Anna Soucek diskutierte im ORF RadioKulturhaus über Ökologie in Kunst und Kultur
Der Ö1 Kulturtalk stellte die Klimakrise als Kulturfrage zur Diskussion. Im Fokus standen Kunst, Wissensvermittlung und die Klima Biennale Wien.
Der Ö1 Kulturtalk widmete sich im April 2026 der Frage, wie Ökologie in Kunst und Kultur Einzug hält. Die Live-Diskussion war für den 23. April um 19.00 Uhr im RadioCafe des ORF RadioKulturhauses angekündigt, die Ausstrahlung in Ö1 folgte am 26. April um 18.15 Uhr. Moderatorin Anna Soucek sprach mit der Journalistin Katharina Kropshofer, der Künstlerin Folke Köbberling und der Kuratorin Sophie Haslinger vom Kunst Haus Wien über Kunst, Klimakrise und kulturelle Wissensvermittlung.
Die Ausgangsfrage des Abends war bewusst offen formuliert: Kann Kunst die Komplexität der globalen Klimakrise vermitteln, Lösungsansätze reflektieren oder sogar neue Denkwege entwickeln? Die offizielle ORF-Ankündigung zum Ö1 Kulturtalk stellte damit nicht nur eine ökologische, sondern eine kulturelle Frage. Denn die Klimakrise ist längst nicht mehr nur ein Thema für Naturwissenschaft, Politik und Infrastruktur. Sie prägt Bilder, Sprache, Alltagsentscheidungen, Ausstellungen, Festivals und die Art, wie Gesellschaft über Zukunft spricht.
Kunst kann Messdaten nicht ersetzen und sie muss keine technischen Lösungen liefern. Ihre Stärke liegt woanders: Sie kann Wahrnehmung verschieben, Widersprüche sichtbar machen und Erfahrungen vermitteln, die in politischen Debatten oft abstrakt bleiben. Gerade bei einem Thema wie der Erderhitzung, das global, langfristig und emotional belastend ist, kann Kultur Räume öffnen, in denen Ambivalenz, Trauer, Verantwortung und Hoffnung gleichzeitig verhandelt werden.
Die Besetzung des Gesprächs zeigte drei unterschiedliche Zugänge. Katharina Kropshofer bringt als Journalistin die Perspektive von Recherche, Einordnung und öffentlicher Vermittlung ein. Folke Köbberling arbeitet als Künstlerin an der Schnittstelle von Stadt, Ressourcen und gesellschaftlicher Praxis. Sophie Haslinger vertritt als Kuratorin des Kunst Haus Wien eine Institution, die sich stark mit ökologischen Fragen und Gegenwartskunst beschäftigt. Zusammen ergab sich damit ein Panel, das nicht nur über Kunstwerke, sondern auch über Produktionsbedingungen und Verantwortung sprechen konnte.
Der begleitende Ö1-Programmeintrag zur Sendung ordnete den Talk als Gespräch aus dem ORF RadioKulturhaus ein. Dort wurde der Zusammenhang zur Klima Biennale Wien ausdrücklich hergestellt. Die Frage lautete nicht, ob Kunst das Klima rettet. Sie lautete eher, wie Kunst, Journalismus und kuratorische Praxis dazu beitragen können, Klimathemen verständlich, sinnlich und diskutierbar zu machen.
Der Kulturtalk fand anlässlich der Klima Biennale Wien statt. Laut wien.ORF.at-Bericht zur Klima Biennale 2026 setzte das Festival im Frühjahr 2026 auf Kunst, Wissenschaft und Zivilgesellschaft und verzichtete auf ein zentrales Festivalareal zugunsten von Partnerinstitutionen und Stadträumen. Genau diese Struktur passt zum Thema: Ökologische Fragen sind nicht an einen einzelnen Ort gebunden. Sie betreffen Verkehr, Wohnen, Konsum, Energie, Landschaft, Stadtplanung und kulturelle Routinen.
Für ein Gespräch im RadioKulturhaus ist die Biennale deshalb ein sinnvoller Anker. Sie bietet Beispiele, an denen sich diskutieren lässt, wie Ausstellungen, Interventionen und künstlerische Projekte mit komplexen Sachverhalten umgehen. Kunst kann zeigen, dass Klimakommunikation nicht nur aus Warnungen besteht. Sie kann auch fragen, welche Lebensformen wünschenswert sind, wie Verlust sichtbar wird oder warum Menschen trotz Wissen oft nicht handeln.
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Vermittlung von Wissen. Klimathemen sind oft datenreich, aber schwer erfahrbar. Temperaturkurven, Kipppunkte und Emissionspfade sind wichtig, erreichen aber nicht automatisch alle Menschen. Kultur kann hier eine ergänzende Rolle übernehmen, indem sie Wissen in Erzählungen, Bilder, Räume und Körpererfahrungen übersetzt. Das ist keine Vereinfachung im schlechten Sinn, sondern ein anderer Zugang zur Komplexität.
Gleichzeitig bleibt die Gefahr, dass Klimakunst bloß symbolisch wirkt oder sich in gut gemeinten Gesten erschöpft. Deshalb ist die Frage nach Produktionsbedingungen entscheidend. Wie ressourcenschonend arbeiten Institutionen? Welche Materialien werden verwendet? Wie reisen Kunstwerke, Künstlerinnen und Publikum? Welche sozialen Gruppen werden erreicht? Ein ernsthafter Kulturtalk über Ökologie muss diese praktischen Fragen mitdenken, sonst bleibt die Debatte bei ästhetischen Oberflächen stehen.
Der Ö1 Kulturtalk ist als monatliches Format angelegt, das das aktuelle Kunst- und Kulturgeschehen vertiefend und kommentierend bespricht. Kulturjournalistinnen und Kulturjournalisten diskutieren Produktionen, Ausstellungen, Literatur, Musik, Film und die Rahmenbedingungen des Kunstschaffens in Österreich. Für das Thema Klima ist dieses Format besonders passend, weil es nicht nur einzelne Werke vorstellt, sondern ihre gesellschaftliche Bedeutung einordnet.
Die April-Ausgabe zeigte, dass Klimadebatten nicht außerhalb des Kulturbetriebs stattfinden. Museen, Festivals, Künstlerinnen, Kuratoren, Medien und Publikum sind selbst Teil jener gesellschaftlichen Praxis, über die gesprochen wird. Wenn Kulturinstitutionen ökologische Fragen behandeln, müssen sie daher doppelt reflektieren: Sie zeigen die Krise und sind zugleich Akteurinnen in einer Welt, die Ressourcen verbraucht.
Der Ö1 Kulturtalk machte vor allem deutlich, dass ökologische Kulturarbeit keine Nische mehr ist. Klimafragen erreichen die großen Institutionen, die freien Szenen, den Journalismus und die Stadtpolitik. Entscheidend wird nun, ob daraus nur thematische Programmpunkte entstehen oder ob Kulturinstitutionen langfristig anders planen, produzieren und vermitteln. Der Unterschied ist groß: Ein einzelnes Gespräch kann Aufmerksamkeit schaffen, eine veränderte Praxis kann Wirkung entfalten.
Für das Publikum bot der Talk einen Einstieg in diese Debatte. Wer sich für Klimapolitik interessiert, bekam einen Blick auf ästhetische und kuratorische Formen der Vermittlung. Wer aus der Kultur kommt, wurde mit der Frage konfrontiert, welche Verantwortung Kunstproduktion in der Klimakrise trägt. Gerade diese Überschneidung macht das Format stark: Es verbindet Fachperspektiven, ohne die Komplexität des Themas auf einfache Antworten zu reduzieren.
Dass die Diskussion im Ö1-Kontext stattfand, ist für das Thema nicht zufällig. Radio arbeitet mit Sprache, Stimmen, Pausen und argumentativer Verdichtung. Es kann komplexe Begriffe erklären, ohne sie sofort in Bilder zu übersetzen. Für Klimathemen ist das hilfreich, weil viele Debatten zwischen wissenschaftlichen Fakten, persönlichen Erfahrungen und politischen Konflikten wechseln. Ein Radiogespräch kann diese Ebenen nebeneinander hörbar machen und dadurch weniger spektakulär, aber oft genauer arbeiten als kurze Social-Media-Formate.
Gleichzeitig ist das RadioKulturhaus als Live-Ort wichtig. Publikum im Raum verändert die Gesprächssituation: Fragen, Reaktionen und Atmosphäre machen aus einer Sendung ein kulturelles Ereignis. Der Kulturtalk verband damit zwei Öffentlichkeiten, die sich ergänzen: die konkrete Veranstaltung vor Ort und die spätere Ausstrahlung für das Ö1-Publikum. So wurde die Klimadebatte nicht nur angekündigt, sondern in ein Format übersetzt, das Diskussion, Einordnung und kulturelle Praxis zusammenbringt.
Die Live-Aufzeichnung war für den 23. April 2026 um 19.00 Uhr im RadioCafe des ORF RadioKulturhauses angekündigt. Die Ö1-Ausstrahlung folgte am 26. April 2026 um 18.15 Uhr.
Mit dabei waren Katharina Kropshofer, Folke Köbberling und Sophie Haslinger vom Kunst Haus Wien. Sie brachten journalistische, künstlerische und kuratorische Perspektiven ein.
Der Kulturtalk stand im Zusammenhang mit der Klima Biennale Wien und behandelte die Frage, wie Kunst und Kultur ökologische Themen vermitteln können.
Die Live-Aufzeichnung war für den 23. April 2026 im ORF RadioKulturhaus angekündigt; die Ö1-Ausstrahlung folgte am 26. April 2026.
Anna Soucek sprach mit Katharina Kropshofer, Folke Köbberling und Sophie Haslinger.
Der Talk stand im Zusammenhang mit der Klima Biennale Wien und fragte, wie Kunst und Kultur ökologische Themen vermitteln können.