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Gesundheit

NGO-Forum: Rassismus im Gesundheitssystem

„Benachteiligte Gruppen und blinde Flecken im Gesundheitsbereich“, Teil 4: „Rassismus passiert – offen, aber auch in unhinterfragten Routinen.“

9. Juli 2026
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Beim NGO-Forum der Volksanwaltschaft moderierte Volksanwalt Bernhard Achitz; ZARA-Referentin Theresa Ekpa sprach über strukturellen Rassismus, medical gaslighting und Technikprobleme wie Pulsoximeter.

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Die Volksanwaltschaft hat ihr jährliches NGO-Forum zum Thema „Benachteiligte Gruppen und blinde Flecken im Gesundheitsbereich“ fortgesetzt. Volksanwalt Mag. Bernhard Achitz moderierte die Veranstaltung am 27. Mai in den Räumen des Dachverbands der Sozialversicherungsträger und richtete den Fokus ausdrücklich auf Menschen, die in Gesundheitsreform-Diskussionen häufig übersehen werden.

Im Zentrum der vierten Teilveranstaltung stand die Frage rassistischer Diskriminierung im Gesundheitssystem. Die ZARA-Referentin Theresa Ekpa machte in ihrem Vortrag „Rassismus passiert – offen, aber auch in unhinterfragten Routinen“ auf strukturelle Probleme aufmerksam und illustrierte diese mit konkreten Beispielen aus Beratungsfällen und technischen Standards.

NGO-Forum der Volksanwaltschaft am 27. Mai

Die Volksanwaltschaft organisiert nach eigenen Angaben jährlich ein NGO-Forum zu einem konkreten Thema, um der Zivilgesellschaft Austausch mit Behörden aus Bund und Ländern, Vertreterinnen und Vertretern der Sozialversicherung sowie mit Politikerinnen und Politikern zu ermöglichen. In den vergangenen Jahren behandelten die Foren etwa die Verankerung Sozialer Grundrechte in der Verfassung oder Kinderrechte; die Ergebnisse werden in Tagungsbänden zusammengefasst und veröffentlicht.

Beim Treffen am 27. Mai stellte Volksanwalt Bernhard Achitz heraus, dass Aufmerksamkeit in Reformdebatten gezielt auf „jene Menschen zu setzen“ sei, die leicht vergessen würden: „Benachteiligte Gruppen wie Armutsbetroffene, Menschen mit Behinderungen und Frauen, sowie nicht zuletzt Menschen, die von Rassismus im Gesundheitssystem betroffen sind.“ Er betonte zudem: „Besonders betroffen sind Menschen, die zu mehreren dieser Gruppen gehören, denn Diskriminierung tritt nicht isoliert auf.“

Theresa Ekpa (ZARA): Rassismus passiert – offen, aber auch in unhinterfragten Routinen

Theresa Ekpa von ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit verwies in ihrem Beitrag auf den Rassismusreport 2024 („Wenn Rassismus krank macht“) und beschrieb Rassismus nicht nur als offenes, aktives Verhalten, sondern auch als Teil unbewusster Routinen, die zu selten hinterfragt werden: „Rassismus passiert – nicht nur aktiv und offen, sondern in Form von unbewussten Routinen, die zu wenig hinterfragt werden.“

Ekpa machte deutlich, dass viele Erkenntnisse derzeit auf Einzelfällen und Erfahrungsberichten beruhen. In ihrem Vortrag forderte sie demnach mehr Forschung und bessere Datenerfassung, um die derzeit vorliegenden Erfahrungen systematisch zu ergänzen.

Konkrete Beispiele aus Beratungspraxis und Technik

Ekpa nannte mehrere konkrete Beispiele, die aus der Beratungspraxis von ZARA stammen oder auf technischen Standards beruhen. Ein Fall schilderte sie so: Eine Patientin klagte über extreme Nierenschmerzen; der Hausarzt habe sie nicht ernst genommen und ihr Übertreibung vorgeworfen – „wegen ihrer ethischen Zugehörigkeit“. Später stellte sich heraus, dass die Patientin einen Tumor in einem fortgeschrittenen Stadium hatte und eine Niere entfernt werden musste.

Als weitere Beispiele führte Ekpa Aspekte an, die in Ausbildung und Medizintechnik verankert sein können. In der Dermatologie zeigten Lehrbuch-Bilder laut Vortrag fast immer weiße Haut; wie Hauterkrankungen auf dunkler Haut aussehen, werde demgegenüber nicht ausreichend gelehrt. Bei technischen Geräten nannte sie Pulsoximeter: Diese seien auf weiße Haut kalibriert und würden bei dunkler Haut später Alarm geben.

Ekpa verwendete in ihrem Vortrag den Begriff „medical gaslighting“, um eine Reihe von Verhaltensweisen zu beschreiben: Schmerzen werden nicht ernst genommen, Beschwerden werden ignoriert, Untersuchungen werden nicht oder nur unzureichend durchgeführt – oft, so Ekpa, weil Vorurteile durchschlagen. Formal existierende Beschwerdewege seien zwar vorhanden, aber in der Praxis aufgrund von Sprachbarrieren, Unwissen oder Vertrauensmangel nur schwer zugänglich.

Struktureller Rassismus, medical gaslighting, Beschwerdewege erklärt

Struktureller Rassismus: Im Vortrag wurde struktureller Rassismus als ein Phänomen beschrieben, das nicht nur aus individuellen, offenen Diskriminierungen besteht, sondern sich in Routinen, Standards und Ausbildungsinhalten manifestieren kann. Beispiele aus Lehre und Technik wurden genannt, um diese Form der Verankerung zu veranschaulichen.

Medical gaslighting: Unter diesem Schlagwort fasst die Referentin Verhaltensweisen zusammen, bei denen Patientinnen und Patienten nicht geglaubt werden, Beschwerden kleingeredet werden oder notwendige Untersuchungen unterbleiben; Ekpa verband den Begriff mit den Folgen von Vorurteilen in der medizinischen Praxis.

Beschwerdewege: Die Volksanwaltschaft verwies auf formell bestehende Beschwerdemöglichkeiten; Ekpa hob jedoch hervor, dass diese Wege in der Realität schwer zugänglich sein können, etwa wegen Sprachbarrieren, fehlender Information oder mangelndem Vertrauen.

Rassismuskritische Kompetenz: Ekpa sprach von der Notwendigkeit, Wissen in Ausbildung und Praxis kritisch zu reflektieren. Mit dem Begriff ist nach ihrem Vortrag gemeint, medizinisches Wissen und Standards hinsichtlich möglicher rassistischer Verzerrungen zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Datenerfassung und Forschung: Ekpa bezeichnete Forschung und systematische Datenerhebung als Voraussetzung, um Erfahrungen über Einzelfälle hinaus zu überprüfen und besser zu dokumentieren; aktuell beruhe vieles auf Berichten aus der Beratungspraxis.

Was Theresa Ekpa zur Ausbildung und Forschung sagte

In ihrem Vortrag formulierte Ekpa mehrere konkrete Schlussfolgerungen aus den genannten Beispielen: Die Medizin brauche nach ihren Worten „mehr rassismuskritische Kompetenz“. Konkret nannte sie bessere Ausbildung, bessere Zugänge zu Beschwerdeverfahren und klare Standards in Einrichtungen für den Umgang mit Fällen von Rassismus.

Ekpa sprach sich außerdem für intensivere Forschung und eine verbesserte Datenerfassung aus, weil die derzeit verfügbaren Erkenntnisse überwiegend auf Erfahrungsberichten und Einzelfällen beruhten. Diese Forderungen stellte sie im Rahmen ihres Vortrags beim NGO-Forum dar.

FAQ zum NGO-Forum und den diskutierten Problemen

Was ist das NGO-Forum der Volksanwaltschaft?

Die Volksanwaltschaft organisiert nach eigenen Angaben jährlich ein NGO-Forum zu einem konkreten Thema. Ziel ist demnach, der Zivilgesellschaft die Möglichkeit zu geben, sich mit Behörden aus Bund und Ländern, Vertreterinnen und Vertretern der Sozialversicherung sowie mit Politikerinnen und Politikern auszutauschen. Die Ergebnisse werden in Tagungsbänden dokumentiert.

Wer moderierte die Veranstaltung am 27. Mai?

Die Veranstaltung wurde von Volksanwalt Mag. Bernhard Achitz moderiert. In seiner Moderation betonte er, dass bei Reformdebatten der Fokus auf Menschen gelegt werden müsse, die oft vergessen werden – darunter Armutsbetroffene, Menschen mit Behinderungen, Frauen und Menschen, die von Rassismus betroffen sind.

Welche konkreten Beispiele wurden genannt?

Als konkrete Fälle nannte Theresa Ekpa eine Beratungsakte, in der eine Patientin mit starken Nierenschmerzen zunächst nicht ernst genommen wurde und später einen fortgeschrittenen Tumor hatte. Weiterhin verwies sie auf Lehrbuchbilder in der Dermatologie, die überwiegend weiße Haut zeigen, und auf technische Probleme bei Pulsoximetern, die laut Vortrag auf weiße Haut kalibriert sind und bei dunkler Haut später Alarm auslösen.

Was bedeutet „medical gaslighting“ in diesem Zusammenhang?

Im Vortrag nutzte Ekpa den Begriff „medical gaslighting“, um Situationen zu beschreiben, in denen Beschwerden nicht ernst genommen, Untersuchungen ausbleiben oder nur unzureichend erfolgen – häufig mit der Folge, dass Patientinnen und Patienten nicht adäquat versorgt werden. Sie verband den Begriff mit Vorurteilen und deren Wirkung in der Medizin.

Welche Maßnahmen nannte Ekpa?

Ekpa sprach sich für mehr rassismuskritische Kompetenz in der Medizin aus und nannte konkrete Felder: bessere Ausbildung, bessere Zugänge zu Beschwerdewegen und klare Standards in Einrichtungen für den Umgang mit Fällen von Rassismus. Zudem forderte sie mehr Forschung und eine verbesserte Datenerfassung, damit Erfahrungen systematisch ausgewertet werden können.

Wo stehen die Ergebnisse des NGO-Forums?

Die Volksanwaltschaft gibt an, die Ergebnisse ihrer NGO-Foren in Tagungsbänden zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Informationen dazu stellt die Institution auf ihrer Website bereit.

Quellen und Kontakt

Quellen im Artikel: die Presseinformation der Volksanwaltschaft zum NGO-Forum sowie Verweise im Vortrag von Theresa Ekpa (ZARA). Weiterführende Materialien und Dokumente nennt die Volksanwaltschaft auf ihrer Website; die Folien zum Vortrag von Theresa Ekpa sind separat abrufbar.

Weiterführende Links (einmalig verwendet): Tagungsbände der Volksanwaltschaft, ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, Rassismusreport 2024, Folien zum Vortrag von Theresa Ekpa.

Kontakt laut Originalangaben: Florian Kräftner, Mediensprecher im Büro von Volksanwalt Mag. Bernhard Achitz; Telefon: +43 664 301 60 96; E-Mail: florian.kraeftner [at] volksanwaltschaft.gv.at; Website: https://www.volksanwaltschaft.at.

Schlagworte

#Rassismus#Gesundheitssystem#Volksanwaltschaft#Diskriminierung#ZARA#Gesundheitspolitik#Gesellschaft#Menschenrechte

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