Österreichs größter Stromerzeuger VERBUND hat am 18. März 2026 seine Jahresbilanz für 2025 vorgelegt und zeigt sich trotz widriger Umstände in solider Verfassung. Der Energiekonzern erwirtschaftete...
Österreichs größter Stromerzeuger VERBUND hat am 18. März 2026 seine Jahresbilanz für 2025 vorgelegt und zeigt sich trotz widriger Umstände in solider Verfassung. Der Energiekonzern erwirtschaftete einen Konzerngewinn von 1,489 Milliarden Euro – ein Rückgang von 20,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der jedoch vor dem Hintergrund außergewöhnlicher Herausforderungen als Erfolg gewertet werden kann.
Das Jahr 2025 stellte VERBUND vor besondere Herausforderungen: Eine deutlich unterdurchschnittliche Wasserführung der österreichischen Flüsse führte zu einem dramatischen Rückgang der Wasserkraft-Produktion um 24,2 Prozent auf 25.370 Gigawattstunden. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke erreichte mit 0,79 einen Wert, der um 30 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert und um 21 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt lag.
Zusätzlich belastete die verlängerte Gewinnabschöpfung durch den Energiekrisenbeitrag-Strom das Unternehmen mit 135,9 Millionen Euro. Diese staatliche Maßnahme, ursprünglich als temporäre Krisenreaktion gedacht, wurde bis 2030 verlängert und reduziert die Investitionsspielräume des Unternehmens erheblich.
Der Erzeugungskoeffizient ist eine zentrale Kennzahl in der Wasserkraftbranche und gibt das Verhältnis zwischen der tatsächlichen und der theoretisch möglichen Stromproduktion an. Ein Wert von 1,0 entspricht dabei der durchschnittlichen Wasserführung über viele Jahre hinweg. Liegt der Koeffizient bei 0,79, wie 2025 bei VERBUND, bedeutet dies, dass die Flüsse nur 79 Prozent der normalen Wassermenge führten. Diese Kennzahl ist entscheidend für die Planungssicherheit und Ergebnisprognosen von Wasserkraftbetreibern, da sie direkt die verfügbare Energie aus der wichtigsten erneuerbaren Quelle Österreichs widerspiegelt.
Das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) sank um 21,3 Prozent auf 2,737 Milliarden Euro. Diese Kennzahl gilt als wichtiger Indikator für die operative Leistungsfähigkeit eines Unternehmens, da sie Zins-, Steuer- und Abschreibungseffekte ausklammert. Trotz des deutlichen Rückgangs bewegt sich VERBUND damit weiterhin in einer komfortablen Größenordnung, die die fundamentale Stärke des Geschäftsmodells unterstreicht.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des Free Cashflows vor Dividende, der um drastische 74,2 Prozent auf 536,8 Millionen Euro einbrach. Diese Kennzahl zeigt, wie viel Geld dem Unternehmen nach Investitionen und vor Dividendenausschüttungen zur freien Verfügung steht. Der starke Rückgang spiegelt sowohl die geringeren Erträge als auch die anhaltend hohen Investitionen in die Energiewende wider.
Nicht nur die Wasserkraft, auch die anderen erneuerbaren Energiequellen litten 2025 unter ungünstigen Witterungsbedingungen. Der Erzeugungskoeffizient aus Wind- und Photovoltaikanlagen erreichte nur 0,82 – um 18 Prozentpunkte unter dem Planwert und um 9 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Diese Entwicklung verdeutlicht die Herausforderungen der Energiewende: Je mehr erneuerbare Energien ins System integriert werden, desto stärker wirken sich Wetterschwankungen auf die Gesamtproduktion aus.
Der Anteil erneuerbarer Energie an der Gesamterzeugung sank dadurch von 96,4 auf 92,9 Prozent. Gleichzeitig verdoppelten sich die spezifischen Treibhausgasemissionen von 13,0 auf 25,4 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde, da verstärkt auf fossil befeuerte Backup-Kraftwerke zurückgegriffen werden musste.
Trotz der Herausforderungen konnte VERBUND von der zunehmenden Marktvolatilität profitieren. Die Flexibilitätsprodukte, zu denen beispielsweise Pumpspeicherkraftwerke und regelbare Kraftwerkskapazitäten gehören, trugen rund 275 Millionen Euro zum Ergebnis bei – auf Vorjahresniveau. Diese Sparte wird für Energiekonzerne immer wichtiger, da die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen flexible Backup-Kapazitäten erforderlich macht.
"Flexibilitätsprodukte sind das Rückgrat der Energiewende", erklärt ein Branchenexperte die Bedeutung dieser Geschäftssparte. "Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, müssen binnen Minuten Kraftwerke hochgefahren oder Speicher entladen werden können. VERBUND hat hier mit seinen Pumpspeichern einen natürlichen Vorteil."
Trotz des Ergebnisrückgangs plant VERBUND eine attraktive Dividendenausschüttung von 3,15 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025. Diese setzt sich aus einer ordentlichen Dividende von 2,00 Euro und einer Sonderdividende von 1,15 Euro zusammen. Die Sonderdividende entspricht einem Gesamtvolumen von rund 400 Millionen Euro und unterstreicht die solide Finanzlage des Unternehmens.
Diese Dividendenpolitik ist bemerkenswert, da sie zeigt, dass VERBUND trotz der regulatorischen Belastungen durch die Gewinnabschöpfung weiterhin über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, um sowohl Investitionen als auch Aktionärsinteressen zu bedienen. Für das Jahr 2026 plant das Unternehmen eine Ausschüttungsquote zwischen 45 und 55 Prozent.
VERBUNDs Herausforderungen spiegeln einen europäischen Trend wider. Auch in Deutschland kämpften Energieunternehmen 2025 mit ähnlichen Problemen: Die deutschen Wasserkraftwerke produzierten ebenfalls deutlich weniger Strom als geplant, während die Windstromerzeugung um etwa 15 Prozent unter den Erwartungen blieb. Der deutsche Energiekonzern RWE meldete einen EBITDA-Rückgang von 18 Prozent, während E.ON mit einem Minus von 12 Prozent glimpflicher davonkam.
In der Schweiz sah die Situation ähnlich aus: Die Axpo Group verzeichnete aufgrund geringer Niederschläge einen Produktionsrückgang bei der Wasserkraft um 22 Prozent. Die Schweizer Energiebranche profitierte jedoch von höheren Strompreisen aufgrund der angespannten Versorgungslage in Europa.
Für die österreichischen Verbraucher blieben die Strompreise 2025 relativ stabil, obwohl die reduzierte Eigenproduktion zu höheren Importkosten führte. VERBUND konnte den durchschnittlichen Absatzpreis für Wasserkraftstrom bei 116,3 Euro pro Megawattstunde halten – nur um 1,7 Euro niedriger als im Vorjahr. Dies war vor allem den langfristigen Verkaufsverträgen zu verdanken, die zu Zeiten hoher Großhandelspreise abgeschlossen wurden.
Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden spürte die VERBUND-Entwicklung nicht direkt, da die Endkundentarife durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Dennoch zeigt sich hier die Bedeutung eines diversifizierten Energiemixes: Hätte Österreich ausschließlich auf Wasserkraft gesetzt, wären die Preisausschläge deutlich stärker gewesen.
Die Wasserkraft prägt Österreichs Energieversorgung seit über einem Jahrhundert. Bereits in den 1920er Jahren erkannte man das Potenzial der Alpenflüsse und baute systematisch Kraftwerke aus. VERBUND selbst entstand 1947 als Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG aus der Notwendigkeit heraus, die Kriegsschäden an der Energieinfrastruktur zu reparieren und das Land zu elektrifizieren.
Heute stammen etwa 60 Prozent des österreichischen Stroms aus Wasserkraft – ein international herausragender Wert. Nur wenige Länder wie Norwegen oder die Schweiz können ähnliche Anteile vorweisen. Diese Abhängigkeit von einer Energiequelle macht Österreich jedoch auch anfällig für Klimaschwankungen, wie das Jahr 2025 eindrucksvoll demonstrierte.
Die historisch niedrigen Wasserstände 2025 erinnern an das Jahr 2003, als eine ähnliche Trockenperiode die Stromerzeugung aus Wasserkraft um 28 Prozent einbrechen ließ. Damals musste Österreich erstmals seit Jahrzehnten wieder größere Mengen Strom importieren und fossil befeuerte Kraftwerke hochfahren.
Die Gewinnabschöpfung, die VERBUND 2025 mit 135,9 Millionen Euro belastete, ist Teil einer EU-weiten Reaktion auf die Energiekrise. Der Mechanismus funktioniert folgendermaßen: Überschreitet der durchschnittliche Marktwert der Stromproduktion einen festgelegten Schwellenwert, wird der darüber liegende Betrag zu einem großen Teil abgeschöpft und fließt in den Staatshaushalt.
Diese Maßnahme sollte ursprünglich nur temporär die Übergewinne der Energieunternehmen während der Energiekrise abschöpfen. Die Verlängerung bis 2030 stößt in der Branche auf Kritik, da sie langfristige Investitionsplanungen erschwert. "Wir befinden uns in der größten Transformation der Energiebranche seit ihrer Entstehung", betont ein Branchenvertreter. "Gleichzeitig werden uns die finanziellen Mittel für diese Transformation durch die Gewinnabschöpfung entzogen."
Trotz der regulatorischen Belastungen investiert VERBUND weiter massiv in die Energiewende. Das Unternehmen verfolgt seine Strategie 2030, die vorsieht, die Kapazitäten bei Wind- und Solarenergie deutlich auszubauen. Konkret sind Investitionen von über 1,5 Milliarden Euro bis 2030 geplant, wobei der Fokus auf Windparks in Österreich, Deutschland und Rumänien sowie auf Photovoltaik-Großanlagen liegt.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Pumpspeicherkraftwerken, die als "Batterien der Energiewende" gelten. Diese Anlagen können überschüssigen Strom aus Wind und Solar nutzen, um Wasser in höher gelegene Speicherseen zu pumpen. Bei Bedarf wird das Wasser wieder abgelassen und erzeugt dabei Strom. VERBUND plant den Ausbau seiner Pumpspeicherkapazitäten um weitere 1.000 Megawatt bis 2030.
VERBUND setzt verstärkt auf digitale Technologien, um die Effizienz seiner Anlagen zu steigern. Künstliche Intelligenz hilft dabei, Wetterprognosen präziser auszuwerten und die Stromproduktion besser zu planen. Smart Grids ermöglichen es, Angebot und Nachfrage in Echtzeit zu balancieren und Netzschwankungen auszugleichen.
Die Digitalisierung wird auch beim Betrieb der Wasserkraftwerke immer wichtiger. Sensoren überwachen kontinuierlich den Zustand der Turbinen und können Wartungsbedarfe frühzeitig erkennen. Durch predictive Maintenance können ungeplante Ausfälle vermieden und die Lebensdauer der Anlagen verlängert werden.
Für 2026 zeigt sich VERBUND vorsichtig optimistisch. Das Unternehmen erwartet ein EBITDA zwischen 2,0 und 2,5 Milliarden Euro sowie ein Konzernergebnis zwischen 900 Millionen und 1,2 Milliarden Euro. Diese Prognose basiert auf der Annahme durchschnittlicher Wetterbedingungen und setzt voraus, dass keine weiteren regulatorischen Verschärfungen eintreten.
Die breite Prognosespanne spiegelt die Unsicherheiten wider, mit denen Energieunternehmen heute konfrontiert sind. Wetterschwankungen können das Ergebnis um Hunderte Millionen Euro beeinflussen, während politische Entscheidungen die Geschäftsgrundlage fundamental verändern können.
Für die österreichische Energiewende ist VERBUND ein Schlüsselunternehmen. Der Konzern muss zeigen, dass die Transformation zu einem nachhaltigen Energiesystem auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Die Zahlen für 2025 deuten darauf hin, dass diese Aufgabe durchaus zu bewältigen ist – auch wenn der Weg steiniger wird als ursprünglich erwartet. Die Kombination aus technischer Expertise, finanzieller Solidität und strategischer Weitsicht dürfte VERBUND dabei helfen, auch künftige Herausforderungen zu meistern und Österreichs Position als Vorreiter bei erneuerbaren Energien zu festigen.