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SPÖ-FreiheitskämpferInnen: Gerald Netzl wiedergewählt

12. April 2026 um 08:42
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In einer Zeit, in der Antisemitismus und Rechtsextremismus in Europa wieder verstärkt aufkommen, hat der Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschi...

In einer Zeit, in der Antisemitismus und Rechtsextremismus in Europa wieder verstärkt aufkommen, hat der Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen am Samstag seinen Vorstand neu gewählt. Dr. Gerald Netzl wurde dabei als Vorsitzender bestätigt und wird die Organisation weiterhin im Kampf gegen antidemokratische Tendenzen anführen. Die Wiederwahl erfolgte im Rahmen der Bundeskonferenz, bei der auch hochrangige Gäste aus Politik und Wissenschaft anwesend waren.

Kontinuität in der Führung der FreiheitskämpferInnen

Dr. Gerald Netzl, der das Amt des Vorsitzenden bereits seit 2022 innehat, wurde für eine weitere Amtsperiode bestätigt. Die Entscheidung fiel in der Bundeskonferenz der Organisation, die sich als wichtige Säule im Kampf gegen Faschismus und für die Bewahrung der demokratischen Werte in Österreich versteht. Der neue Bundesvorstand setzt sich aus Vertretern der neun Landesverbände zusammen und spiegelt damit die föderale Struktur Österreichs wider.

Die FreiheitskämpferInnen sind eine traditionsreiche Organisation innerhalb der SPÖ, die ihre Wurzeln in der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus hat. Gegründet wurden sie bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit, um das Andenken an die Opfer des Faschismus zu bewahren und gleichzeitig aktiv gegen neue antidemokratische Bestrebungen zu kämpfen. Heute zählt die Organisation mehrere tausend Mitglieder in ganz Österreich.

Historische Entwicklung und Bedeutung

Der Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen entstand aus dem Bedürfnis heraus, die Erinnerung an den Widerstand gegen das NS-Regime wachzuhalten und die Lehren aus dieser dunklen Periode der österreichischen Geschichte für künftige Generationen zu bewahren. Die Organisation vereint drei wichtige Gruppen: ehemalige WiderstandskämpferInnen gegen den Faschismus, Opfer des nationalsozialistischen Regimes und aktive AntifaschistInnen der Gegenwart.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg konzentrierte sich die Arbeit der FreiheitskämpferInnen hauptsächlich auf die Betreuung von NS-Opfern und deren Angehörigen sowie auf die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Mit der Zeit wandelte sich jedoch auch die Aufgabenstellung: Während die Zahl der direkten Zeitzeugen stetig abnimmt, gewinnt die präventive Arbeit gegen neue Formen von Extremismus und Antisemitismus an Bedeutung.

Die Organisation hat sich dabei stets als überparteiliche Kraft verstanden, auch wenn sie organisatorisch der SPÖ zugehört. Ihre Arbeit erstreckt sich auf Bildungsveranstaltungen, Gedenkfeiern, die Betreuung von Denkmälern und Gedenkstätten sowie auf politische Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Besonders in Schulen und Jugendeinrichtungen sind die FreiheitskämpferInnen aktiv, um junge Menschen über die Gefahren extremistischer Ideologien aufzuklären.

Aktuelle Herausforderungen in der Gesellschaft

Die Wiederwahl Netzls erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die FreiheitskämpferInnen neuen gesellschaftlichen Herausforderungen gegenübersehen. Antisemitismus und Rechtsextremismus erleben in vielen europäischen Ländern, einschließlich Österreich, eine besorgniserregende Renaissance. Studien des Innenministeriums zeigen, dass antisemitische Vorfälle in Österreich in den vergangenen Jahren zugenommen haben, wobei sowohl physische Übergriffe als auch Hasspostings im Internet registriert wurden.

Rechtsextremistische Gruppierungen nutzen verstärkt soziale Medien und Online-Plattformen, um ihre Ideologien zu verbreiten und neue Anhänger zu rekrutieren. Dabei bedienen sie sich oft kodierter Sprache und scheinbar harmloser Symbole, um ihre wahren Absichten zu verschleiern. Die FreiheitskämpferInnen sehen es als ihre Aufgabe, diese neuen Formen der Radikalisierung zu erkennen und dagegen anzugehen.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass extremistische Ideologien zunehmend in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Verschwörungstheorien, die während der Corona-Pandemie verstärkt kursierten, haben den Nährboden für antisemitische und demokratiefeindliche Einstellungen bereitet. Die FreiheitskämpferInnen sehen hier eine ihrer wichtigsten Aufgaben: die Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu intensivieren, um Menschen gegen solche Narrative zu immunisieren.

Round Table mit prominenten Gästen

Ein inhaltlicher Höhepunkt der Bundeskonferenz war ein Round Table mit drei prominenten Persönlichkeiten aus Politik, Gewerkschaftswesen und Wissenschaft. AK-Präsidentin Renate Anderl, SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur und Nationalratsabgeordnete Sabine Schatz sowie DÖW-Leiter Andreas Kranebitter diskutierten über aktuelle Herausforderungen im Kampf gegen Extremismus und die Bedeutung der Erinnerungskultur.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), das Andreas Kranebitter leitet, spielt eine zentrale Rolle bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Zeit und der Dokumentation aktueller extremistischer Aktivitäten. Die Institution, die 1963 gegründet wurde, verfügt über umfangreiche Archive und Sammlungen, die sowohl Forschern als auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sind. Kraenebittersee Expertise ist besonders wertvoll, da das DÖW nicht nur historische Forschung betreibt, sondern auch aktuelle Entwicklungen im Bereich Rechtsextremismus und Antisemitismus beobachtet und dokumentiert.

Ehrungen und Auszeichnungen

Im Rahmen der Konferenz wurde auch die höchste Auszeichnung der FreiheitskämpferInnen, die Otto-Bauer-Plakette, verliehen. Diese Ehre wurde AK-Präsidentin Renate Anderl und dem ehemaligen DÖW-Leiter Gerhard Baumgartner zuteil. Die Auszeichnung trägt den Namen Otto Bauers, eines der bedeutendsten Theoretiker der österreichischen Sozialdemokratie und führenden Politikers der Ersten Republik.

Otto Bauer (1881-1938) war nicht nur ein wichtiger politischer Denker, sondern auch ein entschiedener Gegner des aufkommenden Faschismus. Nach dem Februar 1934 ging er ins Exil und setzte von dort aus seinen Kampf gegen das Dollfuß-Schuschnigg-Regime fort. Seine theoretischen Arbeiten zur Nationalismusfrage und zum Austromarxismus prägten die sozialdemokratische Bewegung weit über Österreichs Grenzen hinaus. Die nach ihm benannte Plakette wird nur an Personen verliehen, die sich in besonderem Maße um den Kampf gegen Faschismus und für demokratische Werte verdient gemacht haben.

Renate Anderl erhielt die Auszeichnung nicht nur in ihrer Funktion als AK-Präsidentin, sondern auch für ihr langjähriges Engagement in der Erinnerungskultur und im Kampf gegen Diskriminierung. Als erste Frau an der Spitze der Arbeiterkammer Wien hat sie sich stets für die Rechte von Arbeitnehmern eingesetzt und dabei auch immer wieder auf die historischen Wurzeln der Arbeiterrechte-Bewegung verwiesen.

Internationale Vergleiche und Entwicklungen

Die Herausforderungen, denen sich die österreichischen FreiheitskämpferInnen gegenübersehen, sind nicht einzigartig. In Deutschland kämpft die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) mit ähnlichen Problemen. Auch dort ist ein Anstieg rechtsextremistischer Aktivitäten zu verzeichnen, der sich in Wahlerfolgen der Alternative für Deutschland (AfD) und in einer Zunahme antisemitischer Vorfälle manifestiert.

In der Schweiz widmet sich die Organisation der Schweizer Antifaschisten ähnlichen Aufgaben, wobei dort die Herausforderungen etwas anders gelagert sind. Die Schweiz war während des Zweiten Weltkriegs nicht besetzt, hatte aber dennoch mit Kollaboration und antisemitischen Tendenzen zu kämpfen. Die dortige Erinnerungskultur konzentriert sich stärker auf die Rolle der Schweiz als Zufluchtsort, aber auch auf die problematischen Aspekte der Flüchtlingspolitik während der Kriegsjahre.

In allen drei Ländern zeigt sich ein ähnliches Muster: Die direkten Zeitzeugen der NS-Zeit werden immer weniger, während gleichzeitig neue Formen von Extremismus und Antisemitismus entstehen. Dies erfordert eine Anpassung der Strategien im Kampf gegen diese Phänomene. Während früher die persönlichen Berichte von Überlebenden im Mittelpunkt standen, müssen heute verstärkt mediale und digitale Ansätze entwickelt werden.

Auswirkungen auf die österreichische Gesellschaft

Die Arbeit der FreiheitskämpferInnen hat direkte Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der österreichischen Gesellschaft. Im Bildungsbereich kooperiert die Organisation eng mit Schulen, um Geschichtsunterricht zu ergänzen und Jugendliche über die Gefahren extremistischer Ideologien aufzuklären. Diese Präventionsarbeit ist besonders wichtig, da Studien zeigen, dass antisemitische und rassistische Einstellungen oft bereits im Jugendalter entstehen.

Konkrete Beispiele für die Auswirkungen dieser Arbeit zeigen sich in verschiedenen Projekten: So organisieren die FreiheitskämpferInnen regelmäßig Gedenkveranstaltungen an historisch bedeutsamen Orten wie dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen oder dem Wiener Zentralfriedhof, wo Opfer des Faschismus begraben liegen. Diese Veranstaltungen dienen nicht nur dem Gedenken, sondern auch der politischen Bildung.

Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Arbeit der Organisation konkret, dass sie Anlaufstellen haben, wenn sie mit extremistischen Umtrieben oder antisemitischen Vorfällen konfrontiert werden. Die FreiheitskämpferInnen arbeiten eng mit Behörden und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, um ein Netzwerk gegen Extremismus aufzubauen. Dies kann von der Beratung bei Hasscrime-Vorfällen bis hin zur Unterstützung bei der Organisation von Counter-Protesten gegen rechtsextremistische Aufmärsche reichen.

Rolle innerhalb der SPÖ

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim war als Gast bei der Konferenz anwesend und betonte in seiner Rede die Bedeutung der FreiheitskämpferInnen sowohl innerhalb der Sozialdemokratie als auch für das gesamte Land. Die Organisation fungiert als Gewissen der Partei, wenn es um die Bewahrung antifaschistischer Werte geht. In einer Zeit, in der auch etablierte Parteien mit populistischen Versuchungen konfrontiert sind, erinnern die FreiheitskämpferInnen an die historischen Wurzeln und Werte der Sozialdemokratie.

Die enge Verbindung zur SPÖ bedeutet jedoch nicht, dass die FreiheitskämpferInnen parteipolitisch instrumentalisiert werden. Vielmehr verstehen sie sich als überparteiliche Kraft im Kampf gegen Extremismus, die durchaus auch andere demokratische Parteien unterstützt, wenn es um antifaschistische Positionen geht. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Institutionen wider, die nicht der SPÖ nahestehen.

Zukunftsperspektiven und Herausforderungen

Die kommenden Jahre werden für die FreiheitskämpferInnen unter Gerald Netzls Führung von mehreren zentralen Herausforderungen geprägt sein. Eine der wichtigsten Aufgaben wird die Digitalisierung der Erinnerungsarbeit sein. Da traditionelle Formen der Geschichtsvermittlung, wie Zeitzeugengespräche, immer seltener möglich werden, müssen neue, innovative Ansätze entwickelt werden. Virtual-Reality-Anwendungen, die es ermöglichen, historische Orte zu besuchen, oder interaktive Online-Plattformen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

Gleichzeitig muss die Organisation ihre Strategien im Kampf gegen Online-Radikalisierung weiterentwickeln. Rechtsextremistische Gruppen nutzen zunehmend verschlüsselte Messaging-Dienste und private Foren, um ihre Ideologien zu verbreiten. Die FreiheitskämpferInnen werden ihre Expertise in diesem Bereich ausbauen müssen, um effektiv gegen diese neuen Formen der Radikalisierung vorzugehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die internationale Vernetzung. Extremistische Bewegungen agieren heute global und nutzen internationale Netzwerke zur Koordination ihrer Aktivitäten. Die FreiheitskämpferInnen werden ihre Zusammenarbeit mit ähnlichen Organisationen in anderen Ländern intensivieren müssen, um dieser Herausforderung zu begegnen. Dies könnte gemeinsame Projekte, den Austausch von Best Practices oder koordinierte Kampagnen umfassen.

Die Organisation steht auch vor der Herausforderung, jüngere Generationen für ihre Arbeit zu gewinnen. Während die Gründungsgeneration der FreiheitskämpferInnen durch persönliche Erfahrungen mit Faschismus und Krieg motiviert war, müssen heute andere Ansätze gefunden werden, um junge Menschen zu mobilisieren. Dies erfordert möglicherweise eine Modernisierung der Kommunikationsstrategien und eine Anpassung an veränderte gesellschaftliche Realitäten.

Konkrete Maßnahmen und Projekte

Unter Netzls Führung plant die Organisation verschiedene konkrete Projekte für die kommende Amtsperiode. Dazu gehört die Entwicklung einer umfassenden Online-Plattform, die als zentrale Anlaufstelle für Informationen über Extremismus und Antisemitismus dienen soll. Diese Plattform soll sowohl für Bildungseinrichtungen als auch für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich sein und regelmäßig aktualisierte Informationen über aktuelle Entwicklungen bereitstellen.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Erstellung eines umfassenden Handbuchs für den Umgang mit extremistischen Vorfällen in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Lehrer und Pädagogen sollen dabei unterstützt werden, frühzeitig Anzeichen von Radikalisierung zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Das Handbuch wird in Zusammenarbeit mit Experten aus Psychologie, Pädagogik und Sicherheitsbehörden entwickelt.

Darüber hinaus plant die Organisation die Intensivierung ihrer Kooperation mit Migrantenorganisationen. Da antisemitische und extremistische Tendenzen teilweise auch in Migrantengemeinschaften auftreten, ist es wichtig, auch dort Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten. Gleichzeitig sollen Migranten, die selbst Opfer extremistischer Angriffe werden, besser unterstützt werden.

Die FreiheitskämpferInnen werden unter Netzls Führung ihre Rolle als Mahner und Aufklärer in einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung weiter ausbauen. Der Slogan "Niemals vergessen – Wachsam bleiben gegen Rechts" wird dabei nicht nur ein Motto bleiben, sondern sich in konkreten Aktionen und Projekten manifestieren, die dazu beitragen sollen, Österreich als demokratische und offene Gesellschaft zu bewahren.

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