Ein erschütternder Skandal erschüttert Österreichs Gesundheitswesen: Recherchen des inklusiven Magazins "andererseits" sowie Berichte der APA und des "Standard" decken auf, dass in Österreich noch immer Frauen mit Behinderungen ohne ihre persönliche und informierte Einwilligung sterilisiert werden.
Ein erschütternder Skandal erschüttert Österreichs Gesundheitswesen: Recherchen des inklusiven Magazins "andererseits" sowie Berichte der APA und des "Standard" decken auf, dass in Österreich noch immer Frauen mit Behinderungen ohne ihre persönliche und informierte Einwilligung sterilisiert werden. Das ist ein massiver Eingriff in die körperliche Selbstbestimmung und ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht, so der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner.
Der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner, bringt die Dramatik der Situation auf den Punkt: "Das ist ein massiver Eingriff in die körperliche Selbstbestimmung und ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht." Die Rechtslage in Österreich ist dabei eindeutig: Sterilisationen dürfen ausschließlich mit ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Person erfolgen und nur in engsten Ausnahmefällen mit gerichtlicher Genehmigung.
Die aktuellen Fälle sind laut Schallmeiner kein Einzelphänomen, sondern Ausdruck struktureller Probleme im österreichischen Gesundheits- und Betreuungssystem. Besonders problematisch sei, dass Entscheidungen häufig nicht von den betroffenen Frauen selbst getroffen werden, sondern von Angehörigen, Ärztinnen und Ärzten oder Betreuungspersonen. Diese paternalistische Haltung beraube erwachsene Frauen mit Behinderungen ihrer grundlegenden Rechte.
Gleichzeitig fehle es oft an verständlicher, barrierefreier Aufklärung. "Wenn Gespräche nicht in einfacher Sprache geführt werden und sich primär an Vertretungspersonen richten, ist echte Selbstbestimmung schlicht nicht möglich", kritisiert Schallmeiner.
Die Dimension des Problems wird durch einen Schwerpunktbericht der Volksanwaltschaft aus dem Jahr 2023 deutlich. Dieser zeigt, dass in rund elf Prozent der geprüften Einrichtungen Verhütung nicht selbstbestimmt erfolgt. "Das ist ein alarmierendes Signal", betont Schallmeiner. "Hier geht es nicht um Einzelfälle, sondern um strukturelle Probleme."
Ein wesentlicher Hintergrund sei die mangelnde Unterstützung für Eltern mit Behinderungen. Viele Entscheidungen würden aus Angst getroffen, etwa aus Sorge, ob eine Frau mit Behinderung ein Kind großziehen kann. "Diese Angst ist auch deshalb da, weil es in Österreich kaum Angebote für begleitete Elternschaft und zu wenig persönliche Assistenz gibt", so Schallmeiner. "Das einzige 'Angebot' ist oft die Abnahme von Kindern – das ist inakzeptabel."
"Menschen mit Behinderungen sind keine 'ewigen Kinder'. Sie haben das gleiche Recht auf Sexualität, Familie und Selbstbestimmung wie alle anderen", stellt Schallmeiner klar. Es brauche daher flächendeckende, barrierefreie und verständliche Aufklärung in der medizinischen Praxis, eine bessere Sensibilisierung aller Beteiligten sowie den Ausbau von Unterstützungsangeboten, damit selbstbestimmte Elternschaft möglich wird.
"Es geht um Grundrechte. Und die dürfen nicht vom Wohnort, vom Umfeld oder vom Wissensstand einzelner abhängen", sagt Schallmeiner abschließend.