Berufsrettung Wien, Samariterbund, Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser und SMD warnen vor Folgen akuter Unterfinanzierung
Sechs Wiener Rettungsorganisationen berichten von anhaltender Unterfinanzierung durch die ÖGK; Angebot von 1,5 % im Juni reicht laut Aussendung nicht aus.
Sechs in Wien tätige Rettungsorganisationen schlagen Alarm: Die Finanzierung des Rettungs- und Krankentransportsystems durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) stehe „massiv unter Druck“, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung. Die Organisationen berichten, dass die seit Herbst laufenden Verhandlungen mit der ÖGK zäh verlaufen und das bislang letzte Angebot am 3. Juni eine Erhöhung der Tarife um 1,5 % vorsah.
Die Rettungsorganisationen machen in ihrer Mitteilung deutlich, dass die angebotene Erhöhung von 1,5 % nach ihrer Einschätzung weit unter der Inflation liege und weder die gestiegenen Kosten für Treibstoff, Medikamente und Medizinprodukte noch notwendige Gehaltserhöhungen abdecke. Ein neuer Verhandlungstermin mit der ÖGK sei bisher nicht in Sicht, so die Aussendung.
Laut der gemeinsamen Mitteilung wollen die ÖGK-Tarife für das laufende Jahr 2026 in allen Bundesländern im gleichen Ausmaß erhöht werden. Bei der bislang letzten Verhandlungsrunde am 3. Juni sei ein Anstieg von 1,5 % angeboten worden. Weitere, konkrete Verhandlungstermine wurden in der Aussendung nicht genannt.
Die Organisationen betonen, dass die Verhandlungen bereits seit Herbst laufen und sich – wie in den vergangenen Jahren – zäh gestalteten. In ihrer Darstellung ist das 1,5-%-Angebot der ÖGK unzureichend, weil es nach Auffassung der Rettungsdienste nicht zur Deckung der realen Kosten beitrage.
In der Mitteilung führen die Organisationen mehrere Kostenfaktoren an: gestiegene Preise für Sprit, Medikamente und Medizinprodukte sowie notwendige Gehaltserhöhungen für das Personal. Diese Kostenentwicklungen stünden einem Kassentarif gegenüber, der nach Angaben der Organisationen „schon seit mehreren Jahren nicht kostendeckend ist“.
Für die Berufsrettung Wien wird ein Teil der Kosten laut der Aussendung über die Stadt Wien durch Steuergeld gedeckt. Bei den privaten Rettungsorganisationen würden ein Teil der Kosten durch Spenden der Bevölkerung sowie den persönlichen Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen getragen.
Die Organisationen warnen, dass die anhaltende Unterfinanzierung das gesamte System gefährden könne. In der Mitteilung heißt es, dass bei Beibehaltung des bisherigen Angebots der ÖGK der bisherige Leistungsumfang in der hohen Qualität, „wie es die Wiener*innen gewohnt sind“, nicht mehr angeboten werden könne. Konkret wird genannt, dass es bei niedrigpriorisierten Einsätzen – also weniger dringlichen Notfällen, bei denen keine akute Lebensbedrohung besteht – zu längeren Wartezeiten kommen kann.
Die Aussendung wurde gemeinsam von folgenden Organisationen getragen: Berufsrettung Wien, Samariterbund Wien, Johanniter-Unfall-Hilfe, Wiener Rotes Kreuz, Malteser und Sozialmedizinischer Dienst (SMD). Alle Organisationen richten in der Mitteilung einen eindringlichen Appell an die ÖGK.
Prof. Dr. Rainer Gottwald, Leiter der Berufsrettung Wien, wird zitiert: „Wien hat ein sehr gutes Netz und ein äußerst differenziertes System an rettungsdienstlicher Versorgung. Dieses wollen wir gemeinsam mit den privaten Rettungsorganisationen als Partner für die Bevölkerung aufrechterhalten.“
Mag. Oliver Löhlein, Geschäftsführer des Samariterbundes Wien, sagt in der Aussendung: „Wir können ein hochqualitatives System nicht dauerhaft mit zu niedrigen Tarifen aufrechterhalten. Die Unterfinanzierung gefährdet das gesamte System.“
Michael Strambach-Weissgärber, Geschäftsführer der Johanniter Rettungs- und Einsatzdienste Wien & Niederösterreich, wird mit den Worten wiedergegeben: "Es kann nicht sein, dass wir mit Spendengeldern Kosten finanzieren, die eigentlich durch die Tarife gedeckt sein müssten. Die zu niedrige Tarifabdeckung gefährdet alle Rettungsorganisationen. Was wir privat mittragen müssen, wächst von Jahr zu Jahr und gefährdet die Versorgung."
Mag. Alexander Preyer, MBA, Landesgeschäftsleiter des Wiener Roten Kreuzes, formuliert in der Aussendung: „Aus Liebe zum Menschen – wir schaffen unter anderem mit Freiwilligen einen Mehrwert und bringen viel Leistung in das System ein. Gerade deshalb ist es uns wichtig, dass es zu fairen Anpassungen kommt und zumindest die Preissteigerungen, die wir haben, abgegolten werden.“
Der Kommandant des Malteser Hospitaldienstes, Johann Philipp Spiegelfeld, wird mit folgender Aussage zitiert: „Die Malteser beweisen täglich, was ehrenamtliches Engagement leisten kann: unentgeltlich, aber nicht umsonst. Eine starke Gesundheitsversorgung braucht starke Rettungsorganisationen – und dafür eine Finanzierung, die mit der Realität Schritt hält.“
Anton More, Geschäftsführer des Sozialmedizinischen Dienstes, heißt es in der Mitteilung: "Damit wir unsere Leistungen auch künftig in gewohnter Qualität erbringen können, braucht es eine auskömmliche und zeitgemäße Finanzierung. Die seit Jahren steigenden Kosten stehen Tarifen gegenüber, die mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Hier sehen wir Handlungsbedarf."
Die gemeinsame Aussendung unterstreicht zudem eine konkrete Einsatzzahl: „Wir sind 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr für Notfälle da. Wenn die Rettung gerufen wird, dann kommen wir – im vergangenen Jahr waren die Rettungsteams 326.000 Mal bei Notfällen vor Ort.“
ÖGK: Die Abkürzung ÖGK steht für Österreichische Gesundheitskasse. In der Aussendung ist die ÖGK die Partei, die die Tarifverhandlungen mit den Rettungsorganisationen führt und das zuletzt angebotene Tariferhöhungsniveau von 1,5 % vorgelegt hat.
Kassentarif: Der Begriff „Kassentarif“ bezieht sich in der Mitteilung auf die von der ÖGK festgelegten Vergütungen für Rettungs- und Krankentransporte. Die Organisationen geben an, dass dieser Tarif „schon seit mehreren Jahren nicht kostendeckend ist“.
Rettungsdienstliche Versorgung: In der Aussendung wird die rettungsdienstliche Versorgung als Teil der Gesundheitsversorgung bezeichnet, die für Menschen in persönlichen Notlagen oft den ersten Kontakt mit dem Gesundheitssystem darstellt.
Niedrigpriorisierte Einsätze: Als niedrigpriorisierte Einsätze beschreibt die Mitteilung weniger dringliche Notfälle, „bei denen keine akute Lebensbedrohung besteht“. Bei solchen Einsätzen nennen die Organisationen als mögliche Folge der Unterfinanzierung längere Wartezeiten.
Ehrenamt: In der gemeinsamen Stellungnahme werden ehrenamtliche Mitarbeiter*innen als Teil des Systems genannt; für private Organisationen tragen demnach Spenden und der persönliche Einsatz Ehrenamtlicher einen Teil der verbleibenden Kosten mit.
Die Rettungsorganisationen legen in ihrer Aussendung einen Appell an die ÖGK vor: Sie fordern, die Verhandlungen rasch weiterzuführen und eine finanzielle Abgeltung zu erreichen, die nach ihrer Darstellung die tatsächlichen Kosten besser abbildet. Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „Wir fordern die ÖGK auf, die Verhandlungen rasch weiterzuführen.“
In der Aussendung betonen die Organisationen zudem die Bedeutung der Notfallversorgung als „wesentlicher Teil der Gesundheitsversorgung – und rettet Leben.“ Weitergehende Forderungen oder konkrete Zahlen für eine gewünschte Tarifanpassung wurden in der Aussendung nicht genannt.
Bei der Verhandlungsrunde am 3. Juni hat die ÖGK laut Aussendung eine Anhebung der Tarife um 1,5 % vorgeschlagen. Die Rettungsorganisationen bewerten dieses Angebot in ihrer Mitteilung als unzureichend angesichts gestiegener Kosten.
Die gemeinsamen Schreiben der Wiener Rettungsorganisationen verweisen darauf, dass die Verhandlungen „seit Herbst“ laufen und sich – wie in den vergangenen Jahren – zäh gestalten. Ein neuer Verhandlungstermin ist laut Aussendung bislang nicht in Sicht.
In Wien haben die Berufsrettung Wien, der Samariterbund Wien, die Johanniter-Unfall-Hilfe, das Wiener Rote Kreuz, die Malteser und der Sozialmedizinische Dienst die gemeinsame Aussendung unterzeichnet und appellieren gemeinsam an die ÖGK.
Die Mitteilung nennt als mögliche Folge, dass der bisherige Leistungsumfang in der gewohnten hohen Qualität nicht mehr angeboten werden könne. Konkret wird darauf hingewiesen, dass es bei niedrigpriorisierten Einsätzen zu längeren Wartezeiten kommen kann.
Die Aussendung erklärt, dass ein Teil der Kosten bei der Berufsrettung Wien über die Stadt Wien durch Steuergeld gedeckt werde. Bei privaten Organisationen würden Spenden der Bevölkerung sowie der Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen einen Teil der Finanzierung beitragen.
Die gemeinsame Mitteilung nennt die Zahl 326.000: „Im vergangenen Jahr waren die Rettungsteams 326.000 Mal bei Notfällen vor Ort.“ Diese Zahl wird in der Aussendung als Kontext zur Bedeutung der Rettungsdienste für die Versorgung angeführt.
Diese Darstellung basiert auf der gemeinsamen Aussendung der Wiener Rettungsorganisationen und der Berufsrettung Wien. Pressestelle der Berufsrettung Wien, Telefon: 0676/8118 70144, E-Mail: berufsrettung.presse[at]wien.gv.at.
Weitere Details entnehmen Sie bitte der Originalaussendung der beteiligten Organisationen; in der hier zusammengefassten Mitteilung sind die genannten Zitate und Zahlen belegt.