PRESSEFEUER
StartseiteFeaturesPreiseToolsDocs
Zurück zum Newsroom
Wirtschaft

Elektro-KV aus Arbeitgebersicht: Warum 1,85 Prozent plus 22 Euro zählt

29. Mai 2026
Teilen:

Der FEEI sieht im KV-Abschluss der Elektro- und Elektronikindustrie einen Kompromiss zwischen Kosten, Wettbewerbsfähigkeit und sozialem Ausgleich. Gerade der Sockelbetrag macht das Ergebnis erklärungsbedürftig.

Nach der fünften KV-Verhandlungsrunde gibt es in der Elektro- und Elektronikindustrie eine Einigung: Die Ist-Löhne und -Gehälter steigen rückwirkend mit 1. Mai 2026 um 1,85 Prozent plus einem Sockel von 22 Euro, die Grundstufe der KV-Löhne und -Gehälter um 3,00 Prozent.

Löhne, Gehälter und Schichtzulagen

Erhöht werden weiters die Schichtzulagen: Die Zulage für die zweite Schicht wird gleichmäßig über drei Jahre um insgesamt 47 Cent angehoben, die Zulage für die dritte Schicht wird binnen zwei Jahren gleichmäßig um insgesamt 34 Cent erhöht.

Gute Lösung für beide Seiten

„Unser vorrangiges Ziel war es, in diesen durch geopolitische Verschiebungen, regulatorische Unsicherheiten und technologische Disruption wirtschaftlich herausfordernden Zeiten heuer deutlich unter der rollierenden Inflation abzuschließen – das ist uns gelungen. Der Fokus ist klar auf den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit gelegt, die gerade für die exportstarke Elektro- und Elektronikindustrie essenziell ist“, sagt FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun.

Änderungen im Rahmenrecht

Das Ergebnis der KV-Verhandlungen betrifft auch Änderungen im Rahmenrecht. Eltern von Kindern mit Behinderung erhalten eine zusätzliche Pflegefreistellung von einer Woche jährlich.

Die Verhandlungsparteien einigten sich auf die Einführung von Gesundheitstagen unter Berücksichtigung betrieblicher Maßnahmen:

  • Ab 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 40 Jahren erhalten Beschäftigte einen Gesundheitstag.
  • Zwei Gesundheitstage stehen Personen ab 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 45 Jahren zu.
  • Bei 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 50 Jahren sind drei Gesundheitstage jährlich vorgesehen.
  • Bei Erreichen der 6. Urlaubswoche entfällt der Anspruch auf diese Gesundheitstage.

Die Verhandlungsergebnisse betreffen rund 60.000 Beschäftigte.

Quelle: FEEI. Originalmeldung:

Die Arbeitgeberperspektive auf denselben Abschluss

Der KV-Abschluss in der Elektro- und Elektronikindustrie wird von den beteiligten Seiten unterschiedlich gerahmt. Während PRO-GE und GPA den Druck der Belegschaften und Verbesserungen bei Löhnen, Zulagen und Gesundheitstagen betonen, hebt der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vor allem Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit hervor. Das ist kein Widerspruch, sondern typisch für Kollektivvertragsrunden: Ein Ergebnis muss am Ende für beide Seiten kommunizierbar sein.

Aus Arbeitgebersicht ist der Abschluss deshalb relevant, weil die Branche exportstark ist. Viele Unternehmen konkurrieren nicht nur mit heimischen Betrieben, sondern mit Standorten in Europa, Asien und Nordamerika. Lohnkosten sind dabei nicht der einzige Faktor, aber ein wichtiger. Gleichzeitig brauchen die Unternehmen qualifizierte Fachkräfte, stabile Produktionsabläufe und eine Belegschaft, die das Ergebnis als fair genug akzeptiert. Ein KV-Abschluss ist daher immer auch ein Stabilitätsinstrument.

Der FEEI spricht von einem Abschluss unter schwierigen Bedingungen: geopolitische Verschiebungen, regulatorische Unsicherheiten und technologische Disruption. Diese Begriffe klingen groß, haben aber konkrete Folgen. Lieferketten verändern sich, Energie- und Investitionskosten bleiben relevant, neue Technologien erfordern Qualifizierung, und internationale Nachfrage ist nicht in allen Segmenten gleich stabil. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, wie stark Löhne steigen, für Betriebe eng mit Investitions- und Standortentscheidungen verbunden.

Warum der Sockelbetrag wichtig ist

Die Ist-Löhne und -Gehälter steigen um 1,85 Prozent plus 22 Euro. Der fixe Betrag ist entscheidend, weil er niedrigere Einkommen relativ stärker erhöht als höhere. Aus sozialpolitischer Sicht ist das ein Ausgleichsmechanismus. Aus Arbeitgebersicht ist es zugleich eine kalkulierbare Lösung, weil der Sockelbetrag begrenzt bleibt und nicht alle Einkommen ausschließlich linear angehoben werden.

Diese Konstruktion erklärt, warum unterschiedliche Prozentzahlen in der Debatte auftauchen. Die Grundstufe der KV-Löhne und -Gehälter steigt um 3 Prozent. Die Ist-Erhöhung liegt bei 1,85 Prozent plus 22 Euro und kann je nach Ausgangseinkommen bis zu rund 2,7 Prozent ausmachen. Wer nur auf eine Zahl schaut, übersieht deshalb, dass der Abschluss mehrere Ebenen hat: Mindestwerte, tatsächliche Einkommen, Zulagen, Lehrlinge und Rahmenrecht.

Für Unternehmen ist diese Differenzierung wichtig, weil sie unterschiedliche Kostenwirkungen hat. Mindestanhebungen betreffen vor allem kollektivvertragliche Untergrenzen. Ist-Erhöhungen wirken auf bestehende Lohn- und Gehaltsstrukturen. Zulagen treffen jene Betriebe stärker, die viel Schichtarbeit organisieren. Gesundheitstage wirken je nach Alters- und Dienstzeitstruktur unterschiedlich.

Rahmenrecht: kleine Regelungen mit großer Wirkung

Der Abschluss enthält nicht nur Entgelterhöhungen. Eltern von Kindern mit Behinderung erhalten eine zusätzliche Pflegefreistellung von einer Woche jährlich. Außerdem werden Gesundheitstage eingeführt, abhängig von Alter und Betriebszugehörigkeit. Der FEEI verweist darauf, dass diese Gesundheitstage unter Berücksichtigung betrieblicher Maßnahmen eingeführt werden.

Solche Regelungen sind für Betriebe organisatorisch anspruchsvoll. Zusätzliche freie Tage müssen geplant, vertreten und in Produktionsabläufe integriert werden. Gleichzeitig können sie helfen, langjährige Beschäftigte länger gesund im Arbeitsprozess zu halten. Gerade in technischen Branchen, in denen Erfahrung und betriebsspezifisches Wissen wertvoll sind, ist das nicht nur ein Kostenpunkt, sondern auch eine Frage von Personalbindung.

Die Pflegefreistellung wiederum betrifft weniger viele Fälle, kann aber für betroffene Familien erheblich sein. Für Arbeitgeber bedeutet sie eine zusätzliche Abwesenheitsregel, für Beschäftigte ein Stück Sicherheit in einer ohnehin belastenden Situation. Dass solche Punkte Teil eines KV-Abschlusses sind, zeigt: Arbeitsbedingungen werden nicht nur über Monatsgehälter verhandelt.

Warum zwei Artikel zum selben KV sinnvoll sind

Die Arbeitnehmer- und Arbeitgebermeldungen behandeln denselben Abschluss, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Gewerkschaften erklären, was erkämpft wurde. Der Fachverband erklärt, warum der Abschluss aus Sicht der Unternehmen tragbar sein soll. Für Leserinnen und Leser ist gerade der Vergleich interessant, weil er die Funktionsweise der Sozialpartnerschaft sichtbar macht.

Kollektivverträge entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind das Ergebnis von Marktdaten, Inflationserwartungen, Branchenlage, Verhandlungsmacht, Arbeitskampfbereitschaft und politischer Kultur. Österreichs KV-System sorgt dafür, dass viele Arbeitsbedingungen branchenweit geregelt werden. Das reduziert individuellen Verhandlungsdruck, verlangt aber Kompromisse, die selten eine Seite vollständig zufriedenstellen.

Beim Elektro-KV 2026 zeigt sich diese Logik besonders deutlich. Die Beschäftigtenseite verweist auf belastende Schichtarbeit und Kaufkraft. Die Arbeitgeberseite verweist auf Exportdruck und technologische Umbrüche. Das Ergebnis liegt in einem Paket, das beide Argumente teilweise aufnimmt.

FAQ

Was meldet der FEEI konkret?
Der Fachverband meldet eine Einigung nach fünf Verhandlungsrunden: Ist-Erhöhung 1,85 Prozent plus 22 Euro, 3 Prozent für Grundstufen, höhere Schichtzulagen und Änderungen im Rahmenrecht.

Warum ist Wettbewerbsfähigkeit ein Thema?
Die Elektro- und Elektronikindustrie ist stark exportorientiert. Unternehmen stehen daher in internationalem Wettbewerb und bewerten KV-Abschlüsse auch nach Kosten- und Standortwirkungen.

Warum gibt es verschiedene Prozentangaben?
Weil unterschiedliche Bestandteile betroffen sind: Mindestlöhne, Ist-Löhne, Sockelbetrag, Zulagen und Lehrlingseinkommen. Je nach Einkommen wirkt der Sockelbetrag unterschiedlich stark.

Was ändert sich neben Geld?
Es gibt Gesundheitstage für langjährige Beschäftigte nach Alter und Betriebszugehörigkeit sowie eine zusätzliche Pflegefreistellung für Eltern von Kindern mit Behinderung.

Quellen und weiterführende Informationen

  • FEEI: KV-Abschluss in Elektro- und Elektronikindustrie
  • FEEI: Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie
  • PRO-GE: Arbeitnehmerseitige Details zum Abschluss
  • GPA: KV 2026 Elektro- und Elektronikindustrie

Schlagworte

#Elektro- und Elektronikindustrie#Kollektivvertrag

Weitere Meldungen

OTS
Wirtschaft

Doppelbudget 2027/28: Versorgung, Umwelt und Naturgefahren

18. Juni 2026
Lesen
OTS
Wirtschaft

EasyPark tauscht alte Parkscheine in Wien in digitales Guthaben

18. Juni 2026
PRESSEFEUER

Deutschsprachige KI-PR-Software aus Österreich für den DACH-Raum.

Produkt

  • Features
  • Preise
  • API & Agents
  • Docs

Ressourcen

  • Kostenlose Tools
  • Tools-Doku
  • MCP für Agenten
  • MCP Tool-Referenz
  • Agent Security
  • llms.txt
  • llms-full.txt
  • agents.txt

Unternehmen

  • Über uns
  • Kontakt

Rechtliches

  • Impressum
  • Datenschutz
  • AGB

© 2026 Pressefeuer.at. Powered by AdSimple.

Lesen
OTS
Wirtschaft

Bio bleibt Garant: EU-Beschluss zu Neuer Gentechnik

17. Juni 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen