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Umwelt

Wald der Zukunft: Wie Österreich Nutzung und Naturschutz vereint

BOKU-Forschung zeigt neue Wege für nachhaltige Waldbewirtschaftung

18. März 2026
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Österreichische Forscher entwickeln Methoden, um Holzproduktion und Biodiversität im Wald zu verbinden. Ein Pilotprojekt in der Steiermark wird im Rahmen des europäischen Projekts TRANSFORMIT untersucht.

Wälder sollen Holz liefern, Kohlenstoff speichern, Infrastruktur schützen, Artenvielfalt sichern und als Erholungsraum dienen. Doch wie lassen sich diese Ansprüche in Zeiten von Klimawandel, Borkenkäferkalamitäten und steigenden Nutzungskonflikten vereinbaren? Das europäische Forschungsprojekt TRANSFORMIT mit Beteiligung der BOKU University geht dieser Frage mit einem integrativen Ansatz nach. Am österreichischen Living Lab Wegscheid zeigt sich, wie moderne Waldbewirtschaftung Nutzungs- und Biodiversitätsziele vereint.

Wegscheid als Vorzeigemodell

Das 8.155 Hektar große Forstrevier Wegscheid nahe Mariazell dient als österreichisches Living Lab für integrative Waldbewirtschaftung. Im Forstrevier Wegscheid (8.155 Hektar) testen Forschende der BOKU in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten neue Wege der integrativen Waldbewirtschaftung. Das „Ökologische Landschaftsmanagement“ verbindet Nutzung und Naturschutz systematisch – von der Erfassung geschützter Gebiete über die Dokumentation von Lebensraumtypen bis hin zur Vernetzung hochwertiger Waldstrukturen für Spechte, Höhlenbrüter und andere altholzgebundene Arten.

Konkrete Maßnahmen vor Ort

In Österreich wurden seit 2022 im Living Lab Wegscheid auf rund 512 Hektar sogenannte Habitat-Trittsteine ausgewiesen, zusätzlich drei Marteloskope eingerichtet:

  • ein Altbestand mit zahlreichen Spechtlebensräumen
  • ein natürlich verjüngter Bestand mit hoher Baumartenvielfalt
  • ein junger Fichtenbestand mit starken Schälschäden

Diese Flächen dienen als forstliche Demonstrations- und Übungsstandorte, an denen unterschiedliche Durchforstungsvarianten und Maßnahmen zur Förderung der Naturverjüngung analysiert werden können. Eine spezielle App macht die Auswirkungen verschiedener Auszeigeentscheidungen direkt im Wald sichtbar. Die Marteloskop-Standorte ermöglichen Studierenden, Förster*innen, Waldbesitzer*innen und weiteren Interessengruppen, ihre Entscheidungen zur Waldbewirtschaftung praxisnah zu trainieren.

Europäische Dimension des Projekts

TRANSFORMIT vernetzt sieben Living Labs von Lappland über die Steiermark bis Katalonien sowie rund 30 Demonstrationsflächen. Das mit 6,9 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon Europe geförderte Projekt TRANSFORMIT wird vom European Forest Institute koordiniert und vereint 16 Institutionen aus 12 Ländern. Workshops, Schulungen und eine virtuelle Plattform fördern den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis, Naturschutzbehörden und Politik – mit direktem Bezug zum EU Green Deal, zur Biodiversitätsstrategie und zur EU-Waldstrategie 2030.

Messbare Ansätze

Marteloskope – Trainingsflächen für unterschiedliche Bewirtschaftungsstrategien – ermöglichen den Austausch zwischen Forstpraktiker*innen, Forschenden und Naturschutzexpert*innen. 17 wissenschaftlich definierte Schlüsselindikatoren decken Biodiversität, Waldstruktur, Verjüngung, Klimawandelanpassung sowie sozioökonomische Aspekte ab. Sie machen messbar, wie gut integrative und klimafitte Waldbewirtschaftung gelingt.

Digitale Werkzeuge für die Praxis

Bis zum Projektende im Dezember 2027 werden außerdem digitale Entscheidungshilfen für die Waldbewirtschaftung getestet, um die Planung integrativer Waldmanagementkonzepte zu unterstützen (https://decidetool.at/). Ergebnisse und Erfahrungen werden über das Forest Knowledge Gateway verbreitet und durch Seminare und Schulungen mit Fachleuten und Praxispartnern geteilt.

Herausforderungen des Klimawandels

Borkenkäferkalamitäten, Trockenperioden und Stürme setzen den Wäldern zu und zwingen zu einem Umdenken in der Forstwirtschaft. Gleichzeitig steigen die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald: Neben der traditionellen Holzproduktion soll er auch Kohlenstoff speichern, Infrastruktur vor Naturgefahren schützen und als Erholungsraum dienen.

„Der Wald soll heute alles gleichzeitig leisten – Holz liefern, Klima schützen, Artenvielfalt sichern. Dass dabei Zielkonflikte entstehen, ist unvermeidlich. Integrated Forest Management bedeutet, diese Wechselwirkungen ehrlich mitzudenken und gezielt Synergien zu nutzen, statt Konflikte zu ignorieren“, erklärt Harald Vacik vom Institut für Waldbau der BOKU.

Das mit 6,9 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon Europe geförderte Projekt TRANSFORMIT hat das Ziel, die Wirksamkeit von Integrated Forest Management zu prüfen und praxisnahe Empfehlungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Europa zu entwickeln.

Fotos
https://bokubox.boku.ac.at/#0410cd4f3f005f2e772feb6c4a8a0ab1

Schlagworte

#Forstwirtschaft#Biodiversität#Nachhaltigkeit#BOKU#Klimawandel#Österreich#Forschung#Klima#Wald#Freizeit

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