Am 22.05.2026 warnt der Grüne Klub im Parlament davor, dass aktuelle arbeitsmarktpolitische Maßnahmen der Bundesregierung das Gegenteil erreichen könnten von dem, was sie offiziell anstrebt: statt ...
Am 22.05.2026 warnt der Grüne Klub im Parlament davor, dass aktuelle arbeitsmarktpolitische Maßnahmen der Bundesregierung das Gegenteil erreichen könnten von dem, was sie offiziell anstrebt: statt älteren Beschäftigten längere Erwerbsbiografien zu ermöglichen, würden die Pläne die Beschäftigungschancen von älteren Arbeitnehmern gefährden und die Arbeitslosigkeit bei Über-60-Jährigen erhöhen. Die Debatte ist von unmittelbarer Relevanz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ganz Österreich, weil sie die Einkommens- und Versorgungssituation jener Generationen tangiert, die kurz vor dem Pensionsantritt stehen oder bereits pensioniert sind und weiterarbeiten wollen. Stand: 22.05.2026.
Die Kritik des Grünen Arbeits- und Sozialsprechers Markus Koza richtet sich gegen mehrere geplante oder bereits beschlossene Maßnahmen: eine Erhöhung der Lohnnebenkosten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 60, die Wiedereinführung von Arbeitslosenversicherungsbeiträgen für Über-63-Jährige sowie Kürzungen bei der Eingliederungsbeihilfe. Ergänzend steht die steuerliche Handhabung des sogenannten Nebenverdienstes neben der Pension—die sogenannte Aktivpension—im Fokus. Zusammengenommen, so die Einschätzung der Grünen, entsteht hier ein Paket, das Arbeitgeberanreize, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu beschäftigen, deutlich reduziert. Das wiederum könne paradoxerweise dazu führen, dass das effektive Pensionsantrittsalter nicht steigt, sondern mehr Menschen jenseits der 60 Jahre arbeitslos werden.
Um die Diskussion klar einzuordnen, werden zentrale Begriffe erläutert. Die nachfolgenden Definitionen sind praxisorientiert und so formuliert, dass auch Leserinnen und Leser ohne Spezialwissen die Tragweite der Begriffe einordnen können.
Lohnnebenkosten bezeichnen jene Ausgaben, die zusätzlich zum eigentlichen Bruttolohn eines Arbeitnehmers anfallen. Dazu zählen unter anderem Beiträge zur Sozialversicherung, Abgaben für Arbeitslosen- und Pensionsversicherung sowie Arbeitgeberbeiträge zu anderen sozialen Leistungen. Für Betriebe sind Lohnnebenkosten ein wesentlicher Kostenblock: Sie beeinflussen die Entscheidung, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Betrieb beschäftigen kann und welche Altersgruppen bevorzugt eingestellt werden. Eine Erhöhung der Lohnnebenkosten für eine bestimmte Altersgruppe macht genau diese Gruppe relativ teurer und kann daher negative Beschäftigungseffekte zur Folge haben. Praxisnah bedeutet das: Wenn ein Betrieb für eine 62-jährige Mitarbeiterin deutlich höhere Lohnnebenkosten trägt als für Jüngere, kann dies die Bereitschaft reduzieren, solche Stellen zu schaffen oder zu besetzen.
Die Eingliederungsbeihilfe ist ein Förderinstrument, mit dem Beschäftigungsmaßnahmen für Arbeitslose finanziell unterstützt werden. Typischerweise erhalten Arbeitgeber oder Einrichtungen Zuschüsse, wenn sie Menschen einstellen oder Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen durchführen, die sonst schwer am Arbeitsmarkt unterkommen. Eine Reduktion dieser Beihilfen verringert die wirtschaftliche Motivation von Unternehmen, zusätzliche Personalressourcen für bisher benachteiligte Gruppen bereitzustellen. Bei älteren Arbeitsuchenden kann dies besonders relevant sein: Weil ihre Wiedereingliederung oft mit höherem Aufwand verbunden ist, sind Finanzhilfen ein wichtiger Hebel, um Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten.
Der Begriff Aktivpension beschreibt die Möglichkeit, neben einer bereits bezogenen Pension weiterhin erwerbstätig zu sein und dabei bestimmte steuerliche oder sozialversicherungsrechtliche Regelungen in Anspruch zu nehmen. Aktivpensionen sind ein Instrument, um Pensionistinnen und Pensionisten in Teil- oder Vollzeit weiterarbeiten zu lassen, ohne dass die Rentenleistung automatisch gekürzt wird. Die steuerlichen Begünstigungen oder Ausnahmeregelungen, die mit Aktivpensionen einhergehen können, machen es für Arbeitgeber unter Umständen attraktiver, pensionierte Personen zu beschäftigen – im Vergleich zu älteren, noch nicht pensionierten Arbeitnehmenden, für die reguläre Abgaben anfallen.
Arbeitslosenversicherungsbeiträge sind Abgaben, die von Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern in ein System zur Absicherung bei Arbeitslosigkeit eingezahlt werden. Sie finanzieren Leistungen wie Arbeitslosengeld, Weiterbildungsmaßnahmen und Eingliederungsprogramme. Änderungen bei der Beitragspflicht, zum Beispiel die Wiedereinführung von Beiträgen für eine bestimmte Altersgruppe, beeinflussen die individuellen Nettoverdienste und die Arbeitgeberkosten. Für ältere Beschäftigte kann eine plötzliche Änderung in diesem Bereich die Beschäftigungsattraktivität beeinflussen und damit die Nachfrage nach Arbeitskräften dieser Altersgruppe senken.
Ein Bonus-Malus-System ist ein Anreiz- und Sanktionsmechanismus, der Belohnungen (Bonus) für erwünschtes Verhalten und Belastungen (Malus) für unerwünschtes Verhalten vorsieht. Im Kontext der Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer könnte ein Bonus-Malus-System Unternehmen belohnen, die überdurchschnittlich viele ältere Menschen beschäftigen, und gleichzeitig schlechter dastehende Unternehmen stärker zur Kasse bitten. Ziel ist es, wirtschaftliche Anreize so zu setzen, dass sie das gewünschte Arbeitgeberverhalten fördern. Ein solcher Hebel muss sorgfältig ausgestaltet sein, damit er nicht zu Umgehungsstrategien oder unbeabsichtigten Marktverzerrungen führt.
Die Diskussion um die Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist kein neues Phänomen. Seit Jahren steht in vielen europäischen Ländern die Frage im Mittelpunkt, wie dem demografischen Wandel begegnet und wie Fachkräftepotenziale länger genutzt werden können. In Österreich wurde bereits mehrfach darüber debattiert, das effektive Pensionsantrittsalter zu erhöhen und Erwerbsbiografien zu verlängern. Dabei spielten sowohl fiskalische Erwägungen als auch der Arbeitskräftebedarf in bestimmten Branchen eine Rolle. Maßnahmen reichten von flexibleren Übergängen in den Ruhestand über Förderprogramme für Weiterbildung bis hin zu gezielten Lohnkostenzuschüssen.
Gleichzeitig führte die Notwendigkeit, Staatsfinanzen zu konsolidieren und Pensionssysteme zukunftsfest zu machen, immer wieder zu Reformvorschlägen. Die konkrete politische Umsetzung variierte dabei je nach Regierung und Koalitionsvereinbarungen: Manche Strategien setzten stärker auf Anreize für Arbeitgeber, andere auf Anpassungen bei den Sozialversicherungen. Wichtig ist: Politische Maßnahmen, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer teurer machen oder die Wiedereingliederung erschweren, laufen dem Ziel entgegen, das Arbeitsangebot älterer Personen zu erhöhen. Historisch gesehen zeigen Erfahrungen aus verschiedenen Reformphasen, dass ausgewogene Anreizstrukturen oft wirksamer sind als reine Belastungsmaßnahmen.
Ein Blick über die Landesgrenzen und zwischen die Bundesländer zeigt, dass es unterschiedliche Wege gibt, die Beschäftigung älterer Menschen zu fördern. In manchen österreichischen Bundesländern wurden bereits regionale Initiativen gestartet, die Arbeitgeber mit Förderinstrumenten dazu bringen sollen, ältere Beschäftigte länger zu halten. Diese Initiativen setzen oft auf Qualifizierung, Arbeitsplatzanpassungen und gezielte Zuschüsse.
Deutschland und die Schweiz verfolgen ähnliche, aber nicht identische Ansätze. In Deutschland liegen die Schwerpunkte häufig auf flexiblen Übergängen in den Ruhestand, Weiterbildungsangeboten und betrieblichen Anpassungen. In der Schweiz spielen neben flexibleren Arbeitszeitmodellen auch steuerliche Anreize und die betriebliche Altersvorsorge eine Rolle. Insgesamt ist festzuhalten: Die wirksamsten Maßnahmen kombinieren finanzielle Anreize mit investiven Programmen zur Beschäftigungsfähigkeit, statt rein auf fiskalische Belastungen zu setzen. Einseitige Kostenerhöhungen für bestimmte Altersgruppen sind im internationalen Vergleich selten als langfristig erfolgreiche Strategie dokumentiert.
Die angekündigten Änderungen wirken auf mehreren Ebenen direkt auf das Leben von Menschen über 60 ein. Hier einige exemplarische, lebensnahe Szenarien:
Für Haushalte heißt das konkret: Einkommensunsicherheit, mögliche Lücken in der Vorsorge und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigungsbiografien früher als gewünscht enden. Politische Entscheidungen, die Kosten verschieben, treffen somit unmittelbar persönliche Lebensplanung und wirtschaftliche Stabilität.
In der vorliegenden Mitteilung nennt Markus Koza explizit eine Zahl: Die von der Regierung propagierte Lohnnebenkostensenkung kostet laut Koza rund 2 Milliarden Euro. Dieses Volumen wird als Gegenfinanzierungspotenzial genannt und dient als Ausgangspunkt der Kritik: Die Frage lautet, auf wessen Kosten diese Gegenfinanzierung erfolgt. Laut den Grünen wird diese Last aktuell zum Teil auf Arbeitslose, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Niedrigverdienende verlagert. Die Aussage enthält damit sowohl eine fiskalische Bewertung (Höhe der Finanzmittel) als auch eine soziale Dimension (Wer trägt die Last?).
Ohne zusätzliche externe Daten kann hier nicht abschließend beurteilt werden, wie die Verteilung der Finanzierung in Einzelpositionen genau aussieht. Aus Sicht der Politikbewertung ist jedoch entscheidend: Wenn Einsparungen oder Steuerprivilegien an der einen Stelle geschaffen werden, müssen sie an anderer Stelle kompensiert werden. Entscheidend ist, welche sozialen Gruppen diese Kompensationen tragen müssen und ob die Maßnahmen langfristig das Ziel der höheren Erwerbsbeteiligung älterer Menschen erfüllen oder behindern.
Wird das Paket wie kritisiert umgesetzt, sind mehrere Szenarien plausibel. Kurzfristig könnten Unternehmen ihre Einstellungs- und Personalpolitik überdenken und verstärkt auf flexible Modelle wie die Beschäftigung von Pensionistinnen und Pensionisten zurückgreifen. Das würde kurzfristig die Situation einzelner Betriebe stabilisieren, könnte jedoch die strukturelle Integration älterer Nicht-Pensionierter schwächen.
Mittel- bis langfristig droht eine Verschlechterung der Beschäftigungsquote Älterer, wenn Arbeitgeberanreize nicht ausreichend sind und Förderinstrumente gekürzt werden. Damit erhöht sich das Risiko, dass Menschen im Vorruhestand vermehrt Arbeitslosigkeit erfahren, was zusätzliche soziale Kosten (z. B. für Unterstützungsleistungen) nach sich ziehen kann. Eine nachhaltige Alternative wäre eine Politik, die gezielt Anreize für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schafft, Qualifizierung fördert und gleichzeitig Unternehmen nicht durch einseitige Kostensteigerungen belastet.
Statt Belastungen gezielt auf ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verlagern, schlagen Kritiker wie die Grünen Modelle vor, die Anreize setzen: Ein Bonus-Malus-System etwa könnte Betriebe belohnen, die überdurchschnittlich viele ältere Menschen beschäftigen, und gleichzeitig Unternehmen, die kaum ältere Beschäftigte anstellen, stärker in die Pflicht nehmen. Solche Systeme müssten jedoch fair gestaltet sein, um Missbrauch zu vermeiden und regionale Unterschiede zu berücksichtigen.
Weitere Optionen umfassen gezielte Weiterbildungsoffensiven, Anpassung von Arbeitsplätzen und Arbeitszeitmodellen an die Bedürfnisse älterer Beschäftigter sowie finanzielle Zuschüsse für Betriebe, die in altersgerechte Arbeitsplätze investieren. Im Zentrum erfolgreicher Politik steht die Kombination von Anreizen, Investitionen in Beschäftigungsfähigkeit und einer gerechten Lastenverteilung.
Zusammenfassend stellt die Kritik der Grünen an den aktuellen Regierungsplänen eine zentrale Frage: Soll die Arbeitsmarktpolitik älteren Beschäftigten helfen, länger und sicherer im Erwerbsleben zu bleiben, oder werden Kosten so verschoben, dass genau das Gegenteil passiert? Die vorliegenden Maßnahmen—so die Befürchtung—könnten die Arbeitslosigkeit bei Über-60-Jährigen erhöhen und damit das erklärte Ziel der Erhöhung des effektiven Pensionsantrittsalters untergraben. Am 22.05.2026 mahnen die Grünen deshalb zu alternativen, anreizorientierten Politikinstrumenten.
Wie gehen Sie persönlich mit diesen Entwicklungen um? Haben Sie Erfahrungen als Arbeitgeberin, Arbeitgeber, Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer, wie sich Kostenverlagerungen oder Förderkürzungen auswirken? Ihre Beobachtungen sind relevant für die öffentliche Debatte. Weiterführende Informationen und verwandte Berichte finden Sie auf unseren Seiten: Pensionen & Ruhestand, Arbeitsmarkt & Beschäftigung und Alter und Gesellschaft.
Quelle: Grüner Klub im Parlament, Original-Pressemitteilung. Kontakt laut Originalquelle: Grüner Klub im Parlament, Telefon: +43-1 40110-6317, E-Mail: [email protected].