Tagungsbilanz 2025/2026: Besucherprogramme, Barrierefreiheit und multimediale Formate
Der Nationalrat zieht Bilanz der Tagungsperiode 2025/2026: internationale Begegnungen, Gedenkformate, Demokratiebildung und ein ausgebautes Informationsangebot.
Morgen Dienstag endet die Tagung des Nationalrats für die Periode 2025/2026. Neben der legislativen Arbeit hebt die Parlamentskorrespondenz in ihrer Tagungsbilanz hervor, dass das Hohe Haus am Ring im Berichtszeitraum verstärkt als Ort für internationalen parlamentarischen Austausch, für Informationsangebote an die Bevölkerung, für Demokratiebildung und für die Pflege der Gedenkkultur fungierte. Zugleich führte das Parlament 2026 seinen Jahresschwerpunkt unter dem Titel "teilhaben - teilsein" in verschiedenen Formaten durch.
Der Bericht listet eine Reihe internationaler Begegnungen und Reisen auf, an denen Repräsentanten des Nationalrats beteiligt waren. Nationalratspräsident Walter Rosenkranz nahm an der Jahreskonferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der Parlamente der deutschsprachigen Länder im Juli 2025 und im Mai 2026 teil und eröffnete im Februar 2026 die jährliche Wintertagung der Parlamentarischen Versammlung der OSZE in der Hofburg.
Im November 2025 absolvierte Rosenkranz einen Besuch in Marokko. Im Rahmen des jährlichen Austerlitztreffens kam es zu Gesprächen mit den Amtskollegen aus der Slowakei und Tschechien. Das Nationalratspräsidium war außerdem bei der Konferenz der EU-Parlamentspräsidentinnen und -präsidenten in Kopenhagen vertreten.
Gäste im Parlament waren unter anderem der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Präsidentin des EU-Parlaments Roberta Metsola, der albanische Parlamentspräsident Niko Peleshi, der moldauische Parlamentspräsident Igor Grosu sowie der Vorsitzende der Nationalversammlung der Republik Korea Woo Won-shik. Weitere Besucher waren der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk, der stellvertretende kirgisische Parlamentspräsident Mederbek Aliev, der marokkanische Außenminister Nasser Bourita, die Leiterin der usbekischen Präsidialverwaltung Saida Mirziyoyeva und der Außenminister Saudi-Arabiens Faisal bin Farhan Al Saud.
Auch Bundesratspräsident Peter Samt und Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner waren international aktiv: Sie nahmen im Sommer 2025 an der 6. Weltkonferenz der Parlamentspräsidentinnen und Parlamentspräsidenten der Interparlamentarischen Union (IPU) in Genf teil. Haubner reiste im November 2025 zum parlamentarischen Gipfel der internationalen Krim-Plattform nach Stockholm und absolvierte anschließend einen Arbeitsbesuch in Astana, Kasachstan. In Gesprächen mit Vertretern Montenegros und Albaniens stand der EU-Beitrittsprozess dieser Länder im Mittelpunkt.
Das Parlament bezeichnet sich in der Bilanz als einen Ort gesellschaftlich relevanter Debatten mit entsprechender Verantwortung für Erinnerungskultur. Im Bericht werden mehrere Veranstaltungen und Initiativen genannt, die sich dieser Aufgabe widmeten.
Am 10. November 2025 wurde in einer Gedenkveranstaltung im Parlament besonders der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus gewürdigt; der Nationalfonds wird darin als maßgeblich für die Auseinandersetzung Österreichs mit seiner Vergangenheit in den vergangenen dreißig Jahren genannt.
Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust stellte das Parlament 2026 das Werk der Holocaustüberlebenden Ruth Klüger in den Mittelpunkt. Im Vorfeld der Gedenkveranstaltung unterzeichneten Peter Haubner, Vorsitzender des Komitees und des Kuratoriums des Nationalfonds, und Dani Dayan, Vorstandsvorsitzender der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, im Parlament einen Letter of Intent.
Am 5. Mai 2026 richtete die Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus das Augenmerk auf Gedenkdienst und das Engagement junger Menschen in der Erinnerungsarbeit sowie auf die Suche nach neuen Formen des Gedenkens. Im Juni 2026 widmete sich eine Konferenz des Nationalfonds unter dem Motto "Gedenken neu denken" interaktiven Workshops, die Vorschläge für neue Wege der Holocaust-Vermittlung angesichts der zunehmenden Verlagerung gesellschaftlicher Diskurse in den digitalen Raum erarbeiteten.
Die Parlamentskorrespondenz dokumentiert ein breites multimediales Angebot: Knapp 500 Stunden Livestreams aus Plenarsitzungen, Ausschüssen und Veranstaltungen wurden auf den Kanälen des Parlaments übertragen. Die Mediathek auf der Parlamentswebseite gilt als Hauptanlaufstelle für Videos; zudem nennt der Bericht YouTube, JOYN und simpliTV als genutzte Plattformen.
Für YouTube verzeichnet das Hohe Haus über eine Million Aufrufe; auf den genannten Streaming-Plattformen wurden in der vergangenen Tagungsperiode über 200.000 Aufrufe dokumentiert. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 wurden Posts des Parlaments über alle Social-Media-Kanäle hinweg mehr als 28 Millionen Mal angesehen, und über alle Kanäle folgen dem Parlament über 160.000 Menschen. Alleine auf TikTok hätten Tausende Menschen Nationalrats- und Bundesratssitzungen live mitverfolgt, so die Bilanz.
Ende 2025 startete das KI-unterstützte Audioformat "Nachrichten aus dem Parlament in einfacher Sprache". Laut Bericht werden die aktuellen Parlaments-Nachrichten mittels "Voice Cloning" in gesprochenes Wort umgewandelt; Parlamentssprecher Karl-Heinz Grundböck stellt der KI dafür seine Stimme zur Verfügung. Die Folgen erscheinen mehrmals pro Woche auf gängigen Podcast-Plattformen. Ergänzend nennt die Bilanz die Podcast-Angebote "Geschichte(n) aus dem Parlament" mit Clemens Haipl sowie den eingestellten Podcast "Rund ums Parlament"; insgesamt wurden die Podcasts des Parlaments im vergangenen Jahr über 40.000 Mal angehört.
Die fotografische Dokumentation hat ebenfalls Umfang: Über 21.500 Fotos und Bilder wurden im vergangenen Parlamentsjahr der internen Fotodatenbank hinzugefügt; daraus entstanden über 193 Fotoalben. Die Datenbank umfasst aktuell 405.000 Fotos und Bilder.
Die Bilanz betont wiederholt barrierefreie Zugangsangebote: Bei regulären und Sondersitzungen des Nationalrats kommen regelmäßig Gebärdendolmetscherinnen und -dolmetscher zum Einsatz und übersetzen in die österreichische Gebärdensprache. Das Web-Portal beinhaltet News in einfacher Sprache sowie ein Wörterbuch in einfacher Sprache.
Seit November 2025 werden barrierefreie Führungen angeboten, darunter Führungen in leichter und einfacher Sprache, in Österreichischer Gebärdensprache und Tast-Führungen. Für die barrierefreie Gestaltung erhielt das Parlament im Februar 2026 den Zero Project Award.
Das Parlament bleibt zudem als „offenes Haus“ zugänglich: Nach der Renovierung ist das Gebäude an Wochentagen für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Die Zahlen in der Bilanz belegen hohe Nachfrage: Allein im zweiten Halbjahr 2025 nahmen 126.126 Personen an 6.056 Führungen teil; die Gesamtzahl für 2025 lag bei 271.498 Teilnehmenden. Im ersten Halbjahr 2026 besuchten 141.685 Personen 6.488 Führungen. Mitte Juni 2026 wurde die Marke von einer Million Menschen seit der Wiedereröffnung am 14. Jänner 2023 an Parlamentsführungen erreicht.
Demokratiebildung und Angebote für junge Menschen nehmen einen Schwerpunkt der Bilanz ein. Als zentrales Format führt der Bericht die Demokratiewerkstatt an, die seit fast zwei Jahrzehnten Workshops für junge Menschen ab acht Jahren anbietet. Seit Bestehen im Jahr 2007 besuchten mehr als 179.000 Schülerinnen, Schüler und Lehrlinge aus ganz Österreich diese Workshops; im letzten Schuljahr kamen 57,9 % der Schulklassen aus Wien und 42,1 % aus den Bundesländern.
Die Demokratiewerkstatt bietet ein Lehrlingsforum seit 2017 und fördert in Kleingruppen eine Verarbeitung der Arbeitsergebnisse in Form von Podcasts, Filmen oder Zeitungen. Ergebnisse der Workshops stehen zum Download auf der Jugendwebsite der Demokratiewerkstatt bereit. Das Konzept umfasst zudem Formate wie die Generationenwerkstatt im Kontext des Volksgruppenschwerpunkts und Spezial-Werkstätten zu Jahrestagen und Gedenktagen.
Das Gütesiegel Demokratiebildung, das seit 2024 verliehen wird, zeichnet Schulen und Bildungseinrichtungen für Engagement in der Demokratiebildung aus. Es hat drei Kategorien (Bronze ab 10 Workshops, Silber ab 20, Gold ab 30 Workshops) und wird für drei Jahre vergeben. Bislang wurden 80 Bildungseinrichtungen ausgezeichnet; allein 2026 erhielten 28 Einrichtungen Bronze, 6 Silber und die Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Krems an der Donau Gold.
Der Titel "Demokratiewerkstatt-Profi" wurde im Schuljahr 2025/26 persönlich durch den Nationalratspräsidenten an insgesamt 550 Schülerinnen und Schüler überreicht; insgesamt wurden knapp 8.000 Schülerinnen und Schüler mit diesem Titel ausgezeichnet.
Nationalrat: Der Nationalrat ist das Parlament als gesetzgebende Körperschaft, dessen Tagung die vorliegende Bilanz zusammenfasst. In der Meldung werden seine Sitzungen und Aktivitäten als zentraler Bezugspunkt genannt.
Nationalratspräsident: Als Repräsentant des Nationalrats wird im Bericht Nationalratspräsident Walter Rosenkranz namentlich genannt; neben sitzungsbezogenen Aufgaben ist seine Rolle Träger diplomatischer Begegnungen und Gastgeber für internationale Gäste.
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus: Der Nationalfonds wird in der Bilanz als Institution genannt, die in den vergangenen dreißig Jahren die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Österreich geprägt habe und im Rahmen von Gedenkveranstaltungen besonders gewürdigt wurde.
Demokratiewerkstatt: Die Demokratiewerkstatt ist das außerschulische Bildungsangebot des Parlaments für junge Menschen ab acht Jahren, das Workshops, internationale Formate und spezielle Programme wie das Lehrlingsforum umfasst und dessen Teilnehmerzahlen in der Bilanz dokumentiert werden.
Welche Schwerpunkte nennt die Bilanz des Parlaments für 2025/2026?
Die Bilanz hebt internationalen parlamentarischen Austausch, Ausbau des Informationsangebots, Demokratiebildung, Besucherprogramme und die Pflege der Gedenkkultur hervor. Zudem wurde der Jahresschwerpunkt "teilhaben - teilsein" genannt.
Wie viele Menschen nahmen an Parlamentsführungen teil?
Im zweiten Halbjahr 2025 nahmen 126.126 Personen an 6.056 Führungen teil; für das Gesamtjahr 2025 werden 271.498 Teilnehmende genannt. Im ersten Halbjahr 2026 nahmen 141.685 Personen an 6.488 Führungen teil. Mitte Juni 2026 wurde die Marke von einer Million Besucherinnen und Besuchern seit der Wiedereröffnung am 14. Jänner 2023 erreicht.
Welche digitalen Formate nutzt das Parlament?
Das Parlament betreibt eine Mediathek auf der Parlamentswebseite und nutzt Plattformen wie YouTube, JOYN und simpliTV; es veröffentlicht Inhalte auch über Social-Media-Kanäle (Instagram, TikTok, Bluesky, X, Facebook, Youtube, LinkedIn). Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 verzeichneten die Posts des Parlaments über alle Kanäle hinweg mehr als 28 Millionen Ansichten.
Was umfasst die Demokratiewerkstatt?
Die Demokratiewerkstatt bietet altersgerechte Workshops für junge Menschen ab acht Jahren, ein Lehrlingsforum seit 2017, internationale Kooperationen und Formate wie die Generationenwerkstatt. Seit 2007 nahmen mehr als 179.000 Kinder, Jugendliche und Lehrlinge teil.
Welche Gedenkformate nennt der Bericht?
Der Bericht führt Gedenkveranstaltungen wie die Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 (10. November 2025), den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (27. Jänner 2026) mit Schwerpunkt auf Ruth Klüger sowie die Veranstaltung am 5. Mai 2026 gegen Gewalt und Rassismus an. Zudem wurde ein Letter of Intent mit Yad Vashem unterzeichnet und eine Konferenz des Nationalfonds im Juni 2026 erwähnt.
Die hier zusammengefassten Angaben stammen aus der Parlamentskorrespondenz zur Tagungsbilanz 2025/2026: Parlamentskorrespondenz Nr. 730/2026.
Weitere Informationen zum Jahresschwerpunkt finden sich auf der Parlamentsseite: teilhaben - teilsein
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