Dramatische Zustände: Psychisch Kranke in Österreichs Gefängnissen
Die Zahlen sind alarmierend: In Österreichs Justizanstalten steigt die Zahl psychisch erkrankter Insassen seit Jahren kontinuierlich an, während die Suizidrate ein dramatisches Ausmaß erreicht hat.
Die Zahlen sind alarmierend: In Österreichs Justizanstalten steigt die Zahl psychisch erkrankter Insassen seit Jahren kontinuierlich an, während die Suizidrate ein dramatisches Ausmaß erreicht hat. Aktuelle Medienberichte und der jüngste Prüfbericht der Volksanwaltschaft decken Missstände auf. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) nimmt Stellung und fordert Reformen im österreichischen Justizvollzug.
Prävalenz psychischer Erkrankungen in Justizanstalten
In Justizanstalten ist die Häufigkeit psychischer Erkrankungen grundsätzlich deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Laut Volksanwaltschaft nimmt diese Belastung seit Jahren zu. Das Spektrum umfasst Suchterkrankungen, Depressionen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen.
Alarmierende Suizidrate
Die Volksanwaltschaft berichtet, dass die Rate an Suizidversuchen in Österreichs Justizanstalten derzeit so hoch ist wie seit Jahren nicht mehr. Ursachen dafür sind vielfältig und können bestehende psychische Erkrankungen und die Belastungen durch Haftbedingungen umfassen.
Personalmangel als zentrales Problem
Nach Angaben des Bundesministeriums für Justiz sind im österreichischen Straf- und Maßnahmenvollzug derzeit 186 Psycholog:innen und Psychiater:innen tätig. Das generelle Betreuungsverhältnis wird vom Ministerium mit ungefähr 1:100 im Strafvollzug und 1:25 im Maßnahmenvollzug angegeben. Angesichts der hohen Prävalenz psychischer Erkrankungen stellt dies eine Herausforderung für die Versorgung dar.
Konkrete Forderungen des BÖP
Der BÖP setzt sich für eine rasche Verbesserung der psychiatrischen und klinisch-psychologischen Versorgung in den österreichischen Justizanstalten ein, um die Sicherheit, die Menschenrechte und die Resozialisierungschancen von Insassinnen und Insassen sowie die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger nach der Entlassung zu gewährleisten.
- Ausbau der Psychiatrie in Strafanstalten
- Ausbau der flächendeckenden klinisch- und gesundheitspsychologischen Versorgung in allen Anstalten
- einen besseren Betreuungsschlüssel (mehr Zeit pro Insass:in)
- spezialisierte klinisch- und gesundheitspsychologische Angebote für psychisch auffällige und belastete Straftäterinnen und Straftäter
BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger betont: „Wir begrüßen die Bemühungen des Bundesministeriums und der Fachkräfte in den Justizanstalten und möchten als Psychologinnen und Psychologen dazu beitragen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu finden.“
Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) steht mit seiner Expertise bereit, um bei der Verbesserung der Situation zu unterstützen. Psychische Erkrankungen müssen behandelt werden – unabhängig von den Lebensumständen der Betroffenen.
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