Eva Liebmann wird ab 1. Jänner 2027 Direktorin der WKO Steiermark. Die Bestellung fällt in eine Phase, in der Kammerreform, Digitalisierung und internationale Standortpolitik zusammenkommen.
Die Wirtschaftskammer Steiermark bekommt ab 1. Jänner 2027 eine neue Direktorin: Eva Liebmann folgt auf Karl-Heinz Dernoscheg, der nach zwölf Jahren an der Spitze der Direktion in den Ruhestand tritt. Präsident Josef Herk stellt die Bestellung als Zukunftsentscheidung dar. Liebmann bringt Erfahrung aus Finanzministerium, Washington, Brüssel, BAWAG und Wirtschaftskammer Österreich mit. Genau diese Mischung macht die Personalie interessanter als einen gewöhnlichen Führungswechsel.
Die WKO Steiermark steht nicht nur vor einem personellen Übergang. Sie arbeitet gleichzeitig an Einsparungen, Modernisierung und stärkerem Servicefokus für Betriebe. In diesem Umfeld wird die Direktion zur Schaltstelle: Sie muss politische Interessenvertretung, Serviceorganisation, interne Verwaltung und regionale Wirtschaftspolitik zusammenführen. Wer diese Funktion übernimmt, prägt deshalb mit, wie sichtbar und wirksam die Kammer für ihre Mitglieder wird.
Der Wechsel fällt in eine Phase, in der die Wirtschaftskammern österreichweit unter Reformdruck stehen. ORF.at berichtete parallel über eine Straffung im Generalsekretariat der WKO, bei der Liebmanns bisherige Funktion nicht nachbesetzt wird. Damit gehört ihre Bestellung in der Steiermark zu einem größeren Umbauprozess. Es geht um schlankere Strukturen, klarere Zuständigkeiten, digitale Services und die Frage, wie Mitgliederbeiträge in wahrnehmbaren Nutzen übersetzt werden.
Für die steirischen Betriebe ist das relevant, weil die Kammer nicht nur politische Statements abgibt. Sie bietet Beratung, Interessenvertretung, Außenwirtschaftskontakte, Bildungsangebote, Rechtsinformationen und Branchenservice. Wenn die Organisation effizienter werden soll, ohne wichtige Leistungen zu verlieren, braucht sie Führung, die Verwaltung und Standortpolitik gemeinsam denken kann.
Die Direktion einer Landeskammer ist keine rein repräsentative Position. Sie koordiniert die operative Organisation, steuert Verwaltung und Servicebereiche, unterstützt die politische Spitze und sorgt dafür, dass Beschlüsse in konkrete Abläufe übersetzt werden. Dazu gehören Personalführung, Budgetdisziplin, Digitalisierung, Schnittstellen zur Bundesorganisation und die Arbeit mit Sparten, Fachgruppen und regionalen Strukturen.
Gerade in einer Landeskammer ist die Aufgabe anspruchsvoll, weil die Mitgliedsbetriebe sehr unterschiedlich sind. Ein Industriebetrieb mit Exportgeschäft, ein Tourismusunternehmen, ein kleiner Gewerbebetrieb und ein Gründer mit Digitalprodukt brauchen nicht dieselben Antworten. Eine moderne Kammer muss trotzdem für alle erreichbar bleiben und ihre Leistungen verständlich strukturieren.
Die WKO Steiermark betont Liebmanns internationale Erfahrung. Laut WKO war sie im Finanzministerium tätig, arbeitete als Finanzattachée an der österreichischen Botschaft in Washington D.C., leitete während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft die ECOFIN-Abteilung in Brüssel und verantwortete bei der BAWAG strategische Kommunikation und Stakeholdermanagement. Zuletzt war sie stellvertretende Generalsekretärin der WKO und für internationale sowie europäische wirtschaftspolitische Agenden im Umfeld der Außenwirtschaft und Europapolitik zuständig.
Für die Steiermark ist dieses Profil besonders interessant, weil der Standort stark von Industrie, Export, Zulieferketten, Forschung und europäischen Rahmenbedingungen geprägt ist. Viele Entscheidungen, die Betriebe unmittelbar spüren, entstehen nicht nur in Graz oder Wien, sondern auch in Brüssel: Regulierung, Berichtspflichten, Energie- und Klimavorgaben, Handelsfragen, Wettbewerbsregeln und Förderprogramme. Eine Direktion mit europapolitischem Zugang kann hier helfen, Themen früher zu erkennen und besser aufzubereiten.
Die WKO Steiermark verbindet die Personalie mit Begriffen wie Modernisierung, Transformation und Zukunftsplattform. Entscheidend wird sein, ob diese Begriffe messbar werden. Für Mitglieder zählen konkrete Fragen: Werden Services schneller? Werden digitale Angebote einfacher? Gibt es weniger Doppelgleisigkeiten? Kommen Informationen zielgenauer bei Betrieben an? Werden internationale Chancen für kleinere Unternehmen verständlicher erklärt?
Eine gute Direktion kann hier viel bewirken, aber sie kann nicht allein alle Erwartungen erfüllen. Sie braucht klare politische Prioritäten, tragfähige Budgets und die Bereitschaft der Organisation, gewachsene Abläufe tatsächlich zu verändern. Die Personalie Liebmann ist daher ein Signal, aber noch kein Ergebnis.
Für steirische Unternehmerinnen und Unternehmer lohnt sich ein Blick auf die ersten Monate nach dem Amtsantritt. Relevant wird, welche Themen Liebmann sichtbar priorisiert: Außenwirtschaft, Digitalisierung, Servicequalität, Reformumsetzung, Mitgliederkommunikation oder Standortpolitik. Ebenso wichtig wird, wie die Kammer den Übergang von Karl-Heinz Dernoscheg gestaltet, damit Know-how nicht verloren geht.
Spannend ist auch, ob die WKO Steiermark den Reformprozess offen erklärt. Je genauer Betriebe verstehen, welche Leistungen bleiben, welche digitalisiert und welche zusammengeführt werden, desto eher kann Vertrauen entstehen. Gerade nach Debatten über Kammerstrukturen ist Transparenz ein zentraler Faktor.
Die Steiermark ist stark von Industrie, Zulieferketten, Maschinenbau, Mobilität, Forschung und exportorientierten Betrieben geprägt. Viele Unternehmen sind nicht nur auf den heimischen Markt angewiesen, sondern liefern in internationale Wertschöpfungsketten. Außenwirtschaft ist deshalb kein Spezialthema für große Konzerne. Auch kleinere Betriebe können von Exportberatung, Marktwissen, Förderinformationen und Kontakten zu ausländischen Standorten profitieren.
Liebmanns bisherige Tätigkeit im Umfeld der WKO-Außenwirtschaft passt zu dieser Ausgangslage. Wenn internationale Risiken zunehmen, etwa durch geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, Energiepreise oder neue EU-Regeln, brauchen Betriebe früh verständliche Informationen. Eine Landeskammer kann hier Brücke sein: Sie übersetzt globale Entwicklungen in konkrete Hinweise für Mitgliedsbetriebe.
Karl-Heinz Dernoscheg bleibt laut Mitteilung bis Jahresende in der Funktion. Das gibt der WKO Steiermark Zeit für eine geordnete Übergabe. Gerade bei Interessenvertretungen ist institutionelles Wissen wichtig: Kontakte zu Fachgruppen, regionale Besonderheiten, laufende Projekte, Personalfragen und politische Schnittstellen lassen sich nicht in wenigen Wochen übertragen.
Eine gute Übergabe kann verhindern, dass Modernisierung als Bruch wahrgenommen wird. Die neue Direktorin übernimmt nicht bei null, sondern auf einem bestehenden organisatorischen Fundament. Entscheidend wird sein, welche bisherigen Stärken erhalten bleiben und wo Liebmann neue Prioritäten setzt.
Die WKO verwendet für ihre künftige Rolle Begriffe wie Servicepartner und Zukunftsplattform. Beide beschreiben unterschiedliche Erwartungen. Servicepartner bedeutet: schnelle Antworten, klare Beratung, verständliche Formulare, gute Erreichbarkeit. Zukunftsplattform bedeutet: Orientierung bei KI, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Standortwettbewerb. Die Herausforderung besteht darin, beides gleichzeitig glaubwürdig zu liefern.
Für kleine Betriebe darf Modernisierung nicht heißen, dass persönlicher Kontakt verschwindet. Für größere und international tätige Unternehmen darf Service nicht bei Standardinformationen stehen bleiben. Genau diese Spannweite macht die neue Direktion zu einer anspruchsvollen Aufgabe.
Laut WKO Steiermark tritt sie die Funktion mit 1. Jänner 2027 an.
Sie folgt Karl-Heinz Dernoscheg, der nach zwölf Jahren an der Spitze der Direktion in den Ruhestand tritt.
Die Direktion steuert die operative Umsetzung vieler Kammerleistungen. Damit beeinflusst sie, wie schnell, verständlich und wirksam Services und Interessenvertretung bei Mitgliedern ankommen.
Naheliegend sind Modernisierung, Digitalisierung, Außenwirtschaft, Europapolitik und Standortfragen. Ob daraus konkrete Verbesserungen entstehen, wird sich an Servicequalität und Reformumsetzung zeigen.