Greenpeace meldet niedrige Grundwasserstande an einem Großteil der ausgewerteten Messstellen. Entscheidend ist, warum Grundwasser anders reagiert als ein Wetterbericht und weshalb ein nasser Monat eine langere Trockenphase nicht automatisch ausgleicht.
Greenpeace hat die Grundwasserstände in Österreich mit Ende Mai ausgewertet. Das Ergebnis ist dramatisch: 86 Prozent der 224 Messstellen zeigen aktuell einen niedrigen oder sehr niedrigen Grundwasserstand, bei jeder vierten Messstelle liegt der Pegel so niedrig wie Ende Mai seit Messbeginn noch nie.
Die Greenpeace-Analyse umfasst 224 Grundwasser-Messstellen in ganz Österreich. Wichtige Befunde:
Besonders häufig treten die Rekord-Tiefststände in Salzburg auf: Dort liegt das Grundwasser an drei Viertel der Messstellen so niedrig wie Ende Mai noch nie. In Oberösterreich beträgt der Anteil historischer Tiefststände 46 Prozent. In Kärnten zeigt jede einzelne Messstelle einen niedrigen oder sehr niedrigen Wasserstand.
Greenpeace führt die akute Grundwasser-Krise auf das extrem trockene vergangene Jahr zurück: Neun von zwölf Monaten brachten zu wenig Niederschlag. Der Mai war im österreichweiten Schnitt um 30 Prozent zu trocken. Vor diesem Hintergrund fordert Greenpeace von Wasser-Minister Norbert Totschnig die rasche Umsetzung des längst versprochenen Wasserentnahme-Registers und eine Wasserabgabe für industrielle Großverbraucher.
Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace: „Unsere Böden und Äcker verdorren immer weiter. Gleichzeitig sinkt unser lebenswichtiger Grundwasserschatz derzeit vielerorts dramatisch ab. Darunter leiden Natur, Landwirtschaft und Wasserversorger. Die Rechnung dafür zahlen wir aber alle gemeinsam. Höchste Zeit, dass Wasser-Minister Totschnig endlich seiner Verantwortung nachkommt und Österreich dürrefit macht.”
Die Analyse mit den Ergebnissen zu allen Bundesländern und Bildmaterial finden Sie hier: https://act.gp/Grundwasser-Mai
Unter Angabe der Credits stehen die Fotos und Grafiken kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.
Greenpeace hat Ende Mai 2026 nach eigenen Angaben 224 Grundwasser-Messstellen in Österreich ausgewertet. Das zentrale Ergebnis der Organisation: 86 Prozent der untersuchten Stationen lagen im Bereich niedrig oder sehr niedrig. Besonders auffallig ist laut Greenpeace, dass jede vierte Messstelle den niedrigsten Wert für Ende Mai seit Beginn der jeweiligen Messreihe zeigte. Die Organisation nennt unter anderem Salzburg, Oberösterreich und Karnten als Bundeslander mit besonders angespannten Werten.
Diese Zahlen sind politisch relevant, weil Grundwasser in Österreich nicht nur ein Umweltthema ist. Es betrifft Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie, Gewässerökologie und langfristige Standortplanung. Wenn Pegel uber langere Zeit niedrig bleiben, wird Wasserverfügbarkeit zu einer Verteilungsfrage: Wer darf wie viel entnehmen, welche Nutzungen sind vorrangig, und wie wird verhindert, dass lokale Entnahmen die Reserven weiter belasten?
Gleichzeitig braucht die Meldung eine sorgfaltige Einordnung. Greenpeace formuliert eine Warnung und verbindet sie mit politischen Forderungen. Die ausgewerteten Messstellen zeigen einen ernsten Trend, aber sie ersetzen keine vollständige hydrologische Gesamtbewertung für jede Region, jeden Aquifer und jede Nutzungsart. Für belastbare Entscheidungen sind deshalb neben NGO-Auswertungen auch Daten der Bundes- und Landesstellen wichtig.
Der wichtigste Punkt für das Verstandnis: Grundwasser ist kein kurzfristiger Wetterindikator. Wenn es regnet, wird nicht automatisch sofort ein Grundwasserspeicher gefullt. Ein Teil des Wassers verdunstet, ein Teil fließt oberflachlich ab, ein Teil wird von Pflanzen aufgenommen, und nur ein Teil sickert tatsachlich bis in grundwasserfuhrende Schichten. Wie viel dort ankommt, hangt von Boden, Geologie, Temperatur, Vegetation, Versiegelung und Dauer des Niederschlags ab.
Gerade nach trockenen Phasen kann Regen zunachst den oberen Bodenbereich versorgen, ohne tief genug in die Grundwasserleiter vorzudringen. Wenn Niederschlage als kurze Starkregenereignisse fallen, fließt außerdem mehr Wasser oberflachlich ab. Für Grundwasser sind oft langere, gleichmaßigere Niederschlagsperioden in den kuhleren Monaten besonders wichtig, weil dann weniger Wasser verdunstet und Pflanzen weniger aufnehmen.
Deshalb ist die Beobachtung plausibel, dass einzelne Regenperioden die Lage nicht sofort entspannen. Die Messdaten des Umweltbundesamtes und die hydrologischen Dashboards zeigen regional unterschiedliche Entwicklungen. Einige Messstellen können sich erholen, während andere weiter niedrig bleiben. Für die Öffentlichkeit ist diese Differenzierung wichtig, damit aus einer bundesweiten Prozentzahl keine zu simple Aussage entsteht.
Greenpeace nennt Salzburg, Oberösterreich und Karnten als besonders auffallige Beispiele. In Oberösterreich berichtete auch der ORF uber niedrige Grundwasserstande und regionale Folgen der Trockenheit. Solche regionalen Beobachtungen sind wichtig, weil Grundwasserleiter sehr unterschiedlich funktionieren. Ein Talboden, ein Schotterkorper, ein Karstgebiet und ein flacher landwirtschaftlicher Raum können auf Trockenheit und Regen vollig verschieden reagieren.
Für Gemeinden und Wasserversorger heißt das: Die lokale Datenlage zählt. Ein bundesweiter Trend kann warnen, aber er beantwortet nicht automatisch, ob eine konkrete Gemeinde kurzfristig Versorgungssorgen hat. Umgekehrt kann eine einzelne gut versorgte Region den Gesamttrend nicht entkräften. Darum sind öffentlich zugängliche Messdaten, regionale Wasserbilanzen und klare Entnahmeregeln zentrale Instrumente.
Auch die Landwirtschaft steht in diesem Spannungsfeld. Wenn Boden trocken sind, steigt der Bewässerungsbedarf. Gleichzeitig kann zusätzliche Entnahme aus Brunnen die Grundwasserstande weiter belasten. Die Frage ist daher nicht nur, ob genug Wasser vorhanden ist, sondern wann, wo und für welche Nutzung es entnommen wird. Genau an diesem Punkt setzt die Debatte uber Register und Abgaben an.
Greenpeace fordert ein Wasserentnahmeregister und eine Grundwasserabgabe für große industrielle Verbraucher. Als Forderung ist das politisch einzuordnen, nicht als bereits beschlossene Maßnahme. Der Grundgedanke eines Registers ist Transparenz: Wenn öffentlich oder behördlich klarer sichtbar ist, wer in welcher Region wie viel Wasser entnimmt, lassen sich Nutzungskonflikte fruher erkennen und steuern.
Ein Register allein lost aber noch keine Wasserkrise. Es müsste mit Datenqualitat, Meldepflichten, Kontrollmoglichkeiten, Datenschutz und regionalen Schwellenwerten verbunden werden. Auch eine Abgabe ware nur dann sinnvoll bewertbar, wenn klar ist, welche Entnahmen betroffen sind, wie die Einnahmen verwendet werden und ob soziale, landwirtschaftliche oder kommunale Grundbedurfnisse geschützt bleiben.
Der Vorteil der Greenpeace-Forderung liegt darin, dass sie eine bisher oft abstrakte Debatte konkret macht. Der Nachteil ist, dass die Ausgestaltung komplex ist. Österreich hat sehr unterschiedliche Wasserregionen, und eine pauschale Regel kann lokale Realitaten verfehlen. Sinnvoll ware daher eine Kombination aus bundesweiten Mindeststandards, landerspezifischer Umsetzung und transparenter Datenbasis.
Warum ist niedriger Grundwasserstand problematisch?
Grundwasser ist eine zentrale Ressource für Trinkwasser, Landwirtschaft, Industrie und Ökosysteme. Wenn Pegel uber langere Zeit niedrig bleiben, können Brunnen, Feuchtgebiete, Bache und regionale Versorgungsreserven unter Druck geraten.
Hilft starker Regen sofort?
Nicht unbedingt. Ein Teil des Wassers verdunstet oder fließt oberflachlich ab. Für Grundwasser ist entscheidend, wie viel Wasser langsam versickert und die grundwasserfuhrenden Schichten erreicht. Das kann je nach Boden und Region Wochen, Monate oder langer dauern.
Ist die Greenpeace-Analyse eine amtliche Statistik?
Nein. Sie ist eine Auswertung einer Umweltorganisation auf Basis ausgewahlter Messstellen. Für amtliche Einordnung sollten die Daten und Dashboards zustandiger Stellen wie Umweltbundesamt und Landesdienste zusätzlich herangezogen werden.
Warum wird ein Entnahmeregister diskutiert?
Ein Register könnte sichtbar machen, wo große Wassermengen entnommen werden. Das kann helfen, Nutzungskonflikte fruher zu erkennen. Ob und wie ein solches Register kommt, ist eine politische und rechtliche Frage.