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UG fordert sofortige Lohntransparenz: Frauen verlieren täglich Geld

6. März 2026 um 08:37
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Am internationalen Weltfrauentag rückt ein Thema besonders in den Fokus, das Millionen österreichischer Frauen täglich betrifft: die fehlende Lohntransparenz. Während in anderen EU-Ländern bereits ...

Am internationalen Weltfrauentag rückt ein Thema besonders in den Fokus, das Millionen österreichischer Frauen täglich betrifft: die fehlende Lohntransparenz. Während in anderen EU-Ländern bereits konkrete Schritte unternommen werden, warten heimische Arbeitnehmerinnen noch immer auf wirksame Maßnahmen gegen Lohnungleichheit. Die Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB schlagen Alarm und fordern die sofortige Umsetzung von Transparenzregeln – denn jeder Tag der Verzögerung kostet Frauen bares Geld.

EU-Richtlinie bis Juni 2026: Warum Österreich nicht warten darf

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie gibt klare Vorgaben vor: Bis zum 7. Juni 2026 müssen alle Mitgliedsstaaten entsprechende nationale Gesetze erlassen haben. Diese Richtlinie, die im Juni 2023 in Kraft getreten ist, verpflichtet Arbeitgeber zu mehr Transparenz bei der Entlohnung und soll das geschlechtsspezifische Lohngefälle reduzieren. In Österreich beträgt dieses Gefälle laut Statistik Austria derzeit noch immer 18,8 Prozent – ein Wert, der seit Jahren nur minimal sinkt.

Marion Polaschek, Bundesvorsitzende der UG, macht deutlich: "Ohne gesetzliche Klarheit und wirksame Sanktionen bleiben Ungleichheiten unsichtbar und addieren sich weiter." Die Entgelttransparenzrichtlinie sieht vor, dass Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten künftig Informationen über geschlechtsspezifische Lohnunterschiede offenlegen müssen. Kleinere Betriebe folgen gestaffelt bis 2027.

Was die EU-Richtlinie konkret vorschreibt

  • Offenlegung von Gehaltsstrukturen bei Stellenausschreibungen
  • Auskunftsrecht für Beschäftigte über Durchschnittslöhne vergleichbarer Positionen
  • Regelmäßige Berichterstattung über geschlechtsspezifische Lohnunterschiede
  • Sanktionen bei Verstößen gegen Transparenzpflichten

Täglich verlorenes Geld: Die realen Kosten der Intransparenz

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Eine 30-jährige Vollzeit-Arbeitnehmerin in Österreich verdient durchschnittlich 2.800 Euro brutto monatlich, ihr männlicher Kollege in vergleichbarer Position hingegen 3.440 Euro. Diese Differenz von 640 Euro monatlich summiert sich über ein Arbeitsleben auf etwa 280.000 Euro – ohne Berücksichtigung der Pensionslücke, die dadurch zusätzlich entsteht.

"Frauen zahlen jeden Tag für die Verzögerung bei der Lohntransparenz: mit verlorenen Einkommen, verpassten Karriereschritten und in den schlimmsten Fällen mit steigendem Gewaltrisiko und dem Abgleiten in die Armutsfalle", warnt Polaschek vor den dramatischen Folgen. Studien zeigen, dass finanzielle Abhängigkeit ein wesentlicher Faktor ist, der Frauen daran hindert, gewalttätige Beziehungen zu verlassen.

Besondere Benachteiligung nach Karenzzeiten

Besonders prekär wird die Situation für Frauen nach Babypausen oder Pflegezeiten. Ohne transparente Gehaltsstrukturen haben sie kaum Verhandlungsmacht bei der Rückkehr in den Beruf. Österreichische Studien belegen, dass Frauen nach einer zweijährigen Karenz durchschnittlich 20 Prozent weniger verdienen als vor der Auszeit – eine Benachteiligung, die sich über das gesamte weitere Berufsleben fortsetzt.

Internationale Vorbilder: Wie andere Länder vorangehen

Während Österreich noch zögert, haben andere EU-Länder bereits konkrete Schritte unternommen. Island gilt als Vorreiter: Seit 2018 müssen dort Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern alle drei Jahre ein Gleichstellungszertifikat vorlegen, das belegt, dass Männer und Frauen für gleichwertige Arbeit gleich entlohnt werden. Verstöße werden mit Geldstrafen bis zu 50.000 Euro geahndet.

Deutschland hat 2017 das Entgelttransparenzgesetz eingeführt, das Beschäftigten in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern einen individuellen Auskunftsanspruch über Gehälter vergleichbarer Kolleg:innen einräumt. Frankreich verpflichtet Unternehmen ab 50 Beschäftigten zur jährlichen Veröffentlichung eines "Index für berufliche Gleichstellung", der verschiedene Gleichstellungsindikatoren zusammenfasst.

Schweizer Modell als Orientierung

Auch die Schweiz, die nicht EU-Mitglied ist, hat bereits 2020 eine Lohnanalyse-Pflicht für Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten eingeführt. Diese müssen alle vier Jahre eine statistische Analyse ihrer Löhne durchführen und von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen. Das Modell zeigt: Transparenz wirkt – die Lohnungleichheit ist dort in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.

Konkrete Forderungen der UG: Was jetzt passieren muss

Die Unabhängigen GewerkschafterInnen fordern eine maximale Ausschöpfung der EU-Richtlinie in der nationalen Umsetzung. "Die guten Ansätze der Richtlinie müssen so schnell wie möglich in der nationalen Rechtsumsetzung maximal ausgeschöpft werden", betont Polaschek. Konkret bedeutet das:

Sofortmaßnahmen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Es braucht rasch passende Angebote für beide Seiten des Arbeitsmarktes unter Einbindung der Sozialpartner. Dazu gehören Schulungen für Personalverantwortliche über rechtskonforme Gehaltsstrukturen ebenso wie Beratungsangebote für Beschäftigte, die ihre Rechte auf Lohntransparenz durchsetzen möchten. Die Arbeiterkammer Wien hat bereits angekündigt, entsprechende Rechtshilfe anbieten zu wollen.

Besonders wichtig ist die Schaffung einer unabhängigen Kontrollinstanz, die Verstöße gegen Transparenzpflichten ahnden kann. Experten schlagen die Gleichbehandlungsanwaltschaft als geeignete Institution vor, die entsprechend personell aufgestockt werden müsste.

Wirtschaftliche Auswirkungen: Mehr als nur ein Frauenthema

Lohntransparenz ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Studien der OECD zeigen, dass Länder mit geringeren geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden höhere Wachstumsraten aufweisen. Wenn Frauen ihr volles Einkommenspotenzial ausschöpfen können, steigen Kaufkraft und Konsumausgaben erheblich.

Für österreichische Unternehmen bedeutet Lohntransparenz zunächst einen administrativen Mehraufwand. Mittelfristig profitieren sie jedoch von erhöhter Mitarbeitermotivation, geringerer Fluktuation und einem besseren Image als attraktiver Arbeitgeber. Internationale Konzerne berichten von positiven Erfahrungen: Transparente Gehaltsstrukturen reduzieren interne Konflikte und erhöhen die Produktivität.

Auswirkungen auf die Pensionen

Besonders dramatisch wirken sich Lohnunterschiede auf die Altersvorsorge aus. Die durchschnittliche Pension österreichischer Frauen liegt bei nur 60 Prozent der Männerpension. Diese "Pensionslücke" verschärft sich durch jedes Jahr weiterer Lohnintransparenz. Hochrechnungen zeigen: Würde die Lohnlücke sofort geschlossen, könnten Frauen ihre Pensionsansprüche um durchschnittlich 300 Euro monatlich erhöhen.

Politische Blockaden und Lösungswege

Trotz breiter gesellschaftlicher Unterstützung für mehr Lohntransparenz – Umfragen zeigen Zustimmungswerte von über 70 Prozent – stockt die politische Umsetzung. Kritiker befürchten bürokratische Hürden für kleine Betriebe und Wettbewerbsnachteile im internationalen Vergleich. Diese Einwände greifen jedoch zu kurz, da die EU-Richtlinie ohnehin verbindlich ist und eine rasche Umsetzung Planungssicherheit schaffen würde.

Die UG kritisiert das "parteipolitische Hin und Her" und fordert einen überparteilichen Konsens. "Jeder weitere Tag kostet Frauen Geld, Chancen und Sicherheit. Wir brauchen wirksame Maßnahmen zur Lohntransparenz jetzt – ohne Verzögerungen", so Polaschek unmissverständlich.

Rolle der Sozialpartner

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung kommt den Sozialpartnern zu. Gewerkschaften und Wirtschaftskammer müssen gemeinsam praxistaugliche Lösungen entwickeln. Erste Gespräche laufen bereits, konkrete Ergebnisse stehen jedoch noch aus. Dabei könnten Kollektivverträge als Instrument genutzt werden, um bereits vor der gesetzlichen Umsetzung mehr Transparenz zu schaffen.

Ausblick: Der Weg zu fairen Löhnen

Die Zeit drängt: Bis Juni 2026 muss Österreich die EU-Vorgaben umsetzen, doch die praktische Anwendung wird deutlich länger dauern. "Mit den gesetzlichen Regeln fängt die praktische Umsetzung erst an", warnt die UG-Vorsitzende. Unternehmen benötigen Zeit, um ihre Systeme anzupassen, Mitarbeiter müssen geschult und neue Prozesse etabliert werden.

Experten rechnen mit einer Übergangszeit von mindestens zwei Jahren nach Inkrafttreten der nationalen Regelungen, bis Lohntransparenz flächendeckend wirksam wird. Umso wichtiger ist es, jetzt mit den Vorbereitungen zu beginnen. "Transparenz schafft Vertrauen, reduziert Willkür und macht Diskriminierung angreifbar", fasst Polaschek die positiven Effekte zusammen.

Der internationale Weltfrauentag sollte Anlass sein, endlich ernst zu machen mit der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. "Frauen haben Anspruch auf gleiche Bezahlung und Fairness – schon immer und jetzt erst mit Recht. Jetzt ist Schluss mit dem geduldigen Warten!", appelliert die Gewerkschafterin abschließend. Die Zeit für halbherzige Maßnahmen ist vorbei – österreichische Frauen verdienen endlich volle Lohngerechtigkeit.

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