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Gesundheit

ÖÄK-Jahresbericht 2025: 311,5 Kassenstellen unbesetzt

Die Österreichische Ärztekammer sieht im Kassensystem dringenden Handlungsbedarf. Der Jahresbericht verbindet offene Stellen, Ausbildung und digitale Fortbildung.

16. April 2026
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Der ÖÄK-Jahresbericht 2025 nennt 311,5 offene Kassenstellen. Besonders betroffen sind Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde, Dermatologie sowie Kinder- und Jugendheilkunde.

Der Jahresbericht 2025 der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) liefert einen kompakten Blick auf mehrere Baustellen im Gesundheitssystem: offene Kassenstellen, ärztliche Ausbildung, digitale Fortbildung und die Frage, wie attraktiv das Kassensystem für Ärzt:innen bleibt. Besonders auffällig ist eine Zahl: Laut ÖÄK sind österreichweit 311,5 Kassenstellen unbesetzt, davon 167,5 in der Allgemeinmedizin.

Die ÖÄK hat die Zahlen in ihrer Presseinformation „Jahresbericht der Österreichischen Ärztekammer: Neues Design, mehr Material“ veröffentlicht. Der Bericht ist eine Standesvertretungsquelle, also keine neutrale Regierungsstatistik. Gerade deshalb ist die Einordnung wichtig: Die Zahlen zeigen aus Sicht der Ärztekammer, wo sie Handlungsbedarf im öffentlichen Versorgungssystem sieht.

Welche Kassenstellen fehlen

Die ÖÄK nennt 311,5 offene Kassenstellen in Österreich. Die größte Gruppe entfällt auf die Allgemeinmedizin mit 167,5 offenen Stellen. Im Facharztbereich nennt die Kammer besonders Frauenheilkunde mit 46,5 offenen Kassenstellen, Dermatologie mit 28,5 und Kinder- und Jugendheilkunde mit 20,5. Diese Zahlen sind relevant, weil Kassenstellen für viele Patient:innen der erste Zugang zu leistbarer medizinischer Versorgung sind.

Eine offene Kassenstelle bedeutet nicht automatisch, dass eine Region völlig ohne Versorgung ist. Patient:innen können andere Ordinationen, Ambulanzen oder Wahlärzt:innen aufsuchen. Praktisch kann eine unbesetzte Stelle aber Wartezeiten verlängern, Wege vergrößern und den Druck auf bestehende Ordinationen erhöhen. Besonders spürbar wird das in Regionen, in denen ohnehin wenige Ärzt:innen verfügbar sind.

Begriff erklärt: Kassenstelle

Eine Kassenstelle ist eine vertragsärztliche Ordination, die mit einem Sozialversicherungsträger abrechnet. Patient:innen können dort medizinische Leistungen in der Regel über ihre Krankenversicherung nutzen, ohne die vollständigen Kosten privat vorzufinanzieren. Wahlärzt:innen arbeiten dagegen ohne direkten Kassenvertrag; Patient:innen zahlen meist zunächst selbst und können einen Teilbetrag zurückfordern.

Die Unterscheidung ist für Versorgungsgerechtigkeit zentral. Wenn Wahlärzt:innen stark zunehmen, Kassenstellen aber stagnieren oder offen bleiben, verschiebt sich ein Teil der Versorgung in Richtung privater Vorfinanzierung. Genau diesen Trend kritisiert die ÖÄK: Laut ihrer Darstellung ist die Zahl der Kassenärzt:innen seit 1999 quasi unverändert geblieben, während Bevölkerung und Zahl der Wahlärzt:innen deutlich gewachsen seien.

Ausbildung als zweiter Schwerpunkt

Der Jahresbericht behandelt nicht nur offene Stellen. Die ÖÄK verweist auch auf die Ausbildungsevaluierung 2025. Auf der offiziellen Seite zur Ausbildungsevaluierung beschreibt die Kammer die dritte Auflage dieser Erhebung in Kooperation mit der ETH Zürich. Die Rücklaufquote lag laut ÖÄK bei 59 Prozent und damit auf einem Rekordniveau.

Die Österreichische Ärztezeitung ordnet die Ergebnisse im Beitrag „Ausbildungsevaluierung 2025: Ausbildung wird immer besser“ ein. Demnach wurde die Ausbildungsqualität im Vergleich zu den Vorjahren besser bewertet. Für die Versorgung ist das relevant, weil der ärztliche Nachwuchs nicht nur ausgebildet, sondern auch im System gehalten werden muss.

Fortbildung und Digitalisierung

Ein weiterer Schwerpunkt im ÖÄK-Jahresbericht ist die ärztliche Fortbildung. Die Kammer verweist auf mehr als 17.000 Teilnahmen bei digitalen Angeboten und auf die Akademie-Lernwelt mit rund 350 DFP-approbierten E-Learning-Fortbildungen. Solche Angebote ersetzen keine praktische Ausbildung, können aber laufende Weiterbildung niederschwelliger machen.

Die Ärztezeitung beschreibt im Beitrag „Basisausbildung – umstritten, aber geschätzt“ zusätzliche Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung. Darin geht es unter anderem um Basisausbildung, Klinisch-Praktisches Jahr und Fortbildungsbereitschaft. Für Patient:innen ist das kein Randthema: Gute Ausbildung und kontinuierliche Fortbildung sind Voraussetzungen für sichere Versorgung.

Was aus den Zahlen folgt und was nicht

Die ÖÄK-Zahlen zeigen Handlungsdruck, aber sie beantworten nicht allein, welche Maßnahme wirkt. Mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie, neue Versorgungsmodelle, Teamordinationen, Primärversorgungseinheiten und digitale Entlastung können jeweils eine Rolle spielen. Die Frage ist nicht nur, wie viele Kassenstellen formal ausgeschrieben sind, sondern ob sie für Ärzt:innen attraktiv genug sind und ob Patient:innen tatsächlich zeitnah Termine bekommen.

Ebenso wichtig ist eine sachliche Sprache. Begriffe wie „Ärztemangel“ oder „Kassenkrise“ beschreiben reale Sorgen, können aber unterschiedliche Ursachen vermischen. Es geht um Ausbildung, Pensionierungen, Arbeitszeitmodelle, Honorierung, regionale Verteilung, Bürokratie und Erwartungen an Versorgung. Der Jahresbericht der ÖÄK liefert dafür eine wichtige Perspektive der Ärzteschaft, ersetzt aber nicht die Sicht der Sozialversicherung, der Länder oder der Patient:innen.

Warum offene Kassenstellen regional unterschiedlich wirken

Die gleiche Zahl offener Stellen kann je nach Region sehr unterschiedliche Folgen haben. In einer Stadt mit vielen Ordinationen, Ambulanzen und Wahlärzt:innen fällt eine unbesetzte Stelle oft weniger stark auf als in einer ländlichen Region mit längeren Wegen und weniger Alternativen. Deshalb ist bei Kassenstellen nicht nur die Gesamtzahl wichtig, sondern auch die regionale Verteilung und die konkrete Fachrichtung.

Gerade Allgemeinmedizin spielt eine besondere Rolle. Hausärzt:innen sind häufig erste Anlaufstelle, koordinieren weitere Behandlungsschritte und kennen Patient:innen über längere Zeit. Wenn in diesem Bereich Stellen offen bleiben, wandern Beschwerden schneller in Spitalsambulanzen oder werden später abgeklärt. Das kann das System zusätzlich belasten, auch wenn es nicht unmittelbar als akuter Notfall sichtbar wird.

Attraktivität ist mehr als Honorar

Die ÖÄK verweist auf Attraktivitätsprobleme im Kassensystem. Darunter fallen Honorierung, Bürokratie, Arbeitsbelastung, Ordinationsorganisation, Vereinbarkeit mit Familie, digitale Anforderungen und die Frage, ob junge Ärzt:innen sich eine eigene Praxis zutrauen. Eine reine Zahl zu offenen Stellen erklärt diese Ursachen nicht, sie zeigt aber, wo das System Schwierigkeiten hat, Angebote zu besetzen.

Für die Gesundheitspolitik ist das unbequem, weil es keine Ein-Knopf-Lösung gibt. Neue Ausbildungsplätze helfen erst langfristig. Höhere Honorare können ein Faktor sein, lösen aber nicht automatisch Bürokratie oder regionale Standortprobleme. Gruppenpraxen und Primärversorgungseinheiten können entlasten, brauchen aber Personal, Räume und Planung. Genau deshalb ist der Jahresbericht nützlich: Er bündelt verschiedene Hinweise, ohne alle Antworten selbst geben zu können.

Warum Patient:innen die Debatte genau verfolgen sollten

Für Patient:innen ist die Kassenstellen-Debatte sehr konkret. Sie entscheidet mit darüber, ob ein Termin wohnortnah verfügbar ist, ob man lange telefonieren muss, ob man auf Wahlärzt:innen ausweicht oder ob Beschwerden in Spitalsambulanzen landen. Zahlen zu offenen Stellen wirken abstrakt, beschreiben aber letztlich Zugang zu Versorgung.

Gleichzeitig sollten Patient:innen solche Zahlen nicht als alleinige Krisendiagnose lesen. Versorgung hängt auch von Ordinationszeiten, Teamstrukturen, Pflege- und Assistenzberufen, digitaler Terminvergabe, regionaler Planung und Zusammenarbeit mit Spitälern ab. Der ÖÄK-Jahresbericht legt einen wichtigen Ausschnitt offen; die politische Antwort muss breiter sein.

FAQ zum ÖÄK-Jahresbericht 2025

Wie viele Kassenstellen sind laut ÖÄK offen?

Die ÖÄK nennt 311,5 unbesetzte Kassenstellen in Österreich. Davon entfallen 167,5 auf die Allgemeinmedizin.

Welche Fachbereiche sind besonders betroffen?

Im Facharztbereich nennt die ÖÄK Frauenheilkunde, Dermatologie sowie Kinder- und Jugendheilkunde als besonders auffällige Bereiche mit offenen Kassenstellen.

Warum ist die Ausbildungsevaluierung relevant?

Sie zeigt, wie Ärzt:innen in Ausbildung ihre Ausbildungsqualität bewerten. Die ÖÄK sieht darin ein Instrument zur Qualitätssicherung und verweist für 2025 auf eine Rekord-Rücklaufquote von 59 Prozent.

Welche Quellen wurden verwendet?

Grundlage sind die ÖÄK-Presseinformation zum Jahresbericht 2025, die ÖÄK-Seite zur Ausbildungsevaluierung und zwei Artikel der Österreichischen Ärztezeitung zur Ausbildungsqualität und zur Basisausbildung.

Schlagworte

#Ärztekammer#Gesundheitswesen#Kassenstellen#Ärztemangel#Gesundheitspolitik#Versorgung

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