Am 26. Mai 2026 zeigt eine aktuelle Kundenbefragung der Oesterreichischen Kontrollbank AG (OeKB), dass Europa als Hoffnungsmarkt für die österreichische Exportwirtschaft wieder deutlich an Bedeutun...
Am 26. Mai 2026 zeigt eine aktuelle Kundenbefragung der Oesterreichischen Kontrollbank AG (OeKB), dass Europa als Hoffnungsmarkt für die österreichische Exportwirtschaft wieder deutlich an Bedeutung gewinnt. Die Untersuchung, durchgeführt von INTEGRAL Markt- und Meinungsforschung zwischen dem 2. und 31. März 2026, macht zugleich die Folgen handelspolitischer Spannungen und US-Einfuhrzölle sichtbar und dokumentiert, wie Unternehmen auf diese Herausforderungen mit strategischer Handelsdiversifizierung reagieren. Für Österreich, dessen Wirtschaft stark in den europäischen Binnenmarkt eingebunden ist, haben diese Entwicklungen unmittelbare Relevanz: Beschäftigte, Zulieferbetriebe und mittelständische Exporteure müssen sich auf veränderte Zielmarktstrukturen einstellen. Die OeKB und das Bundesministerium für Finanzen bieten mit Exportgarantien, Finanzierungsinstrumenten und gezielter Marktaufbereitung konkrete Unterstützungsangebote an, die insbesondere KMU beim Übergang in Wachstumsmärkte helfen sollen.
Die Ergebnisse der OeKB-Kundenbefragung legen nahe, dass Handelsdiversifizierung für viele Unternehmen nicht länger nur strategische Option, sondern praktische Notwendigkeit ist. Im Vergleich zur Befragung zu Jahresbeginn 2024 nennen inzwischen 59 Prozent der Teilnehmenden Europa als Hoffnungsmarkt, ein Anstieg um 21 Prozentpunkte. Gleichzeitig werden Nordamerika und Südost-Asien nur mehr von rund einem Drittel der Unternehmen als Hoffnungsmarkt eingestuft, während der Anteil 2024 noch deutlich höher lag. Zudem berichten die Befragten, dass die Ausweitung bestehender Märkte (85 Prozent) wieder stärker priorisiert wird. Die Umfrage umfasst 76 Exportunternehmen und liefert damit Einblicke in die Praxis österreichischer Exportwirtschaft.
Handelsdiversifizierung bezeichnet die bewusste Streuung von Exportzielen, Lieferketten und Absatzsegmenten, um Abhängigkeiten von wenigen Märkten, Lieferanten oder Produkten zu reduzieren. Für Laien erklärt: Wenn ein Unternehmen zuvor fast ausschließlich in ein Land verkauft hat, erhöht Handelsdiversifizierung das Risiko-Management, indem es zusätzlich Kunden in anderen Ländern oder Regionen gewinnt, alternative Lieferanten sucht oder neue Produkte entwickelt. Das Ziel ist nicht allein Wachstum, sondern die Erhöhung der wirtschaftlichen Resilienz gegen politische, handelspolitische oder konjunkturelle Schocks. Die Umsetzung kann über Markterschließung, Partnerschaften, lokale Produktion oder Absicherungslösungen wie Exportgarantien erfolgen.
Exportgarantien sind staatlich gestützte Versicherungen, die Unternehmen gegen wirtschaftliche oder politische Risiken bei Exportgeschäften absichern. Für Laien: Wenn ein Unternehmen in ein Land liefert, dort aber Zahlungen wegen politischer Unruhen oder Zahlungsausfällen ausbleiben, kann eine Exportgarantie den finanziellen Verlust ganz oder teilweise ausgleichen. Die OeKB vermittelt solche Garantien im Auftrag des Bundes, wodurch die Deckungsquoten international wettbewerbsfähig sind. Das hilft, Geschäfte in risikoreicheren, aber wachstumsstarken Märkten realisieren zu können, ohne das gesamte Unternehmenskapital zu exponieren.
EPC-F steht für Engineering, Procurement, Construction and Finance und beschreibt komplexe Projekte, bei denen Planung, Beschaffung, Bau und Finanzierung eng verzahnt werden. Für Nicht-Fachleute: Bei einem großen Infrastrukturprojekt, etwa einem Kraftwerk, übernimmt ein Generalunternehmer Planung, Einkauf und Bau; die Finanzierung dieser gebündelten Leistungen ist Bestandteil von EPC-F-Lösungen. Die OeKB unterstützt österreichische Anbieter in solchen Vorhaben durch Marktaufbereitung und gezielte Finanzierungs- und Absicherungslösungen, damit heimische Unternehmen als Teil von internationalen Konsortien auftreten können.
Deckungsquoten geben an, welchen Anteil eines Schadens oder Ausfalls eine Exportgarantie übernimmt. Einfach erklärt: Wenn ein Exportgeschäft 100 Prozent des Wertes ausmacht und die Deckungsquote 80 Prozent beträgt, ersetzt die Garantie im Schadensfall bis zu 80 Prozent des Verlustes. Hohe Deckungsquoten sind attraktiv, weil sie das verbleibende unternehmerische Risiko reduzieren und Kreditinstitute häufiger bereit sind, Finanzierungen für exportorientierte Projekte bereitzustellen.
Shopping Lines sind flexible Kreditrahmen für wiederkehrende Einkäufe, bei denen mehrere Lieferungen in einem einzigen Kredit gebündelt werden. Für Laien: Wenn ein ausländischer Partner regelmäßig Investitionsgüter aus Österreich kauft, ermöglicht eine Shopping Line, diese Einzelaufträge zusammenzufassen und mit einer flexiblen Finanzierung zu unterstützen. Das vereinfacht die Liquiditätsplanung und schafft Verlässlichkeit in Handelsbeziehungen.
Österreichs Exportwirtschaft hat sich über Jahrzehnte von regional geprägten Handelsbeziehungen hin zu einer stark internationalisierten Struktur entwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Integration in europäische Wirtschaftsstrukturen wurden Handel und Industriefertigung sukzessive modernisiert. Der Beitritt zur Europäischen Union und die schrittweise Vertiefung des Binnenmarkts schufen für österreichische Unternehmen erleichterte Zugangsmöglichkeiten zu einem großen Absatzmarkt, standardisierte Regeln und reduzierte Zölle. In den letzten zwei Dekaden führte die Globalisierung zu einer stärkeren Aufteilung von Wertschöpfungsketten: Produktionsschritte wurden ausgelagert, Zuliefernetzwerke internationalisiert und Absatzmärkte diversifiziert.
Gleichzeitig hat die Finanzkrise 2008/09 sowie später die Corona-Pandemie die Verwundbarkeit globaler Lieferketten offengelegt. Diese Ereignisse führten zu einer verstärkten Debatte über Resilienz versus Effizienz und förderten Ansätze wie Nearshoring oder die strategische Lagerhaltung wichtiger Komponenten. Seit Beginn der 2020er Jahre kamen handelspolitische Spannungen (etwa Zölle und Exportkontrollen) und geopolitische Konflikte hinzu, die die Notwendigkeit von Handelsdiversifizierung nochmals bekräftigen. Die OeKB-Umfrage 2026 spiegelt diese Entwicklung: Unternehmen suchen wieder verstärkt Sicherheit im europäischen Umfeld, sehen aber zugleich Chancen in dynamischen Wachstumsmärkten außerhalb Europas.
Auf regionaler Ebene zeigen sich in Österreich Unterschiede in der Exportstruktur: Industriestarke Bundesländer mit hoher Maschinenbau- und Zulieferindustrie sind tendenziell stark in globale Lieferketten eingebunden, während Bundesländer mit stärkerem Tourismus- oder Dienstleistungsfokus andere Herausforderungen haben. Bundesländer mit einem hohen Anteil an KMU sind besonders sensitiv gegenüber Verschiebungen in den Zielmärkten, weil sie oft weniger diversifizierte Kundenportfolios haben.
Im Vergleich zu Deutschland, dem größten Absatzmarkt für Österreich, ist die österreichische Exportstruktur durch einen höheren Anteil mittelständischer Unternehmen und eine stärkere Spezialisierung in Nischenbereichen gekennzeichnet. Deutschland bleibt als Absatzmarkt und als Standort für Wertschöpfung entscheidend, was auch den Rückgang der Exporte in 2025 um 0,5 Prozent erklärt, der laut OeKB vor allem auf eine schwächere Nachfrage in Deutschland und dem übrigen Euro-Raum zurückzuführen ist. Die Schweiz, außerhalb der EU, bietet für österreichische Exporteure ein spezifisches Nachbarland mit hoher Kaufkraft, aber anderen regulatorischen Rahmenbedingungen; für einige Sektoren ist die Schweiz daher ein ergänzender, stabiler Markt, jedoch kein Ersatz für die Breite des EU-Binnenmarkts.
Die Umfrage, an der 76 Exportunternehmen teilnahmen, zeigt mehrere zentrale Befunde: Der Wert der österreichischen Warenexporte sank 2025 um 0,5 Prozent. Besonders markant war der Einbruch der Exporte in die USA um 20 Prozent. 38 Prozent der Befragten gaben an, stark von US-Einfuhrzöllen betroffen zu sein. Als unmittelbare Reaktion planen rund zwei von drei Unternehmen eine verstärkte Diversifizierung ihrer Zielmärkte. Darüber hinaus nennen 85 Prozent die Ausweitung bestehender Märkte als zentrales Handlungsfeld, während die Dynamik bei der Erschließung völlig neuer Märkte gegenüber 2024 leicht zurückging (75 Prozent gegenüber 84 Prozent).
Diese Zahlen sind aus mehreren Gründen relevant: Der Rückgang der Exporte in die USA signalisiert, wie schnell handelspolitische Maßnahmen lokale Exportströme beeinflussen können. Die Tatsache, dass mehr Unternehmen Europa als Hoffnungsmarkt sehen, unterstreicht eine strategische Rückorientierung, die sowohl als defensive Reaktion auf Zölle verstanden werden kann als auch als bewusste Nutzung der räumlichen Nähe, gemeinsamer Standards und logistischer Vorteile. Die Stichprobengröße von 76 befragten Unternehmen macht die Umfrage zwar nicht repräsentativ für alle Branchen, liefert jedoch wertvolle Erfahrungswerte für exportaktive KMU und Großunternehmen.
Die im Bericht skizzierten Entwicklungen haben direkte und greifbare Folgen für Bürgerinnen und Bürger in Österreich. Bei Unternehmen, die ihre Exportmärkte diversifizieren oder Lieferketten neu ausrichten, können sich Arbeitsplätze verändern: Es kann zu neuen Beschäftigungsmöglichkeiten in Vertrieb, Exportmanagement und internationalem Projektgeschäft kommen, gleichzeitig sind Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich, damit Beschäftigte die neuen Aufgaben übernehmen können. Für Zulieferer bedeutet eine stärkere Ausrichtung auf Europa oft verkürzte Transportwege, geringere Logistikkosten und stabilere Zahlungsbedingungen, was die Liquidität verbessern kann. Konsumenten spüren mittelbar Auswirkungen über Preisstabilität und Verfügbarkeit: Wenn Exporteure durch Handelsdiversifizierung resilienter werden, reduziert das das Risiko von Produktionsengpässen, die sich in Konsumgütern bemerkbar machen können.
Konkretes Beispiel: Ein mittelgroßer Maschinenbauer aus Oberösterreich, der bislang stark in US-Projekte eingebunden war und durch Zölle Umsatzrückgänge erleidet, könnte durch gezielte Handelsdiversifizierung verstärkt nach Osteuropa und in EU-Nachbarländer liefern. Das sichert Arbeitsplätze vor Ort, stabilisiert Lieferaufträge für lokale Zulieferer und erhält Kaufkraft in der Region. Gleichzeitig kann die Finanzierung von Projekten in neuen Märkten durch Exportgarantien abgesichert werden, sodass Banken weiterhin Kredite gewähren. Solche Veränderungen betreffen nicht nur die Unternehmensleitung, sondern auch Beschäftigte, lokale Dienstleister und die kommunale Wirtschaft.
Die OeKB bietet ein Bündel von Instrumenten, um Handelsdiversifizierung zu erleichtern: Exportgarantien des Bundes, Finanzierungslösungen für Exporte und Auslandsinvestitionen sowie spezialisierte Angebote für internationale Großprojekte. Ein proaktiver Ansatz als sogenannter Trade Creator beinhaltet Marktaufbereitung und direkte Ansprache ausländischer Generalunternehmer, um österreichische Sektoren gezielt zu platzieren. Unternehmen können sich am Exporttag 2026 der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA am 28. Mai in der Wirtschaftskammer Österreich über diese Dienstleistungen informieren. Weiterführende Infos finden sich auf den Webseiten der OeKB und auf einschlägigen Branchenportalen wie auf pressefeuer.at, etwa in Artikeln zu Exportfinanzierung, KMU-Internationalisierung und Außenwirtschaftsstrategien.
Die mittelfristige Perspektive für die österreichische Exportwirtschaft ist von mehreren Unsicherheiten geprägt: geopolitische Konflikte wie die Auswirkungen des Nahost-Konflikts, globale Konjunkturentwicklung und handelspolitische Maßnahmen können die Prognose nach unten drücken. Dennoch bleibt die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit vieler österreichischer Unternehmen intakt. Wenn Unternehmen die gezeigte Rückorientierung auf Europa mit einer parallel verfolgten Erschließung dynamischer Wachstumsmärkte verbinden, steigt die Chance, die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen und gleichzeitig Wachstumschancen in Schwellenländern zu nutzen. Notwendig dafür sind koordinierte Maßnahmen: gezielte Exportförderung, Ausbau von Marktaufbereitung, Weiterbildungsoffensiven für Beschäftigte und eine verstärkte Nutzung von Absicherungsinstrumenten wie Exportgarantien.
Im Detail ist zu erwarten, dass Handelsdiversifizierungsstrategien differenzierter werden: Kurzfristig verstärkte Fokusverlagerung auf EU- und Nachbarländer zur Risikominimierung, mittelfristig selektive Projekt- und Marktbearbeitung in Wachstumsmärkten mittels EPC-F-Strategien und längerfristig vertikale Integration in bestimmten Sektoren, um Know-how zu sichern. Die Rolle der öffentlichen Hand und der OeKB als Partner bei der Gestaltung von Rahmenbedingungen und als Finanzierungs- sowie Absicherungsgeber bleibt entscheidend.
Zusammenfassend zeigt die OeKB-Kundenbefragung vom März 2026 klar: Handelsdiversifizierung ist für viele österreichische Exporteure zur strategischen Priorität geworden. Europa gewinnt an Attraktivität als Hoffnungsmarkt, während die Auswirkungen von US-Zöllen und geopolitischen Unsicherheiten Unternehmen dazu veranlassen, ihre Zielmärkte neu zu gewichten. Die OeKB und das BMF bieten Instrumente, die diesen Prozess unterstützen, von Exportgarantien bis zu Finanzierungen für Großprojekte. Für Unternehmen bedeutet das aktives Management von Märkten und Risiken, für Beschäftigte und Zulieferer die Chance auf stabilere Aufträge und neue Tätigkeitsfelder. Besuchen Sie den Exporttag am 28. Mai 2026 oder informieren Sie sich auf der Website der OeKB unter 'https://www.oekb.at' für konkrete Beratungs- und Förderangebote. Welche Märkte werden Sie als Nächstes gezielt bearbeiten, um Ihr Unternehmen widerstandsfähiger zu machen?