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Wiener Stadtwerke: Frauenanteil steigt auf 23 Prozent

6. März 2026 um 09:56
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Ein deutlicher Wandel zeichnet sich in Wiens größtem Infrastrukturkonzern ab: Die Wiener Stadtwerke verzeichnen einen bemerkenswerten Anstieg des Frauenanteils von 18,7 Prozent im Jahr 2020 auf übe...

Ein deutlicher Wandel zeichnet sich in Wiens größtem Infrastrukturkonzern ab: Die Wiener Stadtwerke verzeichnen einen bemerkenswerten Anstieg des Frauenanteils von 18,7 Prozent im Jahr 2020 auf über 23 Prozent im Jahr 2025. Diese Entwicklung macht den kommunalen Versorger zu einem Vorreiter in einer traditionell männerdominierten Branche und zeigt, wie gezielte Gleichstellungsmaßnahmen konkrete Erfolge erzielen können.

Infrastrukturbetriebe im Wandel: Von der Männerdomäne zur Geschlechterparität

Infrastrukturbetriebe galten jahrzehntelang als klassische Männerdomäne. Die Wiener Stadtwerke, die als kommunaler Konzern die Energieversorgung, den öffentlichen Verkehr und weitere kritische Infrastrukturdienste der österreichischen Hauptstadt gewährleisten, brechen nun systematisch mit diesem traditionellen Bild. Der Anstieg des Frauenanteils um mehr als vier Prozentpunkte binnen fünf Jahren mag auf den ersten Blick moderat erscheinen, stellt jedoch in der Branche einen bedeutenden Fortschritt dar.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in spezifischen Bereichen: In der IT erreichen die Wiener Stadtwerke bereits einen Frauenanteil von 27,6 Prozent – ein Wert, der deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von rund 20 Prozent in der Informationstechnologie liegt. Selbst in technischen Berufen, traditionell einer der männlichsten Bereiche, liegt der Frauenanteil bei knapp zehn Prozent mit steigender Tendenz.

Führungsebene: Über 30 Prozent weibliche Führungskräfte

"Wien steht für Chancengerechtigkeit und Fortschritt, und die Wiener Stadtwerke leisten dazu einen wesentlichen Beitrag: mit gezielter Förderung, fairen Karrierechancen und dem klaren Bekenntnis zu Gleichstellung", betont Stadträtin Ulli Sima, die für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke zuständig ist. Diese politische Unterstützung auf höchster Ebene unterstreicht die strategische Bedeutung, die Wien der Geschlechtergleichstellung in kommunalen Betrieben beimisst.

Die Zahlen auf Führungsebene belegen den Erfolg dieser Politik: Über 30 Prozent der Führungskräfte sind mittlerweile Frauen. Auf Geschäftsführungsebene bewegt sich der Konzern bereits innerhalb der sogenannten Gender Balance Zone von 40 bis 60 Prozent. Diese Zone gilt international als Zielbereich für ausgewogene Geschlechterverteilung in Führungsgremien. Auch der Aufsichtsrat ist zu über 30 Prozent weiblich besetzt, was deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen für Aufsichtsräte in Österreich liegt.

Lehrlingsausbildung als Schlüssel für langfristige Veränderung

Einen besonderen Fokus legen die Wiener Stadtwerke auf die Ausbildung junger Frauen. Mit einem Anteil von rund 30 Prozent weiblicher Lehrlinge übertrifft der Konzern deutlich den österreichweiten Durchschnitt von etwa 35 Prozent in allen Branchen – bemerkenswert, da technische und handwerkliche Lehrberufe traditionell geringere Frauenanteile aufweisen.

Insgesamt absolvieren derzeit 700 Lehrlinge ihre Ausbildung bei den Wiener Stadtwerken – ein historischer Höchststand. Diese werden in 20 verschiedenen Lehrberufen ausgebildet, von klassischen technischen Berufen wie Elektrotechnik und Maschinenbau bis hin zu modernen IT-Berufen. Die hohe Lehrlingszahl unterstreicht nicht nur die Größe des Konzerns als einer der bedeutendsten Arbeitgeber Wiens, sondern auch das Engagement für die Nachwuchsförderung.

MINT-Berufe im Fokus der Frauenförderung

MINT-Berufe – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – stehen im Zentrum der Bemühungen um mehr Geschlechtergerechtigkeit. Diese Bereiche gelten als Zukunftsbranchen, leiden jedoch traditionell unter einem geringen Frauenanteil. In Österreich liegt der Frauenanteil in MINT-Berufen bei etwa 25 Prozent, wobei große regionale und branchenspezifische Unterschiede bestehen.

Die Wiener Stadtwerke setzen hier auf eine Kombination aus gezielter Ansprache, transparenten Karrierewegen und flexiblen Arbeitsbedingungen. "Als eine der größten Arbeitgeberinnen Wiens wollen wir gezielt Frauen für Zukunftsbereiche begeistern – insbesondere für MINT-Berufe und technische Laufbahnen", erklärt Generaldirektor Peter Weinelt. Der Erfolg dieser Strategie zeigt sich auch in den Bewerberzahlen: 31 Prozent aller Bewerbungen stammen von Frauen.

Konkrete Maßnahmen für strukturelle Veränderungen

Die stellvertretende Generaldirektorin Monika Unterholzner betont die systematische Herangehensweise: "Wer eine Stadt verlässlich versorgt, trägt auch gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb schaffen wir verbindliche Strukturen, transparente Karrierewege und eine Unternehmenskultur, in der Vielfalt als Stärke verstanden wird." Diese Aussage verdeutlicht, dass Gleichstellung bei den Wiener Stadtwerken nicht als Nebenschauplatz, sondern als integraler Bestandteil der Unternehmensführung verstanden wird.

Das Maßnahmenpaket umfasst eine konzernweite Richtlinie für Barrierefreiheit, Vielfalt und Gleichstellung. Diese schafft verbindliche Standards und Prozesse für alle Konzernunternehmen. Entwicklungs- und Mentoringprogramme speziell für Frauen sollen Karrierewege aufzeigen und unterstützen. Cross-Mentoring-Programme ermöglichen den Austausch zwischen verschiedenen Bereichen und Hierarchieebenen.

Work-Life-Balance als Erfolgsfaktor

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gilt als entscheidender Faktor für die Gewinnung und Bindung weiblicher Fachkräfte. Die Wiener Stadtwerke bieten daher flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Möglichkeiten und kostenlose Ferienbetreuung. Besonders progressiv ist die aktive Förderung der Väterkarenz, die traditionelle Rollenbilder aufbricht und beiden Elternteilen Karrierechancen ermöglicht.

Diese Maßnahmen entsprechen aktuellen Trends am österreichischen Arbeitsmarkt, wo Work-Life-Balance zunehmend als entscheidender Faktor bei der Jobwahl gilt. Studien zeigen, dass flexible Arbeitsbedingungen besonders für Frauen wichtige Kriterien bei der Arbeitsplatzwahl darstellen.

Null-Toleranz-Politik und Unternehmenskultur

Ein besonders wichtiger Aspekt der Gleichstellungsstrategie ist die klare Null-Toleranz-Politik gegenüber sexueller Belästigung, Mobbing und Diskriminierung. Diese wird durch eine interne Kommunikationskampagne unterstützt, die 2025 mit dem deutschen Preis INKOMETA ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnung würdigt hervorragende interne Kommunikation und unterstreicht die Professionalität der Wiener Stadtwerke in diesem sensiblen Bereich.

Die Kampagne zum internationalen Frauentag unter dem Slogan "Keine Gleichstellung. Keine Frauen. Keine Stadt." macht die Leistungen von Frauen im Konzern sichtbar. Zehn Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Bereichen stehen stellvertretend für die vielen Frauen, die täglich zum Funktionieren der Stadt beitragen. Diese Sichtbarmachung ist ein wichtiger Baustein, um Stereotypen aufzubrechen und junge Frauen für technische Berufe zu begeistern.

Vergleich mit anderen österreichischen Unternehmen

Im Vergleich zu anderen österreichischen Großunternehmen nehmen die Wiener Stadtwerke eine Vorreiterrolle ein. Während der durchschnittliche Frauenanteil in österreichischen Betrieben bei etwa 47 Prozent liegt, ist dieser Wert in technischen und infrastrukturellen Branchen deutlich niedriger. Die OMV beispielsweise verzeichnet einen Frauenanteil von etwa 25 Prozent, die Verbund AG liegt bei rund 30 Prozent.

Besonders bemerkenswert ist der Vergleich auf Führungsebene: Während österreichweit nur etwa 25 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt sind, erreichen die Wiener Stadtwerke bereits über 30 Prozent. Dies zeigt, dass gezielte Maßnahmen und politischer Wille messbare Erfolge erzielen können.

Internationale Perspektive und Best Practices

Im internationalen Vergleich liegen die Wiener Stadtwerke ebenfalls gut im Rennen. Skandinavische Länder wie Norwegen und Schweden erreichen in vergleichbaren Branchen Frauenanteile von 30 bis 35 Prozent, allerdings unterstützt durch staatliche Quotenregelungen. Deutschland verzeichnet in kommunalen Versorgungsunternehmen ähnliche Werte wie Österreich.

Die Schweiz, oft als Vergleichsland zu Österreich herangezogen, zeigt in diesem Bereich noch Nachholbedarf. Schweizer Energieversorger erreichen durchschnittlich Frauenanteile von etwa 20 Prozent, womit die Wiener Stadtwerke bereits heute überdurchschnittlich abschneiden.

Auswirkungen auf die Wiener Stadtentwicklung

Die Gleichstellungsfortschritte bei den Wiener Stadtwerken haben direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität in Wien. Diverse Teams treffen nachweislich bessere Entscheidungen und entwickeln innovativere Lösungen. Dies ist besonders wichtig für einen Konzern, der kritische Infrastrukturdienste für 1,9 Millionen Menschen bereitstellt.

Frauen bringen oft andere Perspektiven in die Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten ein. Studien zeigen, dass gemischte Teams bei der Entwicklung von Verkehrslösungen, Energiesystemen und Digitalisierungsprojekten zu nutzerfreundlicheren Ergebnissen kommen. Dies kommt letztendlich allen Wienerinnen und Wienern zugute.

Wirtschaftliche Vorteile der Geschlechterparität

Die Förderung von Frauen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. McKinsey-Studien zeigen, dass Unternehmen mit höherem Frauenanteil in Führungspositionen durchschnittlich 25 Prozent höhere Gewinne erzielen. Für kommunale Unternehmen wie die Wiener Stadtwerke bedeutet dies effizientere Nutzung öffentlicher Mittel und bessere Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger.

Der Fachkräftemangel, der auch Österreich zunehmend betrifft, macht die Erschließung des weiblichen Talentpools zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. In technischen Berufen ist dieser Mangel besonders ausgeprägt. Die Wiener Stadtwerke positionieren sich durch ihre Gleichstellungsmaßnahmen als attraktiver Arbeitgeber für qualifizierte Frauen.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Trotz der positiven Entwicklungen bleiben Herausforderungen bestehen. Der Frauenanteil in technischen Berufen liegt noch immer bei unter zehn Prozent, auch wenn die Tendenz steigend ist. Dies spiegelt gesellschaftliche Stereotype wider, die bereits in der Schulbildung beginnen und sich durch das gesamte Berufsleben ziehen.

Die demografische Entwicklung stellt zusätzliche Anforderungen: Mit einer alternden Gesellschaft wird der Bedarf an flexiblen Arbeitsbedingungen und familiären Unterstützungsleistungen weiter steigen. Die Wiener Stadtwerke müssen ihre Programme kontinuierlich anpassen und erweitern, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Langfristige Ziele und Strategien

Das erklärte Ziel, den Anteil weiblicher Lehrlinge weiter deutlich zu erhöhen, zeigt den langfristigen Ansatz der Wiener Stadtwerke. Junge Frauen, die heute eine technische Ausbildung beginnen, werden in zehn bis fünfzehn Jahren die Führungskräfte von morgen sein. Diese Investition in die Zukunft wird sich mittelfristig in noch höheren Frauenanteilen auf allen Ebenen niederschlagen.

Die Digitalisierung bietet zusätzliche Chancen: Neue Berufsbilder in der IT, Datenanalyse und Smart-City-Entwicklung sind weniger von traditionellen Geschlechterrollenbildern geprägt und können leichter von Frauen erschlossen werden. Die Wiener Stadtwerke sind gut positioniert, um von diesem Wandel zu profitieren.

Gesellschaftliche Signalwirkung und Vorbildfunktion

Als einer der größten Arbeitgeber Wiens haben die Wiener Stadtwerke eine wichtige Vorbildfunktion. Ihr Erfolg bei der Erhöhung des Frauenanteils sendet ein starkes Signal an andere Unternehmen und zeigt, dass strukturelle Veränderungen möglich sind. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der die Gleichstellungsdebatte oft von polarisierenden Diskussionen geprägt ist.

Die systematische Herangehensweise der Wiener Stadtwerke – von der konzernweiten Richtlinie über konkrete Maßnahmen bis hin zur kontinuierlichen Erfolgsmessung – kann als Blaupause für andere Unternehmen dienen. Besonders kommunale Betriebe in anderen österreichischen Städten könnten von den Erfahrungen Wiens profitieren.

Die Entwicklung bei den Wiener Stadtwerken zeigt eindrucksvoll, dass Gleichstellung kein Selbstläufer ist, sondern gezielter Maßnahmen und konsequenter Umsetzung bedarf. Mit über 23 Prozent Frauenanteil und steigender Tendenz ist der kommunale Konzern auf einem guten Weg, Geschlechterparität nicht nur als Ziel zu formulieren, sondern als gelebte Realität zu etablieren. Für Wien bedeutet dies nicht nur gerechtere Arbeitsbedingungen, sondern auch eine zukunftsfähigere und innovativere Infrastruktur für alle Bürgerinnen und Bürger.

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