Renate Anderl appelliert an Regierung: Investitionen in Ausbildung statt Zwischenparken beim AMS
357.500 Arbeitslose in Österreich - fast die Hälfte ohne Berufsausbildung. AK-Präsidentin Anderl fordert Qualifizierungsoffensive und Strafen für Zwischenparken.
Die Arbeitslosigkeit in Österreich bleibt auf besorgniserregendem Niveau: Aktuell sind etwa 357.500 Personen arbeitslos, was einer Arbeitslosenquote von 8,3 Prozent entspricht. Besonders alarmierend ist dabei ein Detail, das die strukturellen Probleme des österreichischen Arbeitsmarktes verdeutlicht.
Fast die Hälfte aller arbeitssuchenden Personen - konkret 46 Prozent - verfügt über keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung. Diese Zahl macht deutlich, wo die Wurzeln der anhaltenden Arbeitsmarktprobleme liegen und warum einfache Lösungen nicht greifen können.
"Genau hier gilt es anzusetzen, denn die qualifizierten Arbeitskräfte wachsen nicht auf den Bäumen, man muss sie ausbilden", erklärt Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien. Ihre deutlichen Worte richten sich an die gesamte Bundesregierung und machen klar: Ohne massive Investitionen in Qualifizierung wird sich das Problem nicht lösen lassen.
Die Bereitschaft der Betriebe, Lehrlinge auszubilden, sinkt kontinuierlich. Das führt zu einem Teufelskreis: Die Zahl der Jugendlichen ohne betriebliche Lehrstelle ist so hoch wie schon lange nicht mehr. Gleichzeitig klagen dieselben Unternehmen über Fachkräftemangel - ein Widerspruch, der die Kurzsichtigkeit vieler Betriebe offenlegt.
Die Arbeiterkammer begrüßt daher ausdrücklich die von der Regierung angekündigte Qualifizierungsoffensive. Bundesministerin Alma Zadic Schumann hatte angekündigt, sich für sinnvolle Investitionen in diesem Bereich einzusetzen. Auch das von Vizekanzler Andreas Babler geplante Älterenbeschäftigungspaket soll ein längeres gesundes Arbeitsleben ermöglichen.
Doch Qualifizierung allein reicht nicht aus. AK-Präsidentin Anderl fordert eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für künftige Fachkräfte. Konkret gehören dazu:
"Ich appelliere an die gesamte Regierung, hier sinnvolle Investitionen zu ermöglichen. Schließlich ist das ein wichtiges Element für eine nachhaltige positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt", betont Anderl.
Ein besonders kostspieliges Problem stellt das sogenannte "Zwischenparken" von Beschäftigten beim AMS dar. Dabei werden Mitarbeiter kurzzeitig abgemeldet und in absehbarer Zeit wieder angemeldet - eine Praxis, die jährlich bis zu 700 Millionen Euro kostet und die Arbeitslosigkeit um rund ein Prozent erhöht.
"Dennoch wird es noch immer wie ein Kavaliersdelikt behandelt", kritisiert Anderl scharf. Gerade in der anhaltend schwierigen budgetären Situation sei es unverständlich, warum Unternehmen nicht an den von ihnen verursachten Kosten beteiligt werden.
Eine angemessene Bestrafung des Zwischenparkens würde gleich doppelt wirken: Einerseits würde die Arbeitslosigkeit gesenkt, andererseits hätte das AMS mehr Mittel für Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung. "Gerade in der anhaltend schwierigen budgetären Situation müssen Unternehmen an den von ihnen verursachten Kosten des Zwischenparkens beteiligt werden", fordert die AK-Präsidentin.
Die Forderungen der Arbeiterkammer zeigen auf, dass der Arbeitsmarkt nicht mit kurzfristigen Maßnahmen zu stabilisieren ist. Vielmehr braucht es eine langfristige Strategie, die bei der Bildung ansetzt und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Beschäftigung verbessert.
Die hohe Zahl von Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung macht deutlich, dass hier die größten Potentiale liegen. Gleichzeitig zeigt der Rückgang der Lehrstellenangebote, dass viele Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht werden.
Obwohl sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt hat, steigt die Anzahl der arbeitssuchenden Personen weiterhin an. Diese Entwicklung erfordert entschlossenes politisches Handeln auf mehreren Ebenen:
Die Arbeiterkammer macht mit ihren Forderungen deutlich: Ohne strukturelle Reformen wird sich die Arbeitsmarktsituation nicht nachhaltig verbessern lassen. Die Politik ist gefordert, endlich die notwendigen Weichen zu stellen.