17. Bezirk setzt auf Bewusstseinsbildung und praktische Maßnahmen
Der Wiener Bezirk Hernals erarbeitet ein umfassendes Konzept zur Abfallvermeidung mit Klimafest, digitalen Angeboten und Bildungsinitiativen.
Der 17. Wiener Gemeindebezirk Hernals geht neue Wege im Kampf gegen die Müllflut: Derzeit wird ein umfassendes Abfallvermeidungskonzept (AVK) entwickelt, das Müll gar nicht erst entstehen lassen soll. "Das Ziel des Konzeptes ist, Abfälle möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen, Ressourcen zu schonen und Abfallvermeidung als festen Bestandteil des Alltags im Bezirk zu verankern", erklärt Bezirksvorsteher Peter Jagsch die ambitionierten Pläne.
Das Projekt wird fachlich vom Umweltbundesamt begleitet und soll zeigen, wie Abfallvermeidung auf lokaler Ebene wirksam und nachhaltig umgesetzt werden kann. Damit leistet Hernals einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des österreichischen Abfallvermeidungsprogramms.
Das Hernalser Abfallvermeidungskonzept basiert auf einem erprobten methodischen Ansatz, der bereits in anderen Regionen erfolgreich angewendet wurde. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der aktiven Einbindung aller relevanten Akteure: Bildungseinrichtungen, lokale Initiativen, Betriebe und die Bevölkerung werden gleichermaßen in den Prozess integriert.
Der Fokus liegt dabei auf drei zentralen Säulen: Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, konkrete Umsetzungsmaßnahmen im Alltag und die langfristige Verankerung von Abfallvermeidungsstrategien auf Bezirksebene. Diese ganzheitliche Herangehensweise soll sicherstellen, dass das Konzept nicht nur auf dem Papier existiert, sondern tatsächlich gelebt wird.
Ein wesentlicher Baustein des Konzepts ist die umfassende Information und Sensibilisierung der Bevölkerung. Bereits für das Mistfest 2026 sind spezielle Informationsangebote zum Abfallvermeidungskonzept geplant, die den Bürgerinnen und Bürgern praktische Tipps und Anregungen vermitteln sollen.
Besonders innovativ ist der Ansatz bei den digitalen Angeboten: Auf der Website des Bezirks werden mehrsprachige und barrierearme Factsheets zur Abfallvermeidung bereitgestellt. Diese sollen auch Menschen mit Migrationshintergrund und Personen mit besonderen Bedürfnissen erreichen und so für eine breite Akzeptanz des Konzepts sorgen.
Ein Highlight der digitalen Strategie ist die geplante Reuse-Landkarte, die alle Wiederverwendungsangebote im Bezirk bündelt und für die Bevölkerung leicht zugänglich macht. Diese digitale Plattform soll es den Hernalserinnen und Hernalsern ermöglichen, schnell und unkompliziert Orte zu finden, wo sie gebrauchte Gegenstände abgeben oder erwerben können.
Das Herzstück des Abfallvermeidungskonzepts bildet ein groß angelegtes Klimafest, das im Oktober 2026 stattfinden soll. Dieses Event wird in enger Zusammenarbeit mit dem Gymnasium GRG17 und der Mittelschule in der Geblergasse organisiert und soll zu einem echten Fest der gelebten Nachhaltigkeit werden.
Das Klimafest wird eine Vielzahl von interaktiven Ständen und Aktivitäten bieten: Von Upcycling-Workshops, in denen aus scheinbar wertlosen Gegenständen neue nützliche Produkte entstehen, bis hin zu einem Fahrradreparaturstand, der zeigt, wie durch Reparatur Ressourcen geschont werden können.
Besonders kreativ ist das geplante "ClimArt" - ein kollaboratives, lebendiges und wachsendes Kunstwerk, das die Besucher gemeinsam gestalten können. Dieses Projekt soll symbolisieren, wie durch gemeinsame Anstrengungen etwas Neues und Wertvolles entstehen kann.
Ergänzt wird das Programm durch praktische Angebote wie gemeinsames klimafreundliches Kochen und einen Pflanzentauschmarkt. Letzterer wird sogar eine Dünge-Station in Form einer Wurmkiste umfassen, die den natürlichen Kreislauf der Nährstoffe veranschaulicht.
Schulen und Bildungseinrichtungen nehmen im Hernalser Abfallvermeidungskonzept eine Schlüsselrolle ein. Sie fungieren als wichtige Multiplikatoren, die das Bewusstsein für Abfallvermeidung bereits bei jungen Menschen schärfen und in die Familien hineintragen.
An der Mittelschule in der Geblergasse werden besonders innovative Ansätze verfolgt: Hier setzen Schülerinnen und Schüler Maßnahmen für ihre Mitschüler um. Geplant sind etwa Podcasts zum Thema Abfallvermeidung, die von den Jugendlichen selbst produziert werden. Diese peer-to-peer Kommunikation ist besonders effektiv, da sie auf Augenhöhe stattfindet.
Praktische Projekte wie eine Wurmkiste sollen den Schülern hautnah zeigen, wie organische Abfälle in wertvollen Kompost umgewandelt werden können. Solche hands-on Erfahrungen prägen sich besonders nachhaltig ein und motivieren zu eigenem umweltbewusstem Handeln.
Auch die Volkshochschule Hernals wird aktiv in das Konzept eingebunden: Unter dem Titel "Konsum neu denken" sind verschiedene Bildungsangebote geplant. Dazu gehören Zero-Waste-Kochkurse, die zeigen, wie man ohne Verpackungsmüll kochen kann, informative Vorträge zu nachhaltigen Lebensweisen und praktische Reparaturangebote, die das "Wegwerfen und Neukaufen" durch "Reparieren und Weiterverwenden" ersetzen.
Ein zentraler Ansatz des Konzepts liegt in der gezielten Förderung von Mehrwegangeboten im Bezirk. Einwegverpackungen, insbesondere bei Getränken und Speisen zum Mitnehmen, verursachen einen erheblichen Anteil des täglichen Mülls. Hier setzt das Hernalser Konzept mit konkreten Maßnahmen an.
Gastronomiebetriebe im Bezirk sollen dabei unterstützt werden, To-Go-Mehrweg-Systeme einzuführen und diese für die Kunden sichtbar zu machen. Solche Systeme haben sich bereits in anderen Regionen bewährt und können bei entsprechender Bewerbung eine hohe Akzeptanz erreichen.
Besonders innovativ ist die geplante Ausgabe von Mehrwegtrinkflaschen an Schülerinnen und Schüler in teilnehmenden Schulen. Diese Maßnahme hat gleich mehrere positive Effekte: Sie reduziert Einwegverpackungen, sensibilisiert junge Menschen für das Thema und kann als Vorbild für andere Bezirke dienen.
Ergänzend werden Flurreinigungsaktionen organisiert und aktiv beworben. Diese Aktionen dienen nicht nur der praktischen Säuberung des öffentlichen Raums, sondern stärken auch das Bewusstsein für Sauberkeit und die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen.
Das Hernalser Abfallvermeidungskonzept hat Vorbildcharakter für andere Wiener Bezirke und österreichische Gemeinden. Es zeigt, wie Abfallvermeidung "im Grätzl" auf lokaler Ebene wirksam, praxisnah und langfristig umgesetzt werden kann.
Die Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt gewährleistet dabei, dass die Maßnahmen wissenschaftlich fundiert sind und zur Umsetzung des österreichischen Abfallvermeidungsprogramms beitragen. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Hernalser Pilotprojekt können später auf andere Regionen übertragen werden.
Besonders wertvoll ist der ganzheitliche Ansatz des Konzepts: Statt nur auf Verbote und Vorschriften zu setzen, wird auf Bewusstseinsbildung, praktische Alternativen und die aktive Einbindung der Bevölkerung gesetzt. Dieser positive Ansatz hat bessere Chancen auf langfristigen Erfolg als reine Regulierungsmaßnahmen.
Bei aller Euphorie darf nicht übersehen werden, dass die Umsetzung eines solchen Konzepts auch Herausforderungen mit sich bringt. Die Änderung von Gewohnheiten und Verhaltensweisen ist ein langwieriger Prozess, der Geduld und Ausdauer erfordert.
Entscheidend für den Erfolg wird sein, ob es gelingt, alle relevanten Akteure dauerhaft zu motivieren und einzubinden. Die Wirtschaft muss ebenso mitziehen wie die Bildungseinrichtungen und die Bevölkerung. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann das Konzept seine volle Wirkung entfalten.
Die regelmäßige Evaluierung und Anpassung der Maßnahmen wird ebenfalls wichtig sein. Was in der Theorie gut klingt, muss sich in der Praxis erst bewähren. Flexibilität und die Bereitschaft zur Nachjustierung sind daher unerlässlich.
Mit dem Abfallvermeidungskonzept setzt Hernals ein wichtiges Zeichen für mehr Nachhaltigkeit im städtischen Alltag. Wenn das Projekt erfolgreich umgesetzt wird, könnte es zum Modell für andere Bezirke und Gemeinden in ganz Österreich werden. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus der guten Idee auch gelebte Realität wird.