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Steineck-Kammern: Gemeinden und Experten zweifeln deutlich

1. Juni 2026
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Die geplante Windkraft-Eignungszone Steineck-Kammern im südlichen Liesingtal stößt auf breite Ablehnung: In mehreren Gemeinderatsbeschlüssen im Mai 2026 sowie in Stellungnahmen von Flugplatzbetreibern und Fachexperten werden massive Bedenken gegen die Ausweisung geäußert.

Die vom Land Steiermark vorgesehene Windkraft-Eignungszone Steineck-Kammern im südlichen Liesingtal stößt auf deutliche Ablehnung und massive Bedenken in der betroffenen Region – bei Gemeinden, Flugeinrichtungen, Bewohnern wie auch Waldeigentümern. Außerdem ist das im Umweltbericht des Landes angeführte „Sehr gute Windenergiepotenzial“ für den Standort nach Ansicht von Fachexperten und auf Basis aktueller Windkarten nicht nachvollziehbar.

Negative Stellungnahmen in allen vier Standort-Gemeinden

In den vergangenen Wochen haben alle vier von der Eignungszone unmittelbar betroffenen Gemeinden – St. Stefan ob Leoben (7. Mai 2026), St. Michael in Obersteiermark (13. Mai 2026), Kammern in Liesingtal (26. Mai 2026) sowie Traboch (27. Mai 2026) – im Gemeinderat beschlossen, auf Grundlage vorliegender sachlicher Gründe negative Stellungnahmen zur geplanten Eignungszone abzugeben. Über alle Gemeinden hinweg fiel das Votum mit nur einer einzigen Gegenstimme sehr deutlich aus. Für die Marktgemeinde Kammern erklärt Bürgermeister Karl Dobnigg: „Die Willensbildung in der Gemeinde Kammern ist abgeschlossen, über die Parteigrenzen hinweg wurde im Gemeinderat am 26. Mai ein einstimmiger Beschluss gegen die Eignungszone und für die Umwandlung in eine Ausschlusszone gefasst.“

  • Nähe zu Ortszentren von unter 2 Kilometern, näheste Wohnhäuser unter 500 Meter
  • Südliche Ausrichtung der Eignungszone zum Wohngebiet
  • Nähe und Südlage verschärfen die Beeinträchtigung durch Schall und Nachtblinklichter sowie durch Schattenwurf im Winter
  • Nähe zu den Flugeinrichtungen Flugplatz Timmersdorf (2,1 km) und Hubschrauber-Stützpunkt Christophorus 17 (2,7 km)
  • Unmittelbare Nähe zum Naturschutzgebiet XXI „Niedere Tauern, Ostausläufer“ und zu bedeutenden inneralpinen Vogelzugrouten

Steirischer Windenergie-Experte: „Sehr gute Eignungsbewertung nicht ableitbar“

Der emeritierte Professor Reinhold Lazar vom Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz, der 2012 eine Windpotenzialkarte für die Steiermark erarbeitet hat, erklärt: „Aus den Datengrundlagen kann jedenfalls keine sehr gute Eignungsbewertung bezüglich Windenergiepotenzial für den Standort Steineck-Kammern abgeleitet werden; einerseits wegen der relativ niedrigen Seehöhe von ca. 1.200 Metern und andererseits wegen orographischer Effekte – wie z.B. vorgelagerte Bergrücken in Richtung Kalwang, weil sich damit aufgrund von Verwirbelungen Strömungsverluste einstellen.“

Die Windpotenzialkarte 2026 von GTIF Austria weist für den Bereich Steineck Werte von 4 m/s (100 Meter über Grund) aus. Dies ist für ein großtechnisches Windkraftprojekt als deutlich windschwach zu bewerten und liegt erheblich unter dem in österreichischen Potenzial- und Fördermodellen herangezogenen Bereich wirtschaftlich nutzbarer Windstandorte von etwa 5,5 bis 7,5 m/s. Professor Lazar bewertet den Wert von 4 m/s als „noch zu hoch veranschlagt.“

Als mögliche Ursache einer Fehleinstufung nennt die Mitteilung, dass das Land Steiermark die Windfeldbibliothek Steiermark 2017 herangezogen habe; diese diene in erster Linie dazu, die Ausbreitung von Luftschadstoffen und Geruchseinwirkungen zu simulieren, nicht primär zur Beurteilung von Windenergiepotenzial.

Zivilflugplatz Leoben-Timmersdorf: „Wesentlicher Mangel der Standortbeurteilung“

Der Flugplatz Leoben-Timmersdorf, ein regional stark frequentiertes Zentrum für Motor- und Segelflug, weist in seiner Einwendung an das Land Steiermark darauf hin, dass der Alpine-Sportflieger-Club Leoben nach deren Kenntnisstand bisher nicht eingebunden wurde. Es habe keine fachliche Abstimmung über Motorflug, Segelflug, Platzrunde, Ausklinkbereiche für den Segelflug, Sicherheitsabstände, Ausweichräume, Notverfahren oder mögliche Auswirkungen auf die Wohnbevölkerung stattgefunden. Dies stellt aus ihrer Sicht einen wesentlichen Mangel der Standortbeurteilung dar. Als konkrete Einwände werden unter anderem Lärm- und Sicherheitskonflikte, erhöhte Flugzeiten, eine unzureichende Grundlage für die raumordnerische Eignung sowie eine fehlende sicherheitstechnische Bewertung angeführt. Gefordert wird, die Eignungszone Steineck-Kammern aus der Verordnung zu entfernen und den genannten Bereich als Ausschlusszone für Windenergieanlagen festzulegen.

Lebenswertes Liesingtal: „Ausweisung als Eignungszone sachlich nicht tragfähig“

Jürgen Blematl, Sprecher der Initiative „Für ein lebenswertes Liesingtal“, fasst zusammen: „Es ist deutlich belegt, dass der Standort Steineck-Kammern für Windkraft ungeeignet ist – ein hohes regionales Konfliktpotenzial trifft auf ein nach den verfügbaren Daten lediglich geringes Windenergiepotenzial, sodass die Ausweisung als Eignungszone sachlich nicht tragfähig erscheint. Wir hoffen, dass das Land Steiermark die fundierten Einwände sämtlicher betroffener Gemeinden, des Flugplatzes Timmersdorf sowie von Bewohnern, Grundstückseigentümern und Fachexperten anerkennt und keine Windkraftprojekte in diesem ungeeigneten, sensiblen Bereich zulässt.“

Die Zone Steineck-Kammern ist Teil der aktuell zur Begutachtung aufliegenden Novellierung des Sachprogramms Windenergie für die Steiermark. Einsprüche können noch bis 8. Juni 2026 an die Abteilung 13 unter [email protected] übermittelt werden. Die Initiative „Für ein lebenswertes Liesingtal“ sammelt zudem Unterschriften gegen die geplante Eignungszone.

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