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Spritpreisbremse ab April: Nationalrat beschließt neue StVO-Regeln

19. März 2026 um 15:06
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Das österreichische Parlament steht vor einer ereignisreichen Woche mit weitreichenden Entscheidungen für den Alltag der Bürgerinnen und Bürger. Von Montag bis Donnerstag werden im Nationalrat nich...

Das österreichische Parlament steht vor einer ereignisreichen Woche mit weitreichenden Entscheidungen für den Alltag der Bürgerinnen und Bürger. Von Montag bis Donnerstag werden im Nationalrat nicht nur die angekündigte Spritpreisbremse auf den Weg gebracht, sondern auch neue Verkehrsregeln für E-Mopeds und E-Scooter beschlossen. Zusätzlich gibt die neue Bundesregierung ihre erste Erklärung zur Nahost-Krise ab, während wichtige Mediengesetze und Wirtschaftsreformen zur Abstimmung stehen.

Spritpreisbremse kommt ab 1. April – Was Autofahrer wissen müssen

Die von der Regierung angekündigte Spritpreisbremse soll bereits ab 1. April in Kraft treten. Dafür hat die Präsidialkonferenz des Nationalrats einen straffen Zeitplan bestätigt: Am Montag werden die entsprechenden Initiativanträge eingebracht, die sowohl eine Novelle des Preisgesetzes als auch des Mineralölsteuergesetzes umfassen. Bereits am Dienstag um 8:30 Uhr soll das Gesetzespaket im Ausschuss beraten werden, um es für die Beschlussfassung am Mittwoch vorzubereiten.

Das Preisgesetz regelt in Österreich seit 1976 die staatlichen Eingriffsmöglichkeiten bei überhöhten Preisen für lebensnotwendige Güter. Eine Novellierung dieses Gesetzes ermöglicht es der Regierung, direkt in die Preisgestaltung an Tankstellen einzugreifen. Das Mineralölsteuergesetz hingegen bestimmt die Höhe der staatlichen Abgaben auf Kraftstoffe – hier könnten temporäre Steuersenkungen oder Deckelungen implementiert werden.

Um die rechtzeitige Umsetzung zu gewährleisten, ist für Freitag bereits eine Sondersitzung des Bundesrats anberaumt. Dieses zweistufige Gesetzgebungsverfahren zeigt die Dringlichkeit der Maßnahme, mit der die Regierung auf die gestiegenen Kraftstoffpreise reagieren will. Für Pendlerinnen und Pendler, die täglich weite Strecken zurücklegen müssen, könnte diese Entlastung spürbare finanzielle Vorteile bringen.

Internationale Vergleiche bei Spritpreisbremsen

Österreich ist nicht das erste Land, das zu solchen Maßnahmen greift. Deutschland hatte bereits 2022 einen Tankrabatt eingeführt, bei dem die Energiesteuer auf Benzin um 29,55 Cent und auf Diesel um 14,04 Cent pro Liter gesenkt wurde. Die Erfahrungen dort zeigten gemischte Ergebnisse: Während die Preise tatsächlich sanken, wurde kritisiert, dass ein Teil der Entlastung nicht bei den Verbrauchern ankam, sondern von den Mineralölkonzernen einbehalten wurde.

Revolution im Straßenverkehr: Neue Regeln für E-Mopeds und E-Scooter

Parallel zur Spritpreisbremse plant die Regierung eine umfassende Reform der Straßenverkehrsordnung, die insbesondere die zunehmend populären Elektrofahrzeuge betrifft. E-Mopeds, die vor allem von Essenslieferanten intensiv genutzt werden, sollen künftig nicht mehr auf Radwegen fahren dürfen, sondern müssen auf die Fahrbahn wechseln.

Diese Maßnahme reagiert auf die wachsende Kritik von Radfahrern und Fußgängern, die sich durch die schnellen Elektrofahrzeuge auf den Radwegen bedrängt fühlen. E-Mopeds erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h und stellen damit ein erhebliches Sicherheitsrisiko auf den für langsamere Verkehrsteilnehmer konzipierten Wegen dar.

Für E-Scooter kommen ebenfalls strengere Regelungen: Die Fahrzeuge müssen künftig mit Blinkern ausgestattet sein, was die Verkehrssicherheit erheblich verbessern soll. Bisher mussten E-Scooter-Fahrer Richtungsänderungen durch Handzeichen anzeigen, was bei höheren Geschwindigkeiten problematisch sein kann. Eine Helmpflicht wird für alle Fahrerinnen und Fahrer unter 16 Jahren eingeführt – eine Maßnahme, die dem Schutz der jüngsten Verkehrsteilnehmer dient.

Alkoholgrenze wird verschärft

Besonders bedeutsam ist die geplante Senkung der Alkoholgrenze für E-Scooter-Fahrer auf 0,5 Promille. Bisher galt für diese Fahrzeuge die gleiche Regelung wie für Fahrräder, bei denen erst ab 0,8 Promille rechtliche Konsequenzen drohen. Die neue Regelung bringt E-Scooter auf das gleiche Niveau wie Autofahrer und trägt der Tatsache Rechnung, dass diese Fahrzeuge Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h erreichen können.

Diese Verschärfung ist besonders in urbanen Gebieten relevant, wo E-Scooter oft nach dem Besuch von Bars oder Restaurants genutzt werden. Verstöße gegen die neue Alkoholgrenze können künftig mit Führerscheinentzug und hohen Geldstrafen geahndet werden.

Führerscheinprüfung: Härtere Strafen für Schummler

Eine weitere wichtige Neuerung betrifft die Führerscheinprüfung selbst. Das novellierte Führerscheingesetz sieht vor, Betrugsversuche bei der theoretischen oder praktischen Prüfung strenger zu ahnden. Bisher führten Schummeleien meist nur zu einer Wiederholung der Prüfung nach einer Wartezeit. Künftig können längere Sperren verhängt und in schweren Fällen sogar dauerhafte Ausschlüsse von der Führerscheinprüfung ausgesprochen werden.

Diese Verschärfung reagiert auf technische Entwicklungen, die das Schummeln erleichtern: Miniaturkameras, intelligente Uhren oder versteckte Kommunikationsgeräte ermöglichen es Prüflingen, sich unerlaubt Hilfe zu holen. Die neuen Regelungen sollen die Integrität des Prüfungssystems sicherstellen und gewährleisten, dass nur wirklich qualifizierte Fahrer eine Lenkberechtigung erhalten.

Medienlandschaft im Wandel: ORF-Reform und Lockerung des Inseratenverbots

Neben den verkehrspolitischen Themen stehen auch weitreichende Medienreformen auf der Tagesordnung. In Umsetzung des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes werden zwei umfangreiche Medienpakete zur Diskussion gestellt. Ein zentraler Punkt ist die Reform der ORF-Führungsstrukturen, die mehr Transparenz bei der Bestellung des Direktoriums schaffen soll.

Das ORF-Direktorium, bestehend aus Generaldirektor und Programmdirektoren, wird bisher vom ORF-Stiftungsrat gewählt, in dem politische und gesellschaftliche Gruppen vertreten sind. Die geplanten Reformen sollen diesen Prozess transparenter machen und möglicherweise externen Bewerbern bessere Chancen einräumen. Dies ist Teil einer breiteren Diskussion über die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von politischen Einflüssen.

Werbeverbot für Regierungsinserate wird gelockert

Besonders kontrovers diskutiert wird die geplante Lockerung des strikten Werbeverbots für Regierungsinserate. Dieses Verbot war 2021 nach dem Ibiza-Skandal und den Enthüllungen über die missbräuchliche Verwendung von Regierungswerbegeldern eingeführt worden. Die neue Regelung soll es der Regierung wieder ermöglichen, in größerem Umfang Informationskampagnen zu schalten.

Kritiker befürchten eine Rückkehr zu den alten Praktiken, bei denen Regierungsinserate als Belohnung für wohlwollende Berichterstattung verwendet wurden. Befürworter argumentieren hingegen, dass eine transparente Informationspolitik der Regierung legitim und notwendig sei, besonders in Krisenzeiten oder bei wichtigen Reformen.

Wirtschaftsreformen: Frauenquote und erleichterte Börsengänge

Der Justizausschuss empfiehlt eine Erhöhung der Mindestquote für Frauen in Aufsichtsräten börsenotierter Unternehmen von derzeit 30% auf 40%. Diese Maßnahme folgt dem europäischen Trend zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen. Deutschland hat bereits 2015 eine 30%-Quote eingeführt und diese schrittweise erhöht.

In Österreich sind derzeit etwa 320 Unternehmen an der Wiener Börse gelistet, wobei die größten wie OMV, Voestalpine oder Erste Group bereits heute überwiegend die bestehenden Quoten erfüllen. Die Erhöhung auf 40% wird vor allem kleinere börsenotierte Unternehmen vor Herausforderungen stellen, qualifizierte Kandidatinnen zu finden.

Börsengang wird für KMU erleichtert

Parallel dazu soll der europäische "Listing Act" umgesetzt werden, der kleinen und mittleren Unternehmen den Börsengang erleichtern soll. Diese Maßnahmen umfassen vereinfachte Prospektpflichten, reduzierte Berichterstattungsanforderungen und niedrigere Zulassungsgebühren. Ziel ist es, die Attraktivität der öffentlichen Kapitalmärkte zu steigern und Unternehmen alternative Finanzierungswege zu eröffnen.

Österreichische KMU haben bisher selten den Weg an die Börse gewählt, auch weil die regulatorischen Hürden als zu hoch empfunden wurden. Die geplanten Erleichterungen könnten dies ändern und mehr Unternehmen ermutigen, sich über den Kapitalmarkt zu finanzieren.

Bildungsbereich erhält administrative Verstärkung

Eine wichtige Reform betrifft auch das Bildungswesen: Eine Dienstrechtsnovelle für den öffentlichen Dienst bringt zusätzliche Ressourcen für administrative Aufgaben im Schulbereich. Von den bereitgestellten rund 20 Millionen Euro soll ein Großteil den Pflichtschulen zugutekommen.

Konkret soll ein "mittleres Management" eingeführt werden, das die erst kürzlich eingeführten pädagogisch-administrativen Fachkräfte ersetzt. Diese neue Struktur soll nicht nur die Schulleitungen entlasten, sondern auch das Lehrerkollegium von bürokratischen Aufgaben befreien, damit sich die Pädagogen wieder stärker auf ihre Kernaufgabe – das Unterrichten – konzentrieren können.

Die Maßnahme reagiert auf die wachsende administrative Belastung in Schulen, die durch neue Dokumentationspflichten, Qualitätssicherungsmaßnahmen und Berichtspflichten stark zugenommen hat. Lehrer beklagen seit Jahren, dass sie immer mehr Zeit mit Papierkram verbringen müssen, statt sich um ihre Schülerinnen und Schüler zu kümmern.

Nahost-Krise: Erste Regierungserklärung der neuen Koalition

Am Montag um 12 Uhr werden Bundeskanzler Christian Stocker, Vizekanzler Andreas Babler und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ihre erste gemeinsame Regierungserklärung zur aktuellen Krise im Nahen und Mittleren Osten abgeben. Diese Erklärung wird mit Spannung erwartet, da sie erste Einblicke in die außenpolitische Ausrichtung der neuen Regierungskoalition geben wird.

Die Situation im Nahen Osten hat auch direkte Auswirkungen auf Österreich: Steigende Energiepreise, Migrationsbewegungen und sicherheitspolitische Herausforderungen erfordern klare politische Positionierungen. Die anschließende Parlamentsdebatte wird zeigen, wie die verschiedenen Parteien zu den außenpolitischen Herausforderungen stehen.

Weitere parlamentarische Termine im Überblick

Der "kleine Untersuchungsausschuss" zur Überprüfung der NGO-Finanzierung aus Steuermitteln soll seinen Abschlussbericht bis 22. April finalisieren. Dieser Bericht wird am 12. Mai im Rechnungshofausschuss diskutiert und dem Nationalrat im Juni-Plenum vorgelegt. Die Untersuchung war nach Vorwürfen über intransparente Vergabe von Fördergeldern an Nichtregierungsorganisationen eingeleitet worden.

Am 5. Mai findet eine Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus statt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Der diesjährige Fokus liegt auf dem österreichischen Gedenkdienst, der jungen Menschen ermöglicht, ihren Zivildienst in Gedenkstätten und sozialen Einrichtungen im Ausland zu leisten.

Zusätzlich steht die Wahl eines Ersatzmitglieds des Verfassungsgerichtshofes an, sowie die Anhebung der Altersobergrenze für die Eintragung in das Verzeichnis der Notariatskandidaten von 35 auf 50 Jahre – eine Maßnahme, die dem Fachkräftemangel in der Notariatsbranche entgegenwirken soll.

Die kommende Plenarwoche zeigt exemplarisch die Bandbreite parlamentarischer Arbeit: Von der kurzfristigen Krisenreaktion durch die Spritpreisbremse über langfristige Strukturreformen bis hin zur Aufarbeitung der Vergangenheit reichen die Themen, die das politische Wien beschäftigen. Für die Bürgerinnen und Bürger werden besonders die Verkehrsreformen und die Entlastung bei den Kraftstoffpreisen spürbare Auswirkungen haben.

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