Salzburgs LH-Stellvertreterin fordert Ausbildung heimischer Jugendlicher statt Import
24.000 Lehrstellensuchende stehen nur 6.000 offenen Lehrstellen gegenüber. Trotzdem plant die Regierung neue Zuwanderung für Lehrlinge.
Die Diskussion um den Fachkräftemangel in Österreich erreicht eine neue Dimension: Während die Bundesregierung mit der "Rot-Weiß-Rot-Karte für Lehrlinge" neue Zuwanderungsschienen aus Drittstaaten schaffen will, schlägt Salzburgs freiheitliche Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek Alarm. Ihre Botschaft ist klar: "Ausbilden statt importieren!"
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Österreichweit suchen über 24.000 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, während gleichzeitig nur rund 6.000 offene Lehrstellen zur Verfügung stehen. Dieses eklatante Missverhältnis macht die Brisanz der aktuellen Debatte deutlich. "Wer in dieser Situation neue Zuwanderungsschienen für Lehrlinge aus Drittstaaten öffnen will, glaubt auch, dass man Feuer mit Benzin löschen kann", kritisiert Svazek die Pläne der schwarz-rot-pinken Bundesregierung scharf.
Die für den Arbeitsmarkt in Salzburg zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin sieht in den Regierungsplänen ein klassisches Ausweichmanöver. Statt die strukturellen Probleme anzugehen und dafür zu sorgen, dass vorhandene Lehrstellen und Lehrstellensuchende zusammenfinden, setze die Bundesregierung wieder auf "billige Arbeitskräfte von außen" und verschärfe damit die Lage für heimische Suchende zusätzlich.
Besonders unverständlich ist für Svazek die Position des Österreichischen Gewerkschaftsbundes in dieser Situation. Während tausende junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchen, fordere ÖGB-Chef Wolfgang Katzian Strafen für Lehrbetriebe, die es sich angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht leisten können, Lehrlinge auszubilden.
"Das ist in etwa so, als würde man bewusst Gleise beschädigen, um sich dann über Zugausfälle beschweren zu können", zieht Svazek einen drastischen Vergleich. Diese Haltung sei nicht nur kontraproduktiv, sondern ignoriere die realen Herausforderungen, mit denen Betriebe derzeit konfrontiert sind.
Die Ursachen für die Probleme am Lehrstellenmarkt sieht die freiheitliche Politikerin in der verfehlten Politik der Bundesregierung begründet. Hohe Abgaben, Überregulierung und explodierende Kosten seien das Ergebnis politischer Entscheidungen, nicht aber eines mangelnden Ausbildungswillens der Betriebe.
Svazek betont dabei die lange Tradition hochqualitativer Lehrausbildungen in Österreich, die einen wesentlichen Grundbaustein des hohen Ansehens österreichischer Fachkräfte darstellen. "Das muss man aber auch ermöglichen", fordert sie bessere Rahmenbedingungen für ausbildende Unternehmen.
Als Gegenmodell zu den Bundesplänen präsentiert Svazek den "Salzburger Weg", der auf frühe Berufsorientierung, Qualifizierung und konkrete Unterstützung setzt. Das Salzburger Konzept umfasst verschiedene Bausteine:
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, vorhandene Potenziale zu nutzen und junge Menschen gezielt auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten, anstatt auf externe Lösungen zu setzen.
In ihrer Analyse der Situation fordert Svazek ein fundamentales Umdenken in der Arbeitsmarktpolitik. Wer mehr Lehrlinge wolle, müsse Betriebe entlasten - mit weniger Steuern, weniger Bürokratie und endlich realistischen Rahmenbedingungen.
"Neue Abgaben, radikale Öffnungen oder moralische Belehrungen schaffen jedenfalls keinen einzigen Ausbildungsplatz", stellt sie klar und kritisiert damit sowohl die geplante Zuwanderungsoffensive als auch die ÖGB-Forderungen nach Strafen für Betriebe.
Die von der Bundesregierung geplante Erweiterung der Rot-Weiß-Rot-Karte auf Lehrlinge aus Drittstaaten soll dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Kritiker sehen darin jedoch eine Umgehung der eigentlichen Probleme am heimischen Arbeitsmarkt. Die Karte ermöglicht qualifizierten Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern den Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt.
Die Debatte zeigt die unterschiedlichen Ansätze zur Lösung des Fachkräftemangels auf: Während die Bundesregierung auf internationale Rekrutierung setzt, plädiert Svazek für eine Stärkung der heimischen Ausbildung und bessere Rahmenbedingungen für Betriebe.
Die aktuelle wirtschaftliche Lage erschwert es vielen Betrieben, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Inflation, steigende Energiekosten und regulatorische Belastungen belasten die Unternehmen erheblich. In diesem Kontext erscheinen Strafandrohungen gegen Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden können, als besonders problematisch.
Die Salzburger Landesregierung setzt daher auf Anreize statt auf Sanktionen und versucht durch gezielte Fördermaßnahmen die Attraktivität der Lehrausbildung sowohl für Betriebe als auch für Jugendliche zu steigern.
Die Kontroverse um die Lehrlingspolitik verdeutlicht die unterschiedlichen politischen Ansätze zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Während konservative und sozialdemokratische Kräfte verstärkt auf Zuwanderung setzen, favorisieren freiheitliche Politiker die Stärkung heimischer Potenziale.
Die Diskussion dürfte in den kommenden Monaten an Schärfe gewinnen, zumal sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert und der Druck auf den Arbeitsmarkt zunimmt. Die Frage, ob Österreich seine Jugendlichen besser ausbilden oder verstärkt auf ausländische Fachkräfte setzen soll, wird dabei zu einem zentralen Wahlkampfthema werden.
Svazeks klare Positionierung für eine "Ausbildungsoffensive" statt einer "Zuwanderungsoffensive" zeigt die Richtung auf, in die sich die freiheitliche Arbeitsmarktpolitik entwickeln wird. Ob dieser Ansatz erfolgreich sein kann, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit es gelingt, die strukturellen Probleme am heimischen Lehrstellenmarkt tatsächlich zu lösen.