität mindestens gleichbedeutend mit technischer Leistungsfähigkeit ist.
Laut Studie stehen durchgängige Verschlüsselung, Sovereign-Cloud-Zertifizierungen, eine klare EU-Data-Boundary sowie EU-only Operations mit europäischem Support oben auf der Liste der erwarteten Merkmale. Souveränität wird als mehrschichtige Vertrauensarchitektur aus technischen, organisatorischen und rechtlichen Schutzmechanismen beschrieben.
Die Migrationsbereitschaft ist laut Studie hoch: 51 % planen einen teilweisen Transfer ihrer Workloads in souveräne Hypercloud-Modelle; 21 % ziehen einen vollständigen Wechsel in Betracht; 18 % erwägen den Schritt; 9 % schließen Public Cloud für sensible Workloads kategorisch aus.
Die Studie stellt ausdrücklich fest, dass es derzeit keinen klaren Wahrnehmungsführer für souveräne Cloud-Angebote gibt. Microsoft und Telekom/T-Systems werden jeweils von 42 % als potenzielle Anbieter genannt, Google von 41 %, AWS, IBM und IONOS jeweils von rund einem Drittel der Befragten.
Vollständiger Studienreport (Download): https://www.valantic.com/de/research/hypercloud-studie/
Pressekontakt: Malte Limbrock, Tel. +49 162 312 6411, E-Mail: malte.limbrock [at] muc.valantic.com
Weitere Informationen zu valantic: http://www.valantic.com