Wiener Wohnen setzt Erinnerungsprojekt fort; zusätzliche Stadtrundgänge in fünf Bezirken
Am Karl‑Marx‑Hof wurde eine neue Gedenktafel für vertriebene und ermordete Bewohner*innen enthüllt. Forschungen des DÖW (2022–2025) lieferten die Grundlage.
Am Karl‑Marx‑Hof in Wien wurde im Rahmen des Erinnerungsprojekts „Der Gemeindebau in der NS‑Zeit“ eine neue Gedenktafel enthüllt. Der Termin der Enthüllung bezieht sich bewusst auf ein historisch belegtes Datum: Am 14. Juni 1938 begann die Delogierung jüdischer Bewohner*innen aus den Wiener Gemeindebauten durch die Nationalsozialisten.
Die Gedenktafel benennt Personen, dokumentiert Opferbiografien und basiert auf einer Forschungsarbeit, die im Auftrag von Wiener Wohnen zwischen 2022 und 2025 durchgeführt wurde. Die Veranstaltung wurde von städtischen Vertreterinnen und Vertretern sowie Forschenden begleitet.
Die neue Gedenktafel erinnert an insgesamt 46 Jüdinnen und Juden, die im Karl‑Marx‑Hof gelebt haben und bis 1945 durch die Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Tafel ist Teil des Erinnerungsprojekts „Der Gemeindebau in der NS‑Zeit“ und wurde beim Karl‑Marx‑Hof enthüllt.
An der Gedenkveranstaltung nahmen neben Wohnbaustadträtin Elke Hanel‑Torsch, Wiener Wohnen‑Vizedirektor Johannes Pritz, IKG‑Vizepräsidentin Claudia Prutscher, der wissenschaftliche Leiter des DÖW Dr. Andreas Kranebitter sowie Dr. Rudolf Müller (DÖW) teil. In Redebeiträgen wurde die Bedeutung konkreter Orte und Namen für die Erinnerung betont.
Wohnbaustadträtin Elke Hanel‑Torsch sagte: „Der Gemeindebau war und ist seinen Bewohnerinnen und Bewohnern immer mehr als nur Wohnraum – er war Lebensmittelpunkt, Heimat und Schutzraum. Umso wichtiger ist es, auch die dunklen Kapitel dieser Geschichte sichtbar zu machen. Die neue Gedenktafel erinnert an Menschen, die entrechtet, vertrieben und ermordet wurden. Denn Erinnerung braucht konkrete Orte und konkrete Namen.“
Dr. Andreas Kranebitter, wissenschaftlicher Leiter des DÖW, wird in der Aussendung wie folgt zitiert: „Das Forschungsprojekt zu den Gemeindebauten gehört zu den Projekten, die mir am wichtigsten sind. Es zeigt, wie totalitäre Systeme wie der Nationalsozialismus jeden Lebensbereich betreffen, es handelt vom jüdischen Arzt aus der Nachbarschaft, dem kleinen Gewerbetreibenden im Straßenlokal und den vielen Mieter*innen, die entrechtet, vertrieben und ermordet wurden. Es handelt aber auch von denjenigen, die diese Praxen, Geschäftslokale und Wohnungen übernommen und vom Nationalsozialismus profitiert haben. Umso mehr freut es mich, dass der Karl‑Marx‑Hof nun so prominent an diejenigen erinnert, die gewaltsam aus der Gemeinschaft dieses Gemeindebaus gerissen wurden."
Wiener Wohnen‑Vizedirektor Johannes Pritz wird mit den Worten zitiert: „Mit Beschluss vom 14. Juni 1938 haben die Nationalsozialisten tausende jüdische Mieterinnen und Mieter systematisch aus ihren Gemeindewohnungen vertrieben. Hinter jeder Delogierung stand ein menschliches Schicksal, das leider oftmals in der Ermordung endete. Die Forschung hat viele dieser Geschichten wieder sichtbar gemacht. Mit der Gedenktafel geben wir den vertriebenen und ermordeten Frauen, Männer und Kinder vom Karl‑Marx‑Hof ihre Namen und ihren Platz in der Erinnerung zurück.“
Die Grundlage für die Gedenktafel bildet die umfassende Forschungsarbeit „Der Gemeindebau in der NS‑Zeit“ des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW). Diese Arbeit wurde zwischen 2022 und 2025 im Auftrag von Wiener Wohnen durchgeführt.
Das Forschungsprojekt umfasst nach Angaben der Aussendung wissenschaftliche Aufarbeitung sowie begleitende Formate. Diese Ergebnisse wurden für die Dokumentation der Schicksale von Bewohnerinnen und Bewohnern in den Gemeindebauten genutzt und bildeten die Basis für die namentliche Erinnerung am Karl‑Marx‑Hof.
Zum Zeitpunkt der Delogierungen lebten laut Aussendung im Karl‑Marx‑Hof 212 Menschen mit jüdischen Wurzeln. Diese Personen mussten ihre Wohnungen innerhalb einer Kündigungsfrist von zwei Wochen verlassen.
Zur Überlebensbilanz nennt die Aussendung konkrete Zahlen: Knapp zwei Drittel der Betroffenen haben die NS‑Zeit überlebt. Für 67 Personen konnte die Flucht rekonstruiert werden. Viele andere wurden interniert, in Konzentrations‑ und Vernichtungslager deportiert und wurden Opfer der Shoah.
Die Gedenktafel dokumentiert namentlich 46 Menschen, die im Karl‑Marx‑Hof lebten und bis 1945 durch die Nationalsozialisten ermordet wurden. Diese Zahl basiert auf den im Forschungsprojekt zusammengetragenen Befunden.
Das Forschungs‑ und Erinnerungsprojekt „Der Gemeindebau in der NS‑Zeit“ umfasste neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung auch Publikationen, Ausstellungen, Gedenkveranstaltungen und geführte Stadtrundgänge durch verschiedene Wiener Bezirke. Die Stadtführungen wurden 2025 gestartet und stießen laut Aussendung auf außergewöhnlich großes Interesse.
Für 2026 werden zusätzliche Rundgänge angeboten. Im Vorjahr nahmen rund 850 Wiener*innen an den Touren teil. Neu im Programm ist erstmals ein Rundgang durch den 12. Bezirk.
Die Teilnahme an den Spaziergängen ist kostenlos. Um rechtzeitige Anmeldung – spätestens eine Woche vor dem Termin – wird ersucht. Anmeldungen erfolgen unter der Wiener Wohnen Service‑Nummer 05 75 75 75 oder per E‑Mail an veranstaltungen [at] wienerwohnen.at. Weitere Informationen sind auf der Projektseite verfügbar: https://nievergessen.wienerwohnen.at/stadtfuehrungen.
Gemeindebau: Gemeindebauten sind Wohnanlagen, die von der Stadt Wien errichtet wurden. Im Kontext der Aussendung bezeichnet „Gemeindebau“ die städtischen Wohnbauten, aus denen jüdische Mieterinnen und Mieter 1938 delogiert wurden.
Delogierung: Unter Delogierung versteht die Aussendung die Kündigung und Räumung von Wohnungen durch die Nationalsozialisten. Am 14. Juni 1938 begann diese systematische Vertreibung aus den Gemeindebauten, so die Mitteilung.
DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes): Das DÖW ist die Institution, die die Forschung „Der Gemeindebau in der NS‑Zeit“ wissenschaftlich geleitet hat. Die Arbeiten wurden zwischen 2022 und 2025 im Auftrag von Wiener Wohnen durchgeführt.
Wiener Wohnen: Wiener Wohnen ist Auftraggeberin der Forschungsarbeit und Trägerin des Erinnerungsprojekts, wie aus der Aussendung hervorgeht. Wiener Wohnen organisiert auch die begleitenden Formate wie Publikationen, Ausstellungen und Stadtführungen.
Shoah: In der Aussendung wird der Begriff im Kontext der Deportationen und Ermordungen verwendet. Damit ist die systematische Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten gemeint, wie die Meldung in Bezug auf die Opfer der Deportationen beschreibt.
Laut Aussendung beinhaltete das Projekt mehrere Formate, namentlich Publikationen, Ausstellungen, Gedenkveranstaltungen und geführte Stadtrundgänge. Die Stadtführungen sind kostenlos und eine Anmeldung ist spätestens eine Woche vor dem jeweiligen Termin erforderlich.
Für Anmeldung und Auskünfte wird die Wiener Wohnen Service‑Nummer 05 75 75 75 genannt; zusätzlich steht die E‑Mailadresse veranstaltungen [at] wienerwohnen.at zur Verfügung. Weiterführende Informationen zu Terminen und Programm werden auf der angegebenen Projektseite bereitgestellt.
Die Tafel erinnert an 46 Jüdinnen und Juden, die im Karl‑Marx‑Hof gelebt haben und bis 1945 durch die Nationalsozialisten ermordet wurden. Grundlage dafür sind die Ergebnisse der Forschungsarbeit des DÖW, die zwischen 2022 und 2025 im Auftrag von Wiener Wohnen erfolgte.
Das Datum ist bewusst gewählt, weil am 14. Juni 1938 die Delogierung jüdischer Bewohner*innen aus den Wiener Gemeindebauten durch die Nationalsozialisten begann, wie die Aussendung erklärt.
Zum betreffenden Zeitpunkt wohnten im Karl‑Marx‑Hof 212 Menschen mit jüdischen Wurzeln. Diese mussten ihre Wohnungen innerhalb einer Kündigungsfrist von zwei Wochen verlassen, so die Mitteilung.
Die umfassende Forschungsarbeit mit dem Titel „Der Gemeindebau in der NS‑Zeit“ wurde vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) zwischen 2022 und 2025 im Auftrag von Wiener Wohnen durchgeführt, heißt es in der Aussendung.
Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung – spätestens eine Woche vor dem Termin – wird ersucht; die Anmeldung erfolgt unter der Wiener Wohnen Service‑Nummer 05 75 75 75 oder per E‑Mail an veranstaltungen [at] wienerwohnen.at.
Laut Aussendung bietet die Projektseite Informationen zu den Stadtführungen und weiteren Formaten. Die genannte Adresse lautet: https://nievergessen.wienerwohnen.at/stadtfuehrungen.
Quelle: Stadt Wien - Kommunikation und Medien (KOM), Presseausendung zum Erinnerungsprojekt „Der Gemeindebau in der NS‑Zeit“.
Kontakt (Aussendung): Stefan Hayden, Mediensprecher Stadträtin für Wohnbau und Frauen Elke Hanel‑Torsch, Tel.: 0676/8118 81265, E‑Mail: stefan.hayden [at] wien.gv.at; Alexander Klein, Unternehmenssprecher, Stadt Wien - Wiener Wohnen, Telefon: 0664 88777 816, E‑Mail: alexander.klein [at] wrwks.at.
Informationen zu den Stadtführungen: https://nievergessen.wienerwohnen.at/stadtfuehrungen.