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Flughafen Wien: Passagierzahlen steigen trotz Nahost-Krise

12. März 2026 um 06:31
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Der Flughafen Wien kann sich über positive Entwicklungen freuen: Trotz der angespannten Lage im Nahen Osten verzeichnete Österreichs größter Airport im Februar 2026 einen Anstieg der Passagierzahle

Der Flughafen Wien kann sich über positive Entwicklungen freuen: Trotz der angespannten Lage im Nahen Osten verzeichnete Österreichs größter Airport im Februar 2026 einen Anstieg der Passagierzahlen um 1,7 Prozent auf 1.933.586 Reisende. Die gesamte Flughafen-Wien-Gruppe, zu der neben dem Standort Wien auch Malta Airport und der Flughafen Košice gehören, konnte sogar ein Plus von 5,8 Prozent auf 2.644.359 Passagiere verbuchen. Diese Zahlen belegen die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Luftfahrtsektors in turbulenten Zeiten.

Starkes Wachstum in Malta und Košice treibt Gesamtergebnis

Während Wien mit einem moderaten Wachstum von 1,7 Prozent aufwarten kann, zeigten die anderen Standorte der Flughafen-Wien-Gruppe deutlich dynamischere Entwicklungen. Der Malta Airport verzeichnete im Februar einen beeindruckenden Anstieg von 17,4 Prozent auf 658.328 Passagiere. Noch spektakulärer entwickelte sich der Flughafen Košice in der Slowakei mit einem Wachstum von 37,3 Prozent auf 52.445 Reisende.

Diese unterschiedlichen Wachstumsraten spiegeln die verschiedenen Marktbedingungen wider. Malta profitiert als beliebtes Touristenziel von der steigenden Reiselust, während Košice als kleinerer Airport von niedrigen Ausgangswerten ausgehend überproportional wachsen kann. Der Flughafen Wien als bereits etablierter Hub bewegt sich in einem gesättigteren Marktumfeld.

Air India-Zwischenlandungen als Wachstumstreiber

Ein interessantes Detail am Standort Wien: Der Anstieg der Passagierzahlen ist hauptsächlich auf Zwischenlandungen von Air India zurückzuführen. Diese technischen Stopps dienen ausschließlich Betankungszwecken, wobei die Passagiere das Flugzeug nicht verlassen. In der Luftfahrtbranche werden diese als "Transitpassagiere" bezeichnet und trotzdem in die Statistik eingerechnet.

Die Zahl der Lokalpassagiere – also jener, die Wien als Start- oder Zielort nutzen – stieg nur minimal um 0,1 Prozent auf 1.568.911. Noch deutlicher war der Rückgang bei den Transferpassagieren um 0,4 Prozent auf 324.872 Reisende. Transferpassagiere nutzen Wien als Umsteigeflughafen für Weiterflüge zu anderen Destinationen und sind ein wichtiger Indikator für die Hub-Funktion des Airports.

Sitzladefaktor steigt trotz weniger Flugbewegungen

Eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich bei den Flugbewegungen: Diese gingen um 1,9 Prozent auf 14.694 Starts und Landungen zurück. Gleichzeitig stieg jedoch der Sitzladefaktor – also die Auslastung der Flugzeuge – um 2,3 Prozentpunkte auf 78,1 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen eine Effizienzsteigerung: Die Airlines setzen größere Flugzeuge ein und füllen diese besser, anstatt häufiger mit kleineren, weniger ausgelasteten Maschinen zu fliegen.

Der Sitzladefaktor ist ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftlichkeit des Flugverkehrs. Ein Wert von 78,1 Prozent bedeutet, dass im Durchschnitt mehr als drei Viertel aller verfügbaren Sitzplätze besetzt waren. Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie lagen die Werte oft bei 80 Prozent oder darüber, während in den Krisenjahren 2020 und 2021 teilweise nur 40-50 Prozent der Plätze besetzt waren.

Frachtgeschäft boomt mit 6,3 Prozent Plus

Besonders erfreulich entwickelte sich das Frachtgeschäft mit einem Anstieg von 6,3 Prozent auf 24.705 Tonnen. Dieser Bereich ist für Flughäfen besonders wichtig, da Frachtflüge oft höhere Margen erzielen als Passagierflüge. Die österreichische Exportwirtschaft profitiert von den guten Luftfrachtverbindungen, da viele hochwertige Güter wie Maschinen, Elektronik oder Pharmaprodukte per Flugzeug transportiert werden.

Regionale Unterschiede bei Passagierströmen

Die Analyse der Reiseziele zeigt interessante regionale Trends. Westeuropa bleibt mit 640.711 Reisenden (+0,2 Prozent) der wichtigste Markt, was die enge wirtschaftliche Verflechtung Österreichs mit Deutschland, der Schweiz und anderen westeuropäischen Ländern widerspiegelt. Nordamerika verzeichnete mit 19.107 Passagieren ein deutliches Plus von 12,0 Prozent, was auf die Attraktivität der Direktverbindungen nach New York und andere US-Städte zurückzuführen ist.

Weniger erfreulich entwickelte sich Osteuropa mit einem Rückgang von 9,0 Prozent auf 126.899 Passagiere. Dies könnte mit den geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten in der Region zusammenhängen. Der Ferne Osten hingegen zeigte mit einem Plus von 10,5 Prozent auf 57.497 Passagiere eine positive Entwicklung, was die wachsende Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen mit Asien unterstreicht.

Nahost-Konflikt noch ohne Auswirkungen

Bemerkenswert ist, dass der seit 28. Februar 2026 andauernde Nahost-Konflikt im Berichtsmonat noch keine statistisch messbaren Auswirkungen hatte. Die Passagierzahlen in den Nahen und Mittleren Osten gingen nur leicht um 1,5 Prozent auf 67.331 zurück. Allerdings ist zu erwarten, dass sich die Einschränkungen des Flugverkehrs in der Region in den kommenden Monaten deutlicher niederschlagen werden.

Jahresbilanz: Solider Start ins Jahr 2026

Die kumulierten Zahlen für Jänner und Februar 2026 zeigen einen soliden Start ins neue Jahr. Am Flughafen Wien stiegen die Passagierzahlen um 1,4 Prozent auf 3.843.772 Fluggäste. Das Frachtaufkommen legte sogar um 5,8 Prozent auf 47.384 Tonnen zu. In der gesamten Flughafen-Wien-Gruppe erhöhten sich die Passagierzahlen um 5,4 Prozent auf 5.201.544 Reisende.

Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen durchaus beachtlich. Die Inflation in Österreich lag 2025 bei über 3 Prozent, was die Konsumausgaben für Reisen belastete. Gleichzeitig führten gestiegene Kerosinpreise zu höheren Flugpreisen, was die Nachfrage dämpfte.

Vergleich mit anderen europäischen Flughäfen

Im europäischen Vergleich bewegt sich der Flughafen Wien im Mittelfeld. Während Airports in südeuropäischen Ländern wie Spanien oder Italien oft zweistellige Wachstumsraten verzeichnen, kämpfen nordeuropäische Flughäfen teilweise mit Stagnation oder Rückgängen. Der Münchner Flughafen, ein direkter Konkurrent Wiens, meldete für Februar ein Plus von 2,1 Prozent, während Zürich nur 0,8 Prozent zulegen konnte.

Herausforderungen und Perspektiven

Für die kommenden Monate stehen mehrere Herausforderungen an. Der Nahost-Konflikt könnte sich verstärkt auf die Passagierzahlen auswirken, da viele Routen umgeleitet oder gestrichen werden müssen. Gleichzeitig führen Umweltauflagen zu höheren Kosten für Airlines, was sich in gestiegenen Flugpreisen niederschlägt.

Positive Impulse könnte hingegen die für Sommer angekündigte Kapazitätserweiterung der Austrian Airlines bringen. Die Fluggesellschaft plant, ihre Langstreckenflotte um zwei weitere Maschinen zu erweitern und neue Routen nach Asien zu etablieren. Auch die geplante Fertigstellung des dritten Terminals bis 2028 wird die Kapazität des Flughafens erheblich erhöhen.

Bedeutung für die österreichische Wirtschaft

Der Flughafen Wien ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor für Österreich. Rund 25.000 Menschen arbeiten direkt am Airport, weitere 30.000 Arbeitsplätze hängen indirekt vom Flughafen ab. Der volkswirtschaftliche Nutzen wird auf über 3 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Besonders die Exportwirtschaft ist auf gute Flugverbindungen angewiesen, um ihre Produkte weltweit zu vermarkten.

Die Hub-Funktion Wiens zwischen West- und Osteuropa macht den Standort besonders attraktiv für internationale Unternehmen. Viele Konzerne haben ihre Osteuropa-Zentrale in Wien etabliert, nicht zuletzt wegen der guten Flugverbindungen in die Region.

Ausblick: Vorsichtig optimistisch trotz Unsicherheiten

Die Flughafen Wien AG zeigt sich vorsichtig optimistisch für das weitere Jahr 2026. Geschäftsführer Julian Jäger erwartet trotz der geopolitischen Spannungen ein moderates Wachstum. "Wir sind gut aufgestellt, um auch in schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein", so das Management in einer internen Mitteilung.

Entscheidend wird die weitere Entwicklung des Nahost-Konflikts sein. Sollten sich die Spannungen entspannen, könnte das Wachstum im zweiten Halbjahr deutlich anziehen. Umgekehrt könnten sich verschärfende Konflikte zu spürbaren Einbußen führen, da viele Routen betroffen wären.

Die Diversifikation der Flughafen-Wien-Gruppe mit den Standorten Malta und Košice erweist sich als strategisch klug. Während Wien als gesättigter Markt nur moderate Wachstumsraten zulässt, können die kleineren Airports überproportional zulegen und so das Gesamtergebnis stützen. Diese Strategie könnte in den kommenden Jahren noch wichtiger werden, wenn der europäische Luftfahrtmarkt zunehmend umkämpfter wird.

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