Parlamentarischer Tag macht Schlüsselbranche für Österreichs Zukunft sichtbar
Die österreichische Bahnindustrie beschäftigt über 34.000 Menschen und erwirtschaftet 3 Milliarden Euro. Politik und Wirtschaft fordern bessere Rahmenbedingungen.
Die österreichische Bahnindustrie präsentiert sich als echter Wirtschaftsmotor: Mit über 34.000 Beschäftigten und einer Bruttowertschöpfung von rund 3,02 Milliarden Euro gehört sie zu den innovationsstärksten Industriezweigen des Landes. Beim ersten Parlamentarischen Tag der Bahnindustrie machten Branchenvertreter und Politik gemeinsam auf die Bedeutung dieser Schlüsselbranche aufmerksam.
Der aktuelle Austrian Rail Report 2025 belegt eindrucksvoll die ökonomische Bedeutung der Bahnindustrie für Österreich. Die Branche verzeichnete ein Beschäftigungswachstum von 22 Prozent seit 2023 und erreichte damit die Marke von über 34.000 Arbeitsplätzen. Mit einer Exportquote von 68 Prozent nimmt Österreich im europäischen Pro-Kopf-Vergleich eine Spitzenposition ein.
Besonders bemerkenswert sind die Investitionen in Forschung und Entwicklung: Mit 16,5 Euro pro Kopf erreicht die österreichische Bahnindustrie einen Spitzenwert in Europa. Diese Innovationskraft spiegelt sich auch in den Steuereinnahmen wider - die Branche trägt 1,17 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben zum österreichischen Staatshaushalt bei.
"Europa hat seinen Vorsprung in vielen Zukunftstechnologien verloren. Wir werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen", betonte Wolfgang Moitzi, Nationalratsabgeordneter und Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Die Bahnindustrie wurde daher als wichtige Zukunftsbranche in der österreichischen Industriestrategie verankert.
Bundesminister Peter Hanke unterstrich die Bedeutung der Branche für den Standort Österreich: "Ohne diese Schlüsselindustrie wäre Österreich heute nicht das Bahnland Nummer eins in der EU, und die Mobilitätswende wäre undenkbar." Er versicherte, dass die Bundesregierung auch in Zukunft die richtigen Rahmenbedingungen schaffen werde, um fairen Wettbewerb in Europa zu garantieren.
Im Rahmen des ganztägigen Programms besuchten Abgeordnete zum Nationalrat gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Industrie drei Mitgliedsunternehmen des Verbands der Bahnindustrie (VBI) im Südwesten Österreichs. Diese Betriebsbesuche ermöglichten praxisnahe Einblicke in Produktion, Forschung und Entwicklung sowie in die aktuellen Herausforderungen der Branche.
Trotz ihrer starken Position steht die österreichische Bahnindustrie unter zunehmendem Druck. Steigende Kosten, globaler Wettbewerb und zunehmende regulatorische Komplexität belasten die Branche. Ein alarmierendes Signal: Österreich ist im globalen Exportvergleich von Platz 4 auf Platz 7 zurückgefallen.
Christian Diewald, Präsident des VBI, sieht dennoch große Chancen: "Die Bahnindustrie ist eine Zu(g)kunftsindustrie für den Wirtschaftsstandort Österreich und Europa. Sie steht für Innovation, Klimaschutz und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Um diese Stärke langfristig zu sichern, braucht es jetzt klare und verlässliche Rahmenbedingungen."
Der Verband der Bahnindustrie fordert eine klare "Europe First"-Strategie im Umgang mit öffentlichen Mitteln. Investitionen aus Steuergeldern sollten stärker an europäische Wertschöpfung und industrielle Kapazitäten gekoppelt werden.
"Europäische Wertschöpfung ist mehr als ein wirtschaftlicher Faktor – sie ist eine Frage der strategischen Resilienz und Sicherheit", erklärte Anil W. Rai, Geschäftsführer des VBI. "Wer in die Bahn investiert, investiert auch in industrielle Stärke, technologische Souveränität und in die Versorgungssicherheit in Europa."
Andreas Matthä, CEO der ÖBB-Holding AG, unterstrich die Bedeutung der heimischen Bahnindustrie für ein leistungsfähiges Bahnsystem: "Sie sichert Qualität, Innovationskraft und Versorgungssicherheit und ist damit ein zentraler Partner der ÖBB, um nachhaltige Mobilität für die Menschen in Österreich bereitzustellen."