Die österreichische Wirtschaft steht vor ihrer größten Herausforderung seit der Coronakrise. Der eskalierende Nahostkonflikt sendet Schockwellen durch die globalen Märkte und trifft Österreich als ...
Die ACREDIA Group in Zusammenarbeit mit Allianz Research sieht die globale Konjunktur 2026 spürbar unter Druck: Die Eskalation im Nahen Osten führt zu schwächerem Wachstum, höherer Inflation und steigender Unsicherheit. Besonders betroffen sind energieabhängige Regionen, exportorientierte Volkswirtschaften sowie Unternehmen mit bereits angespannten Margen.
Im Basisszenario wird das globale Wirtschaftswachstum 2026 voraussichtlich nur noch bei +2,6 Prozent liegen – um 0,5 Prozentpunkte weniger als vor der jüngsten Zuspitzung des Konflikts. Für die Eurozone wird lediglich ein Wachstum von +0,8 Prozent erwartet. Michael Kolb, Vorstand der ACREDIA Group, warnt, die geopolitische Eskalation treffe auf eine fragile Weltwirtschaft und verstärke bestehende strukturelle Schwächen.
Gleichzeitig steigt der Inflationsdruck: Für die USA wird ein Wert von 3,2 Prozent, für die Eurozone 3,0 Prozent erwartet. Diese Entwicklung schwächt die Kaufkraft und erhöht die Risiken für Wachstum.
Im Zentrum der wirtschaftlichen Auswirkungen stehen die Energiepreise. Die Straße von Hormus bleibt ein kritischer Engpass für den globalen Handel: Rund 25 Prozent der weltweiten Öl- und Gasströme passieren diese Route.
Im Basisszenario wird erwartet, dass sich der Ölpreis bis Ende 2026 bei rund 80 USD pro Barrel stabilisiert. Eine weitere Eskalation mit längerfristigen Unterbrechungen könnte jedoch massive Verwerfungen auslösen und zu deutlich steigenden Gas- und Ölpreisen führen.
„Energiepreise entwickeln sich zunehmend zum zentralen Steuerungsfaktor für Inflation, Wachstum und unternehmerische Planung. Die Unsicherheit ist derzeit außergewöhnlich hoch“, so Kolb.
Für Unternehmen entsteht ein klassischer Kostenschock: Höhere Preise für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte treffen auf eine gleichzeitig schwächere Nachfrage und restriktivere Finanzierungsbedingungen. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen, Industrie, Transport und konsumnahe Sektoren. Margen und Liquidität geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Als stark exportorientierte Volkswirtschaft ist Österreich direkt von globaler Nachfrage, stabilen Lieferketten und berechenbaren Handelsströmen abhängig.
In diesem Umfeld erwartet die ACREDIA Group einen weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen: Für die Eurozone wird 2026 ein Plus von 2,5 Prozent prognostiziert.
Auch der globale Warenhandel wird durch die geopolitische Lage spürbar gebremst und dürfte 2026 nur noch um +1,5 Prozent wachsen. Besonders betroffen sind energieabhängige Regionen sowie exportorientierte Volkswirtschaften. Bei einer weiteren Eskalation droht eine deutliche Verschlechterung des Welthandels.
Gleichzeitig zeigen die Finanzmärkte bereits Reaktionen auf das veränderte Umfeld: Renditen können steigen, Aktienmärkte geraten unter Druck und sichere Anlagen gewinnen an Bedeutung. Notenbanken stehen vor einem Balanceakt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstützung.
Der aktuelle Konflikt ist zudem Ausdruck eines tiefergehenden strukturellen Wandels: Die globale Wirtschaft entfernt sich zunehmend von einer effizienzgetriebenen, regelbasierten Ordnung hin zu einem Umfeld, das stärker von geopolitischen Interessen, staatlichen Eingriffen und strategischer Autonomie geprägt ist. Lieferketten werden diversifiziert, Handelsströme politisiert und wirtschaftliche Abhängigkeiten reduziert.
„Volatilität ist heute kein Ausnahmezustand mehr, sondern ein permanenter Faktor unternehmerischer Planung. Unternehmen müssen Risiken früh erkennen, Szenarien mitdenken und ihre Strategien entsprechend flexibel ausrichten“, betont Kolb.
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