Die österreichische Milchwirtschaft steht vor einem Paradoxon: Während die Branche 2025 ihre Exporterlöse auf einen Rekordwert von 1,95 Milliarden Euro steigerte und den EU-weit höchsten Bioanteil erreichte, kämpfen Bauern und Molkereien gegen massive Preiseinbrüche seit Jahresende.
Die österreichische Milchwirtschaft steht vor einem Paradoxon: Während die Branche 2025 ihre Exporterlöse auf einen Rekordwert von 1,95 Milliarden Euro steigerte und den EU-weit höchsten Bioanteil erreichte, kämpfen Bauern und Molkereien gegen massive Preiseinbrüche seit Jahresende.
Die Zahlen der heimischen Milchwirtschaft für 2025 lesen sich zunächst beeindruckend: 3,68 Millionen Tonnen Milch wurden angeliefert – ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Molkereiumsätze kletterten um neun Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Doch diese positive Entwicklung wurde gegen Jahresende jäh gestoppt. Massive Preisverfälle, besonders bei Butter, erschütterten den Markt. Ursache dafür sind deutliche Mehranlieferungen in wichtigen Produktionsländern.
Der durchschnittliche Auszahlungspreis für Milch erreichte 2025 63,58 Cent je Kilogramm – ein Anstieg von 11,8 Prozent gegenüber 2024. Im Februar 2026 lagen die Preise bei 45,75 Cent/kg (Februar 2025: 53,12 Cent/kg), was die Volatilität des Milchmarktes verdeutlicht.
Die Europäische Union verzeichnete 2025 eine Mehranlieferung von zwei Prozent, wobei höhere Inhaltsstoffe die effektive Steigerung auf 2,8 Prozent erhöhten. Einzelne Länder meldeten in bestimmten Monaten deutlich höhere Zuwächse. Gründe dafür nennt das OTS: gute Futtergrundlagen, Spätfolgen der Blauzungenkrankheit in wichtigen Produktionsgebieten und höhere Produktionseffizienz.
Mit 18,1 Prozent beziehungsweise 633.600 Tonnen erreichte Österreich 2025 den mit Abstand höchsten Biomilchanteil in der Europäischen Union. Daneben bestehen laut OTS weitere hochwertige Milchsorten wie Heumilch, Biowiesenmilch und Tierwohlmilch.
Die Anzahl der Milchbauern verringerte sich 2025 um 3,5 Prozent von 21.569 auf 20.811. Gleichzeitig blieb der Milchkuhbestand mit 536.200 Tieren nahezu konstant; im Durchschnitt hielt jeder Landwirt 25,8 Kühe. Die durchschnittliche Milchleistung je Kuh lag bei 6.853 Kilogramm.
Die durchschnittliche Anlieferung je Landwirt stieg von 166,1 t auf 176,9 t. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je Landwirt stieg auf 112.482 Euro inklusive Umsatzsteuer – ein Plus von 19,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die österreichischen Milchexporte erreichten 2025 einen neuen Höchstwert und konnten um 9,5 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro zulegen. Gleichzeitig stiegen die Importe um 12,4 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro. Der positive Außenhandelssaldo beträgt damit 634 Millionen Euro. Die Exportquote bezogen auf den Umsatz betrug ca. 44,3 Prozent.
Deutschland ist das wichtigste Export- und Importland, gefolgt von Italien, Spanien, Griechenland und den Niederlanden. Insgesamt exportiert die heimische Milchwirtschaft in über 100 Staaten.
Käse ist das wichtigste Exportprodukt: Exporte von 987 Millionen Euro standen Importe von 841 Millionen Euro gegenüber. Flüssige Milchprodukte wurden mit 449 Millionen Euro exportiert und mit 92 Millionen Euro importiert, fermentierte Produkte erreichten 305 Millionen Euro Exporte und 85 Millionen Euro Importe. Bei Butter lagen die Importe mit 156 Millionen Euro über den Exporten von 27 Millionen Euro; bei Trockenmilchprodukten bestanden ebenfalls Importüberschüsse (87 Millionen Euro Importe vs. 51 Millionen Euro Exporte).
Das OTS führt an, dass weltpolitische Krisen zu hohen Kostensteigerungen führen. In Österreich kommen laut OTS mit der geplanten Plastiksteuer neben ohnehin hohen Rohstoffpreisen zusätzliche Belastungen sowie weitere bürokratische Auflagen hinzu. Das OTS kritisiert zudem eine negative, öffentlich geführte Preisdebatte, die dem Wirtschaftsstandort schaden könne.
Nach wie vor sieht das OTS Handlungsbedarf bei der Begrenzung von Auflagen und Bürokratie. Einige EU-Vorhaben aus dem Green Deal wurden zwar entschärft, dennoch treten dem OTS zufolge Umsetzungen bereits beschlossener Vorhaben als neue Belastungen in Kraft. Es werden sachgerechte Ausnahmeregelungen für den Sektor Milch und für Genossenschaften gefordert.
Das OTS nennt sprunghafte Zollankündigungen und daraus folgende Zölle sowie neue Zölle nach China als störend für den Außenhandel. Zusätzlich erschweren kriegsbedingte Einschränkungen und Verteuerungen der Transporte den Handel. Neue Handelsabkommen der EU sollen laut OTS so verhandelt werden, dass sie Vorteile für die Milchwirtschaft bringen.
Positiv bewertet das OTS die Implementierung von "Tierhaltung plus". Das System bringt laut OTS eine Verbesserung der Tierwohlstandards und wird positiv gesehen.
Der Konsum von Milchprodukten entwickelt sich laut OTS trotz Teuerungsdebatte positiv. Milchprodukte liefern Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine und Mineralien. Der Käsekonsum lag in den Erhebungen der Statistik Austria bei einem Durchschnittsverbrauch von 26,5 Kilogramm pro Jahr.
Das OTS stellt fest, dass die Entwicklung der Inflation bei Lebensmitteln in Österreich mehrjährigen Vergleichen zufolge deutlich unter der allgemeinen Teuerung liegt. Der Anteil der Lebensmittel an den Gesamtausgaben sank demnach zuletzt von 12,1 auf 11,8 Prozent.
Das OTS warnt vor dem Vorschlag der EU-Kommission zur Liberalisierung der Neuen Gentechnik. Ohne Zulassung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte sei laut OTS die Produktion gentechnikfreier Produkte und der gentechnikfreie Biolandbau gefährdet beziehungsweise mit Mehrkosten konfrontiert.
Das OTS fordert seitens der Regierung unterstützende Politik, etwa eine entsprechende Kennzeichnung der Herkunft der Produkte, damit Konsumenten sehen können, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden. Die Milchwirtschaft leistet laut OTS darüber hinaus Beiträge zur Pflege der Landschaft und zum Erhalt von Grünland, Wiesen und Almen.