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Wiener Anwaltskanzlei rüstet sich für Haftungsverfahren-Boom

23. März 2026 um 10:17
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Die österreichische Rechtslandschaft erlebt einen bemerkenswerten Wandel: Insolvenzen häufen sich, Haftungsfälle explodieren förmlich und spezialisierte Anwaltskanzleien verzeichnen eine beispiello...

Die österreichische Rechtslandschaft erlebt einen bemerkenswerten Wandel: Insolvenzen häufen sich, Haftungsfälle explodieren förmlich und spezialisierte Anwaltskanzleien verzeichnen eine beispiellose Nachfrage nach Expertise in Gesellschafts- und Haftungsrecht. Völkl Rechtsanwälte, eine der renommiertesten Wiener Wirtschaftskanzleien, reagiert nun strategisch auf diese Entwicklung und verstärkt ihr Team mit einem hochkarätigen Neuzugang: Priv.-Doz. Dr. Sixtus-Ferdinand Kraus wechselt von einer internationalen Wirtschaftskanzlei zu den Haftungsrecht-Spezialisten.

Wenn Wissenschaft auf Mandatspraxis trifft

Sixtus-Ferdinand Kraus bringt eine außergewöhnliche Kombination mit: Der 42-jährige Jurist vereint universitäre Forschung mit intensiver Mandatsarbeit in einer Person. Nach seiner Habilitation im Gesellschafts- und Zivilrecht an der Universität Wien übernahm er vier Jahre lang einen Lehrstuhl für Zivilrecht an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Parallel dazu sammelte er seit seiner Anwaltszulassung 2019 umfangreiche Erfahrungen in einer internationalen Wirtschaftskanzlei, wo er sich auf Unternehmensrecht und Corporate Litigation spezialisierte.

Diese duale Laufbahn ist in der österreichischen Anwaltsbranche selten: Während viele Juristen entweder den akademischen oder den praktischen Weg einschlagen, gelingt es nur wenigen, beide Welten erfolgreich zu verbinden. Kraus' Expertise umfasst dabei nicht nur die theoretischen Grundlagen des Gesellschaftsrechts, sondern auch die praktischen Herausforderungen komplexer Haftungsverfahren.

Haftungsrecht: Das komplexe Feld zwischen Verantwortung und Schadenersatz

Um die Bedeutung dieser Personalentscheidung zu verstehen, ist ein Blick auf die Grundlagen des Haftungsrechts erforderlich. Haftungsrecht bezeichnet den Rechtsbereich, der regelt, wann und in welchem Umfang eine Person oder Organisation für Schäden verantwortlich gemacht werden kann. Im Unternehmenskontext spielt dabei die Organhaftung eine zentrale Rolle: Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder und Aufsichtsratsmitglieder können persönlich für Schäden haftbar gemacht werden, die durch ihre Entscheidungen oder Untätigkeit entstehen.

Besonders komplex wird es bei der Beraterhaftung: Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater müssen für Schäden einstehen, die durch fehlerhafte oder unvollständige Beratung entstehen. Diese Haftungsrisiken haben sich in den letzten Jahren dramatisch verschärft, nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Verwerfungen durch Corona-Pandemie, Energiekrise und Inflation.

Corporate Litigation: Wenn Unternehmen vor Gericht ziehen

Corporate Litigation, ein weiterer Schwerpunkt von Kraus, beschreibt Rechtsstreitigkeiten zwischen Unternehmen oder innerhalb von Unternehmen. Dabei geht es oft um Millionenbeträge: Gesellschafterstreitigkeiten, Übernahmekämpfe, Schadenersatzklagen oder Vertragsbrüche. Diese Verfahren können Jahre dauern und erfordern nicht nur juristische Expertise, sondern auch tiefes Verständnis für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge.

Österreichs Insolvenzwelle als Treiber der Nachfrage

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) wurden 2023 in Österreich 5.684 Unternehmensinsolvenzen eröffnet – ein Anstieg von 27,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen waren kleine und mittlere Unternehmen, die unter den gestiegenen Energie- und Materialkosten litten. Diese Entwicklung setzt sich 2024 fort: Allein im ersten Halbjahr verzeichnete der KSV1870 bereits über 3.000 Firmenzusammenbrüche.

Jede Insolvenz löst eine Kette von Haftungsfragen aus: Haben die Geschäftsführer ihre Sorgfaltspflichten verletzt? Wurden Warnsignale ignoriert? Erfolgte die Insolvenzantragstellung zu spät? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Gerichte, sondern auch spezialisierte Anwaltskanzleien wie Völkl Rechtsanwälte. Die Kanzlei vertritt dabei sowohl Organmitglieder als auch Gläubiger und Versicherungsunternehmen.

Vergleich mit Deutschland und der Schweiz

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Österreich bei Unternehmensinsolvenzen ähnliche Trends wie Deutschland aufweist. Dort registrierte das Statistische Bundesamt 2023 ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Firmenpleiten um 23,5 Prozent. Die Schweiz hingegen verzeichnete mit einem Plus von nur 8,2 Prozent eine moderatere Entwicklung, was auf die stabilere Wirtschaftslage und niedrigere Energiekosten zurückgeführt wird.

Diese unterschiedlichen Entwicklungen spiegeln sich auch im Bedarf nach Haftungsberatung wider: Während schweizerische Anwaltskanzleien primär präventive Beratung anbieten, konzentrieren sich österreichische und deutsche Kanzleien zunehmend auf die Aufarbeitung bereits eingetretener Schadensfälle.

Völkl Rechtsanwälte: Spezialist für Großschadenfälle

Die 2008 gegründete Kanzlei Völkl Rechtsanwälte hat sich in der österreichischen Rechtslandschaft einen Namen als Spezialist für komplexe Haftungsfälle gemacht. Mit Sitz in Wien betreut die Sozietät primär Großschadenfälle, bei denen es um Schadenssummen im Millionenbereich geht. Zu den Kernbereichen gehören neben Haftungsrecht auch Bank- und Finanzrecht, Immobilienrecht, Cyber Security und allgemeine Prozessführung.

Die Mandantenstruktur ist dabei vielfältig: Unternehmen suchen Rat, wenn sie Schadenersatzansprüche gegen Organmitglieder oder Berater geltend machen wollen. Versicherungsunternehmen engagieren die Kanzlei, um D&O-Versicherungsfälle (Directors & Officers) abzuwickeln. Gleichzeitig verteidigt Völkl Rechtsanwälte aber auch Geschäftsführer und Vorstände, die sich Haftungsvorwürfen gegenübersehen.

D&O-Versicherung: Schutz für Führungskräfte

Die D&O-Versicherung (Directors & Officers Insurance) schützt Organmitglieder vor persönlichen Haftungsrisiken. Diese Versicherungsprodukte haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt: Während früher hauptsächlich börsennotierte Unternehmen solche Policen abschlossen, nutzen heute auch mittelständische Betriebe diesen Schutz. Die Prämien sind allerdings deutlich gestiegen – ein Indiz für die wachsenden Haftungsrisiken.

Auswirkungen auf österreichische Unternehmen

Für österreichische Unternehmen bedeutet die Verschärfung der Haftungslandschaft konkrete Herausforderungen: Geschäftsführer und Vorstände müssen ihre Sorgfaltspflichten noch genauer beachten, Dokumentationspflichten werden wichtiger und präventive Rechtsberatung gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig steigen die Kosten für D&O-Versicherungen und rechtliche Beratung.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spüren diese Entwicklung: Während Konzerne über eigene Rechtsabteilungen und umfangreiche Compliance-Systeme verfügen, sind KMU oft auf externe Beratung angewiesen. Die gestiegene Nachfrage führt zu längeren Wartezeiten und höheren Honoraren bei spezialisierten Anwaltskanzleien.

Compliance: Mehr als nur ein Modewort

Compliance – die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und interner Richtlinien – ist für Unternehmen jeder Größe zur Überlebensfrage geworden. Eine lückenhafte Compliance-Organisation kann im Haftungsfall als Sorgfaltspflichtverletzung ausgelegt werden und persönliche Haftungsrisiken für Organmitglieder begründen. Daher investieren immer mehr Unternehmen in Compliance-Systeme und entsprechende Schulungen.

Marktführerschaft in einem Nischenbereich

Dr. Clemens Völkl, Namenspartner der Kanzlei, betont die strategische Bedeutung der Personalentscheidung: "Wir gewinnen einen Juristen, der wissenschaftliche Exzellenz mit unternehmerischem Sachverstand verbindet. Sixtus-Ferdinand Kraus kennt nicht nur die Komplexität des Gesellschaftsrechts, sondern versteht auch die wirtschaftlichen Realitäten hinter schwierigen Haftungsfällen."

Diese Aussage unterstreicht einen wichtigen Trend in der Anwaltsbranche: Reine Rechtskenntnisse reichen nicht mehr aus. Erfolgreiche Wirtschaftsanwälte müssen auch betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und strategisch denken können. Die Kombination aus akademischer Fundierung und praktischer Erfahrung, die Kraus mitbringt, wird in diesem Kontext besonders wertvoll.

Partner Philipp Frenzl ergänzt: "Der Markt für Haftungsberatung ist seit Jahrzehnten eines unserer zentralen Beratungsfelder – und eines, in dem wir uns als einer der Marktführer etabliert haben." Diese Marktführerschaft in einem spezialisierten Bereich ermöglicht es der Kanzlei, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein.

Zukunftsperspektiven: Weitere Verschärfung erwartet

Experten gehen davon aus, dass sich die Trends im Haftungsrecht weiter verstärken werden. Mehrere Faktoren sprechen dafür: Die EU arbeitet an einer Verschärfung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die Berichtspflichten für Unternehmen erweitert und neue Haftungsrisiken schafft. Gleichzeitig führen digitale Transformationsprojekte zu neuen Risikoquellen, etwa im Bereich Cybersecurity oder Datenschutz.

Die Rechtsprechung entwickelt sich ebenfalls weiter: Gerichte werden strenger bei der Beurteilung von Sorgfaltspflichtverletzungen und erkennen häufiger persönliche Haftungsrisiken für Organmitglieder. Diese Entwicklung wird durch die mediale Aufmerksamkeit für Unternehmensskandale verstärkt – die Öffentlichkeit erwartet zunehmend persönliche Verantwortlichkeit von Führungskräften.

Neue Technologien als Risikofaktor

Künstliche Intelligenz, Blockchain-Technologie und automatisierte Entscheidungssysteme schaffen neue Haftungsrisiken. Wenn ein KI-System fehlerhafte Entscheidungen trifft, stellt sich die Frage: Wer haftet dafür? Diese Rechtsfragen sind noch nicht abschließend geklärt und werden die Gerichte in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.

Internationalisierung des Haftungsrechts

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Internationalisierung von Haftungsfällen. Österreichische Unternehmen agieren global und sind daher auch mit ausländischen Rechtssystemen und Haftungsstandards konfrontiert. US-amerikanische Class-Action-Klagen oder EU-weite Sammelklagen können erhebliche Risiken darstellen.

Die Erfahrung von Sixtus-Ferdinand Kraus in einer internationalen Wirtschaftskanzlei wird in diesem Kontext besonders wertvoll. Grenzüberschreitende Haftungsfälle erfordern nicht nur Kenntnisse verschiedener Rechtssysteme, sondern auch kulturelles Verständnis und internationale Netzwerke.

Die strategische Verstärkung bei Völkl Rechtsanwälte spiegelt somit einen breiteren Trend wider: Spezialisierte Kanzleien rüsten sich für eine Zukunft, in der Haftungsrisiken noch komplexer und die Nachfrage nach qualifizierter Beratung weiter steigen wird. Für Kraus bedeutet der Wechsel die Möglichkeit, seine akademische Expertise in einem der führenden Teams für Haftungsrecht einzusetzen und weiterzuentwickeln.

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