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Edelsteinstrauß im NHM Wien: Barockes Juwel bekommt neues Licht

3D-Modell und verbesserte Konservierung für 260 Jahre altes Kunstwerk

16. April 2026
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Der berühmte Edelsteinstrauß aus 2.102 Diamanten und 761 Edelsteinen erhält nach Vitrinenumbau bessere Beleuchtung und Klimatisierung.

Der Edelsteinstrauß im Naturhistorischen Museum Wien wird neu präsentiert. 150 Jahre nach der Gründung des Hauses bekommt eines der wertvollsten Exponate eine temporäre Pop-up-Vitrine in Saal IV. Nach dem Umbau der Tresorvitrine ist das Objekt durch aktive Überwachung der Luftfeuchtigkeit besser geschützt und erscheint in einem neuen Lichtdesign. Zusätzlich macht ein 3D-Modell Details sichtbar, die im normalen Blick auf die Vitrine leicht verborgen bleiben.

Der Edelsteinstrauß ist kein gewöhnliches Schmuckstück. Er ist eine barocke Miniaturwelt aus 61 Blüten und 12 Insekten. Verarbeitet wurden 2.102 Diamanten sowie 761 farbige Edel- und Schmucksteine. Die Basis bilden Draht, Seide und Baumwolle, die Pflanzenstiele und Blätter imitieren. Das Kunstwerk ist rund 50 Zentimeter hoch und wiegt 2,8 Kilogramm. Gefertigt wurde es um 1760 in Wien vom Juwelier Michael Grosser; nach Angaben des NHM gehen Vorarbeiten möglicherweise auf den Frankfurter Juwelier Johann Gottfried Lautensack zurück.

Warum der Edelsteinstrauß so besonders ist

Das Objekt verbindet Naturdarstellung, Juwelierskunst und höfische Sammlungsgeschichte. Blumen und Insekten sind nicht naturgetreu kopiert, sondern künstlerisch interpretiert. Aus Edelsteinen entstehen Blüten, Flügel, Fühler und Körper. Ein besonders markantes Detail ist eine Zikade im oberen Teil des Bouquets: Ihre Flügel bestehen aus Festungsachat, der Kopf aus Augenachat; kleine Smaragde bilden Mundwerkzeuge, die einen gelben Diamanten wie einen Honigtropfen halten.

Gerade diese Mischung macht den Strauß für ein Naturhistorisches Museum interessant. Er ist Kunstwerk und Miniaturedelsteinsammlung zugleich. Er zeigt die Vielfalt von Mineralien und Edelsteinen, aber in einer Form, die Pflanzen und Tiere nachahmt. Dadurch steht er an der Schnittstelle von Mineralogie, Kunstgeschichte, Handwerk und kaiserlicher Repräsentation.

Der Überlieferung nach ließ Maria Theresia den Strauß als Namenstagsüberraschung für ihren Gemahl Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen in dessen Mineralienkabinett aufstellen. Franz Stephan galt als begeisterter Mineraliensammler. Das NHM beschreibt den Edelsteinstrauß deshalb auch als Grundstein einer traditionsreichen und wertvollen Sammlung von Edel- und Schmucksteinen.

Neue Vitrine: Schutz vor Feuchtigkeit und zu viel Licht

Die neue Präsentation ist nicht nur ästhetisch motiviert. Bei einem Objekt aus Edelsteinen, Metall, Seide und Baumwolle sind konservatorische Bedingungen entscheidend. Das NHM nennt zwei Maßnahmen: ein neues frontales Beleuchtungskonzept und ein Klimagerät, das die Luftfeuchtigkeit bei etwa 40 Prozent stabilisieren soll. Die Beleuchtung bringt die Edelsteine bei reduzierter Lichtintensität zum Funkeln und schont zugleich Textilblätter. Die stabilere Luftfeuchtigkeit soll Oxidation an Roststellen vermindern.

Damit zeigt der Umbau eine Grundregel moderner Museumsarbeit: Wertvolle Exponate sollen sichtbar sein, dürfen aber nicht durch die Präsentation selbst geschädigt werden. Licht, Temperatur, Feuchtigkeit und Erschütterung sind bei empfindlichen historischen Objekten keine Nebensachen. Sie entscheiden darüber, ob ein Stück auch in Jahrzehnten noch gezeigt und erforscht werden kann.

3D-Modell macht Details zugänglich

Zum neuen Auftritt gehört ein detailliertes 3D-Modell. Laut NHM wurde es aus rund eintausend hochauflösenden Fotografien aus verschiedenen Winkeln erstellt. Besucherinnen und Besucher können dadurch Details erkunden, die in der Vitrine wegen Perspektive, Reflexionen oder filigraner Bauweise schwer zu erkennen sind. Das digitale Modell ergänzt also die analoge Präsentation, ersetzt sie aber nicht.

Für ein so kleinteiliges Objekt ist diese Ergänzung besonders sinnvoll. Der Edelsteinstrauß lebt von Mikrodetails: Fassungen, Steinfarben, Insektenkörper, textile Blätter und Drahtkonstruktionen. Ein 3D-Modell kann diese Details vergrößern und zugänglich machen, ohne das Original häufiger bewegen zu müssen. Das ist zugleich Vermittlung und Schutzmaßnahme.

Bewegte Objektgeschichte

Nach dem Tod Franz Stephans im Jahr 1765 wurde der Edelsteinstrauß Teil der k.k. Naturalienkabinette. Später gab es Diskussionen über seine Präsentation und Zuordnung. In den 1950er bis 1970er Jahren war das Objekt nach Angaben des NHM nicht im Museumsgebäude am Ring, sondern in der Schatzkammer der Wiener Hofburg zu sehen. Innerhalb des Museums wurde diese Leihe kritisch gesehen, weil der Strauß als Teil der mineralogischen Sammlung verstanden wurde.

Erst in den 1970er Jahren kehrte das Prunkstück dauerhaft ins Naturhistorische Museum zurück. 1977 wurde die neugestaltete Edelsteinsammlung mit neuen Tresorvitrinen eröffnet. Diese Geschichte erklärt, warum der Edelsteinstrauß nicht nur als schönes Objekt betrachtet wird. Er steht auch für Fragen nach Sammlungszuständigkeit, wissenschaftlicher Einordnung und musealer Verantwortung.

Warum der Strauß ins Naturhistorische Museum passt

Die Edelsteinsammlung des NHM umfasst laut Museum rund 4.000 Objekte: Rohsteine, geschliffene Steine, originalen Schmuck und kunstgewerbliche Gegenstände. Sie gilt als bedeutende Sammlung ihrer Art auf dem europäischen Kontinent und bildet auch die Grundlage für die Arbeit des Staatlichen Edelsteininstitutes. Der Edelsteinstrauß ist darin eines der prominentesten Stücke, weil er wissenschaftliches Material und höfische Kunstform verbindet.

Für Besucherinnen und Besucher ist die neue Präsentation deshalb doppelt interessant. Sie zeigt ein spektakuläres Objekt, erklärt aber auch, warum Edelsteine im Museum mehr sind als Dekoration. Sie sind Mineralien, Handels- und Kulturgeschichte, handwerkliche Herausforderung und Forschungsgegenstand zugleich.

Vermittlung für unterschiedliche Besuchergruppen

Die neue Pop-up-Vitrine ist auch ein Vermittlungsangebot. Kinder können das Objekt als funkelnden Blumenstrauß wahrnehmen, Erwachsene als höfisches Kunstwerk, Fachleute als komplexe Material- und Konservierungsaufgabe. Genau diese Mehrdeutigkeit macht Museumsobjekte stark. Ein einzelnes Exponat kann Staunen auslösen, historische Fragen stellen und naturwissenschaftliche Beobachtung anregen.

Das begleitende Programm des NHM mit Themenführungen und Aktivitäten zu Kristallen zeigt, dass der Edelsteinstrauß nicht isoliert präsentiert wird. Er wird in größere Fragen eingebettet: Wie entstehen Kristalle? Was unterscheidet Diamant, Smaragd, Rubin oder Opal? Wie werden Edelsteine gefasst, geschützt und wissenschaftlich dokumentiert? Dadurch wird aus einem Prunkstück ein Einstieg in Mineralogie und Sammlungsgeschichte.

Konservierung ist Teil der Geschichte

Die neue Präsentation zeigt auch, dass Sammlungsgeschichte nie abgeschlossen ist. Ein Objekt aus dem 18. Jahrhundert bleibt nicht einfach unverändert im Museum stehen. Es wird untersucht, dokumentiert, konserviert, neu beleuchtet und mit digitalen Methoden erschlossen. Dadurch verändert sich nicht das Original, aber der Zugang dazu wird präziser. Für Besucherinnen und Besucher wird sichtbar, dass Museumsarbeit aus Forschung, Pflege und Vermittlung zugleich besteht.

FAQ zum Edelsteinstrauß

Wo ist der Edelsteinstrauß zu sehen?

Das NHM zeigt den Edelsteinstrauß in einer temporären Pop-up-Vitrine in Saal IV. Das 3D-Modell und die Forschungsergebnisse sind laut Museum von 24. April 2026 bis Anfang 2027 zu sehen.

Aus wie vielen Steinen besteht das Objekt?

Der Strauß besteht aus 2.102 Diamanten und 761 farbigen Edel- und Schmucksteinen. Dazu kommen Draht, Seide und Baumwolle als konstruktive und gestalterische Materialien.

Wer hat den Edelsteinstrauß gefertigt?

Das NHM nennt den Wiener Juwelier Michael Grosser als Fertiger um 1760. Vorarbeiten könnten vom Frankfurter Juwelier Johann Gottfried Lautensack stammen.

Warum wurde die Vitrine umgebaut?

Der Umbau verbessert Schutz und Sichtbarkeit. Ein neues Lichtkonzept reduziert Belastung, ein Klimagerät stabilisiert die Luftfeuchtigkeit, und das 3D-Modell macht Details leichter zugänglich.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Naturhistorisches Museum Wien: Edelsteinstrauß in neuem Glanz
  • Naturhistorisches Museum Wien: Edelsteinsammlung

Schlagworte

#Naturhistorisches Museum Wien#Edelsteinstrauß#Maria Theresia#Diamanten#Museumstechnik#Diamant#Edelstein#Franz I. Stephan von Lothringen#Bild#Museen#Kunst &

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