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Kalvarienbergfest in Hernals: 360 Jahre Tradition kehrt zurück

19. März 2026 um 13:55
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Nach einer längeren Pause erwacht eine der ältesten Wiener Traditionen zu neuem Leben: Das Kalvarienbergfest in Hernals öffnet vom 19. März bis 5. April 2025 wieder seine Pforten und verspricht dre

Nach einer längeren Pause erwacht eine der ältesten Wiener Traditionen zu neuem Leben: Das Kalvarienbergfest in Hernals öffnet vom 19. März bis 5. April 2025 wieder seine Pforten und verspricht drei Wochen voller Nostalgie, Kunsthandwerk und dem legendären „Bamkraxler". Was einst als kleiner Kirchenmarkt begann, hat sich zu einem der authentischsten Volksfeste Wiens entwickelt – und das völlig kostenlos für alle Besucher.

Der „Bamkraxler" – Ein Stück lebendige Wiener Kultur

Das absolute Highlight des Kalvarienbergfests ist ohne Zweifel der legendäre „Bamkraxler" – eine kleine, bunte Holzfigur, die durch einen raffinierten Federmechanismus einen Metallstab hinunterkraxelt. Dieses traditionelle Spielzeug ist weit mehr als nur ein nostalgisches Souvenir; es repräsentiert ein authentisches Stück Wiener Volkskultur, das seinen Ursprung bereits im 17. Jahrhundert hat.

Der Name „Bamkraxler" leitet sich vom wienerischen „Bam" (Baum) und „kraxeln" (klettern) ab. Die Figur, meist als kleiner Mann in traditioneller Tracht dargestellt, bewegt sich durch geschickte Gewichtsverteilung und Federmechanik rhythmisch einen senkrechten Stab hinunter. Ursprünglich wurden diese Spielzeuge von Wiener Handwerkern in mühevoller Kleinarbeit gefertigt und ausschließlich auf Märkten wie dem Kalvarienbergmarkt verkauft.

Was den Bamkraxler so besonders macht, ist seine völlige Mechanik ohne moderne Technik. Die Bewegung entsteht durch das perfekte Zusammenspiel von Schwerkraft, Federkraft und der speziellen Konstruktion der Holzfigur. Jeder Bamkraxler ist ein Unikat, handgeschnitzt und handbemalt, was ihn zu einem wertvollen Sammlerobjekt macht.

360 Jahre Tradition mit bewegter Geschichte

Das Kalvarienbergfest blickt auf eine beeindruckende Geschichte von 360 Jahren zurück und gehört damit zu den ältesten kontinuierlich stattfindenden Volksfesten in Österreich. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1665 zurück, als rund um die neu errichtete Kalvarienbergkirche der erste Markt abgehalten wurde.

Pfarrer Karl Engelmann, der das Fest seit seinem Amtsantritt 1996 begleitet, erinnert sich: „Damals hieß es noch Kalvarienbergmarkt und war ein rein religiöser Markt während der Fastenzeit." Die ursprüngliche Idee war es, den Gläubigen während der Ostervorbereitungen geistliche Artikel, Devotionalien und einfache Speisen anzubieten.

Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der Charakter des Markts erheblich. Während der Barockzeit entwickelte er sich zu einem wichtigen Handelsplatz für die Hernalser Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert kamen erstmals Karussells und Zuckerbäcker hinzu, was den religiösen Markt zu einem echten Volksfest werden ließ.

Besonders bemerkenswert ist, dass das Fest selbst zwei Weltkriege und die schwierigen Nachkriegsjahre überstand. In den 1970er und 1980er Jahren erlebte es eine Blütezeit, als Kunsthandwerk und traditionelle Wiener Spezialitäten wieder verstärkt geschätzt wurden. Nach einer mehrjährigen Pause aufgrund verschiedener organisatorischer Herausforderungen kehrt das Fest nun 2025 in neuem Glanz zurück.

Hernals als kulturelles Zentrum Wiens

Der 17. Wiener Gemeindebezirk Hernals hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Geheimtipp für Kulturinteressierte entwickelt. Mit rund 56.000 Einwohnern ist Hernals zwar einer der kleineren Bezirke Wiens, aber kulturell umso vielfältiger. Die Mischung aus traditionellen Wiener Vorstadtcharme und modernen kulturellen Initiativen macht den Bezirk besonders attraktiv.

Bezirksvorsteher Peter Jagsch betont die Bedeutung des Kalvarienbergfests für die lokale Identität: „Mit dem Kalvarienbergfest kehrt jedes Jahr eine lange Hernalser Tradition zurück. Rund um die Kalvarienberggasse werden Kunsthandwerk, Kulinarik und ein buntes Programm für Groß und Klein angeboten." Diese Veranstaltung stärkt nicht nur das Gemeinschaftsgefühl im Bezirk, sondern zieht auch Besucher aus ganz Wien und darüber hinaus an.

Der St. Bartholomäus-Platz, der das Zentrum des Festgeschehens bildet, ist selbst ein historisches Kleinod. Die barocke Kalvarienbergkirche aus dem 17. Jahrhundert bildet eine malerische Kulisse für das bunte Treiben. Die umliegenden Gassen mit ihren traditionellen Wiener Zinshäusern verstärken das authentische Ambiente.

Familienprogramm mit österreichweiter Ausstrahlung

Das Programm des Kalvarienbergfests 2025 wurde gezielt familienfreundlich gestaltet und bietet für alle Altersgruppen attraktive Angebote. Kinder können sich beim traditionellen Eierbemalen kreativ austoben, beim Kinderdrexeln ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen oder sich mit Glitzertattoos verschönern lassen. Regelmäßige Kasperl-Aufführungen sorgen für Unterhaltung der jüngsten Besucher.

Besonders erwähnenswert ist die Mischung aus traditionellem Kunsthandwerk und modernem Entertainment. Während an den liebevoll gestalteten Ständen handgefertigte Waren aus ganz Österreich angeboten werden, sorgen Austropop-Acts für musikalische Unterhaltung. Diese Kombination macht das Fest zu einem einzigartigen Erlebnis, das sowohl Nostalgiker als auch junge Familien anspricht.

Die kulinarischen Angebote reichen von traditionellen Wiener Schmankerln bis hin zu modernen Interpretationen österreichischer Küche. Besucher können sich auf Langos, geröstete Mandeln, frische Waffeln und natürlich den berühmten Wiener Würstelstand freuen. Lokale Gastronomen bieten zusätzlich Spezialitäten aus der Region an.

Wirtschaftliche Bedeutung für den Bezirk

Das Kalvarienbergfest hat nicht nur kulturelle, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für Hernals. Die Wirtschaftskammer Wien unterstützt die Veranstaltung aktiv, da sie lokale Betriebe stärkt und neue Kunden in den Bezirk bringt. Während der drei Festwochen profitieren nicht nur die direkten Standbesitzer, sondern auch umliegende Geschäfte, Restaurants und Dienstleister von den zusätzlichen Besuchern.

Schätzungen gehen davon aus, dass das Fest jährlich rund 50.000 Besucher anzieht, die einen durchschnittlichen Umsatz von 25 Euro pro Person generieren. Dies bedeutet einen direkten wirtschaftlichen Impuls von über einer Million Euro für die Region. Darüber hinaus profitiert auch der Wiener Tourismus, da viele auswärtige Besucher ihren Festbesuch mit einem längeren Wien-Aufenthalt verbinden.

Für lokale Kunsthandwerker bietet das Fest eine wichtige Verkaufsplattform. Viele traditionelle Betriebe, die sonst hauptsächlich online oder in kleinen Geschäften verkaufen, können hier ihre Produkte einem breiten Publikum präsentieren. Dies ist besonders wichtig für die Erhaltung traditioneller Handwerkskünste in Österreich.

Vergleich mit anderen österreichischen Volksfesten

Im Vergleich zu anderen großen österreichischen Volksfesten wie dem Wiener Prater, dem Salzburger Rupertikirtag oder der Linzer Langen Nacht der Museen hebt sich das Kalvarienbergfest durch seine Authentizität und Überschaubarkeit ab. Während große Volksfeste oft kommerzialisiert und massentouristisch geprägt sind, bewahrt das Kalvarienbergfest seinen ursprünglichen, familiären Charakter.

Ein wesentlicher Unterschied ist auch der freie Eintritt. Während viele vergleichbare Veranstaltungen in Deutschland oder der Schweiz Eintrittsgelder verlangen, bleibt das Kalvarienbergfest für alle Bevölkerungsschichten zugänglich. Dies entspricht der Wiener Tradition, kulturelle Veranstaltungen möglichst niederschwellig anzubieten.

Auch die Dauer von drei Wochen ist ungewöhnlich lang für ein Volksfest dieser Größe. Während die meisten Feste nur wenige Tage dauern, ermöglicht die längere Laufzeit eine entspanntere Atmosphäre ohne Gedränge und Zeitdruck.

Organisation und Kooperationen

Die Organisation des Kalvarienbergfests liegt in den Händen von Volxfest, einem erfahrenen Veranstalter unter der Leitung von Ali Saeidi. Diese Kooperation zwischen privaten Veranstaltern, der Bezirksvorstehung, der Pfarrgemeinde und der Wirtschaftskammer Wien zeigt, wie erfolgreiche Kulturveranstaltungen durch Zusammenarbeit verschiedener Akteure entstehen können.

Besonders bemerkenswert ist die Unterstützung durch das Bundesheer, dessen Blasmusikkapelle die offizielle Eröffnung am 19. März um 17 Uhr musikalisch begleitet. Diese Kooperation unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung des Fests und seine Verankerung in verschiedenen Bereichen der österreichischen Gesellschaft.

Die logistische Herausforderung, ein dreiwöchiges Fest in einem dicht besiedelten Stadtgebiet zu organisieren, erfordert sorgfältige Planung und Koordination mit den städtischen Behörden. Themen wie Verkehrsführung, Lärmschutz, Müllentsorgung und Sicherheit müssen dabei berücksichtigt werden.

Zukunftsperspektiven und Nachhaltigkeit

Mit dem Neustart 2025 setzt das Kalvarienbergfest auch auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Einweggeschirr wird weitgehend vermieden, regionale Anbieter werden bevorzugt und Mülltrennung wird konsequent durchgesetzt. Diese Maßnahmen entsprechen dem wachsenden Umweltbewusstsein der Wiener Bevölkerung und machen das Fest zu einem Vorbild für andere Veranstaltungen.

Für die kommenden Jahre ist geplant, das digitale Angebot zu erweitern und eine eigene Fest-App zu entwickeln, die Besuchern Orientierung bietet und über das Programm informiert. Gleichzeitig soll der traditionelle Charakter des Fests bewahrt werden – ein Balanceakt zwischen Moderne und Tradition.

Die Veranstalter planen auch eine stärkere Einbindung lokaler Vereine und Initiativen. Schulen aus Hernals sollen die Möglichkeit erhalten, eigene Projekte zu präsentieren, und lokale Künstler sollen verstärkt Auftrittsmöglichkeiten bekommen.

Das Kalvarienbergfest zeigt, dass traditionelle Volksfeste auch im 21. Jahrhundert erfolgreich sein können, wenn sie ihre Authentizität bewahren und gleichzeitig modern organisiert werden. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie kulturelle Traditionen weitergegeben und für neue Generationen attraktiv gestaltet werden können. Vom 19. März bis 5. April haben Wiener und Besucher die Gelegenheit, ein Stück österreichischer Kulturgeschichte hautnah zu erleben – und vielleicht sogar einen echten Bamkraxler mit nach Hause zu nehmen.

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